Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

12h Lauf von Edda und Elisabeth in Störitz (Brandenburg)

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Da lebt man nun seit Jahren in der Mark Brandenburg und denkt, man kenne alle Regionen. Störitzland war aber auch für mich in der Gänze des Geländes Neuland. Kein Wunder; allein schon dort hinzufinden stellt höchste Anforderungen an Orientierungssinn und Navigationsgerät. Beide verabschiedeten sich jedoch bei mir spätestens an einem Kreisverkehr irgendwo im Nirgendwo im Landkreis Oder-Spree. Schließlich fand ich doch noch irgendwie hin. Frei nach Fontane (1819-1898) erkundete ich dann das Charakteristische des Ortes. Es musste ja noch Einiges organisiert werden für den 50-Kilometer-Lauf der von DLV und DUV veranstalteten Deutschen Meisterschaften, in deren Rahmen auch ein 12-Stunden-Lauf stattfand. Für Letzteren hatte ich mich angemeldet.

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Das Charakteristische des Ortes war schnell erkundet, denn die Gegend um den Söritzsee ist, um es ebenfalls mit den Worten eines bekannten märkischen Literaten (Loriot) zu beschreiben, "sehr übersichtlich". Fontane muss sich wohl auch mal hierher verirrt haben, denn ich fand in seinem Buch "Spreeland" folgende Beschreibung der Landschaft:

"Es war eine alte knorrige Kiefer, eben noch aus der Zeit her, wo man die Bäume nicht schwächlingsschlank heranzog, sondern es lieber hatte, sie sich knorrig – original entwickeln zu lassen. … Es bewahrt jenes anheimelnde Stück Romantik, das in Abgeschiedenheit und Öde, vor allem aber in einem gewissen Hospizcharakter begründet liegt. … Nichts begegnet dir außer einem schief stehenden Wegweiser, der seine öden Arme schlaff zu Boden hängen läßt, oder eine Krähe, die den Kopf in das nasse Gefieder einzieht und sich trübselig matt besinnt, ob sie auffliegen soll oder nicht."

Treffender hätte ich das auch nicht formulieren können. Die Freizeitanlage am Störitzsee war Fontane natürlich noch nicht bekannt, denn diese wurde erst nach 1945 als zentrales Pionierlager "Alexander Matrossow" errichtet. Sicherlich hätte Fontane auch für diese Anlage wohlformulierte Freundlichkeiten hinterlassen. Besonders beeindruckt hätte ihn wahrscheinlich der herbe Charme der Innenausstattung, die zwar im Zuge der Nachnutzung des ehemaligen Pionierlagers in die "Freizeitanlage Störitzland" aufgehübscht wurde, aber noch heute den damaligen Standard erahnen lässt.

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Mit Edda Bauer bildete ich eine Art Schicksalsgemeinschaft sowohl was die Unterbringung als auch den 12-Stunden-Lauf anbetraf. Geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude, was angesichts der beschriebenen Charakteristika des Ortes und der Unterbringung für uns beide durchaus hilfreich war, zumal ich an diesem Wochenende Geburtstag hatte und diesen in Gemeinschaft zu feiern versuchte. Diejenigen Teilnehmer, die sich entschlossen hatten, in einem Hotel in Woltersdorf mit all seinen Annehmlichkeiten zu residieren, hatten unser Mitgefühl, denn ihnen entgingen unvergessliche Eindrücke, inklusive der völligen Internetabstinenz.

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Die Laufstrecke ist schnell beschrieben. Eine 5-Kilometer-Runde mit dem Anfang um das Gelände. 2 km Kiefernallee mit Asphaltstrasse geradeaus, eine knorrige Kiefer neben der anderen, die kein Ende nehmen wollten, und in allen möglichen Variationen. Immerhin gute Luft. Dann an der Kreiskommunalstraße am Wald entlang ging es auf einen Waldweg und man kam dann dort wieder an, wo der Lauf begann – auf dem ehemaligen Pioniergelände. Tja, so war jedes Ende zugleich ein neuer Anfang.

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Die 50-km-Meisterschaftsgruppe war bereits fertig als Edda und ich noch mitten im 12-Stunden-Lauf waren. An der Mitgliederversammlung, die nach dem 50-km-Lauf stattfand, konnten wir daher nicht teilnehmen. Während also die einen redeten, kämpften Edda und ich, uns Kilometer für Kilometer durch die märkische Streusandbüchse gemäß dem Spruch „Aller Geist geht aus der Selbstbeherrschung hervor“ (Bettina von Arnim, 1785-1859). Die Unterhaltung kam dabei nicht zu kurz und wir tauften den Parcours kurzerhand um in den „marathon de communications“. Sogar für Romantik war noch etwas Platz, als die Sonne bei Sonnenaufgang und Untergang zwischen den Bäumen zu sehen war, dazwischen die Lichtung zum See. Edda und ich – in unserer Ultramanier, ließen uns weder die Müdigkeit, noch die Facettenarmut der Landschaft, anmerken. Wir verteidigten tapfer die ersten Plätze von rückwärts und absolvierten einen Ultramarathon. In solchen Momenten genießt man das Schöne, die gute Luft und die Ruhe – auf der Strecke war es ruhiger geworden. So kann ich meinen Bericht erneut mit Fontanes Worten abschließen:

"Sei heiter und vergnügt und nimm teil an der Freude der anderen. Dabei fällt dann immer auch etwas eigene Freude ab."

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Text und Fotos:Elisabeth Ploch, 05.04.2019

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