Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

MA SusanneAm 2.3. fand der 27. Marburger Lahntallauf statt. Die Teilnehmer können aus dem folgenden Streckenangebot wählen: 10 km, Halbmarathon, 30 km, Marathon und 50 km.

Die LG Ultralauf war mit insgesamt 9 Läufern am Start, acht Läuferinnen und Läufer für die 50 km, eine Läuferin für die 30 km.

Am Tag vor dem Lauf trafen wir uns schon zur Startnummernabholung mit Susanne Gölz. Dabei hatte ich die Ehre, ihr unsere Leistungsmedaille in Silber für ihre hervorragende Leistung von 75,595 km bei den 6h in Bottrop zu überreichen. (Foto)

Kurz vor dem Start haben Guido und ich uns noch zu einem kleinen Gruppenfoto mit Susanne, Sylvia und Franz Faller zusammenfinden können. 

Unsere anderen Mitglieder Stefan Daum, Klaus Haake, Michael und Katrin Wiesner haben wir erst während bzw. nach dem Lauf getroffen.

MA Start

Gelaufen wurde auf einer 10-km-Runde. Auf den ersten beiden Kilometern hatten wir immer einen unangenehmen Gegenwind, ansonsten war das Wetter zwar recht frisch und bewölkt, aber trocken.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Susanne hat bei den Frauen mit 3:43:31 den Lauf mit großem Abstand für sich entscheiden können. Stefan erreichte bei den Männern mit 3:48:42 den 5. Platz und den 2. Platz in seiner Altersklasse; Sylvia erzielte mit 4:34:40 eine neue persönliche Bestzeit und den 1.Platz in ihrer Altersklasse; Klaus lief nach eigenen Angaben einen langen Trainingslauf nach einer Erkältungspause und absolvierte diesen souverän in 4:41:29.

Michael kam in guten 4:56:08 ins Ziel. Guido legte in der letzten Runde einen unglaublichen Endspurt hin, so dass auch er noch mit 4:57:04 (1. Platz AK) wie Franz (4:58:37) unter der 5h-Marke bleiben konnte.

Bei mir lief es irgendwie nicht so gut, aber ich habe den Lauf doch zu Ende gebracht, so dass auch wir Frauen wie die Männer in die Mannschaftswertung gekommen sind: 1. Platz für beide Mannschaften, aber wir waren auch konkurrenzlos ;-)

MA Mannschaften

Im Teamduell haben allerdings die Frauen knapp gegen die Männer gewonnen!

Katrin erreichte bei den 30 km den 1. Platz in ihrer Altersklasse mit 2:54:46. Für sie bedeutete die Teilnahme ein Come-back nach einer längeren Babypause und mit dem Ergebnis war sie super zufrieden!

MA Katrin

Leider gab es keine richtige Siegerehrung zu einem definierten Zeitpunkt, so dass wir hier keine Fotos machen konnten. Susanne bekam für ihren 1. Platz einen handbemalten Krug, den sie uns später in der Umkleide gezeigt hat.

Ganz besonders möchte ich noch den Einsatz unserer Kassenprüfer Dietmar Rosenau und Volker Greis hervorheben. Sie sind extra nach Marburg angereist, um mit mir nach dem Lauf die Unterlagen für die Kassenprüfung durchzugehen. Nochmals vielen Dank!

Am späten Nachmittag sind dann Sylvia, Franz, Guido und ich noch einer Einladung zur „Nachlese“ bei Norbert Madry gefolgt und konnten dort den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Text: Evi Piehlmeier, Bilder: Evi Piehlmeier, Klaus Haake und Katrin Wiesner, 5.3.2019

Einmal im Jahr lädt der Landessportbund Rheinland-Pfalz zur Meisterehrung ein.

ME 2

Geladen waren Deutsche Meister sowie Podestplatzierte bei Europa- und Weltmeisterschaften der zugehörigen Vereine und da unser Vereinssitz in Kaiserslautern und wir Mitglied des Landesverbandes Pfalz sind, wurden wir nun schon zum zweiten Mal für den Meistertitel mit der Frauenmannschaft im 100km-Lauf geehrt. Rita war vor Ort und berichtet von der Veranstaltung.

ME 3

Am 22.02.2019 fand in Ingelheim/ Rheinland-Pfalz die Meisterehrung 2018 statt. Die LG Ultralauf wurde Deutscher Meister im 100 km Strassenlauf Frauenmannschaft mit Kirsten Althoff, Claudia Lederer und mir, Rita Nowottny-Hupka, mit ihrem Trainer Michael Irrgang.

Ich habe die Ehre gehabt an der Veranstaltung teilnehmen zu dürfen und bin begeistert. Die Veranstaltung fand in der KILG Halle statt. Anwesend waren 156 Sportler und 20 Trainer aus den unterschiedlichsten Sportarten, angefangen mit Aerobic bis Windsurfen, insgesamt 34.

ME 1

Die Leichtathletik wurde am stärksten Vertreten, mit Deutschen - bis Europa Meister. Unsere Meisterschaft ging ein bisschen unter.... Nicht schlimm. Die Veranstaltung war sehr liebevoll organisiert. Es fehlte an nichts. Die Sportler fühlten sich sehr geehrt und sehr gut "versorgt". Die Atmosphäre war sehr harmonisch und ausgelassen.

Ich bin sehr stolz und dankbar, an der Veranstaltung teilgenommen zu haben. Und jetzt heißt es für mich, wieder viel und schnell zu laufen, damit ich nächstes Jahr wieder an der Meisterehrung teilnehmen darf.

ME 0

Texte: Michael Irrgang, Rita Nowottny-Hupka, Bilder: Manfred Hupka, 02.03.2019

 

 

Einmal um den See rum oder "Was einfach klingt ist manchmal doch etwas komplizierter!"
Als Schüler war es super einfach, da lief ich in langen schwarzen Baumwollhosen, das war in den 60ern, in meiner Geburtstadt Grevesmühlen/Mecklenburg um den Vielbecker See, rund 2,5 Km, herrlich! Längste Trainingsstrecke damals waren 10 Km.
Viel später folgte der Tollensesee – Marathon. Und ich war doch ziemlich überrascht von den nicht zu unterschätzenden Hügeln in Mecklenburg.
Ultra - See - Premiere war rund um die Müritz (2010), wohl an die 72 Km, lief bei Hitze prima, wäre fast noch aufs Podest gerannt, aber so ein richtiger Ultra war ich eben noch nicht, also auf dem Schlußkilometer total platt und verkackt.
Wunderschön ist die Runde um den Ratzeburger See, 26 Km etwa, da war ich sogar schon zweimal – Besonderheit: Die Strecke verläuft über die ehemalige innerdeutsche Grenze und war so erstmalig 1990 laufbar! Leider zum 1.Advent meist mit Mistwetter!
FT HD1
Nun also 2019 ein neuer Versuch – diesmal stand der Plauer See auf dem Plan: Fishermanstrail – Winteredition!
Mit 80 Teilnehmern war die familiäre Veranstaltung ausgebucht, und das zu Recht! Von der Pastaparty mit Briefing am Vorabend in der Fischerei, über die Laufstrecke bis zum Wetter und Fischessen am Abend nach dem Lauf (war ich ausließ) passte alles!
Es war zwar eisig kalt am Start um 8 Uhr, aber sonnig, bei leichtem Wind, trotzdem habe ich außer den Handschuhen nichts ausgezogen auf der langen Strecke! Laufrucksack mit Getränk, Notfallfolie, Handy etc. waren Pflicht – gut so, denn so einfach ist das eben doch nicht rund um einen ziemlich zerklüfteten See. 56 sollte die Strecke lang sein – ich habe es immerhin dank zwei Verläufen auf 61,5 Km geschafft, längeres Laufvergnügen für das gleiche Geld!
Natürlich hat das etwas Zeit, Tempo und Nerven gekostet, aber es war insgesamt so schön, über Trails, insgesamt ziemlich flach, mit zwei fiesen Treppen, durch herrliche Buchenwälder zu laufen. Natürlich wäre ich ohne Umwege noch weiter vorn gelandet, aber das Ergebnis ist sowieso zweitrangig. Ich bin wohl gerade dabei, Wettkämpfe als Training anzusehen und zu genießen!
Das alkoholfreie Erdinger im Ziel war köstlich, nach Dusche, einer Tasse Kaffee und etwas Kirschkuchen ging es mit Urkunde und Finishermedaille in Form eines Hecht-Blinkers gen Heimat.
Eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung – und meine bisher originellste Medaille!
Im September gibt es übrigens die Sommeredition des Fishermanstrails!
FT HD2
Vereinskollegin Steffi Reuter war auch am Start und hat ebenfalls einen Bericht geschrieben, den ihr hier lesen könnt.
Text Hans-Dieter Jancker, die Bilder sind mit freundlicher Genehmigung vom Veranstalter, 28.02.2019

FT1

Der Fishermanstrail ist ein Traillauf um den Plauer See herum.

Zweimal im Jahr findet der Lauf statt. Es gibt die Sommer Edition und die Winter Edition.

FTBFür mich war es am 23.02 der dritte Start in Alt Schwerin und ich hatte mich schon relativ früh wieder angemeldet. In der recht günstigen Startgebühr sind einige Leistungen enthalten: Pastaparty am Vorabend, Frühstück für alle Läufer am Veranstaltungstag, Medaillen, Finishertasse, Urkunde und 4 VP auf der Strecke! Begleiter können sich auch für kleines Geld zur Fishermansparty anmelden, was sehr praktisch ist. Diese findet am Abend nach dem Lauf statt mit Fischessen und Lagerfeuer, wenn es witterungsbedingt möglich ist.

Auf der Webseite konnte man sich den GPS-Track herunterladen und die Strecke ist in der Ausschreibung auch sehr gut mit Worten und Bildern beschrieben. Diese hatte ich mir abfotografiert. Unterwegs finden sich ausreichend Pfeile, die den Weg kennzeichnen. Ich kannte die Strecke ja größtenteils schon, bin also ohne Verlaufen gut durchgekommen. Nur das letzte Stück kannte ich noch nicht, denn in diesem Jahr gab es eine Streckenänderung. Die Strecke war 5 km länger und es wurden einige Kilometer Radweg durch einen Waldweg ersetzt, denn der Radweg war bei der 51 km Strecke auf den letzten km und war ewig lang. Das zerrt natürlich. Es gab dann vor ein paar Monaten eine Umfrage bzgl Strecke und die Mehrheit wollte natürlich mehr Trail und weniger Straße laufen. Gut so!

Ich bin wie viele andere Läufer erst am Starttag angereist. Die Woche war wieder sehr stressig auf Arbeit und irgendwas war dann auch immer. Also nur wenig ausgeruht. Am Vorabend bin ich aber schon nach Mecklenburg zu meiner Mutter gefahren, so dass ich Samstag nur noch ca 1,5 h Fahrtzeit hatte. Abends früh schlafen gegangen, den Wecker auf 4 Uhr gestellt und ab zwölf Uhr nachts dann x-mal auf die Uhr geguckt. Also, alles wie immer vor einem Lauf. Ich habe mich dann in Ruhe fertig gemacht und bin kurz nach fünf losgefahren. Auf den ersten km Fahrt war ich noch guter Dinge, fühlte mich fit und hab mich auf die Runde gefreut. Dann kam die Müdigkeit beim Fahren in der Dunkelheit wieder durch. Aber irgendwann wurde es auch hell und Alt Schwerin kam näher.

FT2

Ich bin auf einen tollen Sonnenaufgang zugefahren. Und als ich im Startbereich ankam, bin ich auch erstmal zum Steg und hab ein paar Fotos gemacht. Es war wieder sehr kalt, aber zum Glück nicht ganz so eisig wie im letzten Jahr. Da war der See gefroren und es wehte ein eisiger Wind, fast während der gesamten Laufzeit. Das blieb uns dies Jahr erspart, wobei minus fünf Grad vor dem Start auch nicht gerade kuschelig gewesen sind. Bin dann erstmal zum Fischer ins Fischhaus rein. Dort herrschte schon reger Betrieb. Viele Läufer saßen beim Frühstück. Ich habe dann meine Unterlagen abgeholt und mit eins zwei Läufern ein paar Worte gewechselt. Irgendwen trifft man ja immer. Die Zeit bis zum Start um 8 Uhr verging recht schnell. Man möchte dann einfach nur noch loslaufen.

FT3

Kurz vor acht war noch der Läufer-Fototermin und dann ging es halb erfroren auch schon los 🏃‍♀️ Die Strecke verläuft fast komplett um den See herum. Verlaufen kann man sich (eigentlich) nicht. Die Pfeile weisen den Weg und man ist selten ganz allein auf der Strecke. Die 9 km bis zum ersten VP verliefen recht zügig. Beim VP kurz warmen Tee getrunken und dann bin ich auch gleich weiter. Bis zum zweiten VP bei ca 23 km war es nun ein längerer Weg. Bin dann aber auch langsamer gelaufen als am Anfang. Zeitweise war es am See richtig kalt, lief man aber direkt in der Sonne, war das einfach nur schön, am See zu laufen. Im Wald gab es noch kein grün, aber die Wege waren gut zu laufen und nicht matschig. Nach ca 2,5 h bin ich beim 2. VP angekommen – bei den Angelteichen. Dort habe ich mich etwas länger aufgehalten. Direkt in der Sonne war es herrlich warm. 😁

FTA

Nach einer kleinen Verstärkung ging es dann aber auch schon weiter. Diesmal lief es nach dem VP besser als sonst, bestimmte Teilstücke empfand ich als weniger schwer. Bin aber im gemütlichen Tempo weiter, wusste ich doch, dass noch mehr als 30 km vor mir lagen. Bei ca 37/38 km kam dann der 3.VP. Drei Läufer saßen dort und haben gemütlich Pause gemacht. Hinsetzen wollte ich mich nicht, denn dann kommt man noch schwerer in die Gänge. Es gab Kuchen – den konnte ich natürlich nicht ignorieren. Hab mir ein großes Stück genommen, meine Trinkflasche nochmal aufgefüllt und bin dann wieder los. Den Kuchen habe ich unterwegs gegessen. Das schnelle Gehen war auf jeden Fall besser, als lange beim VP zu verweilen. So ging es dann km um km weiter. Manchmal war es zäh, zeitweise kamen da schon Gedanken: was machst du hier? Noch 19 km usw. Aber diese Gedanken waren kurzweilig. Hatte zwischendurch auch ganz gute Unterhaltung, so dass ich ab und zu auch mal herzhaft lachen musste. Bei km 46 kam dann der letzte VP. Leider gab es keinen warmen Tee mehr. Da meinte jemand, Cola ist heute richtig gefragt. Ich bin ja immer vorsichtig bei sowas, aber diesmal hab ich einen Becher getrunken. Was soll ich sagen, danach war die Müdigkeit verflogen, die Beine nicht mehr ganz so schwer und es waren nur noch 10 km zu laufen. Aufgrund der Streckenänderung ging es dann auch kurze Zeit später wieder in den Wald. Das war genau mein Ding. Das Laufen fiel mir dann wieder deutlich leichter. Ein Blick auf die Uhr und ich hab gedacht, vielleicht schaffst du es unter 7 Stunden. Ich hatte dann „meine drei Begleiter“ hinter mir gelassen und bin einfach nur gelaufen. Herrlich 🌲🌳😁 Die letzten 2.5 km lief man dann wieder direkt am See. Eins zwei kleine Durchhänger hatte ich noch, aber das Ziel war so nah. Also Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Die Uhr blieb stehen bei 6:58 😁. Im Ziel wird man persönlich empfangen. Man wird auch gleich fotografiert, umarmt, beglückwünscht und man bekommt eine schöne Medaille und Urkunde. Ja und dann …. Setzt man sich erstmal hin und trinkt ein Erdinger und freut sich. Das war auch gleichzeitig meine bisher längste Distanz, die ich gelaufen bin. 😁

FT5

Auch wenn ich nicht zu den schnellsten Läufern gehöre, so bin ich doch immer mit Begeisterung dabei und genieße nebenbei noch die Landschaft. Wie hat damals eine Läuferin zu mir gesagt: hier zählt das Erlebnis und nicht das Ergebnis!!!

Der Fishermanstrail ist eine schöne und gut organisierte Laufveranstaltung, man merkt einfach, dass alle mit Herz dabei sind, egal ob Läufer oder Orga-Team. Es gibt dort ja einige „Wiederholungstäter“.

Im September findet die Sommer Edition statt. Ich denke, dann bin ich wieder mit dabei 🏃‍♀️

FT4

Text: Steffi Reuter, Bilder Steffi Reuter, Veranstalter 28.02.2019

Bericht von Vereinskollege Hans-Dieter Jancker: hier kklicken

 

Die Unwägbarkeiten eines 24h-Laufes machen diese Wettkämpfe oft zu einem unvorhersehbaren Abenteuer, denn es gibt Krisen, Katastrophen, aber in seltenen Fällen auch ungeahnte Glücksmomente. Der Wettkampf lebt vom Umgehen mit Unvorhergesehenem und der gegenseitigen Hilfe. Von allem gab es reichlich bei der 12. Endurance 24h in Espoo.

Ende Februar findet in Espoo, ein direkt an Helsinki angrenzender Ort, ein international besetzter 24h-Lauf in einer Halle statt. Für meine Trainerausbildung hatte ich als Hausarbeit etwas zum Training für den 24h-Lauf sowie zur speziellen Situation der Wettkampf-Betreuung geschrieben. Konkret sollte ich einen Sportler auf einen Wettkampf vorbereiten und dort begleiten und so kam es, dass Fabian Benz mit mir nach Helsinki fuhr.

Hel A1

Am Vortag hatten wir etwas Zeit, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen und der Dom, als eines der Wahrzeichen der finnischen Hauptstadt, stand natürlich mit auf dem Programm.

Hel A2

Die Stadt präsentiert sich modern und sehr sportlich. Fast jeder Park hat Fitnessgeräte und im Hafen gab es ein Schwimm- und Saunazentrum, bei dem einige nicht nur im linken, beheizten Becken schwammen, sondern auch im rechten.

Hel A3

Am Wettkampftag reisten wir frühzeitig zum Gelände an, um unseren Tisch einzurichten und uns mit der Infrastruktur vertraut zu machen. Die Laufstrecke hatte etwa die Ausmaße einer Stadionrunde und lag in der ersten Etage eines riesigen Sportzentrums. Auf der einen Längsseite waren die Tische der Eigenverpflegung, auf der anderen konnte man herunter auf ca 5 Spielfelder schauen, wo überwiegend Hockey gespielt wurde.

Hel A4

Es gab einen großzügigen Verpflegungsbereich, der alles Nötige im Angebot hatte, zweimal sogar Nudeln mit verschiedenen Soßen und am Morgen Haferbrei.

Hel A5

Die Laufstrecke war überwiegend sehr hell und gut zu laufen. Auch das Überholen in den Kurven war kein Problem.

HEL A6

Mit einem Chip, den die Läufer am Fuß befestigten, wurden elektronisch die Rundenzeiten erfasst, auf dessen Basis an einem Bildschirm informative Zwischenergebnisse den Läufern angezeigt wurden. In dem Bereich war auch gute und laute Musik zu hören, die sehr motivierend war. In der anderen Kurve war ein riesiger Fitnessbereich mit hunderten von verschiedenen Geräten einsehbar, der am Samstagnachmittag und -abend auch reichlich genutzt wurde.

Hel A7

Alle 6 Stunden gab es einen stimmungsvollen Richtungswechsel.

Doch nun zum Rennen selbst.

Damit mir während des Rennens nicht langweilig werden würde und ich die Möglichkeit hätte, Fabian auch auf der Runde zu begleiten, kaufte ich mir auch eine Startnummer. Insbesondere in den schwierigen, letzten 6 Stunden wollte ich ihn ziehen. Das würde allerdings einen Reinfall geben können, denn meine Form war schlecht. In Rodgau habe ich beispielsweise mit Mühe 35km geschafft und beim Grüngürtellauf ging ab der Marathondistanz ein ungewollter Kampf los und je nach Szenario war durchaus ein für mich nicht machbares Tempo vorgesehen.

Meine Idee war daher, mich die ersten 18 Stunden zu schonen, um später Fabians Tempo halten zu können. So lief ich ab und zu mit Fabian im Höllentempo eine Runde, begnügte mich ansonsten mit ganz gemütlichem Gehen und Traben, machte einige Fotos und beobachtete das Rennen im Internet, wo ein super Live-Ergebnisdient eingerichtet war, welches wieder einige abenteuerliche Taktikversuche zeigte, die überwiegend grandios scheiterten.

Da Fabian das geplante Tempo perfekt traf und sich super vorbereitet hatte, war die Betreuung recht einfach. Doch völlig unerwartet traten sehr früh Magenprobleme auf, doch all die vielen probierten Maßnahmen konnten den Rennabbruch nicht verhindern. Das war natürlich bitter für ihn. Das Training, die Vorbereitung, der Rahmen stimmte, auch die Tempo- und Ernährungstaktik passten und waren im Training dutzende Mal validiert. Er rannte als ein Test erst letzten Monat in Senftenberg in der Halle einen Tag 100km und am nächsten die 50km – ohne Schwierigkeiten! Doch diesmal gingen bei km 60 die Probleme los und Stunden später bei guten 70 km war Schluss. Später ist er dann die fehlenden Runden bis 100km noch gegangen. Respekt!

Da mir die Strecke und die Veranstaltung gefiel, einigten wir uns, nachdem er gut versorgt war, darauf, dass ich nun mein Rennen würde laufen können. Wir wechselten einfach unsere Rollen: ich lief – er betreute. Insgeheim hatte ich mir 100km an dem Wochenende vorgenommen, hätte mir aufgrund meiner Form im Idealfall 130 km zugetraut und wollte jetzt einfach einmal loslaufen und schauen, was passieren würde. Nach den ersten 6 Stunden hatte ich etwa einen Marathon auf dem Zähler und nach 8 Stunden 55 km. In der Platzierung hatte ich mich im Feld von 125 Startern in diesem Zeitraum von Platz 111 auf 107 vorgearbeitet.

Meine ursprüngliche Planung sah eher so aus, dass ich dachte, die kühle Nacht untätig zu sein und hatte nur ein langärmeliges Shirt und eine ¾ lange Laufhose mit. Das war keine gute Wahl, denn es war in die Halle sehr warm. Es bedarf kaum einer Erwähnung, dass ich der einzige im „Winteroutfit“ war, aber ich mag es ja kuschelig. Nun rannte ich in meinem Tempo los und konnte sogar viele Leute überholen. Aber so gut sich das alles anfühlte - ich musste mir meine bescheidenden Kräfte gut einteilen und legte von Anfang an regelmäßig Gehabschnitte ein.

Doch es half nichts, nach 12 Stunden war ich stehend ko. Ich musste mich hinlegen und dachte kurz über ein Rennende nach.

Hel A8Aber warum? Wegen Müdigkeit beendet man kein Rennen und so nahm ich mein Rennen nach einer längeren Pause wieder auf. Und in einer Negativ-Rekordzeit von 13:33 Stunden konnte ich die 100km schließlich vollmachen. Anfangs waren meine Gehabschnitte kurz, später wurden sie immer länger, aber ich wollte aktiv auf der Strecke bleiben. Immer, wenn ich gar nicht mehr laufen konnte, habe ich mich hingesetzt oder hingelegt und ausgeruht. Obwohl ich in der zweiten Rennhälfte durchgehend ziemlich platt war, war der vorzeitige Ausstieg aus der Fülle der Optionen gestrichen und ich versuchte konsequent von Stunde zu Stunde die beste Taktik zu finden, um möglichst viele Kilometer zu sammeln. Fabian informierte mich regelmäßig über den interessanten Rennverlauf an der Spitze und über meine Platzierung und motivierte mich dabei so gut es ging. Ich hatte das erste Renndrittel annähernd verschlafen und war nun wirklich nicht schnell unterwegs, aber konnte meine Position im Feld der Langpausierer und Dauerwanderer stetig verbessern. Plötzlich wurde ich auf Platz 79 geführt und ein paar Stunden später sogar auf Platz 50. Irgendwie war ich im Rennen drin, wollte das Maximum rausholen, auch wenn es dazu notwendig war, jeglichen Ansatz von Vernunft zu unterdrücken. Regelmäßig schossen mir Gedanken über die Sinnlosigkeit des Vorhabens ins Bewusstsein. Wenn alles gut ging, würde ich 150km schaffen, vielleicht sogar 160km, falls ich wirklich 24h auf der Strecke bleiben könnte. Möglicherweise würde ich dafür als Kosten tagelang Muskelkater haben, wochenlang nicht mehr laufen können und die ganze Saison gefährden, wenn ich hier mein Limit überschreiten würde, was ich bereits seit Stunden praktizierte. Und das ganze für ein lachhaft schlechtes Ergebnis.

Aber plötzlich kam der Moment, in dem mir zwei Dinge glasklar wurden. Der wichtigste Punkt ist, dass sich die Leistung nicht über die Zahl der gelaufenen Kilometer oder die Platzierung definiert, sondern ausschließlich aus dem Grad, wie sehr man sich bemüht hat. Und der andere war Fabian. Unausgesprochen sind wir einen Pakt eingegangen, einer betreut, der andere läuft; mit dem Ziel, dass der Läufer die maximale Strecke schafft. Ok, der Rollentausch nach 8 Stunden war nicht vorgesehen, aber solange ich laufen würde, hatten wir beide eine Aufgabe und das Hiersein einen Sinn. Wir waren ein Team und aus der Bindung entwickelten wir Stärke. Hätte ich frühzeitig, aus welchen Gründen auch immer, das Rennen beendet, so hätten wir beide uns für den Rest des Wochenendes gegenseitig bemitleidet. Also musste ich weiter. Und es ging ja auch weiter. Komischerweise ging das Laufen sogar, allerdings hatte phasenweise nach 10 Metern der Puls einen gefühlten Maximalwert erreicht und nach 50m war Schluss. Aber mit dem häufigen Wechseln von Gehen und Laufen war ich deutlich schneller als die meisten im Feld.

Lange hält man diese Art von Intervalltraining allerdings nicht durch und so gab es kurz vor Schluss die Optionen, noch einmal eine längere Pause zu machen oder die restliche Zeit zu wandern. Da ich bereits im Rennen zur Genüge die Gelegenheit hatte, zu erkennen, dass, wenn ich in meinem Zustand wanderte, das eher anstrengend als erholsam und darüber hinaus langsam war, beschloss ich, ca 3,5h vor dem Rennende noch einmal eine längere Pause einzulegen. Wir hatten ausgerechnet, wann ich spätestens aufbrechen müsste, um die 100 Meilen nicht zu gefährden, aber erstaunlicherweise kam ich recht erholt aus der Pause und konnte sogar ein paar schnelle Kilometer hinlegen. Doch das Strohfeuer war schnell erloschen, die Laufpausen wurden immer kürzer und schließlich musste ich die letzten 15 Minuten gehen, glücklich wissend, mit über 165km eine nicht für möglich gehaltene Leistung geschafft zu haben.

Dieser Lauf war für mich der kurioseste und von der Renneinteilung schwierigste 24er, den ich je gelaufen bin. In der Ergebnisliste werde ich mit etwa 166km auf Platz 30 geführt, aber diese Zahlen sind nur Nebensächlichkeiten am Rande eines großartigen Wochenendes in Finnland.

Hel A9

Die für Fabian und mich schwer erkämpft Medaille.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Fabian Benz, Michael Irrgang, 25.02.2019

Bitte beachten Sie, dass unsere Webseite Cookies zur Verbesserung und Gewährleistung der Funktionalität verwendet. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung und Nutzungshinweise, bevor Sie unsere Seite nutzen. Indem Sie auf unserer Seite weitersurfen oder auf den Einverstanden-Button klicken, bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung und Nutzungshinweise gelesen haben und damit einverstanden sind.
DATENSCHUTZERKLÄRUNG UND NUTZUNGSHINWEISE LESEN EINVERSTANDEN