Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Präziser gesagt: Weltmeister im 100Km-Lauf in der M65!

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Svety Martin na Muri in Kroatien – das also ist der Ort in den ich reisen musste, um meinen bisher größten Erfolg als Läufer zu erleben. Seit Monaten hatte ich darauf hin trainiert, war in meinen Gedanken immer wieder schon mal auf der Strecke, baute kleinere Wettkämpfe in die Vorbereitung ein, bestritt sie aus dem vollen Training, denn alles war auf diesen 8.September ausgerichtet.

Die Reise war nervenaufreibend, denn keinen einzigen meiner geplanten Anschlussflüge habe ich bekommen – der Gipfel: 10 Stunden Aufenthalt auf dem Flughafen Frankfurt! So viel Zeit wollte ich bei weitem nicht für meinen Lauf benötigen!

Positiver Nebeneffekt: Ein Buch habe ich in der Zeit von A bis Z durchgeschmökert, den neuen Roman von Christoph Hein „Verwirrung“!

Nachts um 2 Uhr lag ich dann endlich im Bett – aber Nachtschlaf vor einem bedeutenden Wettkampf wird ja sowieso überbewertet! Und zum Glück war ich ja schon einen Tag vor dem Lauf angereist!

Der Lauf

Ungewöhnlich war die Streckenführung schon. Es gab eine Einführungsrunde von 2,5 Km und dann ging es 13 Mal über 7,5 Km, eine Pendelstrecke, so dass man das Läuferfeld immer wieder beobachten konnte, aber es war auch für einen 100Km-Lauf ziemlich profiliert. Das sollte mich aber nicht schrecken, denn solches Profil laufe ich zuhause rund um Nossen ja immer!

7 Uhr war der Start angesetzt – es war mild, man brauchte keine Jacke oder ähnliches vorher über dem Laufshirt. Als Hauptkonkurrenten hatte ich über die DUV-Datenbank einen Franzosen ausgemacht. Im Startblock begrüßte mich dann noch ein Spanier – mit den beiden würde ich mich wohl um die Medaillen streiten. Aber was kann nicht alles passieren auf 100 Km – zum Glück dachte ich an diesem Tag kein einziges Mal an mein Desaster in Biel.

Es ging ganz locker los, schon bald konnte man frei laufen und ohne jede Anstrengung war ich immer etwas schneller als eigentlich geplant. Schon am Ende der ersten langen Runde kam für mich der vorhersehbare Dixistop – wieder auf der Strecke sah ich meinen Franzosen 20 – 30 Meter vor mir. Bei einem kurzen Wortwechsel mit Marion Braun meinte sie, der wäre kein Problem für mich! Marion musste leider später wegen Muskelfaserriß aufgeben. Aber ihr Mann Wolfgang erlief sich trotz Problemen in der M60 Weltmeisterschaftssilber!

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Schnell hatte ich den Franzosen auch wieder überholt und lief mein Rennen.

Mit anderen deutschen Läufern wurden aufmunternde Blickkontakte gewechselt, es lief sich schön!

In der zweiten Runde war dann plötzlich mein Spanier neben mir. Er atmete zwar ziemlich laut, aber manche Läufer laufen eben so, und ich ließ ihn auch etwa 20 Meter davoneilen. Mein Tempo war gut, immer noch etwas schneller als gedacht, geplant oder was auch immer. Mein Tempo zu laufen, ganz auf mich konzentriert, das scheint mir immer mehr meine Stärke zu sein. Und es kam auch so wie gehofft, auf dem Rückweg am steilsten Anstieg hatte ich den Spanier schon wieder ein- und überholt. Eine Runde später fast an derselben Stelle rief mir ein Mannschaftskamerad zu „Der Spanier geht!“ Am Ende der 100 Km hatte ich ihn zweimal überrundet!

Ich lief also meine Runden, ab Km 25 in jeder Runde ein Gel verdrückt und an der Wende nach knapp 4 Km ein paar Schluck Iso! Da etwa bei Km 60 die Sonne herauskam wurde es deutlich wärmer, also zusätzlich Wasser getrunken und über den Kopf! Aber selbst zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich noch gut und fit, obwohl ja immer wieder gesagt wird, ab Km 60 wird es schwer. Bei mir war das an diesem Tag so zwischen 75 und 80, da gingen die Kilometerzeiten mächtig in den Keller, aber eigentlich ging es mir gut. Einen Gehversuch an einer etwas steileren Stelle gab ich schnell wieder auf, denn Traben war angenehmer für die Muskeln. Inzwischen hatte ich auch meinen Franzosen überrundet – ich konnte also ganz gelassen sein, musste nur durchlaufen, ins Ziel kommen und wäre der Sieger! Aber immer noch knapp 3 Mal 7,5 Km – was kann da alles passieren?!

Es passierte nichts mehr! Ich lief das letzte Mal durch die lange überdachte Verpflegungsgasse und den kleinen Anstieg zu Start und Ziel hinauf – war da und habe wohl erst einmal nichts gedacht, nur mein Magen gab einiges an Flüssigkeit im hohen Bogen von sich. War es das Iso, die Gels oder eine Mischung aus beiden?

WMA100 HD330Einfach geschafft! Im wahrsten Sinne der Wortes!

Die Momente am Abend bei der Abschlussveranstaltung auf dem Siegerpodest waren grandios – welch ein Gefühl! Ich hatte einen Gipfel erklommen!

Leider wurden für die Senioren keine Hymnen gespielt. Da wäre dieser Moment noch viel länger gewesen!

Im Grunde fühle ich mich ja über die 100 Km immer noch als Lehrling. Doch jetzt bin ich Weltmeister! Wie sagen Sportler so oft im Interview nach einem erfolgreichen Wettkampf „Ich habe das noch gar nicht realisiert!“ Und das ist wirklich keine Floskel, das weiß ich jetzt.

Bei mir begann diese innere Freude, Genugtuung, Stolz, Zufriedenheit oder was auch immer als ich endlich wieder zuhause in meinem eigenen Bett lag!

Einen Traum habe ich mir erfüllt, aber Läufer sollen ja immer noch vorn blicken. Daran halte ich mich bei jedem Wettkampf und jetzt auch – der neue Traum ist in meinem Kopf schon im Visier! 2019!

Text: Hans-Dieter Jancker, Bilder: Norbert Madry, 17.9.2018

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