Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Bhutan, Etappenlauf, 6 Etappen, 200 km, +10.000 Hm, 26.-31.05.2019

Schon seit 5 Jahren hatte ich diesen Lauf auf meiner „wünsch-dir-was“ Liste. Leider standen dem immer berufliche Termine entgegen. Dieses Jahr passte es endlich und ich habe es nicht bereut!

Bhutan, das ist schon ein exotisches Ziel, besonders für einen Ultralauf. Das kleine buddhistischen Königreich liegt im Himalaja abgeschieden in bis zu 2500 Meter hohen Bergtälern zwischen Indien und China. Noch vor 60 Jahren war Bhutan eine verborgene Welt, zwischen dampfendem Dschungel im Süden und eisgekrönten Felszacken im Norden. Das letzte Königreich im Himalaja entzog sich erfolgreich den Errungenschaften der Moderne. Es gab Bergpfade, aber keine Straßen, um Handel mit anderen Ländern zu treiben. 1960 wurde die erste Straße von Indien nach Bhutan gebaut. 1982 wurde der Flughafen gebaut, 1999 bekam Bhutan Fernsehen – als letzter Staat der Erde.

 

Freitag 24.05.2019, Ankunft in Bhutan, Briefing und Race-Check’s

Schon die Anreise gestaltet sich nicht ganz einfach. Ich habe mich für die Anreise über Indien (Neu-Delhi) anstatt Nepal (Kathmandu) entschieden. Weil beide Flughäfen dafür bekannt sind, dass das aufgegebene Gepäck verschwindet oder erst viel später ankommt, hatte ich alles für den Lauf Wichtige am Körper und im Handgepäck. Aber es ging alles gut. Auf dem Flug von Indien nach Bhutan hatten wir einen atemberaubenden Blick auf den Mount Everest. Einfach spektakulär! Die Landung auf dem Flughafen Paro (einem der gefährlichsten Flughäfen der Welt) war „spannend“! Der Flughafen liegt auf einer Höhe von 2300 Metern über dem Meeresspiegel. Sehr nah vorbei an schrägen Felswänden des Himalaja-Gebirges und Wohnhäusern „kitzelte“ es die Nerven schon eine wenig! Start und Landung auf dem 1981 Meter langen Rollfeld gelten als besonders schwierig und deshalb dürfen hier nur acht speziell ausgebildete Piloten landen.

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Gemeinsam mit 15 anderen Läuferinnen und Läufern, die über Neu-Delhi angereist waren, wurde ich am Ausgang des kleinen Flughafengebäudes bereits erwartet. Mit einem Kleinbus wurden wir in einer ca. einstündigen Fahrt nach Thimphu der Hauptstadt von Bhutan in unser Start-Hotel gefahren. Um uns herum die majestätischen Berge des Himalajas! Ein erstes Gänsehautfeeling!

Hier fand die Akkreditierung, der Ausrüstungscheck sowie bei einem gemeinsamen Abendessen ein erstes Briefing statt. Schön war natürlich, einige Bekannte von anderen Läufen wieder zu sehen! Es gab viel zu erzählen.

 

Samstag 25.05.2019   Transfer ins erste Camp

Nach dem Frühstück ging es dann mit einigen Zwischenstopps Richtung Camp Nr. 1.

Über Serpentinen ging es mit den Bussen permanent zunächst hinauf und dann wieder hinab! So langsam konnte man ahnen, was in den nächsten Tagen läuferisch auf uns zukommen würde.
Ein erster Stopp war am Dorchula-Pass zwischen Thimphu und Punakha dem mit 3100 m höchsten Punkt unserer heutigen Fahrt. Der Pass wird geschmückt von kleinen Tempeln. Die 108 Stupas (Tempelhäuschen) wurden zum Andenken an die 108 in einem Kampf gegen indische Rebellen gefallenen Soldaten gebaut. Bei schönem Wetter hätte man von hier aus einen 360 Grad Blick auf den Himalaja! Leider lagen die Gipfel in den Wolken. Wieder ging es nun bergab bis zu einem kleinen Dorf, in dem wir auch zu Mittag aßen. Dieses war der Pilgerort für Paare mit Kinderwunsch, da sich hier Fruchtbarkeitstempel Bhutans befindet. Alles war mit Phallussymbolen, die als Figuren aufgehängt oder meterhoch an die Hauswände gemalt sind, geschmückt. Was für uns sehr skurril anmutet, ist für Bhutanesen nicht anstößig, sondern ein gutes Zeichen für Glück und Fruchtbarkeit. Weiter ging es dann zur Punakha Klosterfestung, dass größte und wohl eins der schönsten Kloster Bhutans.

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Hier war auch der Start der ersten Etappe! Nach der Besichtigung der Klosteranlage war es dann nur noch eine kurze Fahrt ins erste Lager. Die Zelte waren schon für uns aufgebaut und auch unser bhutanisches Versorgungs- und Beratungsteam hatte die Feldküche schon eingerichtet. Das bedarf vielleicht einer kurzen Erläuterung:

Es ist nicht erlaubt, auf eigene Faust durch Bhutan zu reisen. „Jeder Tourist benötigt ein Visum und das erhält er nur, wenn die Reise von einem registrierten bhutanischen Reiseunternehmen organisiert wird. Mindestens 250 US-Dollar sind pro Tag und Person zu kalkulieren. In diesem Tarif sind alle Basisleistungen wie Übernachtung, Essen, Transport, Reiseführer sowie Chauffeur inbegriffen.“
Unserem Veranstalter Global Limits ist es gelungen, dieses entsprechend umzuorganisieren und für unseren Etappenlauf anzupassen. Um 18 Uhr gab es das erste, in der Feldküche zubereitete, Essen. Danach erfolgte das Briefing. Greifbar war natürlich auch die „Nervosität“ vor Rennbeginn. Überall wurde gepackt, geräumt und wieder ausgepackt. 

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Sonntag 26.05.2019 Etappe 1, ca.31km

Schon recht früh war „Leben“ im Camp. Jeder konnte ein Gepäckstück mit einem max. Gewicht von 10 kg. abgeben. Dieses wurde dann für uns von Camp zu Camp transportiert. Beim Lauf mussten wir also nur die Pflichtausrüstung, sowie die individuelle Nahrung (Gels, Riegel, etc.) und Wasser mitnehmen.
Um halb acht wurden wir dann die kurze Strecke zur Punakha Klosterfestung gefahren.
Hier wurden wir schon von gefühlten „Hunderten“ Schülern, sowie einer Vielzahl anderer Zuschauer erwartet. Nach dem üblichen Fotoshooting wurden wir und unser Lauf noch vom Lama, dem obersten Mönch des Klosters, gesegnet. Die Schüler sangen die bhutanische Nationalhymne.
Dann erfolgte endlich der Start! Durch ein Spalier aus jubelnden Schülern ging es los auf die erste Etappe. Das Abenteuer mitten im Himalaja begann!04 bhutan4

Die Strecke verlief die ersten 20 km recht flach entlang an Flüssen, in denen auch die Klosterfestung lag. Zunächst flussabwärts und dann flussaufwärts in einem großen Bogen zurück zum Kloster. Der Weg dorthin führte uns das erste Mal über eine Hängebrücke. Sehr lang (ca. 150m) und sehr schmal. 20 m bis 30 m unter uns der reißende Fluss! Schwindelfrei sollte man schon sein! Es sollte nicht die letzte Hängebrücke in dieser Woche sein. 

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Weiter ging es dann durch die königlichen Gärten. Eine sehr schöne und gepflegte Landschaft.

Die letzte 10 Kilometer führten uns da stetig bergauf bis zu unserem nächsten Camp. Mittlerweile war es sehr heiß geworden und der Aufstieg wurde zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Außerdem machte sich die fehlende Akklimatisierung für die Höhe bemerkbar. Also, „einen Gang runterschalten“ und langsam voran!

Für das heutige Camp waren unsere Zelte mitten im Innenhof eins Klosters aufgebaut.

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Die Begrüßung durch die jungen Mönche war sehr herzlich. Zu meiner Freude gab es im Ziel eine kleine Flasche Cola für jeden!

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Wir wurden dazu eingeladen an dem Abendgebet der Mönche teilzunehmen. Dieses ist normalerweise in buddhistischen Klöstern nicht üblich. Ich nahm wie die meisten die Einladung gerne an, war dieses doch eine sehr gute Gelegenheit die Kultur sehr nahe zu erleben. Leider begann es am Abend dann an zu regnen. Keine gute Aussicht für die Morgen anstehende Regenwaldpassage bis hinauf auf 3500 m.

 

Montag 27.05.2019 Etappe 2, 29km 

Bereits gestern beim Briefing auf die Tücken der heutigen Etappe hingewiesen, feuchter Regenwald und Blutegel! Es wurden morgens kleine Stoffbällchen mit einer Mischung auch Tabak und Kräutern verteilt. Ein einheimisches Mittel, welches gut gegen die Blutegel sein soll, wenn man sich die unbekleideten Körperstellen und die Fußgelenke damit einreibt. Es sollte sich als gut erweisen, dass ich zusätzlich noch DEET50 (ein chemisches Mittel) benutzt habe, welches sich auch schon beim JungleUltra bewährt hat.

Da es in der Nacht stark geregnet hatte, wartete nun der feuchte Regenwald auf uns. Nach einem kurzen Abschnitt durch Reisfelder ging es dann, nach dem Überqueren einer Hängebrücke, hinein in den Wald und hinauf zum Pass auf 3500 m Höhe. Mehr als 4 Stunden ging es nun, teilweise auf allen vieren, permanent bergauf. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die zunehmende Höhe machten es nicht einfacher. Eine schweißtreibende sehr anstrengende Angelegenheit, aber die faszinierenden Trails und die tolle, teilweise schon mystisch zu nennende Landschaft machten das alles mehr als wett!
Einfach wunderbar, hier an diesem Ort sein zu dürfen!

Ich war dann aber doch froh, endlich den Bergpass auf ca. 3500 m Höhe zu erreichen. Hier war ein Verpflegungspunkt eingerichtet. Wegen der Unzugänglichkeit des Ortes ist das Wasser bereits gestern unseren einheimischen Begleitern zu Fuß hier hochgebracht worden.

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Da es just anfängt zu hageln, verkürze ich meine Verschnaufpause auf ein Minimum und mache mich langsam trabend auf den Weg, ab jetzt permanent bergab. 

Irgendwann stand dann mitten auf dem Trail eine Kuh! Nichts Gefährliches, aber ich musste ja irgendwie um die Kuh herum. Das hat mich dann aber so beschäftigt, dass ich übersehen habe, dass ich eigentlich hätte abbiegen müssen! Zwei Kilometer Umweg, bergab und dann wieder bergauf. Ärgerlich, aber andererseits auch mehr Strecke fürs selbe Geld!

Nach 7:31h erreiche ich das Ziel. Heute übernachten wir in einem großen, mehrstöckigen Bauernhaus. Hier besteht auch die Möglichkeit sich, wenn auch kalt, zu waschen! Viele der anderen haben heute intensiven Kontakt mit den Blutegeln gehabt. Keine wirklich schöne Sache, weil die Stellen nachbluten, wenn man die Egel abmacht. Ich hatte zwar auch einige Saugstellen von den Viechern, aber der Geschmack von meinem DEET50 hat dafür gesorgt, dass sie sich wieder haben abfallen lassen.
In der Nachbarschaft gab es einige kleine Geschäfte, in denen es auch Cola und Bier zu kaufen gab!
Ein angenehmes Vergnügen nach so einer Etappe! Nach dem Briefing kehrte dann recht schnell Ruhe ein.

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Dienstag 28.05.2019 Etappe 3 (28 km 1800 hm)

Nach dem Start verlief der erste Teil der Strecke recht flach. Später waren unter uns im Tal die Häuser und auch der Königspalast der Hauptstadt Thimphu zu sehen. Die Berghänge waren mit den für Buddhismus typischen Fahnen und bunten Wimpeln geschmückt. Vorbei ging es an Gebetsmühlen und keinen Tempeln. 

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 Alles noch recht beschaulich. Dann kam der Wechsel, auf schmale, steile single Trails. Es wurde zunehmen mühsam! Das erste Zwischenziel war ein Kloster auf 2800 m. Hier endeten auch alle breiteren Wege / Straßen. Von hier bis zu unserem heutigen Tagesziel dem Phajoding Kloster geht es nur noch zu Fuß weiter. Auch unsere Taschen und alles andere wurde heute von Trägern hoch ins Kloster auf 3600 m getragen. Der schmale Weg war sehr anstrengend zu gehen, an laufen war für mich überhaupt nicht zu denken! Für die 6 km brauchte ich dann auch zwei Stunden! Der steile Weg und die Höhe zerrten gewaltig! Außerdem wurde es zunehmend kühler. Oben im Kloster werden wir alle schon sehnsüchtig von den jungen Mönchen erwartet. Dazu gleich Näheres. Ich bin froh, endlich oben zu sein, und gehe erst mal in unseren heutigen Gemeinschaftsraum. Hier verströmt ein Kanonenofen mollige Wärme und es gib was zu essen! Übernachtet wird heute, teilweise gemeinsam mit Mönchen, in deren kleinen Schlafräumen. Ich teile mir mit zwei andern Läufern einen Raum. Die für unsereins ungewohnte Einfachheit und die Umstände, unter denen hier auf einer Höhe von 3600 m gelebt wird, stimmt nicht nur mich nachdenklich!

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Aber wir sehen bei den erwachsenen Mönchen nur ruhige, ausgeglichene Gesichter! Die Kinder spielen glücklich und zufrieden miteinander und warten natürlich neugierig auf jeden ankommenden Läufer.

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Der größte Wunsch der jungen Mönche ist es, ein kurzes Fußballspiel gegen die Läufer und das Organisationsteam auszutragen. Der Lama des Klosters hat dieses erlaubt und somit wird der Wunsch von uns gerne erfüllt. Ein Tolles aber auch sehr anstrengendes Erlebnis, immerhin befinden wir uns im Himalaja auf einer Höhe von 3600 m. Da ich schon seit mindesten vierzig Jahren kein Fußball mehr gespielt habe, haut es mich natürlich prompt hin! Nichts Schlimmes, und beim Flicken der Hose habe ich viele kleine Zuschauer. Das 30-minütige Spiel endet dann 4:4 und alle sind zufrieden.

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Dann wird gegessen und das Briefing für den nächsten Tag erfolgt. Es wird schnell kalt und alle sind froh, warme Schlafsäcke dabei zu haben, die hier ober absolut erforderlich sind.

 

Mittwoch 29.05.2019 Etappe 4, 38 km

Nach einer kalten Nacht werden wir heute Morgen werden wir von der Sonne begrüßt!
Nach dem Start geht es zunächst für 1,5 km weiter bergauf. 

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Dann gibt es einen über 10 Kilometer langen Downhill, teilweise ohne jeden Pfad, durch die Wälder hinab ins nächste Tal. Einfach großartige Trails. Dem Tal folgen wir für die nächsten 8 km. Die Landschaft ist hier idyllisch, wir überqueren einige kleine Flüsse. Dann geht es wieder hinauf bis auf 3600 Meter zum nächsten zu überquerendem Pass. 8 km schmale Pfade und zwischendurch immer wieder tolle Ausblicke in die uns umgebende großartige Berglandschaft. Nach knapp fünfdreiviertel Stunden erreiche ich den Pass, auf dem ein kleines Kloster thront. Zwei Mönche sitzen hier und schnitzen Holzfiguren. Ich bin froh, dass es nun bergab geht bis ins Ziel. Aber die letzten 11 km ziehen sich dann doch noch sehr. Auf die schmalen steilen Pfade im Wald folgen schattenfreie Schotterwege und später Straßen hinab in Tal von Paro, wo auch der einzige Flughafen Bhutans liegt. Die steigende Temperatur und die stechende Sonne setzen einem ganz schön zu. Ich bin heilfroh, nach fast acht Stunden, endlich das Ziel zu erreichen. Zum Glück gibt es wieder Cola im Ziel. Eine wirkliche Wohltat!

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Die heutige Übernachtung ist wieder in einem mehrstöckigen Bauern / Wohnhaus. Hier ist man schon ein wenig auf Tourismus eingerichtet. Mir wird gesagt, dass wir hier die Möglichkeit haben, ein warmes Bad zu nehmen. Eine großartige Mitteilung, fand ich! Also schnell Quartier beziehen, Badehose an und ab Richtung Badehaus. Ich betrat einen Raum mit drei Badewannen. Kaum drinnen begann die dort wartenden Frau damit mich mit Wasser zu übergießen und mir Kopf, Rücken und Beine zu waschen! Von jemanden gewaschen zu werden, darauf war ich nun überhaupt nicht eingestellt und ihr könnt euch meine Überraschung sicher vorstellen! Gesäubert durfte ich dann in einen der drei Badewanne steigen. Ein wahnsinniges Gefühl, und so entspannend!

Kurz darauf kam eine Läuferin, auch um ein Bad zu nehmen. Die wurde genauso „überfallen“ bzw. mit waschen überrascht! Wir haben beide herzhaft gelacht! Später haben wir noch den 40zigsten Geburtstag eines Läufers mit einem Bier gefeiert. Dann ging es früh auf die Matratze, da am nächsten Tag die lange Etappe anstand. 

 

Donnerstag 30.05.2019 Etappe 5, 54 km 

Der Tag begann sehr früh, da der Start schon um 6 Uhr erfolgen sollte. Schmecke die erste Tasse Kaffee zwar noch gut, bekam ich jedoch leider beim Essen des Frühstücks ein merkwürdiges Gefühl im Magen.
Ich hab dann nicht weitergegessen und gedacht, „schauen wir mal, was der Tag so bringt“.
Der Start erfolgte pünktlich, die lange Etappe begann.

Leider blieb die Übelkeit in meinem Magen. Mir war klar, dass ich die Strecke ohne Nahrungsaufnahme nicht schaffen würde. Nach fünf langen Kilometern hab ich mich dann gezwungen, meinen Magen zu entleeren. Dadurch verschwand langsam die Übelkeit. Feste Nahrung (Riegel oder Gels) zu essen hab ich mich aber noch nicht getraut. Ich wusste ja, dass wir heute den Flughafen fast umrunden müssen, und hoffe auf die Möglichkeit mir Cola kaufen zu können. Also langsam weiter und hoffen! Nach ca. 20 Kilometern dann endlich ein Geschäft. Hier hab dann vier kleine Flaschen Cola gekauft und begonnen langsam zu trinken. Trink ich sonst nie Cola, ist sie bei Läufen schon immer mein liebstes Getränk, welches ich auch sehr gut vertrage.

Ich merkte, wie es mir allmählich besser ging und auch Energie zurückkam. Nach 35 km war das Tal mit dem Flughafen umrundet und ging links in ein anderes weites Tal hinein vorbei an Paro. Mein Magen hatte sich wieder beruhigt und ich war zum Glück auch wieder in der Lage feste Nahrung aufzunehmen. 

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Die nächsten Kilometer ging es an einem Fluss entlang. Eigentlich ideal zum Rennen oder Traben, aber dazu fehlte mir heute die Kraft. Es zog sich, aber ein Ultralauf ist nun mal lang und braucht Strecke.

Die letzten 10 Kilometer ging es dann langsam aber stetig bergauf. Die Strecke führte jetzt abwechslungsreich an, durch und über kleine Bäche und immer wieder über die schmalen Pfade der weitläufigen Reisfelder. Weit oben in den Bergen konnte man zwischen Wolkenfetzen ab und zu einen Blick erhaschen auf das finale Ziel unseres Etappenlaufes. Morgen sollte es dort hinauf gegen!17 bhutanH

Dann kam auch endlich unser heutiges Ziel in Sicht, der Ort „Drukgyel Dzong“ mit seiner Festung.

Hinein ins kleine Dorf und am Camp vorbei galt es noch einen letzten steilen Pfad hinauf zur Festung zu erklimmen! Dann, endlich im Ziel! 10 Stunden hab ich für die 54 Kilometer gebraucht und ich war froh, trotz Magen Problemen geschafft zu haben. 18 bhutanI

Das Camp mit dem Gemeinschaftszelt zum Essen war auf dem Dorfplatz aufgebaut. Wir selbst waren für die Nacht auf einige Häuser im Dorf verteilt. Untergebracht, gemeinsam mit drei anderen Läufern und einem 90 bis 100 Jahre altem Mann im ersten Stock eines Bauernhauses. Alle waren sehr freundlich und nett.

 

Freitag 31.05.2019 Etappe 6, 15 km

Wie gestern erfolge auch heute ein „Split“ Start. Die langsamen starten bereits um 5:30 Uhr.

Die beiden anderen Gruppen dann jeweils 30 Minuten später. Ich startete in der mittleren Gruppe.
Die ersten 11 Kilometer waren relativ flach. Es ging entlang eines Flusses und wieder über die schmalen Pfade von Reisfeldern und Bewässerungskanälen.

Dann kam endlich das ersehnte Ziel in Sicht! Das Kloster „Taktshang Goemba“, im Rest der Welt „Tiger’s Nest“ genannt. Das Wahrzeichen Bhutans hoch über uns, schien wie ein Schwalbennest an die Steilwand der Berge geklebt zu sein.

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Was für ein Anblick. Aber gleichzeitig auch die Frage: „Oh mein Gott, wie soll man dort hinaufkommen?“ Es geht! Aber sehr mühsam, sehr kräftezehrend und natürlich schweißtreibend!

Knapp 4 Kilometer mit ca. 800 Höhenmetern trennen uns nun noch vom Ziel. Also, auf geht’s, wir werden schließlich oben erwartet. Ein schier endloser Aufstieg beginnt. Immer wieder kommt unser Ziel in Sicht. Irgendwann befinde ich mich auf gleicher Höhe und dann sogar ein wenig über dem Tiger-Nest! Aber noch immer auf der dem Kloster gegenüberliegenden Seite. Alles ist zum Greifen nahe. Ich kann sogar schon den winzigen Platz in dem Kloster sehen, wo der Zieleinlauf ist. Dann sehe ich auch den Weg, der dort hinführt. Hunderte von Treppenstufen, die in den steilen Fels gehauen wurden. Zunächst wieder bergab, dann wieder bergauf bis zum ersehnten Ziel. Adrenalin strömt in den Körper und die letzte paar Hundert Stufen nehme ich nicht mehr wirklich wahr. Das Ziel ist endlich erreicht. Applaus, Glückwünsche, Umarmungen! Ich hab Tränen in den Augen. Freude und Erleichterung überfluten mich. Und ich bin nicht der Einzige, dem es so geht. Alle strahlen, sind begeistert und glücklich.
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Nachdem alle Läufer im Ziel sind, haben wir noch die Möglichkeit an einer geführten Besichtigung des Klosters teilzunehmen. Die Führung war interessant und empfehlenswert. Später ging es dann wieder runter ins Tal, natürlich zu Fuß. Niemand meckerte, und alle schwatzen fröhlich miteinander.

Unten warteten zwei Busse, die uns dann in unser Hotel fuhren. Welch ein krasser Gegensatz zu dem vergangenen Tagen. Ich hab dann erst einmal ein ausgiebiges Bad genossen. Luxus pur!

 

Siegerehrung

Vor der Siegerehrung und dem anschließenden Essen gab es noch kulturelle Vorführungen und Volkstänze.

Von jungen Männern und Frauen wurden Tänze und Gesänge dargeboten, die die verschiedenen Regionen Bhutans repräsentierten. Es war sehr schön.

Dann erfolgte die Siegerehrung. Mit einer Gesamtzeit von 38:33h habe ich Platz 19 von 28 Finishern, bei 31 Startern erreicht. Statt einer Medaille gab es eine kleine Gebetsmühle, eine sehr schöne Idee, die Bhutan sicher in meiner Erinnerung halten wird.

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Mir wurde dann, gemeinsam mit drei weiteren Läufern, noch eine weitere Ehrung zuteil:

„Global Limits Heritage Side Runner“

Einen Preis, bekommt, wer bestimmte Läufe finisht, deren Ziel in einem Weltkulturerbe liegt.

 

Bei mir waren das:

  • Cambodia - The Ancient Khmer Path, 220km
  • Sri Lanka - The Wild Elephant, 210km
  • Albania - The Hidden Treasure, 220km
  • Bhutan - The Last Secret , 200km

Der Veranstalter Stefan Betzelt überreichte mir eine personalisierte gravierte gläserne Trophäe.

Ein großartiges Geschenk.

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Das anschließende Büfett war sehr lecker. Mit dem ein oder andern „Kaltgetränk“ lassen wir den Abend dann gesittet ausklingen.

Tags drauf ging es dann recht früh zurück Richtung Heimat.

Eine wunderbare Woche, die ich nie vergessen werde, neigte sich dem Ende.

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Schlusswort
Bhutan ist ein faszinierendes Land, mit freundlichen, netten und aufgeschlossenen Menschen, das es zu bereisen lohnt. (Nicht nur wenn man Ultras laufen möchte)

Noch wird hier viel dafür getan Zustände wie in Nepal zu verhindern und eine andere Richtung im Tourismus einzuschlagen. Ich hoffe, dass das gelingt!


Mein Dank gilt auch dem Veranstalter Global-Limits, Stefan Betzelt und seiner Crew.
Das war jetzt mein sechster Lauf mit Global-Limits. Wie immer war alles sehr gut organisiert und die Strecken perfekt markiert. Ich habe mich auch bei diesem Lauf zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt.
Ich kann auch diesen Lauf uneingeschränkt empfehlen.

Wer Fragen zu diesem oder einem die anderen Läufe hat, kann mich gerne kontaktieren.

 

Text und Bilder: Dietmar Rosenau 08.07.2019

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