Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

 

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METM – André und Elisabeth beim Treppensteigen…

 

… und es sollte kein „Alleingang“ werden, wie der Wettbewerb hiess, denn einen Laufkollegen aus unserem Club traf ich im Zelt – André Weinand . Obgleich unsere Vereinsmannschaft fröhlich in Mörfelden bei den 6 h Meisterschaften schwitzte, so vertrat ich Patric, der verletzungsbedingt diesen kostbaren und sehr begehrten Startplatz an mich abtrat.

 

Ich fuhr nach Radebeul, dem Sächsischen Nizza, doch die Temperatur fühlte sich nicht an wie an der Französischen Riviera, und es sollte noch schlimmer kommen: In den Morgenstunden war die Temperatur von +4 Grad auf +1 Grad und Schneefall gesunken. Nein!  Kein Aprilscherz – das war Wirklichkeit. Dusche zum Aufwärmen? Fehlanzeige. Es halfen nur warme Getränke und warme, mitfühlende Worte der Mitstreiter.

 

24h Treppensteigen. Hoch und runter und das bei sächsischen Steigungen. Ein wagemutiges Unterfangen.

 

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Hier die knallharten Fakten:

 

Eine Runde hatte 397 Treppen. Das bedeutet insgesamt hoch und runter das Doppelte bewältigen zu müssen! 843,90 Meter Wegstrecke und 88,48 Hhm ü NN! Die Betonung liegt immer auf HOCH und RUNTER!!! Die Unterschiede muss man doppelt rechnen und genau darin liegt die Herausforderung, d. h. auf einer Treppe hoch und runter (mit dem Gegenverkehr) und dabei den Rhythmus zu finden. Die 397 Treppenstufen waren in 57 Blöcken zu größtenteils 7 Stufen unterteilt – dazwischen 4 Steinbänke. 

 

Andre Weinand

 

50 Runden = 42,195 km

 

4.424 Hhm

 

19.850 Treppenstufen = 39.700 hoch und runter!!!

 

Zeit:    06:21:26 und somit der schnellste Marathon des Tages

 

 

Elisabeth Ploch

 

30 Runden = 25,317 km

 

2.654,4 Hhm

 

11.910 Treppenstufen = 23.820 hoch und runter!!!

 

Zeit:    14:33:29 und somit der langsamste Halbmarathon des Tages.

 

 

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Dieser Lauf ist ganz gewiss eine Herausforderung an die Koordinationsfähigkeit, vor allem nachts (wenn man wie ich eine Gleitsichtbrille hat) und etwas ermüdet die Körperteile manierlich fortbewegen sollte, wie homo sapiens aussehen möchte und nicht wie ein humpelnder Affe, der sich am Geländer hoch und runterhangelt.

 

Was kann man aus einem DNF mitnehmen? Medaille hatten wir nicht. Auf der DUV-Liste steht nicht, dass wir da waren. Und eine Ultradistanz war es auch nicht. Trotzdem haben wir fröhlich gekämpft, geschwitzt, gefroren, uns ermutigt und Erfahrungen gesammelt. Innerlich geweint, mit dem Schweinehund und dem Kopf gekämpft, wenn Fragen auftauchten wie solche: „Was tust Du hier? Bist Du völlig bekloppt?“

 

Mit Ultrastolz erzählt man später – aus einer anderen Perspektive – wie schön der Sonnenuntergang in Elb Nizza war und lässt die erbärmlichen Temperaturen weg. Man freut sich darüber, dabei gewesen zu sein und weiss, dass man im Training niemals alleine so weit gekommen wäre, denn solche Distanzen schafft man nur zusammen.  Die doppelte Anstrengung – alles hoch und runtersteigen zu müssen – es ist so wie im Leben – ein Zugewinn oder ein Verlust?

 

Ich habe viel über meine Körperwinkel gelernt, habe von erfahrenen Kollegen Tipps bekommen (wofür ich sehr dankbar bin) und wurde sehr freundlich, fair und verständnisvoll mitgezogen. Kondition ist nicht Koordination, genauso wenig, wie die Technik niemals die Erfahrungen ersetzt. Bei solch einem Lauf lernt man die feinen Unterschiede des Ultralaufens kennen.

 

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Um diesen Lauf zu finishen, muss man 100 (+) Runden laufen, nur dann bekommt man eine Finishermedaille und steht auf dem METM Gipfelkreuz im Muschelpavillon.

 

André und mir war es bei diesem Lauf nicht möglich zu finishen. Bleibt zum Schluss nur die Dankbarkeit über die Erfahrungen und die Demut vor der Leistung der anderen Laufkollegen, die 100 und mehr Runden geschafft hatten.

Text und Bilder: Elisabeth Ploch 17.04.2019

 

Bei der DUV-Meisterschaft über 6h in Mörfelden zeichnete sich die LG Ultralauf durch eine tolle Teamleistung aus, die am Ende des Tages mit dem Titel "Mannschaft des Tages" belohnt wurde. Dieser Titel wird seit einigen Jahren an das Team vergeben, welches in der Tageswertung zur Ultramarathon-Bundesliga am besten abschnitt und das war an diesem kalten, aber sonnigen Sonntag die LG Ultralauf dank hervorragender Frauen- und Mannschaftergebnisse.

Gruppenfoto

Das Team bestand aus 24 Männern, 9 Frauen sowie 7 Betreuern. Von den Läuferinnen und Läufern schafften letztendlich 31 die Mindestleistung zur Meisterschaft und bildeten damit die teilnehmerstärkste Mannschaft in der nun 11 jährigen Geschichte des Vereins.

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Wir begannen das gemeinsame Wochenende mit einem kleinen Spaziergang um den Oberwaldsee und erklommen den Oberwaldberg, bevor wir mit einer großen Gruppe ein italienisches Restaurant aufsuchten.

Hinten: Boris Tomaschewski, Guido Piehlmeier, Evi Piehlmeier, Hans-Dieter Jancker (etwas verdeckt), Peter Hübner. Vorne: Michael Irrgang, Susanne Gölz, Falk Sittner, Marko Ablass

Aufbau

Damit vor Ort alles zum Wohle der Läufer und Betreuer vorbereitet war, betrieben wir auch diesmal wieder einen enormen Aufwand. Insbesondere mussten wir uns im Vorfeld auf Regen einstellen, der allerdings nachts die Strecke ein bisschen bewässerte, uns aber am Wettkampftag verschont hatte. Franz Holzleitner half beim Aufbau unserer Pavillons mit. Erstmals hatten wir einen eigenen Check-In-Bereich, wo die Teilnehmer ihre Startnummer, den Leihchip, ein Namensschild und ein Meisterschaftsgeschenk bekamen. 

Team

Einige der Teilnehmer liefen ihren ersten Wettkampf in unserem Trikot und kannten niemanden, für andere war es ein großes Wiedersehen von guten Freunden. Aber dank der Namensschilder waren alle recht schnell miteinander bekannt und kurz vor dem Start entstanden tolle Teamfotos.

Jörg Neuner, Anke Follner, Peter Hübner und Klaus Haake kurz vor dem Start.

Gruppe

Auf der Strecke sah man natürlich ebenfalls oft unsere weißen Trikots, Mützen oder Buffs. Jörg Neuner, Anke Follner, Werner Kempken vorne und hinten kommt Susanne Gölz angerauscht.

Frauenmannschaft

Eine besondere Dominanz gab es in der Frauenwertung. Hier konnten wir mit den Mannschaften Platz 1 und 2 belegen und in der Wertungsklasse 50+ ebenfalls den ersten Platz gewinnen. Dabei wurden zweimal neue Vereinsrekorde aufgestellt.

Anke Follner, Sylvia Faller, Evi Piehlmeier, Susanne Gölz, Claudia Lederer und (verdeckt) Rita Nowottny-Hupka sind unsere 6 schnellsten Frauen gewesen.

Schön, dass auch Michaela Kirchner (Platz 1 in der Mannschaft Frauen 50+) und Mechthild Kolter (3. in ihrer AK W55) eine Medaille bekamen, denn so waren alle Frauen mindestens einmal auf dem Podest.

Gesamtsiegerin bei den Frauen wurden sehr souverän Susanne Gölz mit einer tollen KM-Leistung, die den bisherigen Vereinsrekord genauso wie den bisherigen Streckenrekord pulverisierte. Recht knapp war die Entscheidung um die Plätze 2 bis 4. Hier war Claudia Lederer lange Zeit sehr aussichtsreich dabei, letztendlich hatten die anderen Frauen aber einen stärkeren Endspurt. Dennoch durfte sie sich wieder über eine super Leistung in ihrem ersten 6h-Lauf freuen.

Die Einzelergebnisse der Frauen mit Altersklasse und Altersklassenplatzierung:

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Damit wurden folgende Mannschaftsleistungen erzielt:

ErgFrauenMS

Das Starterfeld der Männer war deutlich größer und auch sehr stark besetzt. Die Platzierungen im Einzelnen, wobei die Altersklassensiege von Walter Hösch und Hans-Dieter Jancker sehr erfreulich waren.

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Insgesamt stellte unser Team fast die Hälfte der Mannschaften und zwar mit super Platzierungen:

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Bedauerlicherweise haben Marlene Heller und Volker Greis den Sprung in die Wertung nicht geschafft. Bei Volker war es nur ein geplanter langer Lauf, aber Marlene, für die in der Altersklasse W65 die gleiche Mindestanforderung wie für alle anderen Jüngeren gilt, fehlten nach einem mehr als vorbildlichen Kampf 2,5 Kilometer.

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Unsere Spitzenläufer des Tages: Hans-Dieter verbesserte mit seiner Leistung den Deutschen Rekord in seiner Altersklasse M65 gleich um mehrere Kilometer und Susanne überzeugte mit ihrem Gesamtsieg bei den Frauen. Aber jenseits dieser "ausgezeichneten" Leistungen gab es bei vielen anderen Teilnehmern persönliche Bestleistungen und zufriedene Gesichter. Auch dank des tollen Betreuerteams konnten alle ihr Potential abrufen.

Ein weiterer Bericht mit Bildern ist in Vorbereitung.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Michael Irrgang, Uschi Hübner, Cathrin Haake, Martina Stumpf-Irrgang, 15.04.2019

Eingebettet zwischen den Meisterschaften in Störitz und Mörfelden bot sich am letzten Wochenende ein Doppelwettkampf an, bestehend aus dem WUT am Samstag und dem Bonn-Marathon am Sonntag.

logo wutDer WUT ist ein Gruppenlauf über 65km mit 2100 Höhenmeter im Westerwald. Start und Ziel ist in Waldbreitbach, die Strecke führt über alle umliegenden Berge. Nach dem Lauf gehört ein opulentes Buffet zur Veranstaltung, auf das ich leider verzichten musste, weil zu Hause ein Gast wartete. Es waren einige LG Ultralauf-Mitglieder am Start und es gab viel zu erzählen, was natürlich bei so einem Gruppenlauf perfekt funktionierte, da das Lauftempo für mich so mittelanstrengend war und die etwa 60 Personen umfassende Gruppe regelmäßig auf einander wartete.

Carmen WUT2

Andreas Häußer beschrieb den Lauf so:

Andreas 1Wofür steht der WUT?
Peace, Love and Harmony.
Freunde wiedersehen.
Die große vegan-vegetarische Pastaparty.
Schönes Wiedtal.
Bergziegenrennen (Figo und Leonie)
Roßbacher Häubchen.
Neue Herausforderungen (GC Skyrace)
Aufgeschobene ToDo-Lists
Tuntiges Stöckeln.
Ultra-Novizen-Taufe.
Falsche Trikots.
Fockenbacher Höllenhunde.
Sweet Donkey.
Alles richtig gemacht.
Danke Josef und Wolfgang.
We'll be Back.

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Es boten sich immer wieder tolle Fernblicke über das Wiedtal und über den Westerwald.

Carmen WUT1

Carmen und der Esel

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Kerstin Conrad und Carmen Tautges

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Ein eher zufälliges Gruppenbild mit 5 Vereinsmitglieder: Katja Dasbach, Kerstin Conrad, Andreas Häußler, Jan Förster und Michael Irrgang.

Für Carmen waren die Höhenmeter etwas ungewohnt und sie nutzte die Möglichkeit, den Spaß etwa nach der Marathondistanz zu beenden, denn auch sie hatte am nächsten Tag noch etwas vor.

Ihr Resümee fiel so aus:

Der WUT, ich hatte MUT 🤗 Was für eine tolle Strecke und Laufveranstaltung - ein Gruppenlauf ohne Zeitmessung, nette Mitläufer, gut bestückte VPs mit jeweils 10 Minuten Pause (nix rausgestoppt), gaaanz viel Wald, super Wetter und immer wieder hoooooch und hoooooch und runter und wieder hoooooch 🙈 Geplant waren 65 km mit 2100 Höhenmeter, geschafft habe ich knappe 44 km mit 1500 Höhenmeter. Den Beinen und dem Körper geht es gut, aber wenn der Kopf immer wieder schreit, dass er jetzt ehrlich und wirklich keine Lust mehr hat, fängt die "Quälerei" an und der Spaß verschwindet. Stadtkind, Neuling beim Ultralaufen und eine, die noch nicht sooo viel Trailerfahrung hat - 1500 Höhenmeter... Habe ich noch niemals geschafft und ich bin damit total zufrieden😊 Mit ein bisschen "Biss" wäre der Rest bestimmt auch noch zu schaffen gewesen, aber der Spaß steht halt ganz oben. Und den habe ich definitiv irgendwo bei km 39 verloren 🙈 Mal gucken, wie es mir morgen geht - zur "Not" gehts zum Frühstück 🤓

Carmen BN

Am Sonntag folgte dann der Bonn-Marathon. Carmen wählte die auch nicht einfache Light-Variante und begnügte sich mit dem Halbmarathon, den sie souverän finishte.

Der Start für die Halbmarathonläufer erfolgte ganz schön früh. In welcher Stimmung ich war, als ich die Saisonplanung machte, ist mir im Nachhinein völlig unklar.

Angesichts meiner aktuellen Form war die Idee, am Samstag den WUT zu laufen und am Sonntag als Zugläufer für 4:30 eine hohe Verantwortung zu übernehmen, mehr als optimistisch. Heftige Krämpfe am Samstagabend gaben mir zu verstehen, dass sich der WUT zwar gut anfühlte, aber doch meine Beine arg strapazierten.

Bonn ist mein einziger Straßenmarathon im Jahr. Seit etwa 15 Jahren laufe ich dort als Zugläufer, seit 10 Jahren organisiere ich diese Gruppe, die sich meist aus gestandenen Ultraläufern zusammensetzt.

In diesem Jahr sollte es erstmalig eine Gruppe für 5:00h geben und ich fragte mich im Vorfeld, wie man sich klug das Rennen für diese Zeit einteilt.

Zum Spaß versuchte ich einmal meine kleine Hausrunde so langsam, wie irgend möglich zu laufen und kriegte kein Tempo langsamer als 6:45 pro km hin. 5:00h ist aber ein Durchschnittstempo von 7:07min pro km!

Nun ergab es sich, dass am Freitagabend ein Zugläufer für die 5 Stundenzeit absagte und ich versuchte das Unmögliche, innerhalb weniger Stunden Ersatz zu finden, da ich ja den ganzen Samstag nicht erreichbar war. Michael Derlich bot spontan seine Unterstützung an, aber nur für 4:30h, mit dem Kommentar „langsamer geht nicht“.  So nahm ich das Angebot des Schicksals an und wechselte auf die langsamere Zielzeit.

Wie üblich fuhr ich mit dem Rad nach Bonn, brauchte nur 5 Minuten länger als sonst. Unterwegs nur einen Gedanken im Kopf: Wie willst du heute einen Marathon laufen? In Bonn angekommen, liefen die Vorbereitungen routiniert ab. Die meisten der eingesetzten Zugläufer sind schon oft in Bonn dabei gewesen und kennen die Abläufe: T-Shirts, Ballon verteilen, Foto machen und auf in den Startblock.

Zuglaeufer 2019 klein

Traditionell stellt die LG Ultralauf den Großteil der Bonn-Zugläufer. Mit dabei waren diesmal Carsten Schwenke, Klaus Haake, Axel Densing, Kathi Bey, Stefan Henscheid, Michael Irrgang, Jonathan Gakstatter

Logo bnmDie erste Überraschung war, dass es tatsächlich Leute gibt, die genau 4:59 laufen wollen. Meine Vermutung ging eher in die Richtung, dass die Leute, die letztendlich 4:59h laufen, die ersten 20 km in der 4:30h-Zugläufergruppe mitlaufen. Aber falsch gedacht, es bildete sich direkt eine kleine 10 Personen starke Gruppe, die Jürgen Axmacher, mein Zugläuferpartner und Vereinskollegen aus Troisdorf und mich begleiteten.

Der Startschuss fiel und kurz vor den Besenläufern überquerten wir die Startlinie – jetzt nur nicht zu schnell starten! Das KM 1-Schild kam und die Uhr zeigte 7 Minuten – perfekt! Bei Kilometer 2 hatten wir genau 14 Minuten - das schien heute genau mein Tempo zu sein! Im Laufe des Tages überquerten wir viermal die Kennedybrücke, es wurde wärmer und windiger, aber mehr oder weniger liefen wir den gesamten Marathon in 7 min pro Kilometer und gingen bei den Verpflegungsstellen immer so 20 bis 30 Meter.

Das Lauftempo fühlte sich ganz gut an, die Mitläufer waren alle sehr nett und so hatten wir wirklich viel Spaß, nur die Kilometerschilder kamen unglaublich selten. Etwa bei Kilometer 17 wurden wir auf dem 2-Rundenkurz von dem späteren Sieger überholt - noch so ein deprimierender Moment. Ich musste ab und zu meine verspannte Muskulatur dehnen, aber sonst lief es eigentlich ganz gut.

Überraschenderweise mussten die meisten Gruppenmitglieder sogar abreißen lassen, sodass wir ab km 30 nur noch 2 Mitläufer hatten. Der eine wollte einen Marathon im 100km-Tempo laufen, weil er sich auf Biel vorbereitete. Bei km 35 zündete er den Turbo zur Endbeschleunigung und wurde nicht mehr gesehen.

Der andere lief seinen ersten Marathon und wollte mit geringstmöglichem Aufwand und Risiko unter 5 Stunden finishen. Da er keinerlei Schwäche zeigte, verzichteten wir auf die geplanten kurzen Gehabschnitte auf den letzten 5 km und peilten eine 58er Zeit an. Doch plötzlich, als das Ziel in Sichtweite kam, passierte das, was allen Ersttätern passiert: sie bekommen einen gewaltigen Schub Endorphine, die sogenannten Erlösungs-Glücksgefühle und er gab Gas. Kopfsteinpflaster, etwas ansteigend über den Bonner Rathausplatz an dessen Ende der Zielbogen steht – 4:30er Tempo. Ich dachte sofort: „das sind die Momente, in denen man sich eine Zerrung holt“ und ging das Tempo mit. Im Ziel hatten wir eine Zeit von 4:57; er war überglücklich und ich restlos ko.

Fazit: Einen Marathon in 5 Stunden kann man machen, muss man aber nicht. Und zweimal schon gar nicht. Daher suche ich für 2020 jemanden, der gerne und zuverlässig diese Zielzeit läuft. Der Termin ist der 26. April 2020 und damit nach Ostern und weit weg vom WUT, der immer zwei Wochen vor Ostern stattfindet.

Text: Michael Irrgang, Andreas Häußler, Carmen Tautges, Bilder: Carmen Tautges, Andreas Häußer, Leonie Eisebraun, Michael Irrgang, 10.04.2019

12h Lauf von Edda und Elisabeth in Störitz (Brandenburg)

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Da lebt man nun seit Jahren in der Mark Brandenburg und denkt, man kenne alle Regionen. Störitzland war aber auch für mich in der Gänze des Geländes Neuland. Kein Wunder; allein schon dort hinzufinden stellt höchste Anforderungen an Orientierungssinn und Navigationsgerät. Beide verabschiedeten sich jedoch bei mir spätestens an einem Kreisverkehr irgendwo im Nirgendwo im Landkreis Oder-Spree. Schließlich fand ich doch noch irgendwie hin. Frei nach Fontane (1819-1898) erkundete ich dann das Charakteristische des Ortes. Es musste ja noch Einiges organisiert werden für den 50-Kilometer-Lauf der von DLV und DUV veranstalteten Deutschen Meisterschaften, in deren Rahmen auch ein 12-Stunden-Lauf stattfand. Für Letzteren hatte ich mich angemeldet.

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Das Charakteristische des Ortes war schnell erkundet, denn die Gegend um den Söritzsee ist, um es ebenfalls mit den Worten eines bekannten märkischen Literaten (Loriot) zu beschreiben, "sehr übersichtlich". Fontane muss sich wohl auch mal hierher verirrt haben, denn ich fand in seinem Buch "Spreeland" folgende Beschreibung der Landschaft:

"Es war eine alte knorrige Kiefer, eben noch aus der Zeit her, wo man die Bäume nicht schwächlingsschlank heranzog, sondern es lieber hatte, sie sich knorrig – original entwickeln zu lassen. … Es bewahrt jenes anheimelnde Stück Romantik, das in Abgeschiedenheit und Öde, vor allem aber in einem gewissen Hospizcharakter begründet liegt. … Nichts begegnet dir außer einem schief stehenden Wegweiser, der seine öden Arme schlaff zu Boden hängen läßt, oder eine Krähe, die den Kopf in das nasse Gefieder einzieht und sich trübselig matt besinnt, ob sie auffliegen soll oder nicht."

Treffender hätte ich das auch nicht formulieren können. Die Freizeitanlage am Störitzsee war Fontane natürlich noch nicht bekannt, denn diese wurde erst nach 1945 als zentrales Pionierlager "Alexander Matrossow" errichtet. Sicherlich hätte Fontane auch für diese Anlage wohlformulierte Freundlichkeiten hinterlassen. Besonders beeindruckt hätte ihn wahrscheinlich der herbe Charme der Innenausstattung, die zwar im Zuge der Nachnutzung des ehemaligen Pionierlagers in die "Freizeitanlage Störitzland" aufgehübscht wurde, aber noch heute den damaligen Standard erahnen lässt.

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Mit Edda Bauer bildete ich eine Art Schicksalsgemeinschaft sowohl was die Unterbringung als auch den 12-Stunden-Lauf anbetraf. Geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude, was angesichts der beschriebenen Charakteristika des Ortes und der Unterbringung für uns beide durchaus hilfreich war, zumal ich an diesem Wochenende Geburtstag hatte und diesen in Gemeinschaft zu feiern versuchte. Diejenigen Teilnehmer, die sich entschlossen hatten, in einem Hotel in Woltersdorf mit all seinen Annehmlichkeiten zu residieren, hatten unser Mitgefühl, denn ihnen entgingen unvergessliche Eindrücke, inklusive der völligen Internetabstinenz.

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Die Laufstrecke ist schnell beschrieben. Eine 5-Kilometer-Runde mit dem Anfang um das Gelände. 2 km Kiefernallee mit Asphaltstrasse geradeaus, eine knorrige Kiefer neben der anderen, die kein Ende nehmen wollten, und in allen möglichen Variationen. Immerhin gute Luft. Dann an der Kreiskommunalstraße am Wald entlang ging es auf einen Waldweg und man kam dann dort wieder an, wo der Lauf begann – auf dem ehemaligen Pioniergelände. Tja, so war jedes Ende zugleich ein neuer Anfang.

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Die 50-km-Meisterschaftsgruppe war bereits fertig als Edda und ich noch mitten im 12-Stunden-Lauf waren. An der Mitgliederversammlung, die nach dem 50-km-Lauf stattfand, konnten wir daher nicht teilnehmen. Während also die einen redeten, kämpften Edda und ich, uns Kilometer für Kilometer durch die märkische Streusandbüchse gemäß dem Spruch „Aller Geist geht aus der Selbstbeherrschung hervor“ (Bettina von Arnim, 1785-1859). Die Unterhaltung kam dabei nicht zu kurz und wir tauften den Parcours kurzerhand um in den „marathon de communications“. Sogar für Romantik war noch etwas Platz, als die Sonne bei Sonnenaufgang und Untergang zwischen den Bäumen zu sehen war, dazwischen die Lichtung zum See. Edda und ich – in unserer Ultramanier, ließen uns weder die Müdigkeit, noch die Facettenarmut der Landschaft, anmerken. Wir verteidigten tapfer die ersten Plätze von rückwärts und absolvierten einen Ultramarathon. In solchen Momenten genießt man das Schöne, die gute Luft und die Ruhe – auf der Strecke war es ruhiger geworden. So kann ich meinen Bericht erneut mit Fontanes Worten abschließen:

"Sei heiter und vergnügt und nimm teil an der Freude der anderen. Dabei fällt dann immer auch etwas eigene Freude ab."

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Text und Fotos:Elisabeth Ploch, 05.04.2019

Dieses Jahr war der Andrang in Krumbach-Ebershausen deutlich geringer als in 2018 anlässlich der damaligen Deutschen Meisterschaften. Nur 32 Männer und 5 Frauen standen am Start der 10 x 5 km Runden, darunter drei Männer der LG Ultralauf.

EbershausenIch hatte vor, das ganze nicht mit zu viel Ernst anzugehen, die Ambitionen Gas zu geben stand heute nicht im Vordergrund. Angekommen in Ebershausen gab es die erste Überraschung: Außer Franz Holzleitner war noch ein anderer Franz der LG Ultralauf am Start. Franz Berger, der, obwohl er um die Ecke von mir wohnt, mir noch nicht bekannt war.

Und das Beste; wir hatten unabgesprochen alle unser kurzärmeliges LG Ultralauf-Shirt angezogen. Echte Konkurrenz in der Einzelwertung waren wir nicht, da jeder in einer anderen Altersklasse antrat. Franz Berger in der M50, sein Namensvetter Franz Holzleitner in der M65 und ich in der goldenen Mitte in der M55.

Das Wetter war analog zum Vorjahr, morgens noch frisch, später sonnig warm und etwas windig. So kam was kommen musste. Es lief einfach richtig gut bei mir und auch bei den anderen beiden. Und speziell bei Franz Holzleitner ab Runde 4 wie in 2018 mit freiem Oberkörper. Der andere Franz und ich hatten genügend Anstand ;-) und Vereinszugehörigkeitsgefühl unser schönes LG-Ultralauf Shirt bis zum Schluss mit Stolz zu tragen.

Und die "größte und schnellste Mannschaft" war eine der Auszeichnungen für die Siegerehrung ja schon gegeben. So ging es in "nackten" Zahlen (gell Franz;-) dann aus:

Franz Holzleitner 04:46:16, AK M60 Platz 2

Klaus Mantel 04:33:37, AK M55 Platz 2

Franz Berger 04:18:56, AK M50 Platz 4

Bei der Siegerehrung wurde die Mannschaftswertung irgendwie vergessen, aber gewonnen wurde sie von uns trotzdem. Hoffen wir mal, dass 2020 die Konkurrenz durch eine größere Teilnehmerzahl dann wieder etwas größer wird, denn der veranstaltende FCE hatte ja bei der am Samstag stattfinden 50 km DM in Störlitz einige ihrer Vereinsmitglieder dabei, die dann Sonntags pausierten.

Text und Fotos: Klaus Mantel, 04.04.2019

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