Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Bei der nächsten Laufveranstaltung der LG Ultralauf stehen ab sofort die Ausschreibungen und die Anmeldungen zur Verfügung.

Je nachdem, wie viel Zeit und welche Interessen ihr habt, stehen euch drei Optionen zur Verfügung.

Im Kern steht der HOMAS am 10.4.2021. Ort des Geschehens ist Langscheid (Sundern) im Sauerland.


HOMAS Logo660

Falls ihr einen netten, kurzer Ultra laufen wollt. Etwa 46 km, schöne, flache, schnelle Strecke, 3 Runden um den Sorpesee mit 2 Versorgungspunkten pro Runde, guter Zielverpflegung, Eintrag in die DUV-Statistik.

Startnumernausgabe: 8 Uhr, Start 9 Uhr, Siegerehrung 14 Uhr, Zielschluss 15 Uhr.


Kotinos

Mehr noch als der griechisch klingende Name der Veranstaltung deutet der Langname "Historischer Marathon am Sorpesee" an, dass es sich hier um eine besondere, historische Veranstaltung handelt. denn in der Tat findet er in Erinnerung an den ersten Marathon statt, der genau am 10.4.1896 bei den ersten olympischen Spielen der Neuzeit stattfand. 

Daher gewinnen die Sieger auch keinen Pokal, sondern einen Kotinos, den auch damals die Olympiagewinner bekamen.

Wer mehr über die Historie des Marathonlaufes, von Olympia und dem Spartathlon erfahren möchte und einen Tag Laufseminar miterleben möchte, bucht das "Paket Olympia". Es enthält zwei weitere Vorträge. Nach aktuellem Stand der Planung betrifft das Erste Hilfe und Ernährung. Das Paket schließt eine Übernachtung im Veranstaltungshotel in Langscheid und ein Auslaufen mit Athletikübungen am Sonntag mit ein.


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Wer das "ganze Programm" mitnehmen möchte, kann sich zum Laufseminar anmelden, dass bereits am Donnerstagnachmittag beginnt und am Sonntagmittag endet.

Das Laufseminar nennt sich "Grundlagen Ultramarathon & Trailrunning" ist aber für Läuferinnen und Läufer jeden Alters und jeder Leistungsklasse geeignet. Aber insbesondere für die, die als Autodidakten sich auf Ultraläufe vorbereiten.

Ihr lernt viel über Training kennen und in then theoretischen und praktischen Programmpunkten kommt der Spaß nicht zu kurz. Die Teilnahme an dem HOMAS ist enthalten, wer die 3 Runden nicht schafft oder nicht möchte, kann natürlich auch weniger Runden laufen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen sowie die verschiedenen Anmeldemöglichkeiten findet ihr auf der linken Seite unserer Homepage unter Veranstaltungen. Startseite Laufseminar, Startseite HOMAS und Olympia

Bilder: Logo Homas: LGU auf Basis eines Bildes von Wikimedia, Kontinos: Wikimedia, Logo Laufseminar, LGU auf Basis eines Bildes vom Bildungszentrum (Das ist übrigens der Blick von der Terasse.

Text: Michael Irrgang, 25.11.2020

Text: Michael Irrgang, Bild: Buchcover: Uli Schiffgen , 16.11.2020

Als passionierter 24h-Läufer war ich schon mächtig neugierig auf einen Thriller, dessen Handlung sich überwiegend während eines 24h-Laufes abspielt. Klar gibt es bei so einem Lauf Dramen und nach durchschrittenen Tiefs fabelhafte Wiedergeburten, aber eignet sich der Rahmen auch für Mord, Totschlag, Intrigen und Beziehungsstress? Alleine der Buchtitel „London Ultramarathon“ verpflichtet ja schon fast zum Lesen und so passierte es, dass ich einen wunderschönen Herbsttag auf dem Sofa verbrachte, unterbrochen durch kurze Essenspausen.

london ultramarathonHinter dem Autor Finn Crawley verbirgt sich der Läufer Uli Schiffgen, dessen Frau Steffi nicht nur an unserer 24h-Meisterschaft 2018 in Bottrop sehr erfolgreich teilnahm, sondern auch im Jahre 2016 bei dem vom Sri Chinmoy-Verein organisierten 24h-Bahnlauf im Londoner Stadtteil Tooting, der Uli zu diesem Thriller inspirierte.

Auf den ersten Seiten werden einige der Hauptpersonen kurz vorgestellt. Steward, der unter falschem Namen lebt und Personenschutz genießt, die sich liebenden Fiona und Kim, beide Polizistinnen, die eine auf dem Wege zu ihrem ersten 24er, die andere als ihre Betreuerin sowie die Ärztin Elena, die nach einer unfreiwilligen Nachtschicht müde und unzufrieden anreist.

Der Thriller beginnt morgens mit der Anreise der Protagonisten und schnell erscheinen einem die Personen sympathisch oder nicht. Die Anspannung vor dem Rennen und das Kennenlernen der Läufer und Betreuer übertragen sich rasch auf den Leser und recht zügig ist das Rennen gestartet und der Spannungsbogen hoch.

Es werden immer mal wieder Bausteine aus der Vergangenheit erzählt und so erfährt man nach und nach, was Steward in der Vergangenheit angestellt hat und dass es sein sehnlichster Wunsch ist, hier und heute wieder sein altes Leben zurückzubekommen. Ein kauziger Läufer äußert eine Prophezeiung, dass hier heute ein großes Unglück passieren würde und man ahnt schon, dass bei diesem Rennen und am Rande der Veranstaltung nicht jeder Plan gelingt. Kims Vater, ein etwas in die Jahre gekommener Polizist, erscheint und interessiert sich aufmerksam für alles, außer für den Wettkampf.

Beim Wettkampf ist natürlich nur das Frauenrennen wichtig. Weil die herzensgute Elena sich so viel vorgenommen hat, dann allerdings recht früh auf die Bahnmarkierung tritt und umknickt und außerdem ihre große Rivalin Sue ihr zunächst demütigend davonrennt. Und dann ist da noch die unsympathische Ex-Olympionikin Ann, deren Betreuer sie gerne scheitern sehen würden. Natürlich kann man auch das Rennen von Fiona aufmerksam verfolgen und ab und zu taucht die wirkliche Steffi auf, die in bester Alfred Hitchcock-Tradition unauffällig mehrmals genannt wird. Wer schon einmal bei einem Sri Chinmoy-Rennen teilgenommen hat, kennt die Rundenzähler, die Anzeigetafel, die engagierten Helfer an der Verpflegung und im medizinischen Dienst sowie die Atmosphäre in der Nacht, am Morgen und der letzten Stunden. Das ist alles schon sehr aufmerksam beobachtet und gut beschreiben. Und bevor die Handlung abflacht, lässt der Autor den eifersüchtigen und gewaltbereiten Ex-Mann von Fiona auftauchen und für Randale sorgen.

London Ultra

Doch den vorläufigen Höhepunkt erfährt das Buch, bzw. das Rennen in den letzten Stunden, in denen die böse Sue auf einmal in einem anderen Licht erscheint, Elena einen befreienden Wandel durchmacht und der Plan von Steward angedeutet wird, von dem er zwar sehr viel hält, der aber gründlich schiefgeht. In dieser Phase gibt es einige Überraschungen und ein paar Mordversuche, die überwiegend misslingen. Das trifft die Guten wie die Bösen und ist wirklich sehr spannend. Dann könnte das Buch eigentlich mit einem Happy-End enden – tut es aber nicht, denn es folgen noch ein paar heiße und eisige Gefühlsduschen.

Insgesamt war es ein sehr kurzweiliger Tag auf dem Sofa mit dem schönen Buch, dass ich wirklich guten Gewissens empfehlen kann; für Läufer und Nicht-Läufer.

 

Text: Michael Irrgang, Bernd Müller (Gmünder Tagespost), Fotos: Michael Irrgang, Walter Hösch, 31.10.2020

Ende Oktober findet in Schwäbisch Gmünd jährlich der 50 km-Albmarathon statt, der uns von 2017 noch in sehr guter Erinnerung geblieben ist, als dort die 50km Meisterschaft ausgetragen wurde und viele Vereinsmitglieder teilnahmen. Zum Bericht

Dieses Jahr gab es eine virtuelle Austragung, bei der man innerhalb von 3 Wochen die Auswahl zwischen 4 Streckenlängen hatte. Ob man das auch an einem Tag schafft, fragte sich Walter Hösch und die Planungen begannen. Nachdem der Plan feststand suchte er Kontakt zur lokalen Presse und so entstand ein Vorbericht von seiner Absicht und ein Bericht von dem Tag. Beide Artikel stellte Walter mit Einverständnis des Autors zur Verfügung.

„Das fängt immer im Kopf an“

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Walter bei der 100km DM in Kandel 2019 (Bild: Michael Irrgang)

Wenn am Samstag der 30. Schwäbische Albmarathon als Jeder-läuft-für-sich-Wettbewerb beginnt, wird Walter Hösch um 6 Uhr starten - weil er sich knapp 100 Kilometer vorgenommen hat. Von Bernd Müller
Walter Hösch macht aus weniger mehr: Der Schwäbische Albmarathon fällt in seiner virtuellen Version 2020 kleiner aus als sonst, doch der Sportler der SG Bettringen hat einen großen Plan: Er will am Samstag alle vier Albmarathon-Strecken hintereinander laufen. Erst 5, dann 10, dann 50, dann 25 Kilometer. Macht knapp 100 Kilometer an einem Tag. Im Interview erzählt der Ultraläufer, wie er das anpacken will.
Herr Hösch, wo hat Ihr Lauf-Abenteuer seinen Anfang? Das fängt immer im Kopf an. Die 50 Kilometer des Albmarathon stehen jedes Jahr bei mir auf dem Programm. Die anderen Strecken bin ich selber nie gelaufen, man muss sich ja immer für eine entscheiden.

Also haben Sie jetzt die Gunst des virtuellen Formats genutzt? Richtig. Diesmal die 50 Kilometer zu laufen, da war ein bisschen der Reiz weg. Das ist, wenn man alleine unterwegs ist, wie ein Trainingslauf, wie ich ihn drei-, viermal pro Jahr auf der Strecke ohnehin mache.

Und mit Ihrem Vier-auf-einen-Streich-Plan ist der Reiz wieder da? Ab 6 Uhr zuerst die 5 Kilometer, danach die 10, darauf die 50 Kilometer und zum Schluss die 25 zu laufen und damit das Ziel auf dem Rechberg vor 18 Uhr zu erreichen – das ist, glaube ich, ein sportliches Ziel in zwölf Stunden. Da werde ich nicht so viel Luft haben.

Also sind ausführliche Pausen zum Essen und Trinken nicht drin: Wie halten Sie es eigentlich damit, diesmal wird es unterwegs ja keine Verpflegungsstände geben? Ich bin voll auf mich allein gestellt; auf die langen Strecken werde ich sicher einen Laufrucksack mitnehmen. Was ich brauche, deponiere ich im Auto, das stelle ich in der Nähe des Ziels in der Schwerzerallee ab.

Startnummer tauschen dürfen Sie auch nicht vergessen. Das ist der Plan, und man muss ja die Strecke auch aufzeichnen. Da sollte ich wohl noch ein Powerpack für genug Akku-Kapazität dabeihaben. Es kann auch sein, dass ich mal etwas anderes anziehe.

Gilt das auch für die Laufschuhe? Die wechsle ich auf jeden Fall. Für den Fünfer und Zehner nehme ich einen Straßenlaufschuh, weil die Läufe ja hauptsächlich auf Asphalt sind, für die Strecken über die Alb werde ich einen etwas stabileren Schuh nehmen.

Sie starten gleich am Samstag, dem ersten Tag des Drei-Wochen-Zeitfensters. Wie sieht Ihr ideales Laufwetter aus? So um die 10 bis 12 Grad, bewölkt, es kann auch ein bisschen nieseln. Das könnte hinhauen am Samstag.

Sie wollen um 6 Uhr in Gmünd starten, da ist es ja noch dunkel. Nicht schlimm, ich werde einfach mit Stirnlampe laufen.

Am Abend, kurz vor der Dämmerung, soll auf dem Rechberg Ihr letzter Zieleinlauf sein. Wartet da dann ein kleines Empfangskomitee auf Sie aus Familie oder Freunden? Nein, ich mache das als Solo-Projekt. Zum Schluss, je nachdem, wie gut ich daherkomme, werde ich wohl, so zum Auslaufen, übers Hölltal nach Gmünd zurückkehren.

Auch in der Ultralaufszene ist viel ausgefallen im Corona-Jahr. Was hätten Sie denn sonst gemacht 2020? Ich wäre zum ersten Mal bei einer WM gestartet, im 100-Kilometer-Straßenlauf in meiner Altersklasse M 60. Ich war angemeldet, hatte einen Startplatz, da war ich schon enttäuscht, als die Absage kam.

Ist der Albmarathon-Vierer nun also Ihr Saisonhöhepunkt? Mal sehen. Ich habe noch eine Idee für etwas Längeres, das ich noch nie gemacht habe. Aber jetzt muss ich erst mal den Albmarathon bewältigen.

 

Die verrückte Idee aus der Zeitung

Walter1Laufsport Am ersten Albmarathon-Wochenende sind rund 150 Läuferinnen und Läufer unterwegs gewesen – zwei Vierfach-Starter waren erfolgreich: Marc Slonek und Walter Hösch. Von Bernd Müller
Samstagmorgen, 5.50 Uhr, vor der Großsporthalle in Gmünd: Zwei Menschen in Laufkleidung stehen sich in der Dunkelheit gegenüber, der eine stellt sich dem anderen vor: Marc Slonek aus Aalen begrüßt den Gmünder Walter Hösch – dessentwegen er hier steht.
„Der Artikel in der SchwäPo über Walter Höschs Plan hatte mich inspiriert“, sagt der Aalener. Die „völlig verrückte Idee“, von der ihm zuerst ein Kollege erzählt hatte, wollte Slonek auch zu verwirklichen versuchen: alle vier Albmarathonstrecken an einem Tag hintereinander laufen, die 5 Kilometer, die 10, die 50 Kilometer und zum Schluss den 25-Kilometer-Rechberglauf.
Um sechs Uhr laufen die beiden los, zehn Kilometer gemeinsam. Slonek absolviert die Wertung des Zehners, Hösch den Fünf-Kilometerlauf samt (ungewertetem) Rückweg. Dann trennen sich die Wege. „Es war klar, dass da jeder sein eigenes Rennen laufen muss“, sagt Hösch, der Slonek gar nicht als Konkurrenz empfand: „Mich hat das gefreut“, sagt er.
Nach dem Frühstart der zwei Ultraläufer kam der erste virtuell ausgetragene Albmarathon dann so richtig in Gang. „Rund 150 waren am Wochenende auf den Strecken unterwegs, damit sind wir sehr zufrieden“, bilanziert Mitveranstalter Tim Schwarzkopf das erste Lauf-Wochenende. Am beliebtesten war die Strecke des 25-Kilometer-Rechberglaufs, den etwa die Hälfte der Starter anpackten. Auf den kurzen Strecken war dagegen noch wenig los. „Ich könnte mir vorstellen, dass die auch häufiger unter der Woche angegangen werden“, sagt Schwarzkopf. Dass weitergelaufen wird im Drei-Wochen-Zeitraum, ist sicher: 150 weitere Anmelder stehen auf der Liste der Macher der DJK Gmünd.

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Walter Hösch und Marc Slonek sind woanders aufgelistet: bei den Ergebnissen. Alle beide haben ihren Vier-an-einem-Tag-Lauf geschafft. Mit etwas unterschiedlicher Taktik: Der 45-jährige Slonek hat vom Ziel des Fünf-Kilometer-Laufs ein Taxi zurück nach Gmünd genommen, nach dem Zieleinlauf auf dem Rechberg ist er mit dem Bus zurück nach Gmünd gefahren. Der ÖPNV wirkte motivierend: „Ich wollte den Bus um 18.50 Uhr kriegen ...“, erzählt Slonek. Um 18.35 Uhr war er im Ziel, mit 90 Kilometern und rund 2000 Höhenmetern in den Beinen. Walter Hösch war um 17.39 Uhr auf dem Rechberg, danach ist er noch sieben Kilometer in die Stadt gelaufen. „Locker gejoggt, aber auch einige Mal gewalkt – ich wollte einfach runterfahren.“ Am Ende standen 107 Kilometer auf dem Tacho, und Slonek sagt: „Meinen größten Respekt vor seiner Leistung.“ Trotzdem war da auch Genuss, wie er zum Marathon über die herbstliche Alb seit jeher gehört: Walter2„Es war eine tolle Atmosphäre, wie morgens die Sonne aufging und die Nebelfetzen in der Landschaft hingen“, sagt Hösch.
Mal sehen, ob Hösch und Slonek in den kommenden drei Wochen weitere XXL-Läufer inspirieren. Mehrfachstarter wird es auf jeden Fall weitere geben. Schwarzkopf: „Wir haben schon einige Wiederholungstäter unter den Angemeldeten ausgemacht.“
Der 30. Schwäbische Albmarathon dauert noch an bis zum 15. November, in den drei Wochen können die verschiedenen Strecken beliebig oft absolviert werden. Die Strecken sind markiert, jede Startnummer enthält einen Zeitmesschip, der Start- und Zielbereich ist in der Schwerzerallee. Alle Läuferinnen und Läufer sollten trotz Zeitnahme ihren Lauf noch per GPS-Daten dokumentieren. Die offizielle Siegerehrung ist am 18. November in der Hauptstelle der Kreissparkasse Ostalb.
Die Auswahl an Strecken: der 5-Kilometer-Lauf, die 10-Kilometer-Distanz, der 25-Kilometer-Rechberglauf und die große Runde, der 50 Kilometer lange Sparkassen-Albmarathon. Außerdem der Teamlauf über 50 Kilometer.

 

Text und Bild: Michael 27.10.2020, Galerien von Cathrin Haake, Manfred Huppka und Michael Irrgang

Anbei einige Bilder von unserer Veranstaltung "Frankfurter Grüngürtel Ultra" am 17.10.2020.

Manfred Foto

"Unser Fotograph" Manfred Huppka fotographierte die allermeisten Teilnehmer bei ihrem Zieleinlauf. Vielen Dank dafür!

Ihr könnt die Bilder gerne für private Zwecke verwenden, bitte die Quelle und den Urheber angeben.

Bilder von Cathrin Haake:

Bilder von Manfred Huppka:

Bilder von Michael Irrgang:

Text und Bilder ohne Bildherkunft: Andreas Häußler, Logo: LG Ultralauf

Es ist Samstag 03:30 und ich bin hellwach. Der Wecker hätte erst um 04:00 geklingelt, aber es bedurfte ihn offenbar nicht, denn ein außergewöhnliches Ereignis stand an, der mir trotz ausklingendem Urlaub wichtiger war als Schlaf, nämlich ein echter Laufwettkampf.

Logo FGGU WivoDie LG Ultralauf lud zum Frankfurter Grüngürtelultra („FGGU“) und für Kerstin Conrad und mich sollte es ein schöner Abschluss des Urlaubs werden. In der Tat ist seit dem Bonner BrückenQualitätsultra („BBQU“) – der war ja auch vom Verein im Rahmen eines Trainingswochenendes ausgerichtet und immerhin vor Corona – und dem Kölner Grüngürtel-Pendant in diesem Jahr kein weiterer Streckenwettkampf in diesem Jahr auf meiner DUV-Liste zu verzeichnen.

Viel wettkampfmäßig gelaufen bin ich dieses Jahr also nicht, und „privat“ bin ich hauptsächlich längere Strecken ohne Ambition, schnell zu sein, gelaufen. Auch mein aus Italien mitgebrachtes „Wettkampfgewicht“ ist derzeit nicht bestzeitfähig, aber egal: Die Vorfreude darauf, eine Startnummer tragen zu dürfen und auf Zeit zu laufen war riesig. Mal schauen, was geht!

Ich holte Kerstin zeitig ab und wir hatten uns auf der Fahrt reichlich zu erzählen. Sie wollte vor allem mit Spaß, verletzungs- und schmerzfrei über die komplette Strecke kommen und freute sich genauso wie ich auf den Lauf.

Dass er überhaupt stattfinden konnte, war ja in den Zeiten drohender Ausgangsbeschränkungen trotz Hygienekonzept keine Selbstverständlichkeit und im Nachhinein betrachtet auch äußerst knapp – aber man darf ja auch mal Glück haben. Und Laufen mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ist ja durchaus ein Quell der Gesundheit, das sagen auch Virologen.

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Erinnerungen an den FGGU - die Medaille gab es natürlich erst im Ziel

So trafen dann nach und nach an der „Batterie“ in Frankfurt-Höchst Vereinskamerad*innen und andere bekannte Läufer*innen ein, die wir uns auch maskiert noch wiedererkannten und wir standen bei Michael Irrgang am Zelt für unsere Startnummer an, „fast wie immer“.

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Auf der Fähre - mit Maske

Der eigentliche Start war auf der anderen Seite des Mains, wir fuhren mit drei Fährfuhren über und starteten nach kurzer Einweisung vom Renndirektor Klaus Haake pünktlich um 08:40, 08:50 und 09:00, erst diejenigen, die sich wie Kerstin etwas mehr Zeit nehmen wollten, dann diejenigen, die sich etwas weniger Zeit nehmen wollten - da sortierte ich mich ein - und zum Schluss die Schnellen. So wurde das Teilnehmerfeld auch noch einmal etwas immunologisch günstig auseinandergezerrt, um es dafür aber im Verlauf des Rennens an den VPs wieder zusammenzuführen.

Ich kannte den Frankfurter Grüngürtel noch nicht und stellte mir nach Kartenstudium einen recht flachen Lauf mit unterschiedlichen Wegbeschaffenheiten vor. Zu Beginn war es auch genauso, ich ließ mich erst mal ein paar Kilometer von den Flotten ziehen, denen ich dafür manchmal den Weg zeigen durfte, denn nicht alle Teilnehmer waren es offenbar gewohnt, dass es von breiten Kieswegen auch mal abrupt in schmale Wald- und Wiesentrails abknicken kann. Das Wetter hielt sich, die Stimmung war gut. Endlich wieder ein Wettkampf!

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Nach 300m folgte der erste Wiesenweg, Bild: Olaf Grimm

Jens Allerheiligen und Michael Irrgang hatten am Vortag eigentlich alle schwierig zu findenden Abbiegestellen mit Pfeilen markiert, der Weg war durchgängig markiert und ich hatte den Track sowohl auf der Uhr als auch unabhängig davon auf meiner Komoot-App auf dem Handy. Da war Verlaufen schon schwierig, ich war diesmal auch immer richtig. Aber im fremden Gelände schätzt man ja jede Sicherheit, dass man nicht auf dem falschen Pfad ist.

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Einmal durch die Schwanheimer Düne, Bild: Olaf Grimm

Kerstin begegnete ich wieder, sie ermahnte mich – erneut, sie kennt mich gut -, nicht so schnell zu machen, und so kam ich bald an der ersten VP nach ca. 18km an, die immer noch auf der Südseite der Stadt war, wir liefen von Höchst aus gegen den Uhrzeigersinn. In der Tat nahm ich ein bisschen raus, der Weg war ja noch weit und bis zur nächsten VP bei 40km ein längeres Stück zu überwinden. Man kam an den Main und in urbanere Gefilde und oh weh, ein Kollege war böse hingefallen und wir entschieden nach einigen Telefonaten, dass hier doch ein Rettungssanitäter helfen müsse und der Kamerad besser gleich richtig zu verarzten sei. Nach dieser Zusatzpause und dafür vielleicht noch etwas aufmerksamer als vorher – ich war selber am Vortag übel auf die Knie aufgeklatscht – ging es bei nun einsetzendem Regen durch Stadtviertel gen Norden.

Dort war dann wieder Wald zu finden und der Track zeigte auf einmal einen steilen Anstieg an. Das kann nur ein Höhenlinienfehler gewesen sein, entschied ich, und trabte unbeirrt weiter. Aber es gibt in der Tat auch in Frankfurt Berge, und der eine gehörte zu unserer Strecke. Von oben konnte man dafür schön über die Frankfurter City blicken und das sogar ziemlich lange, bevor es zur VP und danach wieder runter zur Nidda ging.

Dort war es dann wieder eben, die Wegbeschaffenheit aber teilweise ziemlich zäh auf schmalen Wiesentrails. Danach, wieder auf breiteren leicht zu laufenden kiesigen Radwegen, fehlten mir dann trotz einer weiteren VP die Körner, um noch einmal richtig was rauszuholen, aber mir war ja klar, dass ich gegenüber früheren Läufen in dieser Größenordnung (Röntgenlauf, Kölner Grüngürtel) nicht in gleicher Form unterwegs war. Mit 07:24 für 68km etwas unter der Wunschzeit von sub7, aber das ist ja eigentlich immer so etwas von egal. Glücklich bin genau bis zur Ziellinie gelaufen und habe von Klaus, dem ich gefühlt irgendwie überall begegnete, die Medaille entgegengenommen. Keinen Schritt mehr heute!

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Auf der Fähre vor dem Start und beim Zieleinlauf (Bild: Manfred Huppka)

Danach musste ich mich schnell mit von Kerstin geliehenen Sachen aufwärmen, da ich meine eigenen vergessen hatte, bevor es nachher noch zur Jahresabschlussfeier mit Pizza und Pokal ging. Denn wir haben als LG Ultralauf in 2019 mit Abstand die Ultralaufbundesliga gewonnen, was ja nun zu feiern war. Michael hatte einen ausführlichen Vortrag vorbereitet, wo sich mancher von uns in Foto und Film auf zurückliegenden Laufereignissen aus den vergangenen Jahren und einigen wenigen aus diesen Jahren wiederfand. Auch manche Soloprojekte fanden Erwähnung, Not macht erfinderisch!

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Rückschau auf das Laufjahr 2019, als wir die Ultramarathon Bundesliga gewannen, Bild: Martina Stumpf-Irrgang

Michael betonte, dass der Erfolg unseres Vereins sich sicherlich auch durch den guten Mix erklären lässt, in dem die im Vordergrund stehende Gemeinschaft und die Freude am langen Laufen sich eben auch mit Ambition verbindet. Was man gerne macht, macht man auch gut! So manch dokumentierte Leistung von alt und jung zeugt davon in den berichteten Meisterschaften, aber auch vom gerade zurückgelegten FGGU. So gewann schließlich bei den Frauen Vereinsneumitglied Rebecca Lengner - an ihrem 31. Geburtstag - den FGGU bei den Frauen mit 05:55, während Rita Nowottny-Hupka nicht minder ambitioniert trotz ihrer fortgeschrittenen Altersklasse mit 06:37 einen hervorragenden dritten Platz machte.

Das war ein mühevoll und sicherlich auch zuweilen unter Stress geplanter Lauf und Jahresabschlussfeier. Ich hoffe, dass die vielen entspannten und fröhlichen Gesichter, die unterwegs zu entdecken waren und auch bei der Jahresabschlussfeier in angeregten Gesprächen vorzufinden waren, dafür Lohn genug waren. Mein großer Dank an die Planenden und Betreuenden sei hiermit dokumentiert. Alles lief perfekt, es war eine schöne Abwechslung vom derzeit manchmal etwas tristen Alltag in schwierigen Zeiten. Alles war gut, die Strecke war schön und abwechslungsreich, das kann man durchaus nochmal machen.

Kleine Ergänzung von Freitagabend (Michael Irrgang):

Seit einigen Jahren nutzen wir eine Laufveranstaltung im Herbst für eine Jahresabschlussfeier. Neben dem offiziellen Jahresrückblick berichtet meist ein Mitglied von besonderen Veranstaltungen. Diesmal hat Dietmar Rosenau am Freitagabend einen wunderbaren Vortrag über Mehrtagesläufen auf der ganzen Welt gehalten. Ein beispielhafter Bericht von Peru: hier klicken

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Bild: Michael Irrgang

 

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