Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Eingebettet zwischen den Meisterschaften in Störitz und Mörfelden bot sich am letzten Wochenende ein Doppelwettkampf an, bestehend aus dem WUT am Samstag und dem Bonn-Marathon am Sonntag.

logo wutDer WUT ist ein Gruppenlauf über 65km mit 2100 Höhenmeter im Westerwald. Start und Ziel ist in Waldbreitbach, die Strecke führt über alle umliegenden Berge. Nach dem Lauf gehört ein opulentes Buffet zur Veranstaltung, auf das ich leider verzichten musste, weil zu Hause ein Gast wartete. Es waren einige LG Ultralauf-Mitglieder am Start und es gab viel zu erzählen, was natürlich bei so einem Gruppenlauf perfekt funktionierte, da das Lauftempo für mich so mittelanstrengend war und die etwa 60 Personen umfassende Gruppe regelmäßig auf einander wartete.

Carmen WUT2

Andreas Häußer beschrieb den Lauf so:

Andreas 1Wofür steht der WUT?
Peace, Love and Harmony.
Freunde wiedersehen.
Die große vegan-vegetarische Pastaparty.
Schönes Wiedtal.
Bergziegenrennen (Figo und Leonie)
Roßbacher Häubchen.
Neue Herausforderungen (GC Skyrace)
Aufgeschobene ToDo-Lists
Tuntiges Stöckeln.
Ultra-Novizen-Taufe.
Falsche Trikots.
Fockenbacher Höllenhunde.
Sweet Donkey.
Alles richtig gemacht.
Danke Josef und Wolfgang.
We'll be Back.

Carmen WUT3

Es boten sich immer wieder tolle Fernblicke über das Wiedtal und über den Westerwald.

Carmen WUT1

Carmen und der Esel

Carmen WUT4

Kerstin Conrad und Carmen Tautges

Leonie1

Ein eher zufälliges Gruppenbild mit 5 Vereinsmitglieder: Katja Dasbach, Kerstin Conrad, Andreas Häußler, Jan Förster und Michael Irrgang.

Für Carmen waren die Höhenmeter etwas ungewohnt und sie nutzte die Möglichkeit, den Spaß etwa nach der Marathondistanz zu beenden, denn auch sie hatte am nächsten Tag noch etwas vor.

Ihr Resümee fiel so aus:

Der WUT, ich hatte MUT 🤗 Was für eine tolle Strecke und Laufveranstaltung - ein Gruppenlauf ohne Zeitmessung, nette Mitläufer, gut bestückte VPs mit jeweils 10 Minuten Pause (nix rausgestoppt), gaaanz viel Wald, super Wetter und immer wieder hoooooch und hoooooch und runter und wieder hoooooch 🙈 Geplant waren 65 km mit 2100 Höhenmeter, geschafft habe ich knappe 44 km mit 1500 Höhenmeter. Den Beinen und dem Körper geht es gut, aber wenn der Kopf immer wieder schreit, dass er jetzt ehrlich und wirklich keine Lust mehr hat, fängt die "Quälerei" an und der Spaß verschwindet. Stadtkind, Neuling beim Ultralaufen und eine, die noch nicht sooo viel Trailerfahrung hat - 1500 Höhenmeter... Habe ich noch niemals geschafft und ich bin damit total zufrieden😊 Mit ein bisschen "Biss" wäre der Rest bestimmt auch noch zu schaffen gewesen, aber der Spaß steht halt ganz oben. Und den habe ich definitiv irgendwo bei km 39 verloren 🙈 Mal gucken, wie es mir morgen geht - zur "Not" gehts zum Frühstück 🤓

Carmen BN

Am Sonntag folgte dann der Bonn-Marathon. Carmen wählte die auch nicht einfache Light-Variante und begnügte sich mit dem Halbmarathon, den sie souverän finishte.

Der Start für die Halbmarathonläufer erfolgte ganz schön früh. In welcher Stimmung ich war, als ich die Saisonplanung machte, ist mir im Nachhinein völlig unklar.

Angesichts meiner aktuellen Form war die Idee, am Samstag den WUT zu laufen und am Sonntag als Zugläufer für 4:30 eine hohe Verantwortung zu übernehmen, mehr als optimistisch. Heftige Krämpfe am Samstagabend gaben mir zu verstehen, dass sich der WUT zwar gut anfühlte, aber doch meine Beine arg strapazierten.

Bonn ist mein einziger Straßenmarathon im Jahr. Seit etwa 15 Jahren laufe ich dort als Zugläufer, seit 10 Jahren organisiere ich diese Gruppe, die sich meist aus gestandenen Ultraläufern zusammensetzt.

In diesem Jahr sollte es erstmalig eine Gruppe für 5:00h geben und ich fragte mich im Vorfeld, wie man sich klug das Rennen für diese Zeit einteilt.

Zum Spaß versuchte ich einmal meine kleine Hausrunde so langsam, wie irgend möglich zu laufen und kriegte kein Tempo langsamer als 6:45 pro km hin. 5:00h ist aber ein Durchschnittstempo von 7:07min pro km!

Nun ergab es sich, dass am Freitagabend ein Zugläufer für die 5 Stundenzeit absagte und ich versuchte das Unmögliche, innerhalb weniger Stunden Ersatz zu finden, da ich ja den ganzen Samstag nicht erreichbar war. Michael Derlich bot spontan seine Unterstützung an, aber nur für 4:30h, mit dem Kommentar „langsamer geht nicht“.  So nahm ich das Angebot des Schicksals an und wechselte auf die langsamere Zielzeit.

Wie üblich fuhr ich mit dem Rad nach Bonn, brauchte nur 5 Minuten länger als sonst. Unterwegs nur einen Gedanken im Kopf: Wie willst du heute einen Marathon laufen? In Bonn angekommen, liefen die Vorbereitungen routiniert ab. Die meisten der eingesetzten Zugläufer sind schon oft in Bonn dabei gewesen und kennen die Abläufe: T-Shirts, Ballon verteilen, Foto machen und auf in den Startblock.

Zuglaeufer 2019 klein

Traditionell stellt die LG Ultralauf den Großteil der Bonn-Zugläufer. Mit dabei waren diesmal Carsten Schwenke, Klaus Haake, Axel Densing, Kathi Bey, Stefan Henscheid, Michael Irrgang, Jonathan Gakstatter

Logo bnmDie erste Überraschung war, dass es tatsächlich Leute gibt, die genau 4:59 laufen wollen. Meine Vermutung ging eher in die Richtung, dass die Leute, die letztendlich 4:59h laufen, die ersten 20 km in der 4:30h-Zugläufergruppe mitlaufen. Aber falsch gedacht, es bildete sich direkt eine kleine 10 Personen starke Gruppe, die Jürgen Axmacher, mein Zugläuferpartner und Vereinskollegen aus Troisdorf und mich begleiteten.

Der Startschuss fiel und kurz vor den Besenläufern überquerten wir die Startlinie – jetzt nur nicht zu schnell starten! Das KM 1-Schild kam und die Uhr zeigte 7 Minuten – perfekt! Bei Kilometer 2 hatten wir genau 14 Minuten - das schien heute genau mein Tempo zu sein! Im Laufe des Tages überquerten wir viermal die Kennedybrücke, es wurde wärmer und windiger, aber mehr oder weniger liefen wir den gesamten Marathon in 7 min pro Kilometer und gingen bei den Verpflegungsstellen immer so 20 bis 30 Meter.

Das Lauftempo fühlte sich ganz gut an, die Mitläufer waren alle sehr nett und so hatten wir wirklich viel Spaß, nur die Kilometerschilder kamen unglaublich selten. Etwa bei Kilometer 17 wurden wir auf dem 2-Rundenkurz von dem späteren Sieger überholt - noch so ein deprimierender Moment. Ich musste ab und zu meine verspannte Muskulatur dehnen, aber sonst lief es eigentlich ganz gut.

Überraschenderweise mussten die meisten Gruppenmitglieder sogar abreißen lassen, sodass wir ab km 30 nur noch 2 Mitläufer hatten. Der eine wollte einen Marathon im 100km-Tempo laufen, weil er sich auf Biel vorbereitete. Bei km 35 zündete er den Turbo zur Endbeschleunigung und wurde nicht mehr gesehen.

Der andere lief seinen ersten Marathon und wollte mit geringstmöglichem Aufwand und Risiko unter 5 Stunden finishen. Da er keinerlei Schwäche zeigte, verzichteten wir auf die geplanten kurzen Gehabschnitte auf den letzten 5 km und peilten eine 58er Zeit an. Doch plötzlich, als das Ziel in Sichtweite kam, passierte das, was allen Ersttätern passiert: sie bekommen einen gewaltigen Schub Endorphine, die sogenannten Erlösungs-Glücksgefühle und er gab Gas. Kopfsteinpflaster, etwas ansteigend über den Bonner Rathausplatz an dessen Ende der Zielbogen steht – 4:30er Tempo. Ich dachte sofort: „das sind die Momente, in denen man sich eine Zerrung holt“ und ging das Tempo mit. Im Ziel hatten wir eine Zeit von 4:57; er war überglücklich und ich restlos ko.

Fazit: Einen Marathon in 5 Stunden kann man machen, muss man aber nicht. Und zweimal schon gar nicht. Daher suche ich für 2020 jemanden, der gerne und zuverlässig diese Zielzeit läuft. Der Termin ist der 26. April 2020 und damit nach Ostern und weit weg vom WUT, der immer zwei Wochen vor Ostern stattfindet.

Text: Michael Irrgang, Andreas Häußler, Carmen Tautges, Bilder: Carmen Tautges, Andreas Häußer, Leonie Eisebraun, Michael Irrgang, 10.04.2019

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