Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

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Nachdem es uns beim 24-h-Lauf in Delmenhorst nicht gelungen ist, unseren Plan umsetzen, waren wir zunächst frustriert. Am Sonntagabend nach dem Lauf haben wir uns geschworen, dass wir nie wieder über den Mauerweg oder Läufe sprechen, die länger sind als 6 Stunden.

Dies sah am nächsten Morgen jedoch schon ganz anders aus. Wie immer wurde viel analysiert, überlegt, kritisiert und zudem tat uns irgendwie auch gar nichts weh, obwohl wir 120 km gelaufen sind. Tja, irgendwie waren wir „angefixt“. Es entstand der Wunsch, es doch noch mal zu probieren. Um so besser, dass für das 1. August-Wochenende der Ballonlauf in Bönen ausgeschrieben war. 100 Meilen standen auf dem Plan, jedoch nicht wirklich an einem Stück.

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Der Vor- und auch Nachteil dieses Ballonlaufes ist, dass man insgesamt 4 Strecken läuft: 5 Meilen, 10 Meilen, 15 Meilen, 20 Meilen und danach das Ganze wieder in umgekehrter Richtung, also 20, 15, 10, 5 Meilen. Der Start erfolgt immer wieder gemeinsam zu einer festgesetzten Zeit.

Nun also die schwere Frage: langsam laufen und die Pause eher kurzhalten oder schnell laufen, um möglichst viel „Regenerationszeit“ zu haben?

Unsere Gedanken kreisten dabei permanent um die Fehler aus dem 24h-Lauf in Delmenhorst. Dort sind wir definitiv zu schnell gestartet und haben zu wenig Pausen für eine ordentliche Nahrungsaufnahme gemacht. Dummerweise mussten wir uns für den Ballonlauf entscheiden, welchen der Fehler wir vielleicht beseitigen wollen, da beides nicht wirklich möglich war.

Der Plan war wie immer gut, aber die Umsetzung dann doch etwas schwerer. Die ersten 5, 10 und 15 Meilen, wurde unsere Pace irgendwie schneller, statt wie geplant langsamer. Dennoch gelang es uns, so zu laufen, dass wir immer mindestens 1 Stunde (oft auch mehr) zur Erholung hatten. Wir konnten uns in Ruhe an dem ausgiebigen Läuferbuffet bedienen, trockene Sachen anziehen und noch einen Moment dösen. Für die Nahrungszufuhr war das sicher gut, die Muskeln fanden das beim jeweiligen Wiederanlaufen irgendwann nicht mehr so lustig.

Die 20 Meilen „Königsrunde“ startet um 20 Uhr. Für die Nacht ausgerüstet starteten wir guter Dinge. Der Satz „Wenn ihr über einen Holzhaufen klettern müsst, seid ihr richtig“ hätte uns wohl warnen müssen. Wir brauchten eine Stunde länger als geplant und kamen erst um 1 Uhr wieder im Ziel an. Über Stock, Stein, Feld und Holz drückt es noch nett aus. Wir haben ziemlich geflucht, zumal wir große Teile der Strecke als „Pfadfinder“ für die Läufer hinter uns liefen und neben der Orientierung auch schwer damit beschäftigt waren, in kein Hasen-Loch und auf keine Maus zu treten. Ein bisschen zu viel Trail, für unseren Geschmack, zumindest bei geplanten 100 Meilen.

image3Zurück im Ziel entschieden wir auf Grund der Strecke, diese nicht noch einmal zu laufen und stattdessen schlafen zu gehen. Von den 50 Läufern, die diese Strecken laufen wollten, sind auch nur 9 erneut gestartet. Wir waren also nicht alleine. Sonntagmorgen hieß es dann erneut auf die 15, 10 und 5 Meilen-Runde zu gehen. Die 15 Meilen liefen noch gut, die 10 absolvierten wir aufgrund der Hitze und müden Beine in einem Lauf-Geh-Rhythmus. Umso erstaunter waren wir, wie wir die letzten 5 Meilen wieder durch den Wald gerannt sind. Insgesamt sogar schneller als die ersten 5 Meilen am Samstagmorgen.

Tja, es wurden zwar wieder keine 100 Meilen, aber dafür ein 3. Platz in der Gesamtwertung für Reimund und ein 4. Platz für mich. Zu dem bin ich erstmals in meinem Leben die erste Frau geworden. (Beim Schreiben kann ich es noch nimmer nicht glauben). Von den 111 Startern haben nur 2 Läufer wirklich die 100 Meilen geschafft. Also sind wir unterm Strich mit unserem Plan doch ganz gut durchgekommen. Und feststeht: die 100 Meilen sitzen drin.

Text und Bilder: Judith Sebastian, 07.08.2019

 

Donnerstag bis Sonntag nach Ostern 2020, vom 16. bis 19. April,  bieten wir wieder ein Laufseminar zu dem Thema "Grundlagen & Trailrunning" an. Das Bildungszentrum, in dem wir untergebracht sind, liegt in Langscheid, einem kleinen Ort direkt am Sorpesee, der zu Sundern gehört und etwas südlich von Hagen liegt, genau in der Mitte von Deutschland und sehr gut zu erreichen.

Sorpesee Logo

Von der Terasse unserer Unterkunft aus bietet sich dieser Blick Richtung Kurpark und Sorpesee. In unmittelbarer Gegend liegen herrliche Wälder mit reichlich Höhenmetern, die für ein Trail-Grundlagen-Seminar perfekt sind.

logo BildungszentrumDas Ziel der Veranstaltung ist, grundlegende Kenntnisse über das Ultralauftraining zu vermitteln, insbesondere im Bereich Trailrunning. Die Teilnehmer werden viel nette Leute und eine schöne Landschaft kennenlernen, gemeinsam laufend die Gegend erkunden, dabei viel Spaß haben und ein paar nützliche Dinge lernen.

Inhaltlich geht es viel um Training, aber auch die wichtigen Themen Ernährung, mentale Techniken und Ausrüstung werden kurz behandelt, die Praxiselemente zielen mehr auf Trailrunning mit Athletik- und Techniktraining. Vermutlich werden wir auch Spezialthemen behandeln, wie "Laufen mit Stöcken", GPS-Navigation und Treppentraining - die Agenda steht noch nicht endgültig fest.

Geeignet und offen ist diese Veranstaltung für alle interessierten Läuferinnen und Läufer, die Lust darauf haben. Man muss weder bereits einen Ultra gelaufen sein, noch Erfahrungen in schwierigem Laufgelände haben. Gerne können auch fortgeschrittene Läuferinnen und Läufer oder auch sportliche, laufinteressierte Partner teilnehmen. Erfahrene Trailspezialisten, die ein Trainingslager mit vielen Kilometern und Höhenmetern suchen, werden allerdings eher nicht auf ihre Kosten kommen.

Die Veranstaltung beginnt am Donnerstagnachmittag mit einem Kaffee und endet am Sonntag nach dem Mittagessen. Die Unterbringung erfolgt in Einzel- und Doppelzimmer. Das Teilnehmermaximum beträgt 25 Personen.

Der Normalpreis beträgt voraussichtlich für Vereinsmitglieder der LG Ultralauf im Doppelzimmer 290 Euro und im Einzelzimmer 340 Euro. Mitglieder der LGU Trainingsgruppe bekommen einen Rabatt, Nichtmitglieder der LGU zahlen einen Aufschlag.

Die Anmeldung wird voraussichtlich Anfang September geöffnet.

Text: Michael Irrgang, Bild: Tanja Lenze (Bildungszentrum Sorpesee).

 

HoehenprofilDieser Lauf ist längst kein Geheimtipp mehr, denn dieses Jahr gab es bereits die 15. Austragung und dennoch ist der Lauf klein und familiär geblieben. Dabei bieten Gi, wie der Organisationleiter Giselher Schneider von Freunden genannt wird, mit seinen fleißigen Helfern den Teilnehmern ein breites Spektrum anspruchsvoller, alpiner Trailwettbewerbe und eine gut eingespielte Organisation, die den Vergleich mit den Marktführern absolut nicht scheuen muss. Dabei stand dieses Jahr unter keinem guten Stern. Der Wechsel des Veranstaltungsgelände zum Biathlonzentrum brachte eine komplette Neuplanung der Strecken mit sich. Schnee und Sturmschäden machten weitere auch kurzfristige Streckenänderungen erforderlich. Selbst der eine Woche vor dem Start „finale Track“ stimmte mehrfach nicht mit der Markierung überein – was soll’s, die Markierung war für eine Kleinveranstaltung unglaublich gut.

Ich hatte mich erst relativ kurzfristig angemeldet. In den letzten Monaten kam mein Training viel zu kurz. Ohne richtigem Training und Ambitionen hatte ich im ersten Halbjahr einige schlechte Wettkämpfe und wollte nun einmal ein Wochenende für mich mit einem Lauf in einer schönen Landschaft. Und: mich natürlich ordentlich vorbereiten. Das war natürlich sehr optimistisch gedacht und entwickelte sich leider etwas anders. Immerhin konnte ich wettkampfspezifisch etwa 1,5 Wochen vor dem Lauf mit Rucksack und Stöcken 2 Tage durch die Eifel laufen. Bei 30 bis 40 Grad war es das reinste Vergnügen und ich wünschte mir warmes Wetter – so wie letztes Jahr in Ruhpolding. Doch irgendwie überforderte die Eifeltour meine unvorbereitete Muskulatur, die bei der nächsten Trainingseinheit mit einer Zerrung antwortete. Am Dienstag vor dem Lauf versuchte ich eine lockere Einheit, musste jedoch nach 3 km schmerzbedingt umdrehen und zurückwandern.

Ohne Training und leicht verletzt machte ein Start eigentlich kaum Sinn, zumal der Wetterbericht Regen und Gewitter vorhergesagt hatte, bei immerhin angenehmen Temperaturn.

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Da Kneifen selten eine gute Lösung ist, reiste ich mit einem vorsichtigen Plan an, der ein Finish der 100-Meilenstrecke knapp unter dem Zeitlimit vorsah. Ruhpolding begrüßte mich mit Sonnenschein und einem Panorama voller Berggipfel, wo ich definitiv nicht rauf wollte.

Der 100-Meilenlauf besteht aus zwei Runden. Nach etwa 90 km kommt man wieder in der Chiemgau-Arena an und startet in die zweite Runde, die überwiegend identisch mit der 100km-Strecke ist. Die 100km-Läufer starten um 5:00 Uhr und beginnen mit einer Auftaktschleife, bevor die Strecken zusammenkommen. Die 100-Meilenläufer müssen abschätzen, wie lange sie für die erste Runde brauchen und ihre Startzeit am Freitagnachmittag selbst so festlegen, dass sie etwa zwischen 4:30 und 7:30 die zweite Runde beginnen können.

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Vor dem Lauf gab es noch ein kurzes Briefing, in dem Gi auf ein paar Besonderheiten des Laufes hinweis.

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Bei der Gelegenheit traf ich Gerd Kirschke, der leider nicht das Ziel erreichte. Außerdem war noch Michael Müller dabei, der für 100km gemeldet war und die 85km-Distanz finishte.

Kurz vor dem Start verdunkelte sich der Himmel, die Schleusen öffneten sich und ein erster, kurzer Starkregen ärgerte die Läufer. Also Regenjacke an und nur fünf Minuten später konnte ich die Regenjacke gegen eine dünne Windjacke wechseln. War ich am Anfang Letzter, so war ich jetzt Allerletzter, sprich, ich konnte den vor mir laufenden Läufer nicht mehr sehen. Der Lauf begann bei mir mit drei flachen Kilometern in 19 Minuten. Hm. Auch mein Plan war es, bei den einfachen Kilometern etwas Zeit gutzumachen, die ich dann berghoch und in den technisch schwierigen Abschnitten benötigen würde, aber so schnell widerstrebte mir und so dackelte ich gemütlich den Forstweg entlang meiner Startgruppe hinterher. Der Anteil an Forstwegen ist schon recht hoch, teilweise den vielen notwendigen Umleitungen geschuldet, da die Wälder mit den kleinen Wanderwegen noch teilweise gesperrt sind. In mir reifte der Gedanken, mir im nächsten Jahr noch einmal die Originalstrecke anzusehen, denn die Gegend beeindruckt doch sehr.

Der erste Gipfel beeindruckte nicht minder. Es ging steil hoch und ebenso „brutal“ wieder runter. Das kann doch kein Wanderweg sein, das scheint mir eher etwas für Selbstmörder. Ab und zu lief ich längere Abschnitte mit einer Begleitung – es waren die zwei Mal, in denen ich mich kurz verlief. Dennoch waren die Gespräche sehr nett und ich stelle fest, dass die meistern Teilnehmer zum wiederholten Mal da waren und überwiegend eine negative Bilanz hatten, was das Finish angeht.

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Bei einer Gelegenheit, als die Sicht einen Blick auf den der Region namensgebenden Chiemsee ermöglichte, entstand dieses Bild.

Aus der Streckenbeschreibung und dem Höhenprofil hatte ich mir einen Plan überlegt, wann ich an den jeweiligen VPs sein wollte und überraschender Weise war ich überwiegend schneller unterwegs, weil die ausgesetzten Wege in der Minderheit gegenüber den gut laufbaren Forstwegen hatten, in denen ich gut meine Stöcke einsetzen konnte und entsprechend schnell vorankam.

So erreichte ich bereits eine Stunde vor dem Plan gegen 5:15 Uhr die Chiemgauarena, wo ich das Shirt wechselte und mich einiger Dinge entledigte. Mir ging es eigentlich ganz gut. An einer Stelle hatte ich die Schuhe etwas ruiniert, als ich mir beim Stolpern fast die Kappe komplett vom Obermaterial abriss. Die Schuhe haben nun ihre Schuldigkeit getan und wurden am nächsten Morgen direkt an Ort und Stelle beerdigt. Schade eigentlich. Nun sammelte ich fleißig mal Steine mal Tannennadeln ein, die mal drückten, mal piksten.

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Anfang der zweiten Runde nach Sonnenaufgang im Regen entstand dieses Bild.

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Auch so eine Stelle gab es einmal, als man im hohen Gebüsch den Weg mehr vermuten als sehen konnte.

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Solche Wege liebe ich: schmal, zwischen Fels und Abgrund, dennoch flach und mit wenig Stolperfallen ausgestattet.

Von den ständig nassen Socken deuteten sich erste Blasen an, aber ich war doch recht optimistisch, die fehlenden 71 km zu schaffen, zumal ich dafür noch etwa 17,5h Zeit hatte. Leider verschlechterte sich der Zustand der Füße stündlich und berghoch merkte ich, dass die Kraft in den Beinen komplett verschwunden war und ich viel mit den Armen arbeiten musste. Immerhin konnte ich die Forstwege bergab noch gut laufen und kam daher gut voran. Für mich war der kritische Punk im Abschnitt zwischen km 119 und 123. Unglaublich, wie schnell sich Optimismus verflüchtigen kann!

Ich hatte für den letzten Marathon noch fast 13 Stunden Zeit und selbst bei streikenden Füßen und mit wenig Kraft sollte das möglich sein. Doch nur kurz hinter dem VP Kohlstatt bei km 119 führte der Weg eine Skipiste hoch. Nicht senkrecht, aber fast. Dieser Abschnitt war so deprimierend! Es war ein rutschiger Wiesenweg, der unglaublich steil und rutschig war. Alle zwei Schritte musste ich stehenbleiben, damit der Puls von maximal auf hoch fiel. Für die geschätzten 500m habe ich fast eine Ewigkeit gebraucht und mir wurde klar, dass das Zeitpolster recht trügerisch war. Laufen tat mittlerweile weh, so dass ich auch bergab viel gehen musste. In dieser Phase setzte nun ein langanhaltender Starkregen mit Gewitter und einem Temperatureinbruch ein. Als ich am nächsten VP bei km 123 ankam, war ich völlig im Eimer. Die untere Hälfte patschnass, vor Kälte zitternd, mit dem linken Fuß konnte ich kaum mehr Auftreten, rechts hatte ich wohl auch eine Blase, mental war ich bereit, in ein Taxi zu steigen, sollte dort eins stehen und mich der Fahrer, so wie bin, mitnehmen.

Von all den Optionen, die ich hatte, entschied ich mich, die abgekürzte Variante zu versuchen. 23 km vor Schluss, also bei km 138 bietet sich am dortigen Versorgungsstand die Option, den letzten Gipfel zu überqueren oder die abgekürzte Variante ins Ziel zu nehmen und als Finisher mit 146km das Rennen zu beenden. Der letzte Gipfel über den Hochfelln ist brutal steil rauf wie runter, technisch sehr anspruchsvoll und versprechen noch einmal mühsame 800 Höhenmeter bergauf und 1000 bergab, bei Gewitter ist der Weg oben am Grat entlang lebensgefährlich. Wie die Ergebnisliste zeigt, nahmen disziplinübergreifend etwa 50% der Teilnehmer diese Variante. So hatte ich etwa 12h Zeit für die verbleibenden 23 km. Und es wurde der schwerste und längste „Halbmarathon“ meiner Laufkarriere, denn ich benötigte fast 9 Stunden für die restliche Distanz. Immerhin hörte der Regen irgendwann auf und ich meine Betriebstemperatur normalisierte sich. Dennoch stellte ich mir permanent die Frage, ob so ein Finish Sinn macht. Zum einen gab es kaum eine Alternative und Ja, ein Finish macht immer Sinn. Von den 38 auf der 100-Meilenstrecke gestarteten Läufer und Läuferinnen sind lediglich 10 die Gesamtdistanz gelaufen und 9 finishten auf der 146km-Strecke und ich werde sogar auf Platz 5 genau in der Mitte aufgelistet. Schon beeindruckend!

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Etwa bei km 135 liefen wir an Ruhpolidng vorbei, welches sich in der untergehenden Sonne von seiner schönsten Seite zeigte.

Auch wenn die 146km-Finisher für ihren Erfolg gefeiert wurden, bin ich mir persönlich bei der Einordnung nicht sicher. Mein Ziel war simpel: 100 Meilen sollten es sein! Meine Form war ausreichend, die Ausrüstung super, die Taktik passte. Von allen Dingen, die sich zum „Aufgeben des 100-Meilenzieles“ kumulierten, waren die aufgequollenen Füße der entscheidende Faktor, den man mit einem morgendlichen Eincremen mindestens hätte herauszögern können – was für ein dämlicher Anfängerfehler, so etwas zu vergessen!

Ich denke, dass ich das Finishershirt in meinem Stapel ganz nach unten legen werde, aber im nächsten Jahr versuchen werde, es mir redlich zu verdienen.

Ruhpolding – ich komme wieder, dann gerne auf der Originalstrecke und bei strahlendem Sonnenschein.

Text und Bilder: Michael Irrgang, 04.08.2019

 

BUF2019 CWenn am 24.8. im Rahmen des Bottroper Ultralauf Festivals (BUF) die Deutsche Meisterschaft im 24h gestartet wird, startet gleichzeitig der 6h-Lauf. Der beliebte 6h-Stundenlauf war die letzten Jahre stets ausgebucht, aktuell sind allerdings im auf 100 Starter begrenzten Teilnehmerfeld noch Plätze frei.

Wer sich noch bis zum Online-Meldeschluss am 11.8. anmeldet profitiert nicht nur von einem günstigen Preis, sondern erhält auch eine personalisierte Startnummer. Allerdings kann man sich bei Bedarf bis etwa 1h vor dem Start nachmelden.

Aktuell liegen 58 bezahlte Anmeldungen vor; von 25 Frauen und 33 Männern. Sie starten in 17 verschiedenen Altersklassen und so wie es aussieht, werden insgesamt 43 Altersklassenpreise verschenkt – eine gute Quote, die nur noch im 100km-Lauf überboten wird, wo fast jeder einen AK-Preis erhält.

Favoriten sind aktuell schwer auszumachen. Eine erste Analyse der Anmeldedaten ergibt, dass es für etwa ein Drittel der Starter der erste Ultralauf ist und für ein weiteres Drittel der erste 6h-Lauf. Von den anderen hat keiner eine Vorleistung, die einen neuen Streckenrekord andeutet.

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Im letzten Jahr lief Susanne Gölz beim 6h-Lauf ein beherztes Rennen und überbot mit ihrer Leistung sogar den Streckenrekord der Männer.

Auch wenn es neben den schönen Altersklassenpreisen auch Pokale für die Gesamtsieger zu gewinnen gibt, starten die meisten wohl eher mit einer anderen Motivation.

Einerseits ist der 6h-Lauf die ideale Einsteiger-Disziplin für am Ultralauf interessierte Läuferinnen und Läufer, da man völlig ohne Stress bei bester Versorgung die Marathondistanz mehr oder weniger deutlich überbieten kann. Andererseits ist so ein 6h-Lauf eine ideale Trainingseinheit für später im Jahr stattfindende Höhepunkte, wie beispielsweise die 100km Meisterschaft in Kandel vier Wochen später.

Eine überlegenswerte Idee ist auch, als Betreuer eines 24h-Läufers an dem 6h-Lauf teilzunehmen. Hier kann man zunächst den Läufer ein wenig auf der Strecke begleiten und kann nach dem Lauf, Duschen und Siegerehrung den Läufer in den schwierigen Phasen des Wettkampfes betreuen.

Die Teilnehmer sind gleichzeitig unmittelbar bei der Meisterschaft dabei, können mit den 24h-Lauf-Experten gemeinsame Runde drehen und die einzigartige, spannungsgeladene Rennatmosphäre miterleben. Eine 24h-Meisterchaft ist sicher ein besonderer 24h-Lauf und nicht zufällig findet man unter den Top10 der Jahresbestenlisten meist die Ergebnisse der nationalen und internationalen Meisterschaften.

Abgesehen von der Stimmung profitieren die 6h-Läufer auch von einer sehr guten Versorgung. So werden wir neben einer sehr vielseitigen Verpflegung wieder einen Rennarzt und zwei Physiotherapeuten vor Ort haben, die sich um das Wohl der Läufer kümmern.

Der Ablauf des 6h-Laufes am Samstag, 24.8.

  • 17:00 bis 21:00 Uhr (Freitag) Startnummernausgabe und Nachmeldungen
  • 8:30 bis 10:30 Uhr Startnummernausgabe und Nachmeldungen
  • 10:45 Briefing
  • 11:00 Start des 6h-Laufes
  • 17:00 Endes des 6h-Laufes, Restmetervermessung, Auswertung
  • 18:15 Siegerehrung

Alle Teilnehmer des 6h-Laufes erhalten neben einer Erinnerungsmedaille und einer Urkunde auch nach dem Lauf ein Nudelgericht.

Wer den Lauf über die Mittagsstunden meiden möchte, sollte einmal über die Teilnahme am 100km-Lauf nachdenken, der um 18 Uhr gestartet wird. Hier kann man durch die stimmungsvolle Bottroper Nacht laufen und die Siegerehrung bei dem morgendlichen Frühstück genießen.

Ausschreibung: Link

Anmeldeportal: Link

Text und Bild: Michael Irrgang, 20.07.2019

Nach dem spannenden Race-Bericht von Dietmar über den Al Andalus Ultimate Trail, einen Etappenlauf im andalusischen Hinterland, entschied ich mich, dort in Dietmars Fußstapfen meinen allerersten mehrtägigen Lauf zu absolvieren. Gemeinsam mit der deutschen Truppe bestehend aus Dietmar, Martina, Gaston und Stefan reiste ich also Anfang Juli nach Loja, um 230 Kilometern in 5 Etappen zu laufen. Nachdem ich die 170 km beim Junut erfolgreich gefinished hatte, dachte ich, dass 230 km mit ausreichend Pause und Schlaf dazwischen eigentlich kein Problem sein sollten. Aber wie das so ist, kam natürlich alles anders als gedacht.

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Um uns ein wenig zu akklimatisieren, reisten wir bereits am Samstag nach Loja. Auf dem Thermometer standen 30 Grad. Gut, dass es in Deutschland kurz vorher ähnlich heiß war. So war zumindest der Kreislauf einigermaßen an die Hitze gewöhnt. Nach und nach trudelten die anderen LäuferInnen in das Race-Hotel ein und wir verbrachten gemeinsam zwei entspannten Tage in Loja mit guter Verpflegung. Der Startschuss fiel am Montagmorgen um 09:45 Uhr. Für meinen Geschmack ein bisschen spät, da es um diese Uhrzeit schon recht warm war. Wie mir später klar wurde, ist das Laufen in der Hitze kein Zuckerschlecken und die Wärme nicht meine liebste Begleiterin.

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Zu Beginn fühlte ich mich eigentlich ganz wohl und ich legte ein flottes Tempo vor. Leider ging es die ersten 11km nur bergauf, sodass wir danach die knapp 1.000 Höhenmeter der ersten Etappe im Sack hatten. Leider bin ich es viel zu schnell angegangen, sodass ich dann auf der Hälfte des Berges bereits Tribut zollen musste. Mir wurde schwindelig und ich musste deutlich Geschwindigkeit herausnehmen. Zum Glück traf ich bald darauf auf Dietmar, der mir den guten Rat gab, mir Wasser über den Kopf zu schütten, um den Körper ein wenig herunterzukühlen. Danach ging es mir ein wenig besser und ich kam relativ unbeschadet an der ersten Verpflegungsstation an, wo ich meine Wasservorräte auffüllen konnte und mir kaltes Wasser über den Kopf, Arme und Beine schütten konnte. Das war ein wirklich befreiendes Gefühl und so war ich einigermaßen beschwingt bis zum zweiten Verpflegungspunkt unterwegs. Die Wärme machte mir jedoch zunehmend zu schaffen. Erneut hatte ich mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Ich musste die Geschwindigkeit drosseln und am dritten Verpflegungspunkt ein längeres Päuschen einlegen, um es überhaupt noch ins Ziel zu schaffen. Was für eine Qual. Zum Glück traf ich dort Sascha, mit dem ich dann wandernd das Ziel erreichte. So kann es die nächsten Tage nicht weitergehen und ich änderte meine Race-Strategie: Tempo rausnehmen und einfach nur ankommen standen ab Tag 2 auf der Agenda.

Die erste Nacht verbrachten wir in Zelten in einer stickigen Turnhalle in Alhama de Granada. Zum Glück hatte meine Zeltgenossin Fran sich ein freies Zelt gesichert, sodass ich alleine schlafen konnte. Ehrlicherweise muss man jedoch sagen, dass in diesem riesen Raum an Schlaf kaum zu denken war. Trotz Ohropax war es einfach zu laut. Vor mir und hinter mir schlummerten einige Läufer friedlich, wie unschwer zu überhören war.

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Etwas gerädert starteten wir dann in Tag 2. 48 Kilometer und rund 1.600 Höhenmeter waren zu bewältigen. Morgens war es angenehm kühl. Zunächst durchliefen wir eine wunderschöne Schlucht auf befestigten Wegen. Bis zum zweiten Verpflegungspunkt bei Kilometer 21 war die Strecke weitestgehend laufbar und ich fand ein Tempo mit dem ich gut zurechtkam. Danach sollte der technisch anspruchsvollste, aber auch landschaftlich schönste Abschnitt folgen. Und so war es tatsächlich auch. Auf einem Single Trail ging es zunächst bergauf in die Sierra Almijara. Bergauf ist nicht so meine Stärke, aber ich kämpfte mich durch und war froh nach rund 5 Kilometer den höchsten Punkt erreicht zu haben. Dann ging es auf der anderen Seite wieder bergab, bevor wir in einem zugewachsenen Single-Trail in einem kleinen Waldstück wieder bergauf unterwegs waren. Ich war glücklich, als ich den dritten Verpflegungspunkt sah und mich wieder mit Eis herunterkühlen konnte. Danach ging es vor allem bergab bis zum vierten Verpflegungspunkt, allerdings waren wir in der prallen Mittagshitze unterwegs. Kurz vor dem vierten Verpflegungspunkt gabelte ich noch eine Läuferin auf, die über starke Knieschmerzen klagte und mit der ich dann gemeinsam Richtung Ziel lief. Die Nacht verbrachten wir an einem kleinen Bachlauf. Auch die Duschen wurden mit diesem eisig kalten Wasser gespeist. Aber nach so viel Zeit in der Sonne, war es eine Wohltat unter eine kalte Dusche springen zu können. Die zweite Nacht wurde nur bedingt besser als die erste, aber damit würde ich mich wohl die kommenden Tage anfreunden müssen.

Am dritten Tag war dann etwas Entspannung angesagt: 39 Kilometer und rund 1.000 Höhenmeter sollten es sein. Die langsameren Läufer, darunter Dietmar und ich, starteten um 08:30 Uhr. Zunächst ging es eine Asphaltstraße und Schotterwege hinab bis zum ersten Verpflegungspunkt. Das ist meine Lieblingsstrecke und so konnte ich ein wenig Gas geben. Obwohl es noch nicht so heiß war, nahm ich mir ausreichend Zeit und Eis am ersten Verpflegungspunkt, denn ich wusste, dass es anschließend lange bergauf gehen würde. Am zweiten Verpflegungspunkt überholten uns dann schon die SpitzenläuferInnen aus der späten Startgruppe - ein wenig deprimierend, aber ich hatte mir ja vorgenommen, das Tempo insgesamt rauszunehmen und alles ein wenig lockerer anzugehen. Die Situation vom ersten Tag brauchte ich nicht nochmal. Die Strecke ab den zweiten Verpflegungspunkt war sehr abwechslungsreich. Über Schotterwege ging es durch ein Naturschutzgebiet mit wundervollen Ausblicken. Dieser Streckenabschnitt war sehr kurzweilig und schon bald erreichten wir den dritten und letzten Verpflegungspunkt. Ab dort ging es nur noch bergab bis wir auf einen Single-Trail treffen sollten, an dem ich aber zunächst vorbeilief. Also wieder zurück und die richtige Strecke suchen. Sie war eigentlich doch ganz gut ausgeschildert, aber ich war wohl so in Gedanken, dass ich einfach vorbeigelaufen bin. Nach dem Single-Trail war es dann nicht mehr weit bis zum Campingplatz in der Nähe von Jayena. Auf dem riesigen Areal konnten sich die Zelte und Schlafplätze ein wenig verteilen. Abends wurde eine sehr leckere Paella für uns zubereitet. Auch wenn in dieser Nacht kaum schnarchende Geräusche zu vernehmen waren, so taten die Hunde das Übrige und bellten praktisch ununterbrochen. Also auch in der dritten Nacht war der Schlaf nur bedingt zufriedenstellend, aber so langsam gewöhnte ich mich an die Situation.

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Die längste Etappe, nämlich 67 Kilometer, standen am vierten Tag auf dem Programm. Unglücklicherweise war es der heißeste Tag der Woche mit gut 35 Grad im Tagesverlauf. Die ersten Abschnitte bestritt ich mit Rafael. Es war eine schöne schattige Strecke, die direkt an einem See entlangging. Das Wasser glitzerte Türkis. Es roch nach Nadelbäumen. Wirklich beeindruckend. Wir umrundeten den See fast komplett. Nach rund 23 Kilometer erreichten wir den zweiten Verpflegungspunkt. Ab dort ging es praktisch 7 Kilometer in der prallen Sonne bis zum dritten Verpflegungspunkt bergauf. Schon aus der Ferne war der Aufstieg zu erkennen, was die Sache nicht erleichterte. Aber auch die 7 Kilometer waren irgendwann zu Ende und wir erreichten gemeinsam den Verpflegungspunkt. Bis zum vierten Verpflegungspunkt ging es eine Schotterstraße bergab. Leider wollte Rafael bis zum nächsten Verpflegungspunkt wandern, da er mit Übelkeit zu kämpfen hatte und bat mich alleine weiterzulaufen. Wir trafen uns in einer Bar kurz nach dem vierten Verpflegungspunkt, in der wir uns mit Cola und Fanta ausstatteten. Ab dort lief jeder für sich weiter. Die Strecke zwischen VP 4 und 5 war nicht besonders schön. Das einzig spannende war eine Flussüberquerung, bei der die Füße ziemlich nass wurden, was aber auch sehr erfrischend war. Der Mann mit dem Hammer ereilte mich dann zwischen der fünften und sechsten Verpflegungsstation. Ab VP 5 ging es in der Mittagshitze über Singletrails und Olivenhaine bergauf. Schatten Fehlanzeige. Danach trafen wir auf eine dunkel asphaltierte Straße, die die Wärme zusätzlich abgab. Langsam wurde auch das Wasser knapp. Ich überlegte, wo ich gegebenenfalls Wasser herbekommen könnte, aber es bot sich keine Gelegenheit. Langsam wandernd setzte ich meinen Weg über den Asphalt fort. Mental eine große Herausforderung. Ich glaube, das waren die schlimmsten 10 Kilometer, die ich jemals in meinem Leben gelaufen bin. Irgendwann hörte ich die Rufe der sechsten und letzten Verpflegungsstation. Puh, geschafft! Da gab es Cola, Eis, Wasser. Also alles, was ich wollte. Die letzten 9 Kilometer bis zum Ziel in Alhama de Granada waren dann nur noch ein Klacks. Schlimmer konnte es ja kaum noch werden. Die Nacht verbrachten wir zum Glück nicht wieder in der Turnhalle, sondern auf einem Zeltplatz. Zum ersten Mal schlief ich einigermaßen, sodass ich relativ ausgeruht in die letzte Etappe starten konnte.

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Die letzte Etappe war mit 37 Kilometern die kürzeste der gesamten Woche. Ich nahm alle Körner, die ich noch übrighatte, zusammen und rannte - zumindest bergab - so schnell es noch ging. Die Etappe mochte ich irgendwie. Das war meine Etappe. Ich war erstaunt, wie viel noch ging. Nach rund 4 Stunden und 20 Minuten erreichte ich als 13. das Ziel. Ich würde sagen: alles richtiggemacht. Ich war angekommen.

Rückblickend betrachtet war es - trotz der großen Hitze - ein schöner Lauf durch tolle Landschaft, die man so wohl nur selten zu Gesicht bekommt. Ob ich dort nochmal starte, steht noch in den Sternen. Zumindest habe ich viel über mich gelernt, viele neue Leute kennengelernt und spannende Geschichten erfahren. Etappenläufe sind also definitiv etwas, was ich gerne nochmal mache. Vielleicht schon im nächsten Jahr. Jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf den BUF und freue mich auf meinen ersten 24-Stunden-Lauf im August.

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Dietmar Rosenau nahm bereits das zweite Mal an der Veranstaltung teil.

Text: Anna Christina Nowack, Bilder: Anna Christina Nowak, Dietmar Rosenau und mit freundlicher Genehmigung vom Team Axarsport, 18.07.2019 

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