Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Text: Michael Irrgang, Graphiken: DUV-Statistik, Foto: Manfred Huppka, 23.12.2022

Das Ultralaufjahr 2022 wurde insbesondere durch hervorragende Meisterschaften im 24h-Lauf geprägt. Im Mai gab es die Deutsche Meisterschaft in Bottrop mit einem unglaublichen Herzschlagfinale, als Florian Reuss dank eines unvorstellbaren Endspurtes in der allerletzten Runde die Führung übernehmen konnte und gewann. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gab es prima Ergebnisse mit vielen Spitzen- und persönlichen Bestleistungen und bei den Mannschaftswertungen konnte die LG Ultralauf drei Rekorde verbessern! Viele Teilnehmer, gute Stimmung und gutes Wetter ermöglichten diese Leistungen. Im September gab es die 24h-Europameisterschaft in Verona, bei der Aleksandre Sorokin mit fast 320 km einen neuen Fabelweltrekord aufstellte. Auch hier wurden sensationell gute Ergebnisse erzielt, die auch die Weltjahresbestenliste prägten.
DUV Statistik 24h 2022 Welt
Wie diese Statistik aus der DUV-Datenbank zeigt, wurden für die Graphen verschiedener Platzierungen die Vor-Corona-Leistungen überschritten und neue Bestmarken aufgestellt. Das internationale Niveau stieg in diesem Jahr enorm!
DUV Statistik 24h 2022 D
Für Deutschland trifft das begrenzt auch zu. Nach den beiden Coronajahren sind auch hierzulande die Leistungen förmlich explodiert, wobei im Gegensatz zur internationalen Auswertung das Vor-Corona-Niveau bei einigen Linien noch nicht erreicht wurde. Herausragend in diesem Jahr sind die Leistungen der besten Frau und des besten Mannes, die beide bei der EM erzielt wurden. Interessanterweise liefen beide bei der Deutschen Meisterschaft mit, wo sie beide persönliche Bestleistungen aufstellten, die sie später noch einmal deutlich übertrafen!
Anne Stephan (Die Laufpartner) lief in Bottrop Mitte Mai 230,551 Kilometer und nur 4 Monate später 250,572 km. Damit wurde sie bei der Deutschen Meisterschaft Siegerin und bei der Europameisterschaft knapp geschlagene Vierte. Diese Kilometer-Leistung katapultierte sie auf Platz 2 der ewigen Deutschen Bestenliste, nur 3,7 km hinter der Leistung von Nele Alder-Baerens aus dem Jahr 2019.
Michael Ohler (TSV Kandel) lief in Bottrop 253,732 km, wurde knapp Zweiter und erzielte in Verona 267,782 km, was bei der WM Platz 6 und in der ewigen Deutschen Bestenliste Platz 3 bedeutet. Den Deutschen Rekord hält seit 1987 Wolfgang Schwerk mit 276, 209 km.
Der 24h-Lauf ist die längste Meisterschafts-Disziplin des DLVs und es ist wohl auch die schwerste, weil die Anforderungen an die Athleten sowohl im Training als auch im Wettkampf enorm komplex sind.
Die Wettkämpfe sind meist recht spannend, denn viele, die zu optimistisch beginnen und lange als uneinholbar erscheinen, werden in der Nacht von geduldig Gestarteten überholt. Oftmals entscheiden kleinere oder auch größere Krisen über Gut-Durchkommen, Einbrechen oder sogar einen abrupten Abbruch. Und dann geht es oft auch um persönliche Bestleistungen sowie um Rekorde in den Altersklassen und Mannschaften. Insbesondere bei Meisterschaften ist das Teilnehmerfeld sehr leistungsstark und motiviert.
Zweifellos fasziniert der 24h-Lauf mit all seinen Facetten! Daher wollen wir den 24h-Lauf als Schwerpunktthema mit mehreren Artikeln erklären. Dabei geht es in erster Linie um die Themen Training und Renngestaltung mit dem Ziel, jedem interessierten Leser Ideen zu liefen, um die eigene Leistung zu steigern. Wäre doch super, wenn die Linien für Platz 10 und Platz 25 neue Allzeit-Höchstwerte erreichen könnten! Dabei sind die Hinweise sicher auch auf andere Ultralaufdisziplinen übertragbar.
Für Laien ist es manchmal überraschend, wie „gefühlt schlecht“ die Leistungen bei einem 24h-Lauf sind. Warum kann nicht jeder, der den Marathon in 3 Stunden läuft über 250 km laufen? Ist es tatsächlich „reine Kopfsache“, wie einige behaupten?
Im Grunde lässt sich eine Rennleistung durch zwei Komponenten beschreiben:
Das Potential und die Potentialausnutzung. Das Potential ist eine theoretische Leistungsfähigkeit, die in erster Linie durch einen Geschwindigkeitswert und einem Ermüdungsfaktor festgelegt ist. Beide Werte kann man messen, durch Training verbessern. Bei der Prognose geht man davon aus, dass bei langen Läufen eine kontinuierliche Ermüdung stattfindet und daher das Durchschnittstempo logarithmisch geringer wird, je länger das Rennen dauert. Sein Potential auszuschöpfen, setzt allerdings ein optimales, taktisches Verhalten voraus, was praktisch unmöglich ist. Zur Taktik gehört in erster Linie eine kluge Renneinteilung, die eben der optimalen Tempowahl durchaus auch Gehabschnitte oder gar Pausen einschließt. Zu diesem Thema werden wir den Artikel „Tempokontanz-Faktor im 24h-Lauf“ von Dr. Chritoph Wenzel vorstellen. Mit dem Tempokonstanz-Faktor setzt er die Kilometerleistung der zweiten Hälfte im Verhältnis zur ersten und kommt zu interessanten Schlussfolgerungen.
Gerade bei der Renneinteilung werden im mittleren Leistungsbereich oft entscheidende Fehler gemacht. Da haben es die Spitzenläufer einfacher, die oft zwar zu optimistisch starten, aber letztendlich durchlaufen können, während es im mittleren Bereich manchmal zu großen Einbrüchen und sogar Rennabbrüchen kommt.
Manchmal hängt der Erfolg auch mit der Ernährung zusammen, wobei mein Eindruck ist, dass oft einerseits zu viel und andererseits das Falsche gegessen wird. Auch zu diesem Thema werden wir ein paar Empfehlungen geben.
Es gibt viele spannende Fragen und zu allen gibt es teils völlig widersprüchliche Empfehlungen und Erfahrungen. Wir hoffen, dass wir möglich viele Sichten und Meinungen darstellen können. Wenn ihr Feedback geben wollt, dann idealerweise auf Facebook auf unsere LG Ultralaufseite. Auch ist die Themensammlung noch nicht abgeschlossen. Gerne könnt ihr auch Ideen und Fragen einbringen.
BUF 2022
Bottrop 2022 war für viele eine sehr erfolgreiche Meisterschaft, die einfach Spaß gemacht hat. So blicken viele der Teilnehmer erwartungsfroh auf die nächste Meisterschaft in Braunschweig.

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