Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

 

In der 2. Nacht mit Sabine un Stefan

Zum WiBoLT 2019 konnte ich mich aus beruflichen Gründen erst kurzfristig entscheiden. Auf den Start in Wiesbaden freute ich mich sehr, da wieder viele alte Bekannte auf der Teilnehmerliste standen und Michael Esser und sein Team wieder zu sehen. 2014, 2015 und 2016 durfte ich jeweils in Bonn eine Finisher Weste überziehen. Mein Wunsch für den 4. Start war, endlich einmal nicht durch die 4 Nacht laufen zu müssen. Mit diesem Wunsch im Gepäck, wurde es einer meiner schönsten und schnellsten Ultraläufe. Meine pers. Bestzeit wurde um runde 8 Stunden verbessert. Dieses Jahr ging ich als Laufältester an den Start. Mit Hannes bis zur Loreley und mit Stefan ab Oberkestert fanden sich tolle Laufpartner. Stefan musste ich ab Loreley ziehen lassen und mich im Feld ca. 2-3 Stunden zurückfallen lassen, um eine aufkommende Krise zu kompensieren.  Also eine Stunde Rast an der Loreley und dann 1Std Rast +2 Std. Schlafen in Uschi's Wanderstation. Stefan lief danach sogar noch auf den 3. Platz. Kaum aus Uschi's Wanderstation raus, traf ich auf Sabine und etwas später auf Stefan. Wir entwickelten uns zum Team und liefen gemeinsam nach Braubach. Sabine musste sich danach leider etwas zurückfallen lassen. Stefan und ich liefen dann bis zu Ziel gemeinsam. Immer wieder konnten wir uns gegenseitig helfen. Schön war, daß wir uns in den Pausen nicht unter Zeitdruck setzten und wir uns, so gut es ging, mehr auf's flüssige Laufen konzentrierten. Insbesondere die Passagen von Linz bis tief ins Siebengebirge und dann die letzten ca. 20 km vor Bonn waren wir recht flott unterwegs, zuletzt mit dem Ziel, noch am Samstag zu finishen. Mit Erfolg.

Vielen Dank an Michael Esser und sein großes Team!

Sehr Interessant: Michael will nächstes Jahr seinen Traum verwirklichen und mit dem WiBoLT Team den kompletten Rhein(steig) in Etappen von der Schweiz bis zur Nordsee laufen. Deswegen wird der klassische WiBoLT 2020 von Wiesbaden bis Bonn in den Etappenlauf eingegliedert.

Stefan und ich im Ziel

Text und Bilder von Michael Vorwerk 03.07.2019

Die LG Ultralauf ist mit dem Kölnpfad sehr eng verbunden. Viele Teilnehmer auf allen Streckenlängen kommen von unserem Verein, traditionell betreuen wir einen großen VP und überhaupt ist das Kölnpfad-Event etwa so cool wie unser Verein. Wobei "cool" einer gewissen Ironie nicht entbehrt, denn am letzten Wochenende ging es eher heiß zu. Wir haben gleich drei Berichte. Stefan Gartz berichtet von seinem Lauf mit Melissa Steuer über 100km, den er rückblickend Saunalauf nennt. Jonathan Gakstatter lief nur eine Woche nach seinem BBU-100-Meiler beim Kölnpfad auf dem zweiten Platz der 171-Strecke. Sein Titel ist "Et hätt noch immer jot jejange" und deutet seine Schwierigkeiten an, die er alle gemeistert hat. Schließlich folgt ein kurzer Rückblick vom VP 9 von Michael Irrgang.

Mein erster Saunalauf

Das umschreibt es wohl am Besten. Beim Kölnpfadultra 11x10, als Training zum Mauerweglauf geplant, sollte es gemütlich und nicht auf Tempo gehen. Im Vorfeld hatten Melissa (ebenfalls LGU) und ich Kontakt und beschlossen den Lauf gemeinsam zu gestalten.

SK 2

Die geplante Zeit war etwa 13-14Std - bei "normalen" Temperaturen. Konnte ja keiner ahnen, dass es so warm wurde. Wenn ich was gut vertrage, dann niedrige Temperaturen. Dementsprechend schlecht geht es mir bei allem, was die 25-26 Grad überschreitet. Von 36er gar keine Rede. Melissa bat mich darum, sie am Anfang mit einzubremsen, da sie laut eigener Aussage gerne zu schnell angeht.

SK 1

SK 5Der Start erfoglte in der Nähe des Stadions des großen 1 FC Köln. Da es ja, wie gesagt nur ein langer Trainingslauf sein sollte, begannen wir sehr verhalten. Aber auch schon auf dem Weg zum ersten VP war klar, dass das heute kein Zuckerspiel wird. Je näher wir der Todeszone kamen, um so "schöner" wurde das Wetter.

Die Duschen, die von den ausnahmslos tollen VPs angeboten wurden, waren eine dankbare Abkühlung. Ohne Rücksicht auf Blasen ging es komplett unter die Brause, um dem Körper etwas Erfrischung zu gönnen. Bis Porz ging es mir recht gut, während Melissa zu dem Zeitpunkt etwas Verdauuungsprobleme bekam. Doch je näher wir der "Todeszone" kamen, umso wärmer wurde es auch.

Hier hatte ich persönlich dann meinen absoluten Tiefpunkt. Wie gesagt - Wärme ist nicht mein Ding. Schon recht frühzeitig sagte ich, das ich hier deutlich an Tempo raus nehmen muss, so das wir hier große Teile einfach gegangen sind.

SK 3

SK 4

Die 15km bis zum VP8 reichten dann für 1,5 Liter Wasser. Zur Not hatte ich noch 500ml Reserve dabei. Glücklicherweise gab es ja zwischen VP8 und 9 noch einen "MiniVP" mit Dusche. Dieser rettete mir doch das "Leben". Hatte ich doch bis hier mehr als ein mal über einen DNF nachgedacht.

SK 6

Die berüchtigte Todeszone, in der die Hitze stand. Melissa sorgte dafür, dass es weiter ging, im warsten Sinne des Wortes. Laufen war kaum möglich. Als wir dann wieder in Regionen mit mehr Schatten kamen, stieg bei mir auch wieder die Laune und es wurde deutlich leichter.

Am VP der LGU machten wir dann erst einmal ausgiebig Pause; erst mal wieder zu Kräften kommen. Normalerweise halte ich mich an VPs nur so kurz auf, wie ich zum Nachfüllen unbedingt brauche - heute brauchte ich aber erst einmal eine kleine Auszeit. Die Dropbags gesucht und etwas reorganisiert. Michael Irrgang sorgte für unsere Verpflegung. Ich persönlich habe meist das Problem, dass mir ab km 50km meist schlecht ist, so das ich mich zum Essen zwingen muss. Wenn dann alles drin ist, geht es nach 10 Minuten auch wieder besser. So sagte mir Michael hinterher, dass ich wohl ein recht klägliches Bild am VP gemacht habe, aber der Wille zum Finish wohl noch sichtbar war.

Weiter ging es also zur zweiten Halbzeit. Mit jedem Grad, dass das Thermometer wieder fiel, ging es mir zusehens besser. Dafür wurde es für Melissa unangenehm. Schmerzen im Fuss plagten sie immer mehr. Zwischenzeitlich machte ich mir Sorgen, ob ein Weiterlaufen möglich sei. Wir hatten zusammen begonnen, also machen wir das hier auch zusammen fertig. Solange ich von ihr kein "ich höre auf" höre, ging es also weiter. Das Teamwork passte. Wir mussten uns nicht einmal absprechen, ab wo wir bei Bergen gehen. Das Tempo mindern passierte praktisch beim gleichen Schritt des anderen. So liefen wir zusehens in die Nacht hinein. Es war klar, dass die urspringliche Zeitplanung 13-14 Uhr nicht zu halten war. Nicht bei diesen Bedingungen. So starteten wir am "Heavy Metal" VP mit unseren Kopflampen in die Nacht hinein. Jetzt wurde es vom Wetter her richtig angenehm. Kurz vor dem VP 12 trafen wir einen Arbeitskollegen von Melissa, der uns sagte, dass er heute eh nichts vorhabe und uns die letzten 10-11km begleiten wolle. Bis dahin war ihm aber nicht klar, zu welcher Uhrzeit das sein wird. So liefen und speedwanderten wir durch den Königsforst bei Nacht, überholten diverse Wanderer und schwuppdiewupp war es schon Mitternacht. Jetzt waren es aber immer noch gut 25km. Wärend ich zunehmend besser drauf war, lief es bei Melissa sagen wir mal semioptimal. Die Schmerzen im Fuss wurden beim Gehen stärker, beim Traben besser. Durchtraben war aber geländebedingt nicht immer möglich. Irgendwo gegen 01.00 Uhr stand dann Melissas Kollege am Wegesrand, bewaffnet mit einem GPS und Kopflampe. So hatten wir dann auf den letzten 11km den Luxus eines privaten "ortskundigen" Führers. Was für eine Wohltat, einfach nur dumm wie ein Lemming hinterher trotten und nicht selber noch nachdenken müssen bzw. die Markierung suchen.

SK 7

Nach gut 16,5 Std erreichten wir dann ziemlich geschafft das Ziel. Hier wurde man unter Applaus empfangen, was dem Kopf doch schon sehr gut tat. Nachdem wir unser Buckle in Empfang genommen hatten, ging es um 3:30 langsam auf den Heimweg.

Insgesamt muss ich aber sagen dass wir an allen VPs super nett empfangen wurden und die Helfer uns alles abgenommen haben, um uns den Lauf so einfach wie möglich zu gestalten. Auch der Micro VP mit der Blumenspritze und der Wassermelone am Wegesrand sei hier zu nennen. Das war echt rührend. Allen die eine Gartendusche organisiert haben, einen riesen Dank. Ohne die wären vermutlich noch mehr (ich inklusive) ausgestiegen. Grob überschlagen hab ich um die 15 Liter Flüssigkeit zwischen den VPs zu mir genommen. Begleitet von diversen Salz/Mineraltabletten. Verlaufen haben wir uns nicht wirklich. Es wird sich auf maximal 300m im ganzen erstrecken.

Text und Bilder: Stefan Gartz, 01.07.2019

Et hätt noch immer jot jejange

Nachdem ich letzte Woche beim Backyard Ultra in Kandel nach 26h ausgestiegen war, stand mit dem Kölnpfad der zweite 100Meiler innerhalb von einer Woche an. Der Kölnpfad war seit dem ELAN im letzten Jahr fest eingeplant und dementsprechend früh meldete ich mich an. Der Backyard hat sich dann einfach so ergeben, wie dass halt manchmal so ist. Ich hatte mir offen gehalten in Köln zu starten und entschied mich erst Mitte der Woche doch dafür, auch wenn der Testlauf bei 34 Grad Hitze definitiv nicht gut lief.

Ich reiste am Freitag mit einer Mitfahrgelegenheit nach Köln und war gegen 18Uhr im Startbereich. Dort traf ich auf Willi Klesen, der auch die 171KM angehen wollte und den ich beim KUT kennengelernt hatte. Ich legte mich mit meiner Isomatte auf die Wiese und versuchte zu schlafen, um beim Start um 0:00Uhr fit zu sein. Gegen 21:00Uhr war dann Matthias Kröling da, der mir Asyl in seinem Zelt angeboten hatte und der sich wie ich noch vor einer Woche zwanzig Stunden von einer Glocke zum Laufen hatte zwingen lassen. Schnell das Zelt aufgebaut, noch 30min hingelegt und dann war es schon soweit sich umzuziehen und für den Lauf bereit zu machen.

Kurz vor 0:00Uhr bekam jeder einen Tracker, welcher den Live-Standort durchgibt, um bei Notfällen eingreifen zu können und über den Freunde oder Familie den Lauf verfolgen konnten. Dann eine kurze Ansprache vom Veranstalter Thorsten Klenke und dann ging es auch schon los. Ich lief in der „Spitzengruppe“ mit und das Tempo war viel zu schnell: im 5:30er Schnitt ging es zum ersten VP zu sechst kamen wir dort an, die ersten Verlaufer waren trotz Track auf der Uhr schon passiert. Zu viert ging es im selben Tempo weiter vorbei an einer Partyhochburg wo die Leute uns fassungslos anstarrten und nicht glauben wollten dass wir das ganze freiwillig machen. Wir kamen zum zweiten VP bei KM 27 hier waren wir nur noch zu dritt und mir war klar, dieses Tempo ist zu schnell; aber trotzdem lies ich mich mitziehen. Bis zur Marathonmarke, die wir in etwa bei 3:50h passierten, lief ich mit - dann lies ich die zwei Herren vorne ziehen. Ihr Ziel lag beim Finish in unter 20 Stunden; meines war, vernünftig ins Ziel kommen möglichst ohne eine zweite Nacht laufen zu müssen.

Bei VP 3 lief Karnevalsmusik und die Stimmung war super, zumindest bei den Helfern. Ich hatte eine erste Krise, verursacht durch das zu schnelle Tempo. Ich ging nun erstmal eine längere Strecke und hätte mich fast verlaufen, hätte Uwe, der spätere Sieger, mich nicht darauf aufmerksam gemacht. Er war auf mich aufgelaufen und wir beschlossen kurzerhand ein Stück gemeinsam zu laufen. Da wir uns vom Seenländer Ultra schon kannten, hatten wir uns einiges zu erzählen und die Zeit verging und VP 4 war plötzlich da.

Es ging mir wieder besser und wir konnten konstant ein Tempo immer rund um 6min/km laufen. Ich konnte zwar seit VP2 nichts mehr essen aber durch ISO und Apfelschorle ging es ganz gut. Wir kamen weiter zügig voran und liefen auf die 80KM Marke zu. Nun ging es etwas monoton am Rhein entlang über mehrere KM. AM Ende ein VP, der den Wendepunkt markierte und dann ging es wieder zurück quasi parallel zum vorherigen Weg. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir die Brücke, die uns auf die andere Seite des Ufers und damit näher zu VP7 führte. Unsere Stimmung war gut auch wenn meine Füße langsam aber sicher müde wurden. Am Verpflegungspunkt herrschte super Stimmung. Zwei Pools waren aufgebaut und an Verpflegung war fast alles geboten. Hier trafen wir auf einen Läufer aus der Schweiz, der kurz ruhte und die Kleidung wechselte, er konnte das Rennen aufgrund von Übelkeit leider nicht finishen und musste später aussteigen. Uwe und ich lagen nun also auf dem zweiten Rang, die Platzierung war uns aber eher unwichtig wir wollte vernünftig vorankommen. Das Laufen fiel uns immer schwerer, trotzdem war das Tempo für diese Distanz immer noch sehr in Ordnung und die Temperaturen waren auch zu ertragen. Wir erreichten den super VP am Schneppenhof bei KM 104 mit Wasserdusche und allem, was das Herz begehrte. Leider war bei mir immer noch nicht an Essen zu denken und so mussten ISO und Cola herhalten.

Nun begann die sogenannte Todeszone, 14KM in der Sonne ohne Schatten. Wir hatten Glück, denn es ging ein leichter Wind und wir arbeiteten uns mit abwechselnden Lauf und Gehphasen voran. Am VP hatten wir den bisher führenden überholt und lagen somit plötzlich in Führung, trotzdem kam kein Druck auf und wir arbeiteten uns weiter voran. Wir lagen gut in der Zeit und freuten uns auf den nächsten VP, doch es sollte anders kommen.

An einer Stelle im nächsten Ort sahen wir Markierungen und Schilder, die vom Kölnpfad wegführten. Wir litten wohl bereits unter Dehydration, denn anstatt in den VP zu laufen dachten wir diese Markierung gelte nicht für uns, sondern nur  für die 11x10KM Läufer  und so liefen wir gerade aus weiter. Nach weiteren Kilometern kam der VP immer noch nicht und bei 122Km auf der Uhr wurden wir langsam unruhig. Wir riefen Thorsten an und der erklärte uns wir hätten den letzten VP verpasst.

Das war natürlich ein Schock, aber zurücklaufen war für uns keine Option, obwohl wir dringend Wasser brauchten. Uwe nahm die Situation sehr gut auf, für Ihn war es eher ein Spaß; ich war in diesem Moment mental ziemlich fertig. Wir besorgten uns Wasser aus einem kleinen Bach, welches tatsächlich relativ gut schmeckte, um wenigstens bis zum nächsten VP in 16KM Entfernung zu kommen. Das kalte Wasser kam bei meinem sowieso schon angeschlagenen Magen nicht gut an und ich hatte mit Übelkeit zu kämpfen. Ich schickte Uwe allein weiter, auch wenn er unbedingt gemeinsam weiterlaufen wollte und ich ihn wirklich wegjagen musste. Nun folgten viele Kilometer entlang der Bundesstraße, die ich nur gehend bewältigen konnte; unterbrochen von mehrmaligem Erbrechen. Nach einer Weile setzte ich mich an den Wegrand, aß meinen Notfalltraubenzucker, der seit zwei Jahren in meinem Rucksack auf diesen Einsatz wartete, zusätzlich noch ein Gel und es ging langsam aufwärts.

Mittlerweile wurde ich auch wieder überholt, und freundlich nach mein Befinden befragt, da es mir aber besser ging, schickte ich ihn einfach weiter. Plötzlich konnte ich wieder laufen, und so kam ich glücklich bei KM 134 zum nächsten VP an. Flaschen auffüllen kurz abkühlen und weiter ging’s. 10Km bis zur nächsten Verpflegungsstelle, dass sollte wohl machbar sein. Mit einem Mix aus Laufen und Wandern kam ich ganz gut voran. Ich erreichte den vorletzten Verpflegungspunkt am Eisstadion. Hier sind viele Wanderer und gegrillt wurde hier auch, fast schon Partystimmung. Ich musste mich kurz auf den Boden legen. Es ging mir so naja, über 100KM ohne Essen rächen sich nun doch. Ich verließ den VP und kam nur langsam voran, mir war plötzlich furchtbar heiß und die Konzentration ließ nach. Ich fand eine kleine Pizzeria, kaufte mir eine eiskalte Cola und setzte mich vor der Türe auf die Treppe. Der Zucker brachte den Körper wieder in Schwung, sogar Laufen war zweitweise wieder möglich der letzte VP konnte nicht mehr weit sein, keine 15KM mehr ins Ziel.

Ich irrte durch den Wald, die Wegfindung war hier, naja ich sage mal "kreativ". Doch endlich am Ende der Lichtung tauchte der VP auf, die Leute sind sehr hilfsbereit und zu meiner Überraschung füllen Tobias Krumm, der mehrmalige Wibolt und JUNUT Sieger sowie unser Vereinskamerad Christoph Janthur meine Flaschen auf ich fühlte mich richtig geehrt und lief nach dem VP sogar fast beschwingt wieder los - was der Körper nicht alles leisten kann.

Auf den letzten 11KM traf ich viele Wanderer, die gegenseitige Motivation half mir, nochmal am Baggersee vorbei und dann sind es nur noch 5KM. Ich war wirklich fertig, wollte nur noch ins Ziel. Die Wanderer sind superfreundlich. Obwohl sie auch schon über 45KM gewandert sind, haben alle noch gute Laune. Die Leistungen der Wanderern über alle Strecken sind wirklich hoch anzurechnen. Es ging wieder über den Bahnübergang wie vor über 20Stunden - das Ziel kam näher! Ich schaute seit Ewigkeiten mal wieder auf die Uhrzeit, 20:48, ich hatte noch 12 Minuten für 1,5KM - da war doch wohl eine Zeit unter 21 Stunden möglich?

Tatsächlich klappte es und nach 20:58 Stunden bin ich überglücklich im Ziel. Uwe war schon seit fast einer Stunde da, eine super Zeit hatte er hingelegt. Willi war auch da, er musste wegen einer Verletzung aussteigen und hatte sich trotzdem bis zu KM80 durchgekämpft. Nach einigen Minuten raffte ich mich zum Duschen auf und danach verbrachte ich noch etwas Zeit mit Uwe und seiner Frau, die gerade vom Eisessen zurückkamen.

Um halb zwölf legte ich mich ins Zelt, irgendwann kam Matze ins Zelt. Er wollte unter 26 Stunden laufen und hat das quasi auf die Minute geschafft eine fantastische Leistung. Er hat diesen harten Lauf zum fünften Mal gefinisht und ist somit der einzige All-Time-Finisher.“ Am nächsten Tag warteten wir auf die Siegerehrung und Pastaparty. Matthias, Dirk Minnebusch (er ist nach langer, hartnäckiger Verletzung 35KM gewandert) und ich gingen noch Eis essen und dann begann die Siegerehrung. Hinter Uwe bin ich zweiter geworden, die Platzierung freut mich, wichtiger ist mir jedoch diesen harten Lauf gefinisht zu haben und ein tolles Wochenende verbracht zu haben. Michael Frenz unser Vereinskollege wird vierter mit einer tollen Zeit von ebenfalls unter 24 Stunden.

Ich kann den Kölnpfad jedem uneingeschränkt weiterempfehlen! Eine mit Herzblut und vollem Einsatz organisierte Veranstaltung mit tollen Menschen und zwei tollen Organisatoren. Es gibt für fast jeden sowohl Wanderer als auch Läufer eine Distanz und Möglichkeit teilzunehmen. Die Markierung ist gewöhnungsbedürftig, aber viel besser als erwartet gewesen, die Strecke teilweise nicht die schönste aber genau darin liegt auch die Herausforderung.

 JK

Ein Bild von der Siegerehrung, vlnr: Thorsten Klenke, Jonathan Gakstatter (2. Platz), Dirk Thies (3. Platz), Tom Eller. Leider fehlt der Erstplatzierte Uwe Jahn.

Text. Jonathan Gakstatter, Bild: Dirk Minnebusch

Betreuung am VP 9 in Grengel

Seit Jahren betreut die LG Ultralauf einen VP, der im Laufe der Zeit ein wenig gewandert ist und dieses Jahr zum ersten Mal an einer Schule in Grengel aufgebaut wurde. Die 171km-Wanderer und Läufer haben hier 118,5 km hinter sich, die anderen Gruppen entsprechend weniger, die 50km-Wanderer hatten hier ihren Start.

MK Stand

Der Schulinnenhof bot viel Platz und Schatten und lud die überhitzten Sportler ein, sich zu regenerieren und zu stärken.

MK Liege

Wir hatten einige Liegen bekommen, die gerne angenommen wurden, insbesondere Wanderer der langen Strecke waren teilweise 24 bis 26 Stunden durchgewandert und machten bei uns eine größere Pause. Bei so einer Liegemöglichkeit, schöner Musik und kühlen Getränken wollten einige auch gar nicht wieder los. Aber wer mich kennt ..... die überhitzten Hektiker werden in ein Gespräch verwickelt und aufgehalten, die Trödelgruppen angetrieben, die Aufgabewilligen zum Weiterlaufen -, bzw. wandern motiviert, die Vereinskollegen fotografiert.

MK Dusche

Eine Dusche sorgte für Abkühlung. Je nach Belieben wurde nur die Mütze geduscht oder auch einmal komplett.

MK Team

Das Aufbau- und erste Betreuungsteam war Judith Sebastian, Reimund Brömmelhaus, Martina Stumpf-Irrgang und ich.

MK Marlene

Marlene Heller nutzte eine Pause, um den Spielplatz mit interessanten Geräten zu erkunden.

MK SJ

Abends halfen dann Stefan Henscheid und Jan Förster. Stefan unterstützte die Nachtschicht und baute mit ab. In Summe waren wir über eine Dauer von 7:30 Uhr bis 1:30 Uhr am Sonntag vor Ort und betreuten schätzungsweise 250 Wanderer, Läufer und Begleiter.

MK MM

Michael Frenz war einer, der sich viel Zeit nahm, um sich für den 50km-Endspurt zu kühlen und zu stärken. Am Ende wurde er Vierter auf der ganz langen Strecke.

MK M

Auch Matthias Heinle investierte viel Zeit in die Erholung, die sich später auszahlte.

MK MS

Die oben erwähnten Stefan und Melissa.

Insgesamt macht die Betreuung eines VPs durchaus auch Spaß, selbst wenn es in den Füßen juckt, selbst zu laufen. Die Wanderer und Läufer haben an diesem Tag Großartiges geleistet und es ist auch eine gewisse Ehre, ihnen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Michael Irrgang, Martina Stumpf-Irrgang, 02.07.2019

 

Bild 20190701 1

Bild 1: Ein Ausschnitt von der Abschlusstabelle von der Saison 1/2019

Das Kilometerspiel ist ein virtueller Laufwettbewerb um die Welt, bei dem jede Läuferin und jeder Läufer die gelaufenen Kilometer im Internet erfasst und einem oder mehreren Teams gutschreibt. In verschiedenen Ligen kann man auf- und absteigen. Ein Team hat bis zu 70 Teammitglieder. 

Bild 20190701 2

Bild 2: Hans-Dieter Jancker alias Sputnik hat letzte Saison die meisten Kilometer gesammelt. Insgesamt sind 42 Mitglieder der LG Ultralauf in diesem Team.

Die LG Ultralauf spielt mit zwei Teams mit, die inzwischen beide in der 1. Liga laufen. Das zweite Team ist gerade aufgestiegen. Das erste Team hat die gerade abgeschlossene Saison gewonnen. Wir haben bewusst zwei ca. halbvolle Teams, weil ein komplettes LG Ultralaufteam das Spiel komplett dominieren würde und alle beteiligten weniger Spaß hätten.

Bild 20190701 3

Bild 3: Das zweite Team hat die dritte Liga haushoch gewonnen und durfte nach einem Stechen gegen den vierten der zweiten Liga direkt in die 1. Liga aufsteigen. Dort weht ein anderer Wind.

Wir suchen noch MitspielerInnen für unser zweites Team, damit wir zu unserem ersten Team konkurrenzfähig sind. Alle Mitglieder und Freunde der LG Ultralauf sind herzlich eingeladen sich bei dem kostenlosen und werbefreien Spiel anzumelden und seine Kilometer für das Team zu sammeln.

Bild 20190701 4

Bild 4: Das zweite Team hat im Moment 29 Mitspielerinnen und Mitspieler. Heiko Niendorf alias Feuerraeder hat mit Abstand die meisten Kilometer erlaufen. Respekt!

Es gibt einige Links, die man mal besucht haben sollte:

Die Hauptseite erreicht man unter: www.kmspiel.de

Die Spielregeln sind sehr einfach und findet man hier: https://www.kmspiel.de/2018/wiki.php?wasist=Regeln

Anfangs erscheint das Spiel etwas unübersichtlich. Die ersten Schritte werden hier erklärt: https://www.kmspiel.de/handbuch/

Wir freuen uns auf weitere TeilnehmerInnen.

Text und Bilder: Jens Allerheiligen 01.07.2019

Wie kommt man auf die Idee, den Rheinsteig komplett und am Stück zu laufen? So richtig weiß ich das auch nicht mehr. Es muss vor 3 ½ - 4 Jahren gewesen sein, dass ich mich bei Michael Eßer für den WiBoLT 2017 angemeldet habe. Mit der Vorerfahrung von 4 Rennsteig Supermarathon Teilnahmen und bis dahin einem 100 km Lauf auf flacher Strecke im Leipziger Auenwald. Einige Abschnitte des Rheinsteigs kannte ich bereits von diversen Wanderungen und Erkundungsläufen, da ich nur 18 km vom Start in Wiesbaden-Biebrich entfernt wohne.

2017 ging tatsächlich alles gut und ich kam auf Gesamtplatz 6 nach offiziellen 75:58h (es waren eigentlich 75:43h 😉) ins Ziel in Bonn. Michael Eßers Spruch, dass ein einmaliges Finish durchaus etwas mit viel Glück zu tun haben kann, wurmte mich doch ein wenig. Also für 2018 wieder angemeldet. Dass der Start dann erst im Jahr 2019 sein sollte, war durch den Ausfall des WiBoLT 2018 bedingt. 2019 stand ich also wieder an einem Mittwochnachmittag vor Fronleichnam vor Schloss Biebrich und traf viele bekannte Gesichter. Schnell noch ein Foto mit den LGU’lern Nicole Kresse und Stefan Henscheid geschossen (wie sich später herausstellte war auch Michael Vorwerg am Start) und ab ging es um 18 Uhr bei schweißtreibenden 33°C auf die lange Reise.

KF1

KF3

Nach ca. 1,5 km an der ersten baustellenbedingten Umleitung nicht den direkten Weg über die Baustelle gewählt, sondern einfach mal vorweg gelaufen und der offiziellen Umleitung gefolgt. Naja, das sollte nicht die letzte Fehlentscheidung sein, denn nicht viel später geht die Rheinsteigstrecke durch ein ausgedehntes Schrebergartengebiet und auch dort habe ich mich prompt wieder verlaufen und ordentlich Zusatzstrecke gemacht. Bis Schlangenbad hatte ich statt 16,7 km bereits gut 20 km auf der Uhr. Was soll’s! Hier war Cathrin auch vorerst letztmalig an der Strecke, bevor es zum nächsten geplanten Treffen kurz hinter der Loreley kommen sollte.

Auf dem Weg bis Schlangenbad hatte sich das 38-köpfige Läuferfeld bereits gut auseinandergezogen und ich beschloss, mein gemächliches Tempo im Alleingang zu laufen. Das Areal von Kloster Eberbach wurde in diesem Jahr nicht umlaufen, sondern eine Umleitung führte einmal im ZickZack über das Klostergelände. Da war es auch bereits Zeit die Stirnlampe herauszuholen - Dunkelheit und das Erkennen der kleinen blauen Schilder der Rheinsteigausschilderung sind noch mal eine besondere Herausforderung. Die Wärme des Tages wollte auch nicht wirklich weichen und in den Wäldern stand die Luft.

Also versuchen die Konzentration hoch zu halten um möglichst keinen Abzweig verpassen, denn beim letzten Mal war ich noch kurz vor Kloster Mariental an einem Abzweig, der auf einem Downhill runter zum Kloster führte, vorbeigelaufen und musste gut einen Kilometer zurück. Also komplett auf die Ausschilderung konzentriert und zack haut es mir die Füße weg. Ich knalle ungebremst auf Schulter, Unterarm und Knie. Grhhhh!!! Nach nur 40 km ordentliche Prellungen und Abschürfungen. Der nächste VP ist auch noch ca. 17 km entfernt. Bis zum Niederwalddenkmal mache ich also erstmal schön gemächlich und bin froh, mir dort die Wunden spülen zu können. Bleibe dort auch gute 25 min. am VP und esse/trinke erstmal ordentlich. Zeitlich bin ich gut 1 ½ h hinter der 2017er Durchgangszeit zurück.

Der nächste VP wartet nach ca. 75 km in Lorch. Dort komme ich wenige Minuten nach 6 Uhr an. Läuft eigentlich ganz gut und ich bin wieder im Soll. Das Knie brennt allerdings ganz ordentlich. Ich schaufle mir eine Tomatensuppe mit Laugenbrötchen rein, dazu viel Cola und ab geht es wieder auf die Strecke. Wieder in Schwung zu kommen fällt allerdings nicht leicht. Es geht auch gleich steil die Weinberge hoch und ich schätze es nicht nur hier in diesem Jahr leichte Laufstöcke dabei zu haben. Auf dem Weg zur Loreley Schule mache ich am frühen Vormittag noch einen Stopp an einem kleinen Hotel in Dörscheid und spüle ein alkoholfreies, eiskaltes Weizen mit einem halben Liter Cola runter. Was für eine Wohltat und Abwechslung zum lauwarmen Wasser aus der Trinkblase. Dafür zahle ich dann auch gern auf dem Dorf den Großstadtpreis von €9,80. Die Strecke ist bis dahin wunderschön und bietet immer wieder prächtige Ausblicke auf das Rheintal.

An der Loreley Schule (km 107) werde ich von Cathrin mit einem aufmunternden Kuss und frischem Obstsalat begrüßt. Raus aus den verschwitzen Klamotten und nach ca. 19 h Laufzeit eine Dusche sind Wohltat. Die Abschürfungen brennen allerdings wie Hölle. Wie geplant lege ich mich für eine Stunde im Auto aufs Ohr und gegen 14:55 Uhr geht es wieder auf die Strecke.

KF4

Auf der Etappe bis Kestert gibt es bei Burg Maus und Wellmich wieder heftige Auf- und Abstiege. Am VP Uschis Wanderstation (km 125) treffe ich auf Nicole und Michael. Die gekühlten Getränke aus Uschis Kühlschrank munden uns vorzüglich. Weizenbier und Käsekuchen sind meine bevorzugte Kombination. Seltsam welche Gelüste man so entwickelt. Nicole bricht vor mir auf und Michael will sich erstmal aufs Ohr legen.

Wenige Kilometer später überhole ich Nicole wieder. Zu dieser Zeit ziehen bereits nördlich von uns Gewitter vorbei. Kurz hinter Lyckershausen fängt es dann leicht an zu tröpfeln, doch der Regen wird schnell sehr intensiv. Das bedeutet auch, die Strecke wird matschig und glatt. Nicole zieht im Regen auf einer abschüssigen Serpentinenstrecke souverän an mir vorbei. Da ich keine Lust habe mich schon wieder lang zu machen, geht es für mich schön vorsichtig bergab. Es folgen einige durchaus ganz gut laufbare Abschnitte und ich komme noch bei Tageslicht in Filsen an einer Bank vorbei, auf der ich 2017 nachts gute 2 h geschlafen habe (Zwangspause zum Stirnlampe laden).

Richtig unangenehm sind jetzt die Single Trails über Wiesen mit hohem, nassen Gras, das in die Strecke reinhängt. Im Wald ist es dafür extrem glitschig auf den Wegen und bereits wieder so dunkel, dass die Stirnlampe wieder zum Einsatz kommt. So vorsichtig ich auch bin, haut es mich doch nochmal so richtig in den Matsch. Die Motivation geht ziemlich in die Knie.

Den nächsten VP in Braubach (km 160) sehne ich herbei. HALBZEIT! Bleibe am VP auch länger als geplant und mach es mir auf drei Stühlen bequem. Döse gut 1 ½ h vor mich hin und will eigentlich überhaupt nicht weiter. Aus der Wärme des Braubacher Rathauses in die Kälte der Nacht zu starten, kostet echt Überwindung. Allerdings steht eine recht kurze Etappe bis zur Ruppertsklamm bevor.

Der Abstieg von Lahnstein nach Friedland läuft richtig gut und ich treffe am Zugang zur Ruppertsklamm auf Marina Kollossa mit ihrer Begleitung. Jetzt noch die wildromatische Klamm durchstiegen und am oberen Ende wartet der beste VP auf der gesamten Strecke. Eine Grillhütte mit Lagerfeuer und lecker Essen im Morgengrauen. Zu der Zeit liege ich gut 2 ½ h vor meiner 2017er Zwischenzeit. Also richtig gut aufgeholt.

Auf der Strecke runter nach Koblenz überhole ich Marina wieder, da sie nur kurz an der VP verweilt hat. War ich bei meinem ersten WiBoLT noch auf dem Gelände der Festung Ehrenbreitenstein in Koblenz umhergeirrt, war ich diesmal besser vorbereitet. Allerdings ging es gerade mal wieder konditionell und mental in ein Loch. Das kann sich aber so schnell ändern, wie es kommt. Kam aber erstmal nicht. Also durchhalten bis Vallendar (km 191) da dort die Aussicht auf frische Socken, die Cathrin für mich an Bord hatte, bestand. Oft können kleine Dinge motovieren.

Ankunft in Vallendar um 9:10 Uhr und am Brunnen die qualmenden Füße gewaschen. Frische Socken an die noch immer blasenfreien (!!!) Füße gezogen und die Welt sah schon wieder freundlicher aus. Da ich es überhaupt nicht eilig hatte, wurde erstmal das zweite Frühstück eingenommen und gegen 10:05 Uhr ging es wieder auf die Strecke.

KF5

Der Tag sollte wieder richtig warm werden und die anstehende Etappe bis Rengsdorf ist mit ca. 20 km lang. Auf dem Abstieg ins Tal von Sayn bin ich dann auch wieder gut 1,5 km falsch in Richtung Tal gelaufen. Also zurück den Berg hoch und wieder auf die Originalstrecke. Diese Kilometer tun richtig weh. Nicht nur körperlich, vor allem mental. Dazu kam, dass meine Getränkevorräte zu Ende gingen und ich mir in Sayn Nachschub organisieren musste. Wieder 1,5 km in Sayn zusätzlich gelaufen! Aber alternativlos.

Der Stopp in Rengsdorf (km 211) fiel mit gut 45 min. eher kurz aus. Ist aber auch kein VP der zum langen Verweilen einlädt. Es ist jetzt später Nachmittag und die Strecke führt hinunter ins Wiedtal. Ich komme aus dem Wald und die Sonnenhitze trifft mich mit voller Wucht. Von hier geht es mit nur wenig Schatten bei glühender Hitze den Berg hoch. So ähnlich muss es sich wohl beim WSER in den Canyons anfühlen.

Am späten Abend treffe ich um 21 Uhr am VP Feldkirchen (km 231) ein. Hier haben sich schon einige Läufer zur Ruhe gelegt. Bei mir gibt es eine Dusche und dann geht es für 1 ½ Stunden auf die Matratze im Auto. Todesähnlicher Schlaf tritt sofort ein. Als ich mich in frische Laufklamotten schwinge, treffe ich auf Stefan und Michael, die gerade angekommen sind und unter die Dusche wollen. Cathrin verabschiedet mich um 23:24 Uhr mit einem dicken Kuss in die nunmehr dritte Nacht. Das nächste Treffen sollte es am VP in Arienheller geben.

Die anstehende Etappe wurde wieder sehr wild. Wild im Sinne von Wildschweinen. In den Wäldern zwischen Feldkirchen und Arienheller sind unfassbare Rotten unterwegs. Was kommen da auch nachts irgendwelche seltsamen Typen mit Licht auf dem Kopf durch den Wald. Wie dann die Schweinchen mit Getöse ins Unterholz flüchten ist beeindruckend und auch ein wenig beängstigend. Die Weinberge in diesem Gebiet sind alle eingezäunt. Sicher wegen der vielen Wildschweine. 3:10 Uhr treffe ich in Arienheller (km 255) ein. Ein VP der in diesem Jahr nur aus einer Bank mit Verpflegung, allerdings ohne Betreuer besteht. Meine Laune ist gar nicht so schlecht. Cathrin schläft auf dem Parkplatz im Auto, ist aber sofort munter als ich eintreffe. Die Unterstützung durch einen persönlichen Betreuer ist einfach Gold wert!

KF7

Mein Race Modus besteht mittlerweile aus einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Roboter. Das ist genau die richtige Mischung für Verlaufaktionen. Kurz vor Linz biege ich mal wieder auf die falsche Seite eines Tals ab und sehe auf der gegenüberliegenden Seite Nicole im Laufschritt vorbeiziehen. Sollte die letzte Begegnung mit ihr auf der Strecke sein. Für mich 2-3 km zusätzlich. Egal! Weiter, immer weiter!

Kurz hinter Linz kommen dann wieder brutale Anstiege in Richtung Erpeler Ley und danach geht es auf eine große Runde durchs Siebengebirge. Irgendwie sind gleichzeitig Uhr, Handy und Powerbank am Ende. Also Tracking aus und nur noch nach der Uhrzeit orientiert. Irgendwie schleppe ich mich durchs Siebengebirge. Ewig lange Anstiege, die auch noch - wie der hoch zum Himmrich - richtig steil sind, ziehen mir den Stecker. Irgendwann taucht die Löwenburg auf und von da sind es noch 3,8 km bis zum letzten VP. Nach einigem kommunikativen Blödsinn mit Cathrin (klares Denken war da bei mir schon vorbei), die am VP Rhöndorf auf mich wartet, bin ich dann um 14:30 Uhr dort. Die letzten 2 Kilometer gehen richtig flott. Immer wieder ein Wunder was auch nach 295 km noch geht.

In Rhöndorf geht es um 15 Uhr auf die letzten 25 km. Dass auch die nochmal richtig hart werden, da es hoch zur Drachenburg und über den Petersberg geht, war mir klar. Immerhin lag ich auch gut zwei Stunden hinter meiner Zeit von 2017. Von einer Verbesserung meiner Gesamtzeit hatte ich mich schon lange verabschiedet. Auf welchem Gesamtplatz ich lag, war mir auch völlig egal. Also über den Drachenfels geschleppt und auch über den Petersberg. Bereits beim Abstieg vom Petersberg merkte ich, wie die Lebensgeister zurückkehrten. Die Beine und die Laune verbesserten sich schlagartig. Ich lief in ein echtes Runners High, das für einige Kilometer anhalten sollte. Wow, was für ein geiles Gefühl! Als ich bereits am Rand von Bonn mal wieder Facebook checke, entnehme ich einem Post von Cathrin, dass sie mich gegen 23 Uhr erwartet. Da muss ich sie klar enttäuschen. Auf der Rheinbrücke kurz vor der Bonner Innenstadt halte ich noch einen Schwatz mit einem Radfahrer, der gut über den WiBoLT informiert ist. Man trifft auch unterwegs immer wieder Leute, die mit diesem Lauf etwas anzufangen wissen und einem höchsten Respekt zollen.

Dann ist es soweit. Es geht die letzten Meter weg vom Rhein in Richtung Innenstadt und Bonner Marktplatz. 21:02 Uhr und damit nach 75:02h bin ich überglücklich und erschöpft im Ziel. Gesamtplatz 6 hinter Nicole. Ich kann endlich meine Frau, den besten Supporter der Welt, in die Arme schließen. Dann folgen die obligatorische Siegerweste, Glückwünsche und eine Fotosession. WiBoLT das zweite Mal gefinished. Nix Zufall oder extrem viel Glück! Da scheint wohl doch mehr dahinter zu stecken.

KF89

KFA

Kurze Zeit später sitze ich frisch geduscht vor einem riesigen Teller Sülze mit Bratkartoffeln und das nur wenige Meter vom Ziel entfernt. Herrlich, endlich etwas Herzhaftes nach 3 Tagen mit überwiegend süßem Essen und Trinken.

WiBoLT 2020? Nein, definitiv nicht. 2021? Mal schauen!

PS: Einfach nur genial war, dass alle 4 Starter der LGU auch zu den Finishern gehören. Respekt und herzlichen Glückwunsch nochmal an Nicole, Stefan und Michael!

Text: Klaus Haake, Bilder: Klaus und Cathrin Haake, 30.06.2019

Del 01 Gruupe

Am 22./23. 06. fand in Delmenhorst der 24h-Burginsellauf statt. Es war bereits die 16. Auflage und in diesem Jahr sogar auch einer der DUV-Cup-Läufe. Gelaufen wurde auf einer Runde von 1,205 km, teilweise idyllisch am Wasser entlang und auf doch recht staubigen Parkwegen. Das Wetter hatte es an diesem Wochenende sehr gut mit uns gemeint. Von der LG-Ultralauf waren insgesamt 15 Läufer vertreten, wenn auch nicht alle als LGU gemeldet waren. Als Betreuer waren Sandra, Martina und Guido dabei. Am Freitag haben wir schon unseren Pavillon aufbauen können und somit einen der raren Plätze an der Strecke gesichert.

Mit insgesamt 165 Einzelläufern, 60 Staffeln, 32 Schülermannschaften und 13 Gruppen der Lebenshilfe war es doch eine große Veranstaltung für einen 24h-Lauf. Primär ist diese Veranstaltung ausgerichtet für diverse Staffelläufer, aber in den letzten Jahren nahm wohl auch die Anzahl der Einzelläufer zu. Das Orga-Team vor Ort ist wunderbar eingespielt, unermüdliche Helfer in hellblauen T-Shirts mit der Aufschrift „Ich helfe freiwillig“ sorgten sich um uns Läufer. Das Speise- und Getränkeangebot war außerordentlich vielseitig, so viele Obst- und Saftsorten hatte ich noch nie an einem VP gesehen. Dieser war eine Rondelltheke, also eine richtige Rundum-Versorgung. Nur leider konnte ich wie auch sicher einige andere Teilnehmer das Angebot wegen Übelkeit und Magenproblemen nicht so recht nutzen. Schade eigentlich.

Del 02 VP

Del 03 VP

Del 04 VP

Moderiert wurde die Veranstaltung ebenfalls souverän, der nie müde werdende Streckensprecher kündigte dann in der 2. Rennhälfte die Läufer mit Fahne (100 km, 125 km, 150 km, 175 km…) immer großartig an, so dass diese Leistungen auch von allen Teilnehmern und Zuschauern nochmal mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung brachten. Das motiviert! Es war insgesamt eine Mischung aus Hobbysportlern und leistungsorientierten Läufern. Dazu gab es ein sehr abwechslungsreiches Rahmenprogramm, der Höhepunkt war die Feuershow in der Nacht. So war auch für die Zuschauer und Betreuer einiges geboten, was die Veranstaltung auch kurzweilig machte. Der Park war übrigens super ausgeleuchtet, eine Stirnlampe wurde nicht benötigt.

Bilder unserer Läufer:

Del 056 RTR

Ramona und Torsten; Relef

Del 078 KG

Katrin; Gerd

Del 090 EM

Edda; Martin

Del 123 MJR

Michael; Judith und Reimund

Del 145 HS

Helmut; Stefanie

Del 156 EK

Evi; Karl

Del 112 PW

Wilma Dierx, die Gewinnerin der Frauen, war immer gut gelaunt auf der Strecke – ein absolutes Vorbild! Patrick

Gut gelaunte Betreuer:

Del 189 SG

Sandra; Guido

Bei den Frauen siegte souverän mit 193,386 km Wilma Dierx, gefolgt von Anke Schülke von der LG Nord Berlin mit 183,807 km. Ich landete mit 165,246 km überglücklich auf dem 3. Platz. Die Männerwertung gewann unser Patrick mit 243,045 km, der damit die WM-Norm erreichte und vor Ort einen neuen Streckenrekord aufstellte. Den 2. Platz belegte Tomasz Weglinski mit 231,928 km, den 3. Platz Martin Armenat mit 225,335 km.

Del 21 Pokal

Der großartige Erfolg wurde mit einem Pokal und einer Falsche Champagner für den neuen Streckenrekord belohnt.

Mein Fazit: Delmenhorst ist wirklich sehr zu empfehlen und ich bin froh, dass ich mir diesen Lauf als ersten 24h-Lauf ausgesucht habe. Nach dem Lauf sprach ich zwar davon, dass ich keinen 24er mehr machen werde – da bin ich mir nun ein paar Tage danach gar nicht mehr so sicher ;-) Und mit den Laufkollegen war es wieder ein wunderbares Wochenende. Ergebnisliste Frauen (52 Teilnehmerinnen gesamt):

Ergebnisliste Frauen (52 Teilnehmerinnen gesamt):

Platz

km

Name

AK

AK-Platz

3

165,246

Eva Piehlmeier

W45

1

6

134,596

Katrin Tüg-Hilbert

W45

2

8

120,695

Judith Sebastian

W35

1

9

119,393

Edda Bauer

W75

1

20

104,835

Stefanie Makiola

W35

2

27

85,555

Ramona Franz

W45

7

Ergebnisliste Männer (113 Teilnehmer gesamt):

Platz

km

Name

AK

AK-Platz

1

243,045

Patrick Hösl

M45

1

8

174,05

Helmut Schöne

M50

4

11

164,802

Michael Irrgang

M55

2

24

150,625

Relef Tanzen

M60

2

32

134,294

Martin Jochheim

M60

3

43

120,695

Reimund Brömmelhaus

M55

10

72

95,195

Gerd Krischke

M60

5

80

85,555

Torsten Lange

M50

18

91

75,915

Karl Rohwedder

M60

7

Text: Evi Piehlmeier, Bilder: Martina Stumpf-Irrgang, Guido Piehlmeier, 28.06.2019

Bitte beachten Sie, dass unsere Webseite Cookies zur Verbesserung und Gewährleistung der Funktionalität verwendet. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung und Nutzungshinweise, bevor Sie unsere Seite nutzen. Indem Sie auf unserer Seite weitersurfen oder auf den Einverstanden-Button klicken, bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung und Nutzungshinweise gelesen haben und damit einverstanden sind.
DATENSCHUTZERKLÄRUNG UND NUTZUNGSHINWEISE LESEN EINVERSTANDEN