Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Platzierungen

Edda Bauer und Michael Bohm vertraten die Fahnen der LG Ultralauf beim 6-Tagelauf in Policoro/Italien. Dabei lief Edda in ihrer Altersklasse einen neuen fantastischen Weltrekord mit 516,718 km. Nachfolgend schildern die beiden ihre Eindrücke von dem Lauf:

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Edda Bauer:

Für mich war’s der beste aller meiner bisherigen 6-Tage-Läufe. Gute Organisation, herzliche Atmosphäre, komfortable Unterbringung, Essen (z.B. konnte man sich den frischen Salat selbst anmachen – Balsamico, feine Speiseöle und Gewürze standen zur Auswahl nach persönlichem Geschmack bereit) und Getränke einschließlich Bier gab’s im Restaurant an der Strecke – da konnte man gemütlich sitzen, Beine hochlegen und ein Pläuschchen halten. Z.B. seinem Kummer über die drückende Hitze Luft machen. Das erhörten die Götter und schickten prompt am Ende des 2. Tages ein kurzes aber heftiges Unwetter. Danach ging ein frischer Wind. Pech nur, wenn (wie in meinem Fall) die hinsichtlich Blasenbildung günstigsten Laufschuhe vorerst unbrauchbar weil triefend nass waren.

Und wie verblüfft war ich, als nach 429 km Organisator und weitere nette Menschen mich mit großer Deutschlandfahne begrüßten! Das war der alte auf dem IAU-Dokument nicht aktualisierte AK-Rekord. Somit kam ich ein zweites Mal (dann an der richtigen Stelle) in den Genuss. Pasquale denkt darüber nach, einen Lauf in kälterer Jahreszeit zu organisieren.

Herzliche Grüße aus Offenburg von Edda

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Michael Bohm:

Ein Abenteuer namens 6 Tage Lauf.
Vom 16-22.9.19 haben Edda Bauer und ich am Ultra Marathon Festival in Policoro in Italien teilgenommen.
Für mich war es das erste Mehrtages Nonstop Event.

Ich habe mich zu Beginn des Jahres entschieden einen 24h Lauf und einen 6 Tagelauf zu machen und mein Training auf den Sommer ausgerichtet. Vor dem Event hatte ich ca 3800km abgespult, im Schnitt 100km pro Woche in 2019. Die 24h Läufe waren auch erfolgreich mit 2 Mal 190/192km, so dass ich mich optimal vorbereitet fühlte.

Am Montag 15h war der Startschuss von 32 Läufern bei Temperaturen weit über 30grd.
Ich bin vorsichtig angegangen in de Hitze und habe erst ab 22Uhr bei angenehmeren Temperaturen das Tempo angezogen.

Der Dienstag verlief ähnlich mit Hitze tagsüber.
Ich habe meine Schlafpausen auf die Tag gelegt und versucht nacht möglichst viel auf der Strecke zu sein. Die ersten 48h liefen normal, ohne ein spezielles 6Tage Lauf Gefühl.

Nach der 2. Nacht fand ich mich von P5 auf P2 verbessert, was sicherlich der unterschiedlichen Schlafstrategie geschuldet war (ich habe noch keine Analyse der Splitzeiten der Läufer)

Am Ende es Dritten Tages fingen Probleme mit den Füssen an. Scheuerstellen und Blasen wuden versorgt aber ich wollte oder konnte meine Laufschuhe nicht mehr anzieht, da diese so schmerzten. Glücklicherweise hatte ich noch meine Barfussschuhe mit, die ich auf der Arbeit trage. Lederhalbschuhe nich recht unsportlich aussehen. Mit diesen habe ich die 2. Rennhälfte beendet. Ich hatte mittlerweise meine P5 zurückbekommen.

Unabhängig von der Schuhthematik begann nun auch die zweite Rennenphase, mental und körperlich.
Ich fühlte mich in einen Notfall Modus versetzt, in dem sich alles dem Ziel unterordnet die Position zu halten und die Kilometer zu sammeln. Alles Störungen, die nun auftraten mussten schnell behoben werde. Muskuläre Probleme durch den geänderten Laufstil mit den Barfussschuhen , weitere Blasen , Phasen der Energiearmut, Aussetzter im Wachsein.
Der Notfall Modus war erstaunlich gut. Es ist mindestens 2x vorgekommen, dass ich es nicht mehr geschafft habe , den Wecker zu stellen, da ich vorher in einem komatösen Schlaf viel. Jedes Mal bin ich allein Sub 2h erwacht (einmal davon war ich "sicher" 60h geschlafen zu haben und damit das Rennen vorbei ist) .

Die letzte Rennphase begann am Samstag früh 32h vor Rennende.
Ich hatte 1,5 h Pause gemacht mit Duschen und 1h Schlaf.
Ich war knapp auf P6 gefallen , wollte aber nicht mehr schlafen bis zum Ende.

Die letzte Phase war vom Positionskampf P5/P6 geprägt, der gleichzeitig AK P2/P3 bedeutete.
Ich konnte über den Tag seine Pausen nutzen um 8k Vorsprung zu bekommen, den es zu verwalten galt. Um mit der Energie zu haushalten bin ich in der letzten Nacht nur gegangen mit exakt 5km/h.
Um halb 6 morgens am letzten Tag, als ich dabei war meinen "Endspurt" zu planen und den 700k nahe zu kommen, verspürte ich einen plötzlichen starken Schmerz in Fuss aussen, als wäre eine Sehne umgesprungen. Die Behandlung dauerte ca 2h und ich musste verschiedene Fortbewegungsarten (Ministry of Silly Walks) ausprobieren . Letztendlich bin ich laufend und gehend ins Ziel gekommen.

672km in 144h Platz 5 gesamt, AK P2.
Wir haben Eddas Weltrekord der AK W75 bestaunt. Einem Landesrekord von Weißrussland (Platz 4) und mindestens 3 weitere AK National Rekorde.

Eine im Wortsinn phantastische Reise, die ich noch gar nicht verarbeitet habe.

Liebe Grüße Michael

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30.09.2019 Text: Edda Bauer, Michael Bohm Bilder: Edda Bauer, Michael Bohm, Rennveranstalter

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