Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

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Josef Hader, Alfred Dorfer, Klaus Eckl und Lisa Eckhart: Die Österreicher sind bekannt für ihre kabarettistischen Extreme. Aber sie können es auch im Laufen extrem. In der Alpenrepublik locken viele lange Trailläufe mit vielen Höhenmetern. Und es geht auch flach und extrem: Bereits zum elften Male wurde der 48-Stunden-Lauf in Gols am Neusiedlersee ausgetragen.

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Es begann mit drei weiblichen und acht männlichen Finishern im Jahre 2008. Aus dem Geburtsjahr resultiert auch noch der Rekord über 422 km von Ultralauflegende Iannis Kouros, die weibliche Bestleistung liegt bei 305 km, erlaufen von Karin Sperrer.

Beide Bestmarken wurden heuer nicht erreicht. Die Leistungen von 2019 können sich trotzdem sehen lassen, aber hallo !!! : Die Wienerin Judith Regner erreichte mit einem 48 Stunden lang durchgängigen, leichtfüßigen Laufstil (dem Autor dieser Zeilen ein bewunderndes Rätsel) 263 km, der (ebenso aus Sicht des Autors) junge Pole Tomasz Wasziewicz (hoffentlich mit genügend vielen „c“ und „z“ richtig geschrieben) bewundernswerte 348 km.

G9Die LG Ultralauf war ebenfalls vertreten: Die Berlinerin Elisabeth Ploch absolvierte ihren zweiten 48er und meiner einer als frischgebackenes LG Ultralauf-Mitglied wollte sich zum ersten Mal über dieses Format wagen und über die 24 Stunden hinaus neue Erfahrungen sammeln. Sozusagen, wie das Raumschiff Enterprise meiner Kindheit in neue Galaxien vorstoßen.

Bei der Anfahrt auf das Festivalgelände war Elisabeth, dank der LG Teambekleidung leicht zu erkennen. Sie wusste nichts vom „Vereinskameraden“ da ich mich zur Zeit der Anmeldung noch vereinslos registrieren ließ. Ich hingegen sah ihre Vereinszugehörigkeit ja aus der Teilnehmerliste.

Nach herzlicher Begrüßung wurden gleich die ersten gemeinsamen Fotos gemacht und Infos und Erfahrungen ausgetauscht bzw. bekam ich von ihr wertvolle und interessante Tipps bezüglich der 48 Stunden. Diese Tipps setzten sich während des Rennens hilfreich fort. Herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle.

Elisabeth schaffte eine sehr deutliche persönliche Bestleistung von 177 km. Dies bedeutete Platz 4 bei den sechs weiblichen Finishern. Mein primäres Ziel war natürlich, die 48 Stunden überhaupt durchzuhalten. Auf Basis der 24-Stunden-Lauf Ergebnisse der letzten zwei Jahre, 118 -132 km, dachte ich mir, wenn durchkommen, dann wären 200 km super. Als selbstständiger Masseur und Manualtherapeut mit 60 bis 80 Stunden pro Woche bleiben immer nur das Wochenende und Feiertage zum Trainieren. Aber für diese Ultras, so sage ich mir, sind meine vielen 15 bis 17 Stunden Arbeitstage besser als mancher Trainingslauf. So kann man sich das halbleere Glas halbvoll reden.

Beide Ziele wurden erreicht: Knecht Rupprecht hat die 48 Stunden durchgehalten und mit 204 Kilometern noch den 18.Platz bei 27 männlichen Finishern erreicht. Besonders froh war ich, den Golser Lauf für das 48 Stunden Debüt gewählt zu haben: Ein absolut herzliches Betreuer- und Organisationsteam. Habe selbst bei Sri Chinmoy-Läufen keine solche Betreuung erlebt.

Das Buffet, „die Labe“ , ließ keine Wünsche offen.

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Die Laufstrecke selbst ist auf dem Volksfestplatz, neben der Neuen Mittelschule, in der Übernachtungsmöglichkeiten, Massage, Toiletten etc. waren, vor allem SAUBER!!! Ein flacher Rundkurs von einem Kilometer, an einigen Stellen ein paar Bäume. Eingebettet in den 48er ist noch ein Sechs-Stunden-Lauf,so dass es Samstag ab zehn etwas voller, aber nie störend wurde. Wolfgang Franz von www.zeitnehmung.at (Ergebnisse und Video), der sich für die Zeitmessung verantwortlich zeichnete war gleichzeitig Moderator und für die Musik zuständig. Vielen Dank für die Realisierung meines Ostbahnkurti – Musikwunsches. „War leiwand“. Hat mich aus einer Gehphase umgehend wieder in eine Laufphase gebracht. Wolfgang führte mit Sympathie, Sachkunde und respektvollem Schmäh durchs 48 Stunden-Programm.

Als ich am „after race day“ nachmittags, bei blauestem Himmel beim Apfelmohnstrudel und einer Melange am Neusiedler See auf der Seeterrasse saß, ärgerte ich mich nur, nicht noch ein, zwei Tage mehr angehängt zu haben. Die „cinemascope“-Landschaft der pannonischen Ebene mit dem See und den gemütlichen Menschen versetzen einen in einen äußerst angenehmen, regenerativen „chillout“-Modus.

Das Orga-Team des Golser Ultrafestivals um Magdalena Hafner will den Lauf auch für die Zukunft, von der Teilnehmeranzahl, sehr limitiert halten um diese Betreuung zu garantieren und um nicht auf ein anderes Gelände ausweichen zu müssen. Gott sei Dank. Um es mit den Worten eines anderen Österreichers (Bodybuilder, Schauspieler, Gouverneur) zu sagen: „I`ll be back“.

(Oliver Rupprecht)

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… Und wie es Oliver so schön beschrieben hat: „I´ll be back, too!!!“ Aber die Gründe meinerseits sind wohl etwas andere. Es ist die Landschaft der Pannonischen Tiefebene, die heute von 7 Ländern umfasst wird und bereits zu Zeiten der Römer gerne eingenommen wurde. Heute liegt ein Teil in Österreich, war früher „Westungarn“ – dort, wo Weine gedeihen und die Menschen die Gemütlichkeit pflegen. Stress ist hier ein Fremdwort, denn jeder gute Wein braucht Ruhe und Zeit. So startete ich mit dem Vorsatz 100 km in 48 Stunden laufen zu wollen oder zu gehen – so wie es eben geht und wenn nicht? Na dann wollte ich wenigstens die Melange trinken, Kaiserschmarren genießen und mit den Menschen reden. Ich wusste, dass ich in Österreich die Menschen finden würde, die mich nicht zur Leistung drängen würden und verstehen würden, dass ich vor allem eines wollte, nämlich "dabei sein". Dass ich einen Vereinskollegen finden, die Bestzeit meines Lebens zusammenbringen und mich bei mollig warmen Temperaturen von bis 26/27 Grad und einer stechenden Sonne über den Asphalt quälen würde, hatte ich mir erst mal nicht ausgemalt. Mein Köper tat es – freiwillig und ohne Allüren, ohne Malessen und Zimperlein. Doch woran lag das? An einem super Team und grandios tollen Mitläuferinnen und Mitläufern, die immer in den Pausen beim „Kaffeeeeeeeeeeeeeee“ (in der musikalischen, österreichischen Sprache) und bei der „Suppn“ im Zelt zu finden waren. Das Herz der Menschen schlägt hier im Dreiviertel-Takt wie beim Walzer und so wie die Betonung und die Pause zu jeder guten Musikkomposition dazu gehören, so muss man sich einen Lauf wie ein Musikstück vorstellen: Zäsuren, Pausen, unterschiedliche Lautstärken, unterschiedliche Laufrhythmen. Man lernte sich schnell kennen und Zeitdruck kennt man in Gols nicht. Die Hauptsache ist, mit dem Herzen dabei zu sein. Für überambitionierte Gelfreaks mit missionarischen Leistungsgedanken ist die Veranstaltung eher weniger geeignet, denn hier muss man es auch mit der Gemütlichkeit probieren, d. h. ordentliche Pausen machen, sich auch mal ins Zelt setzen und nach 200 km nicht nur die Beine, sondern auch noch Messer und Gabel bewegen zu können. Hinsetzen, Aufstehen und Pausieren beherrschen oder um es anders zu sagen: „In der Ruhe liegt die Kraft.“

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So mancher Leser wird jetzt wohl denken: „Oh, die Arme – nur der undankbare vierte Platz!“. Oh nein, für mich war und ist das eine ganz tolle Platzierung, denn ich hatte die Ehre, mit Christian Stolovitz Runden gedreht zu haben, und das Vergnügen, an wundervollen Gesprächen teilnehmen zu dürfen. Wir wurden beide VIERTE – es hatte etwas schicksalhaftes. Wir finishten zusammen und hatten die gleiche Platzierung. Er mit 284 km und ich mit 177km – die Zahlenkosmetik musste schon stimmen. Nicht irgendwelche Zahlen. Für Oliver Rupprecht war es klar – es mussten 200 km sein. Für mich musste eine 1… mit x Kilometern her, aber wieviel sollte ich laufen und gehen? Und wie weit würden mich die Füße 14 Tage nach dem 24h Lauf in Basel tragen? 100? 130? 150? Und die 177 klingt doch super. Darum ein herzliches Dankeschön an alle! An Magdi und das Team: „Des hat passt!!!!“ Oder wie der Berliner sagt: „Det war richtig dufte und rundum jut.“

(Elisabeth Ploch)

Texte: Oliver Rupprecht und Elisabeth Ploch, Bilder: Elisabeth Ploch, 06.06.2019

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