Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

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Andreas hat auf seiner Facebookseite sehr unterhaltsam und kurzweilig vom TAR 2019 berichtet. Die Tagesberichte haben wir hierher übernommen.

TAR 1. Etappe - 1. Abenteuer.

Und das ging schon im Bus los, der mich von Immenstadt nach Oberstdorf bringen sollte. Eigentlich fährt da ein Zug, aber dann auch wieder nicht, denn es fehlt an Lokführern. Das ist nicht Postillon, das ist das Leben. Naja, wenn die Personalabteilung mit dem gleichen Personal bestückt ist wie die Zugbegleiter bei Alex, kann ich es verstehen. Die meinen nämlich, dass ihr Englisch besser zu verstehen wäre, wenn es lauter ausgesprochen würde (CHANGE BUS IN IMMENSTADT YES VERSTEHEN?) Ohrenarzttermin Check, und die Frau war zwei Abteile weiter... Ja, bei Alex gibt es noch Abteile.

Die Tasche, also die Tasche, wo alles drin ist, habe ich also sorglos in den Kofferraum des Busses gepackt. In Oberstdorf war sie weg. Dafür war ein bisschen Stimmung am Busbahnhof, wofür ich nun wieder gesorgt habe. Schließlich habe ich noch einmal das Innere des Busses durchsucht und dort war die dann. Der Busfahrer meinte im schönsten Kluftinger-Deutsch: "Hasch du gschlofe, oder waas?". Egal, Tasche wieder da, alles gut.

Der Rest des Abends verlief unspektakulär, von der Vorfreude des anstehenden Starts bestimmt. Ebenso unspektakulär war der Start selber inklusive der Kontrolle der Pflichtausrüstung, vor der ich große Sorgen hatte. Aber wir hatten ja alles dabei also gab es auch kein Problem.

Und dann ging es los. Erst beschaulich durch Oberschdorf (lokaler Slang), an Marktständen und Badelatschen vorbei, leicht die Straße ansteigend zu einem Bergpanorama hin, dann noch ein bisschen durch den Wald und in Serpentinen die ersten Berge hoch zur ersten VP. Ich sagte noch zu Sabine, dass es ja ganz schön sei, am ersten Tag erstmal leicht durchs Allgäu, um sich ein bisschen in die Alpen einzugrooven.

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Yo, das Eingrooven war nach der ersten VP vorbei. Dort hatten wir noch endlos Zeit zum Cut-Off. Aber dann ging es los. Stöcke raus, Singletrails, über den ersten Pass. Und Downhills, die ich mal als alpine Trails durchgehen lassen würde. Aber ich bin ja nur ein Flachlandtiroler aus dem Bergischen und bekam Schwierigkeiten, nicht vor der Höhe, aber vor dem richtigen Auftreten. Durch das Hochziehen schon gut geschwächt, hatte ich schon bei Kilometer 20 gute Konzentrationsschwierigkeiten.

Glücklicherweise hatte Sabine das alles im Griff, inklusive mich (du-trinkst-jetzt) und an Wasserstellen war kein Mangel.

Und das waren nicht einfach Wasserstellen. Das kristallklare Zeugs, was da in die Futtertröge floss, war das köstlichste, was ich seit langer Zeit getrunken habe. Dafür habe ich keine Worte, weil ich müsste "Erfrischung" sprachlich verzehnfachen.

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Die offizielle zweite VP ließ etwas auf sich warten, aber kam dann doch. Durch mein Downhill-Dancing war der Vorsprung vor dem Original-Cut-Off deutlich zusammengeschmolzen. Es gab zwischenzeitlich einen großzügigen neuen, den uns ein Crew-Mitarbeiter so erklärt hat: "Mei, es isch an bissl warm und dr Wäg isch an bissl verblockt, sind auch paar Wanderer da". Ich übersetze mal aus dem Allgäuerischen: Trails schmal und voll ohne Ende, technisch, gerne mit Hände und die Sonne knallt auch richtig geil rein. Na Primel ;-)

Aber für uns sollte der alte Cut-Off gelten, so viel Ehrgeiz musste sein :-) Nicht gereicht hat es dafür, vor dem Gewitter ins Ziel zu kommen, aber so gerade nicht🌩️, aber egal. Der Spaß kam nicht zu kurz. Und wer Abenteuer haben will, zählt eben auch seinen Preis :-)

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Morgen auf ein neues 💪

 

TAR 2/8 Cut-Off-Terror und kleiner Berg Arschloch :-)

Der Tag begann eigentlich ganz gemütlich, sieht man mal davon ab, dass er mit 5 Uhr Frühstück auch recht früh begann, weil der Start wegen des dann doch ausgefallenen Gewitters vorverlegt werden musste. Aber wir haben gelernt, die Alpengewitter ernst zu nehmen, insofern gab es kein Gemoppere und den Bericht gibt es auch schon früher :-)

Außerdem hatten wir in Lech eine so gut aufgelegte und lustige Hotelwirtin (siehe auch Fotos) dass der Morgenfrust, sollte er denn vorhanden gewesen sein, schnell verflog.

Am Start dann mittleres Chaos bei der Findung des richtigen Startblocks. A schied aus, C hätte unserer Gesamtplatzierung entsprochen, aber die Senior-Master-Mixed-Platzierung war B. Wir entschieden uns dann, der Plan-B-Chefin zu folgen, die Mitarbeiter fanden auch, dass das ein guter Plan sei. Die hat auch immer gute Laune, obwohl sie seit Oberstdorf wahrscheinlich 0 Minuten geschlafen hat, Morgens, Mittags, Abends immer am Lachen und Jubeln und dabei im Gegensatz zu manch anderem mit Mikrofon erfrischend unprätenziös und natürlich. Die Briefings und Werbebotschaften fangen nämlich an zu nerven und wir sind erst bei der zweiten Etappe.

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OK, Start. Schon am Vorabend war uns klar, dass die Cut-Off-Zeiten kein Selbstläufer werden würden, natürlich wollten wir auch wieder spätestens zur A-Zeit drin sein.

Aber wir sahen uns dann schnell in einem Monsterstau vor dem ersten Berg, und um uns herum war noch Wald. Hin und wieder konnten wir ein bisschen überholen, was genauso viel brachte wie der Spurwechsel im Kolonnenverkehr. Nach Aufforderung gelang es mir - nicht - mich zu entspannen, aber ich konnte immerhin meine Klappe halten. So stapften wir den ersten Berg hoch und ich habe zumindest eine gute Ablenkung gehabt, nicht zu merken, dass 1000 Höhenmeter auf 5 km anstrengend sind. Naja, wir kamen mit 40 Minuten Puffer an. Weiter.

Nach jedem Berg kommt ein Downhill, ich kann es ja leider nicht ändern. Zwar habe ich mich ein paar mal hingesetzt (nicht gelegt, da lege ich jetzt Wert drauf), fand mich aber trotzdem - naja etwas - souveräner als gestern, wo frau mir meine Angstzustände offensichtlich angesehen hat.

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VP2 wurde ebenfalls mit ausreichend Puffer erreicht, so dass wir uns langsam etwas entspannen konnten, und der letzte Berg sieht doch auf der Karte harmloser aus als der erste...

To make a long story short, er war es nicht. Gemeiner Weise war er komplett bewiest, so dass man schon unten sehen konnte, wie weiter oben ganz klitzekleine Zweibeiner...

Ich versuchte es mit externem Support: "Wie weit ist es noch bis zur nächsten VP?" "Sechshundert Höhenmeter". Jo Mei, die Kühe haben es ja auch geschafft, wenngleich natürlich ohne Cattle-Off. Und wir auch.

Danach lockeres Runterhoppeln ins Ziel durch schöne Heidelandschaften und Wälder nach Sankt Anton. Vor dem Downhill wurden wir gewarnt ("technisch", gefährlich), aber wir empfanden ihn als machbar. Größenwahn oder Gewöhnung?

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Im Ziel erneut als 16. Team von 29 noch im Rennen befindlichen angekommen. Vielleicht sollten wir ein Deal mit der Rennleitung machen, und schon mal nach Sulden...? Nee, dafür sind die Trails und insbesondere die Ausblicke von diesen doch zu schön.

Schmerzlevel Plantarfuckziitis derzeit bei 0,3 auf einer Skala von 0 bis 10. Da will ich aber mal so gar nicht moppern, weiterhin medikamentfrei hier mit großer Dankbarkeit. Morgen geht es wieder auf eine größere Tour, Regeneration läuft 🛌💤

 

TAR 3/8 Who the fuck ist Neureuther?

Heute war für eine große Etappe (meine Uhr macht die ja immer noch Mal ein bisschen größer) schlechtes Wetter angesagt, daher wurde der Start um zwei Stunden auf 9 Uhr nach hinten verschoben. In der Tat hat es in der Nacht ordentlich geregnet, am Morgen um 7, wo der Veranstalter Sorge hatte, dass wir im Regen stünden, dafür gar nicht.

Na ja, wie man es macht, macht man es verkehrt. Und wir wollten, diesmal von vorneherein richtig in Block ...B eingeordnet, den Fehler von gestern nicht wiederholen und uns zu weit hinten am Berg anstellen, also weiter vorne einsortiert und mit den anderen losgerast.

Das war nicht schlau und sorgte für schlechte Laune bei Sabine und den Stau am Berg hatten wir trotzdem. Naja, morgen wählen wir einen dritten Weg. Oben am Berg kehrte sich die Laufrichtung wie gewohnt um und ebenso habe ich dann, obwohl ich es nicht vorhatte, Sabines Laune übernommen. Downhill kann ich sowieso nicht und nach Dauerregen im Schlamm erst Recht nicht. Man kann sich ja auch Mal zusammenreißen, für einen Kilometer, oder zwei, oder drei...

Nach fünf Kilometer Dauerrutschen und mehrfachem Hinlegen (das kann heute nicht schöngeredet werden) kam es zum Wutausbruch: "IST MIR JETZT SCHEIẞEGAL", Stöcke hatte ich, die Skier habe ich mir dazugedacht und ab ging's mit Gebrüll. Ihr werdet es nicht glauben, die Mitstreiter taten es ja auch nicht, das war mein trittsicherster und beeindruckendster (also im Sinne von Laufgeschwindigkeit) Downhill heute :-)

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Der Regen war gar nicht so problematisch, unsere Launen besserten sich auch zusehends "na Hauptsache es macht euch Spaß" "NEIN" und die Cut-Off-Zeiten waren heute überraschender Weise auch kein Problem. Nach dem zweiten Berg gab es noch Mal eine fiese steile Wiese, wo ich nach einer theatralischen Seitenrolle ein Stück Schlitten gefahren bin (die Stöcke hatte ich, den Schlitten...). Anderen erging es leider schlechter. Ein Mitläufer hat sich wohl so böse verletzt, dass der Hubschrauber kommen musste. Gute Besserung unbekannter Weise, immerhin kam die Hilfe schnell.

Für Fotos war heute keine Muße und kein Wetter, morgen vielleicht wieder mehr. Heute nur Platz 17, insgesamt Platz 16 verteidigt. Morgen kommt die Königsetappe - bei ☀️

 

TAR 4. Etappe
Hopp Schwyz, oder - Sulang mer noch am Lääve sin

Ihr ahnt es nach diesem Titel, das Team Kölnpfad hat es auf der "Königsetappe" von Landeck am Inn nach Samnaun in der Schweiz geschafft. Knapp 3.000 Höhenmeter (🤮) mussten dazu auf 46km bezwungen werden und das haben wir in Freundschaft, Harmonie, gegenseitiger Aufmerksamkeit und großem Teamgeist geschafft.

Mit einer aus unserer Sicht durchaus respektablen Zeit von 09:46 (eindreiviertel Stunden über dem Durst) konnten wir dabei auch unseren 16. Platz von - nur noch - 27 Teams in der Senior Master Mixed - Kategorie verteidigen. Dazu eine Eingangsbemerkung: Wenn man diese "Leistungsangaben" mit denen der jungen (die Bildzeitung würde jetzt schreiben: blutjungen) Mädchen mit den weizenblonden hochseetaudicken Zöpfen und den ebenso vor Energie sprühenden Kerlen mit ihren stahlblauen Augen, Bärten, beide Geschlechtsvertreter mit Bodies, deren Perfektion ich mir nicht ausdenken könnte, vergleicht, mag das ja irgendwie komisch wirken. Aber es ist ebenso, dass unsereins mit zunehmender Sicherheit vor dem Cut-Off auch Mal zwischendurch entspannt genießen kann oder Fotos machen darf (ihr seht dann schon, welches ich meine), für deren Veröffentlichung die erstgenannten Sprinter sofort ihre Sponsoren verlieren würden :-) Außerdem müssen wir niemals ein "Leader"-Hemd tragen oder allabendlich eine "spontane" French-Can-Can-Vorstellung geben. Auch dürfen wir Mitläufer aus "unserer" Kategorie beglückwünschen und jeden Morgen ehrlich viel Erfolg und Glück wünschen. So viel Text für Platz 16, aber das musste jetzt Mal raus :-)

Und wir mussten in Fließ am Inn sehr früh raus, um mit dem Shuttle an den Start gebracht zu werden, der pünktlich um 07:00 im Halbdunkel stattfand. Dazu gab es um Punkt 5 das beste Frühstück von der gefühlt 90jährigen Pensionswirtin, die zu jedem der aus eigener Herstellung kommenden Lebensmittel auch eine Geschichte parat hatte. Großartig.

Am Start in Landeck haben wir uns diesmal nicht von der allgemeinen Block-B-Hysterie mitreißen lassen und es somit souverän und mit Spaß auf den ersten Berg geschafft. Das war prima und passte auch zu dem traumhaften Wetter. Es ist einfach ein erhabenes, majestätisches Gefühl, von oben auf watteweiße Wolken unter blauem Himmel auf die Bergspitzen zu schauen. Zum positiven (!) Gefühl der eigenen Unerheblichkeit gesellt sich dann dasjenige von Ruhe, Gelassenheit und Frieden. Wer könnte von sich behaupten, dass er davon zuviel hätte?

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Eine VP gab es natürlich auch, bei der das Team Kölnpfad stilecht mit Kölscher Musik empfangen wurde, und entsprechend gestärkt ging es bei zunehmendem Sonnenschein weiter im Halbhang durch Schluchten und nicht minder aufsehenerregender Optik. Die Wegbeschaffenheit bestand größtenteils aus schmalen verblockten Singletrails (das sind die, wo die Steine dann von der Seite gegen die Knöchel hauen, wenn man nicht aufpasst), die so halb laufbar waren, zum Schluss halt immer schlechter, weil die Konzentration nachließ. Einen Matschweg gab es auch, ohne Gefälle, ich habe diesem trotzdem den Gefallen getan, mich einmal kurz reinzulegen, war aber unspektakulär.

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Spektakulärer war der zweite Berg, der über Geröllfelder und Steilanstiege einfach nur anstrengend war. Zwar meinte ich am Fuße des Monsters stehend noch großmäulig, wenn ich die Wahl zwischen einem weiteren Matschweg, wo man überhaupt keinen Meter machen kann und dem zweifachen Monsterberg hier hätte, würde ich letzteres wählen. Ob ich das wohl geschafft hätte, bleibt fraglich, ihr dürft euch das entsprechende Foto anschauen. Ja, Sabine und ich hatten den gleichen Weg, ja, irgendwie sehe ich etwas gezeichneter aus :-)

Das Problem ist nämlich, dass die Luft in 2800m Höhe nicht mehr ganz so gehaltvoll ist. Ein Mitläufer meinte, dass das doch super wäre, dann könnte ich mich darauf freuen, dass beim Downhill mit jedem Atemzug wieder mehr Luft in die Muskeln käme. Ich liebe Läufersprüche. Allerdings hätte die Luft auch bei 2800m durchaus ausgereicht, dem Kollegen die beeindruckende Ähnlichkeit zwischen einem Trailstock und einem Florett vorzuführen. Aber wir haben uns ja alle lieb ;-)

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Dann kam aber der Downhill und der war Straße, das können wir und sind entspannt die Straße runtergerollt. Mit aufkommenden Heißhunger malten wir uns auch schon diverse Menüs aus, die sowohl die VPs als auch die kulinarisch eher dröge Pastaparty bereitzustellen hätte. Wir wurden in beiden Fällen positiv überrascht. An der VP gab es die "bestellte" Kartoffelsuppe und bei der Pastaparty, zu der wir nachher mit der Seilbahn hochfahren mussten, Salat. Wow.

Tja, und so kamen wir quasi unbemerkt in die Schweiz hinein, in einen Flecken des Graubündner Engadin, der - mit dem Auto ;-) - nur von Österreich aus zu erreichen ist. Mit Ausnahme der unvermeidlichen Duty-Free-Shops ein sehr schöner Flecken.

Ja, ich weiß, dass ein Dütscher niemals am Ende eines Satzes "oder" sagen oder überhaupt versuchen darf, den Dialekt zu imitieren. Obenstehendes "oder" diente ja auch nur zum Anschluss des zweiten Satzteiles :-)

Morgen ist Ruhetag, den wir mit einem stressfreien (keine Pflichtausrüstung, kein Cut-Off) Läufchen zur gipfelseitigen Salatbar begehen werden. Das könnte uns natürlich den Platz 16 kosten.

Ja, das Leben kann schon grausam sein

 

TAR 5/8 - Ruhetag

Heute war der so genannte Ruhetag mit einem kleinen "Bergsprint" hoch zum Restaurant, wo man nach dem Mittagessen (für Sabine und mich zusammen sechs Salate, zwei Suppen, zwei Hauptgerichte) mit der Seilbahn wieder hinunterfahren konnte.

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Die Besonderheit beim Start war, dass die Teams nicht nur jeweils eine eigene sekundengenaue Startzeit bekamen, sondern die langsamsten als erste starteten und die schnellsten als letzte. Man lief durch eine doppelte Schleus...e, wurde von wichtigen Leuten mit Sonnenbrille und Walkie-Talkie (sagt man das heute noch so?) mit vielen Spiralkabeln befragt ("66, seid ihr bereit?" "Stellt euch an den schwarzen Strich" "noch zwanzig Sekunden" " das ist eure Uhr, noch 5-4-3-2-1-0"). Sehr NASA-mäßig das ganze.

Am darauffolgenden Berg aber schnell wieder das übliche, hochsteigen mit Stöcken, teilweise auch mit Seilen. Überholbedarf gab es reichlich, es kamen ja immer Schnellere nach, so dass wir uns häufiger mal zur Seite stellten, um einen ganzen Schwung durchzulassen.

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Es sollte ein Entspannungstag werden, dass haben wir mit 1:45 auch geschafft. Die Schnellsten brauchten eine ganze Stunde weniger. Obwohl wir heute nur 20. wurden, bleibt die Gesamtplatzierung Platz 16. "Unsereins" kann eben auf so einer Kurzetappe auch nur ein paar Minuten rausholen.

Das sieht morgen ganz anders aus, wenn es nach Scuol oder Schuls (ich konnte sogar einen ortsansässigen Schweizer mit meinem Trivia-Wissen um den deutschen Namen dieser Stadt beeindrucken) geht. Das wird wieder eine große Etappe, leider bei nicht mehr ganz so schönem Wetter ☂️

 

TAR 6/8 - Allegra, Downhill-Bine oder der große Regen

Heute ging es von Samnaun nach Scuol. Alles sah nach Business as usual aus, Start um 8, Wetter neblig aber trocken, Hinweis des Veranstalters, dass wegen eines drohenden Unwetters die Cut-Off-Zeiten brutalstmöglichst umgesetzt würden, und raus. Doch es sollte anders kommen...

Die erste Cut-Off-Zeit machte uns ein bisschen Sorgen, da uns eindreiviertel Stunden für einen ganzen Berg knapp erschienen. Es war aber nur ein geteerter Wanderweg, easy. Beim Downhill gab es leider keine schönen Bilder, da alles im Nebel lag. Zur VP2 hatten wir bereits so viel Puffer, dass es Zeit für neue Gesprächsthemen wurde. Zum Beispiel, dass diese Etappe eine ganz einfache sei. Ich erwähnte noch ganz leise, dass ich das eigentlich vom TAR so kenne, dass bei den großen Bergen nach den Waldstraßen und den Almwiesen immer auch noch ein ordentliches Stück Geröllfeld kommt.

Bevor wir aber zu einer Grundsatzdiskussion darüber kamen, ob ich nicht statt ständiger Schwarzmalerei mich einfach mal über eine leichte Etappe freuen sollte, kam das herbeigeunkte Geröllfeld auch schon.

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Steil, aber machbar - bei trockenem Wetter. Es setzte Regen ein. Regenjacken raus. Es setzte Hagel ein. Westen raus. Sabine friert. Sabines Regenjacke hält nicht dicht. Sabine wird nass. Es kommen Blitze vorbeigeschossen. Andreas hält die Klappe. Andreas hält die Stockspitze nicht nach oben.

Wir schaffen den Pass. Es setzt ein schwerer Landregen ein. Sabine möchte verständlicher Weise schnell ins Ziel. Andreas kommt am Downhill nicht mit, wie immer. Die Wege verwandeln sich in unpassierbare Matschwüsten, teilweise mit querliegenden Baumstämmen. Andreas Schuhe stellen sich mehr und mehr als Vollausfall dar. Andreas fällt hin. Andreas kriegt schlechte Laune. Andreas steht an einem Matschhang und rutscht stehend ab, kann sich nur noch durch ein beherztes Einpflocken mit dem Stock halten. Andreas fasst einen einfachen und klaren Entschluss: Neue Schuhe, heute noch.

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Die letzte VP war wegen des üblen Platzregens nicht mehr so attraktiv, wir entschlossen uns, schnell ins Ziel zu rutschen. Mit 8:15 konnten wir zwar überraschender Weise unseren 16. Platz verteidigen, blieben aber wegen meines Downhill-Ausfalls unter unseren Möglichkeiten. Warum habe ich nicht meine Speedgoat mitgenommen. Ja, sie hatten deutlich weniger Profil als die Stinson ATR oder die Mafate, sind aber bei Matsch deutlich besser geeignet und der Stinson schmiert leider übel ab. Ab morgen werden es Testschuhe von Salomon richten, passen tun die auf jeden Fall schon Mal super. "Willst du die denn nicht vorher mal anprobieren?"
"Nein ich will die haben. Ich kaufe sie so wie sie sind. Es ist eine Frage von Leben und Tod."
"Aber nur geliehen"
"Aber beide Etappen"
"Gut"
(Ich muss Eindruck am Stand gemacht haben :-) )

Und man muss eines festhalten: Die Zahl der Teams schrumpft. Immer wieder hört man von und sieht man alleine gelassen Läuferinnen und Läufer, die ihres Partners verlustig gegangen sind, weil diese böse Verletzungen oder Erschöpfungszustände davontrugen, die ein Weiterlaufen unmöglich machen. Der TAR ist definitv kein Kindergeburtstag, so viel haben wir in den ersten sechs Etappen schon gelernt und zwei kommen noch. Das sollte man nicht unterschätzen, insbesondere wenn das Wetter umschlägt.

Ich bin froh, dass wir im Ziel sind. Morgen bitte wieder regenfrei (aber die Trails werden heute Abend noch gut gewässert, soll ja keiner eine Staublunge bekommen).

Und dann wollen wir morgen doch mal sehen, was die neuen Schuhe können 🚀.

Fotos gibt es heute keine neuen. Dafür ein paar aufgewärmte. Bei Sonne sieht das alles besser aus :-)

P.S.: Ich habe auftragsgemäß den Streckenposten in "Schuls" ein joviales "Allegra!" zugeworfen. Es gab auch direkt lächelnde Gesichter, das scheint also was positives zu bedeuten. Allerdings kam dann auch noch ein Wortschwall zurück, der mich entfernt an italienisch erinnerte, was ich auch schon nicht kann. Besser schnell weiter...

 

TAR 7/8

Raindrops keep fallin' on my head

https://m.youtube.com/watch?v=QTAabcSg8H0 (Achtung: Wer ein Problem mit Schnulzen hat - nicht klicken. Wer nicht weiß, was eine Schnulze ist - auf eigenes Risiko)

...

Heute ging es vom graubündischen Scuol ins südtirolerische Prad im Vinschgau.

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Der Weg war mit 47km zwar lang, mit nur 1700hm aber grundsätzlich machbar. Eigentlich somit eine unspektakuläre Etappe, wäre da nicht das grandiose Tal der Uina, eines Nebenfluss des Inns und natürlich das Wetter gewesen.

Fangen wir mit dem positiven an. Jenes Val d'Uina ist wirklich aufsehenerregend. Man läuft zunächst aus der Innhöhe kommend durch Waldstraßen immer weiter gegen die Flussrichtung in das Tal hinein. Dann schraubt sich der Weg immer weiter in den ausgesetzten Fels, teilweise durch Tunnel mit Blicken auf die wild hinabschießende Uina. Auf Passhöhe kamen wir dann auf ein Schneefeld. Yo, im September. Irgendwie musste ich an den dicken Donald denken, der ja jetzt mit seinem Filzstift auch in Wetter macht. "C'mon dude, you wouldn't mind a shot of good old climate change now, right?" Aber bevor das hier in eine virtuelle Diskussion über den Gegensatz von Wetter und Klima abdriftet (den good old Donald und die seinigen ohnehin nicht verstehen), bleiben wir einfach beim heutigen Wetter im Engadin und Südtirol.

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Und das war, um es kurz zusammenzufassen, erneut Scheiße. Pünktlich zum Schneefeld setzte Dauerregen ein, und der hielt sich konstant bis zum Ziel in Prad, wo wir völlig durchnässt ankamen. Zusätzlich merke ich auch, dass meine Kräfte schwinden, mir war heute über weite Strecken übel, ich kam zum Schluss kaum noch mit Sabine mit, die zwar am Anfang immer ein bisschen Warmlaufen muss, aber dann grandios ins Ziel zieht, insbesondere bergab.

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Aber die eine Etappe schaffen wir morgen noch, vielleicht ja sogar bei besserem Wetter. 31km/2600hm ist natürlich eine üble Formel. Ich muss da an Trenker, Messner und Steigeisen denken, und weiß noch so gar nicht, ob der Gedanke daran meinem regenerationsbedürftigen Magen guttut. Aber wenn es zu einfach wäre...

Und ihr wollt jetzt noch wissen, wie sich die neuen Schuhe so geschlagen haben? Schnell erzählt: Heute Platz 13, dadurch gesamt auf Platz 15 von nur noch 25 Teams aufgestiegen. Der Treppenwitz dabei: Einen Zähler vor dem Team Salomon ;-)

So morgen geht das Leben noch einmal rauf und runter (sehr witzig, Herr Bertelmann) und dann wird ausTARiert

 

 

TAR 8/8
Wieviel Leben passt in eine Woche?

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Ein halbes dutzend mal "Epic Fall" vom Andreas
https://youtu.be/fqm_7JGk_nY (Minute 03:00)

Alpen in vier Ländern von strahlend blauem Himmel bis zu üblen Gewittern.

Lachen, Kampf, Genießen, Fluchen, Freundschaft, Teamgeist, gemeinsamer Erfolg.

Oberstdorf. Wann waren wir denn in Oberstdorf?

Auf jeden Fall war das ein Etappenlauf, der mich an meine physischen und psychischen Grenzen gebracht hat und den ich ohne Sabine nicht geschafft hätte. Sie wusste immer, wann es schneller musste, wann es langsamer musste, was gerade geht und was nicht geht, sie war mein Stock, Trainerin und Freundin und ist darüber hinaus zum Schluss abgegangen wie... Ich sage nur: Platz 15 verteidigt :-)

Doch wie lief die letzte Etappe? Dazu muss man wohl mit dem Vorabend anfangen, wo wir entschieden haben, dass ich aufgrund meiner Angeschlagenheit besser im Hotel bleibe und mich auskuriere, vielleicht einen Ingwertee und einen drögen Zwieback zu mir nehme.

Ja und da saß ich so vor meinem Tee und bekam Appetit auf einen Salat. Und - das ist jetzt pervers, wenn man weiß, dass es beim TAR jeden Abend Pastaparty gibt - auf Spaghetti mit 🍅 Sauce.

Die Oberin hörte sich die Bestellung an, schaute mich an und änderte sie einfach ab. Ich möge mir unter einem großen Salat doch bitte einen großen Salat vorstellen, und wenn ich danach noch wirklich weiteren Hunger hätte, dann könnte ich ja...

Ich aß den Salat und bestellte danach die Spaghetti. Irgendetwas muss da wohl in der Küche verstanden worden sein, denn es kam eine ganze Pfanne, die für drei volle Teller reichte und die ich mit Appetit verspeiste. Ich war danach wohl satt, kann aber jetzt etwas mit dem Begriff TAR-Wampe anfangen, der hier vor einiger Zeit herumgeisterte.

Heute Morgen war ich nicht superfit, es ging aber und ich entschied mich, die Medical Crew nicht wegen Magenpillen aufzusuchen, das kann ja gerne auch nach hinten losgehen. Gute Entscheidung. Geregnet hat es gleich beim Austritt aus dem Hotel, der Transferbus hatte ein riesiges Termometer, wo 6 Grad zu lesen war und die Scheibenwischer wurden immer stärker eingestellt. Ich sage mal, die Gespräche im Bus waren eher verhalten, es herrschte weniger Kegelclubathmosphäre als ein im Raum stehendes "irgendwie jetzt die letzte Etappe durch und gut ist".

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Die Route selber wurde angepasst, weil der Originaltrack in Schneegebiete führte, ich fand die alternativen 28/2200 vom Gefühl her für mich heute auch ausreichend. Und in der Tat hörte doch zum Start der Regen auf! Dem nicht genug, wir konnten sogar von mehreren Almhütten tolle Panoramen in das schneebedeckte Hochgebirge erhaschen. Die drei Berge waren anstrengend, aber, da trockenes Wetter von oben, schaffbar.

Gemein war natürlich, dass man vor dem dritten Sulden bereits tangierte und das Gejohle aus der Zielhalle hören konnte. Aber wir hatten noch eine gute Stunde vor uns.

Aber irgendwie ist ja alles beim letzten Mal noch mit einem ganz eigenen Flair behaftet: Der letzte Berg, der letzte viel zu spät kommende 5km-to-go-Pfahl, die letzte VP und der letzte Downhill. Eine Zeitlang wurden wir dabei noch von einem Pulk ausgebremst, die wir aber durch unser Getrappel und mein Gekeuche weichgekocht haben ("lauft's halt vorbei") und dann ging es ab... Ich sage mal, ich kam so gerade mit.

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Ja und in der Zielhalle verspürte ich dann doch noch ein paar Tropfen. Vielleicht war das Dach ja nicht ganz dicht.

Insgesamt ein tolles Event, ich freue mich jetzt auf die Abschlussparty, wo wir den ganzen Ibiza-Rummel mal in voller Härte durchziehen werden. Und ich bin heilfroh, vorher trainiert gehabt zu haben. Schönes Wetter in den Alpen kann nämlich sein, muss aber nicht

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17.09.2019 Bericht und Bilder: Andreas Häußler/TAR

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Wir suchen noch weitere Mitspieler für unser zweites Team „LG Ultralauf - Die Verfolger“ beim Kilometerspiel.

Was ist das Kilometerspiel?

Beim Kilometerspiel tragen Läuferinnen und Läufer ihre gelaufenen Kilometer auf einer kostenlosen und werbefreien Plattform ein. Das Kilometerspiel soll zum Laufen motivieren.

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Bild 1: Man kann sein Training und seine Wettkämpfe dokumentieren.

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Bild 2: Man kann sich mit anderen Mitspielern zu einem Team zusammenschließen und virtuell an einem Wettlauf um die Welt teilnehmen. 

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Bild 3: Auch innerhalb des Teams gibt es eine Rangfolge und man kann versuchen, seine Platzierung zu verbessern. 

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Bild 4: Man kann versuchen bestimmte Aufgaben zu lösen und einen schwarzen Gürtel erwerben.

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Bild 5: Man kann sich mit seiner Leistung aus den Vorjahren vergleichen.

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Bild 6: Man kann gegen sich selbst und anderen um die Wette laufen.

Die Webadresse ist: https://www.kmspiel.de/

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Bild 7: Ein Handbuch hilft bei der Anmeldung: https://www.kmspiel.de/handbuch/

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Bild 8: Die Spielregeln sollte man sich einmal durchlesen: https://www.kmspiel.de/2018/wiki.php?wasist=Regeln

Sollten noch Fragen offen sein, könnt ihr euch gern an Jens Allerheiligen (jens.allerheiligen[at]t-online.de wenden.

03.09.2019 Text und Bilder von Jens Allerheiligen

BUF2019 CMittlerweile ist es ein paar Tage her, dass die Läufer bei einer irren Hitze durch den noch nie so staubig erlebten Batenbrockpark in Bottrop um die Wette rannten, die Betreuer halfen, wo sie konnten und die Orga mit all den fleißigen Helfern ebenfalls 2 Tage schwitzen und rackerten.

In Anbetracht der Umstände wurden absolut erstklassige Leistungen erbracht, insbesondere beim 24h-Lauf. Den einzelnen Berichten und Rückmeldungen zufolge hat es euch allen großen Spaß gemacht. Auch das Echo in den Medien war großartig. Das freut uns natürlich sehr. Es war zweifellos eine besondere Veranstaltung. Damit ihr möglichst lange an dieses denkwürdige Wochenende und an den Lauf zurückdenkt, könnt ihr euch ganz viele Erinnerungen sichern.

Zunächst haben wir die DLV-Urkunde repariert. Falls ihr an der DM teilgenommen habt, könnt ihr euch jetzt die korrekte Urkunde ausdrucken. Auch stehen die Rundenprotokolle zur Verfügung und laden zur Analyse ein, wer sich das Rennen gut oder weniger gut eingeteilt hat. Beides kann über die Ergebnisse bei Raceresult aufgerufen werden: https://my5.raceresult.com/113583/results?lang=de

Bilder und Ergebnisse gibt es in den verlinkten Galerien. Gerne könnt ihr die Bilder verwenden, idealerweise mit einem Quellverweis "Veranstalter BUF" oder so.

24h-Lauf

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Bei der Meisterschaft hat sich letztendlich die Erfahrung der Favoriten durchgesetzt. Während Antje Krause und Simone Durry sich recht frühzeitig ihre Positionen sicherten und festigten, war der Männerwettkampf recht lange offen. Marcel Leuze war stets in der Führungsgruppe und sicherte sich letztendlich Platz 2, Felix Weber hat sich lange zurückgehalten, konnte aber letztendlich ungefährdet mit Streckenrekord gewinnen. Auf Platz 3 und 4 gaben Marko Gränitz und Michael Eitner bärenstarke Debuts. 

Bei den Mannschaften konnten sich bei den Frauen LC Blueliner und bei den Männern SportTREND Ultralaufteam Braunschweig  jeweils vor zwei Teams der LG Ultralauf durchsetzen.

BL BUF Tageswertung

Aufgrund der sehr guten Mannschaftsplatzierungen konnte sich die LG Ultralauf in der Tageswertung der Ultramarathon Bundesliga klar durchsetzen und damit uneinholbar bei einer noch ausstehenden Meisterschaft die Saison als Meister abschließen. Nach ein paar Vizemeistertitel freuen wir uns natürlich darüber sehr. DANKE an das komplette Meisterschaftsteam an dieser Stelle.

BL BUF

Aufgrund des guten Abschneidens konnte sich der Laufclub Blueliner auf den zweiten Platz der Gesamtwertung platzieren, auch Würzburg konnte sich ein paar Plätze verbessern.

Bei den Staffeln haben wir in Bottrop einen klassen Auftritt der Läuferinnen und Läufer der Ostalb Runners gesehen. 360km war die Ansage, 371 haben sie geschafft. Eine absolute Spitzenleistung ist das, RESPEKT.

Zu der Bildergalerie: Bildergallerie 24h

6h-Lauf

Der 6h-Lauf wurde gleichzeitig gestartet und die Ärmsten hatten über die gesamte Wettkampfdauer mit der Hitze zu kämpfen. Dennoch kamen viele Läuferinnen und Läufer ganz ordentlich durch und wir konnten sogar eine Rekordbeteiligung vermelden, nachdem wir aus Angst vor Streckenüberfüllung im letzten Jahr nur ein kleines Starterfeld vorgesehen hatten. Michael Krüger konnte sich bei den Männern im Wettkampf ebenso souverän durchsetzen wie Gundi Weckenmann bei den Frauen.

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Zu der Bildergalerie: Bildergallerie 6h

100km-Lauf

Der 100km-Lauf ist etwas für Nachtschwärmer. Bei angenehmen Temperaturen bei romantischem Licht durch den Park zu laufen hat schon was. Leider gestaltete sich das Rennen unerwartet spannend. Nachdem sich anfangs eine Reihenfolge bei den Männern festgesetzt hatte, schieden nacheinander alle Führenden aus. Matthias Kröling war von seinem Sieg daher mehr als überrascht, bei den Frauen gab es einige Führungswechsel aber letztendlich setzte sich hier Christiane Schlaps durch.

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Vor dem Start der 100km-Läufer war noch Zeit für ein Gruppenbild. Kaum zu glauben, dass es nur 5 Männer und 3 Frauen in die Ergebnisliste schafften.

Zu der Bildergalerie: Bildergallerie 100km

LG Ultralauf

Ber2 4

Wir treffen uns ja immer sehr gerne bei Ber2 4bMeisterschaften und auch diesmal waren wir wieder sehr zahlreich vertreten. Es waren noch ein paar Leute mehr, als auf dem Gruppenbild. In Summe waren wir etwa 50 Läuferinnen und Läufer, 10 Betreuer und 5 Helfer bei der Organisation. Das war schon ein tolles Gruppenerlebnis.

Vor dem Start überreichte Präsidiumsmitglied Evi Piehlmeier Edda Bauer die wohlverdiente LGU Leistungsmedaille in Gold aufgrund ihrer Leistung bei dem 48h-Lauf in Kladno, bei dem sie in ihrer Altersklasse Weltrekord lief.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser außergewöhnlichen Leistung!

Zu der Bildergalerie: Bildergallerie LG Ultralauf

 Ber2 T1

Eine tolle Unterstützung gab es von der Firma FitLine, die nicht nur unseren Versorgungsstand durch ihre Produkte aufwertete, sondern sie ermöglichte den Teilnehmern bei der Startnummernausgabe das Getränk und die verschiedenen angebotenen Riegel zu probieren.

Fragen zu den konkreten Produkten sowie zum gesamten Sortiment konnten die prominenten Werbepartner von FitLine, Achim Heukemes und Mario Windelschmidt, direkt beantworten.

Weitere Bilder von der Organisation

Wer steckt eigentlich hinter dem BUF, wollt ihr wissen? Wie man so etwas Großes auf die Beine stellt? Nun, wir sind ein großes Team, so bleibt die zu tragende Last für den Einzelnen handhabbar und durchaus noch Zeit für Spaß. 

Seit Jahren organisieren die Veranstaltung Adler-Langlauf Bottrop und LG Ultralauf gemeinsam, jeder hat seine Bereiche und an den Schnittstellen arbeit man harmonisch miteinander.

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Zu der Bildergalerie: Bildergallerie Organisatioin

Die LGU Leistungsmedaille für ausgezeichnete Athleten

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Eine Besonderheit des BUFs ist, dass hier jeder die LGU Leistungsmedaille in Gold, Silber oder Bronze bekommen kann, die es für sehr gute Leistungen gibt. Dreimal Silber und einmal Bronze wurden in diesem Jahr verteilt. Felix und Marcel freuen sich über Silber, die von Evi und mir überreicht wurden. Da wir hier ein Register über "Ausgezeichnete Athleten" führen, ist dieser Ruhm für die Ewigkeit!

Ergebnislisten:

Text und Bilder: Mcihael Irrgang, 02.09.2019 

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Bild 1: Vor dem Start erfolgte ein Briefing von Michael Irrgang:

Mein erster Ultramarathon nach über drei Jahren Pause ist geschafft.

Am Samstag den 24.08.2019 um 11 Uhr ertönte das Startsignal für den 24h-Lauf in Bottrop.

In diesem Jahr wurde die Deutsche Meisterschaft im 24h-Lauf zum ersten Mal vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) veranstaltet. Das Bottroper Ultralauf Festival (BUF) wurde wieder perfekt von der LG Ultralauf und von den Adlern-Langlauf Bottrop ausgerichtet.

Schon um 11 Uhr waren die Temperaturen enorm hoch und ich versuchte mich nicht von den anderen Läufern ziehen zu lassen, sondern mein eigenes Tempo, in meiner für diesen Lauf angedachten Pulsfrequenz, zu finden. Was nicht wirklich einfach ist, ich lief gefühlt viel zu langsam und ich wurde von immer mehr Läufern überholt und dann sogar von den führenden Läufern überrundet. Auf Grund der langen Pause, den hohen Temperaturen und meiner Vorbereitung für diesen Lauf, wahr mir klar, dass ich hier keine 220 km laufen kann, somit ließ ich die anderen Läufer ziehen und konzentrierte mich auf mich und meinen Lauf.

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Bild 2: Bei 30 Grad im Schatten müssen die Kräfte gut eingeteilt werden.

Ich bekam in jeder zweiten Runden am Verpflegungsstand (VP) der LG Ultralauf eine Trinkflasche mit einem nassen Buff gereicht, damit kühlte ich meine Handgelenke und meinen Kopf, was wirklich gut tat. So lief ich Runde um Runde in meinem Pulsbereich und rangierte in der Gesamtwertung im Bereich 40-45 und in der Altersklasse im Bereich 8-9.

Nach ca. 75 km machte meine vordere rechte Oberschenkelmuskulatur Probleme und ich ließ mich massieren. Nach der Massage brauchte ich zwei Runden um wieder normal zu laufen, aber nach so einer Laufstrecke (75 km) und der Massage tun die ersten Meter oder Kilometer bei mir meistens mehr weh als davor, gibt sich normalerweise schnell wieder. Dies tat es auch diesmal für die nächsten 35 km, leider kam das Problem auf beiden Oberschenkeln wieder. Somit wieder zur Massage und wieder das Anlaufen danach. Da die Probleme mit den Oberschenkeln hauptsächlich bei Gefälle auftraten, ging ich diese Passagen nach der zweiten Massage nur noch und erhoffte mir eine weitere Besserung der muskulären Probleme, leider ohne Erfolg. Ich versuchte es einige Runden in diesem Rhythmus, doch meine Muskeln machten immer mehr zu und ich hatte die Befürchtung das Rennen abbrechen zu müssen. Somit versuchte ich es mit Gehen, vielleicht werden die Muskeln damit wieder lockerer. Leider nicht. Und lustiger Weise wurde ich beim Gehen in der Rangliste nicht weiter nach hinten gereicht, sondern ich rutschte weiter nach vorne. In meiner Altersklasse war ich dann irgendwann auf Platz 2, obwohl ich nur gehend unterwegs war. Durch das Gehen verschlechterten sich meine Probleme nicht und somit blieb ich im Rennen.

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Bild 3: Gut im Rennen liegend arbeitet sich Oliver langsam nach vorn

Ich bekam durch meine Vereinskollegen die Nummern und Abstände der Läufer in meiner Altersklasse (AK) auf den Plätzen 1, 3 und vier genannt und konnte diese dann auf der Strecke beobachten. Somit war ich beschäftigt und die Zeit verging, trotz Gehens, wie im Fluge.

Der Läufer auf Platz 1 in meiner Altersklasse (AK M45) lief locker an mir vorbei, no way für mich.  Dann überholte mich der Läufer auf  Platz 3 und ich versuchte zu folgen, was ohne Probleme gelang. Erstens ging er auch, und zweitens nicht umbedingt Ideallinie und somit konnte ich folgen und ihn sogar wieder überholen. AK Platz 4 lag zu diesem Zeitpunkt 9 Runden hinter mir. Ok, da musste ich mal schauen. Der Abstand änderte sich nicht, obwohl er immer wieder an mir vorbeizog, machte wohl Pausen.

Meine Vereinskollegen hielten mich in den letzten Stunden über die Abstände zu den AK M45-Läufern im Bilde und gaben mir viel Sicherheit und Zustimmung. Ich musste nur bis zum Schluß auf der Strecke bleiben und konnte damit den Vizemeistertitel in der AK M45 erringen.

Ca. 10 min vor Ende der Veranstaltung kam ich an unserem VP (LG Ulrtrlauf) mit den wunderbaren Betreuern vorbei, die Stimmung war so toll, da konnte ich nicht daran vorbei laufen, ich wollte mich in diesem Moment bei meinen Betreuern bedanken und mit ihnen die letzten Minuten des Laufes feiern.

Ich wurde in den letzten 24 Stunden so großartig von Alex und Alex, Evi und Sylvia betreut, vielen lieben Dank dafür, ihr wart top und habt einen großen Anteil an meiner erbrachten Leistung. Danke auch für die schmerzhaften und doch wohltuenden Massagen.

Ich bin mit meinem „Ultra-Comback“ sehr zufrieden, Deutscher Vizemeister in der AK M45 nach drei Jahren Pause. Ich hatte keine Probleme mit meiner Achillessehne oder meinen Knien, was sonst immer einschränkende Faktoren bei meinen 24h-Läufen waren.

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Bild 4: Die gute Leistung wurde mit Platz 2 in der Altersklasse 45 belohnt

Diesmal waren es die Oberschenkel, wieso?? Lag es an den Schuhen ohne Sprengung, war die Umstellung zu kurzfristig? Möglich…, doch habe ich dadurch bei langen Läufen keine Kniebeschwerden mehr, also weiter ohne Sprengung, weiter dehnen, funktionelles Training, Qi Gong und Yogilates.

Wie geht es jetzt weiter, im nächsten Jahr die 240km? Bestimmt ein realistisches Ziel, da ich bei mir in mehreren Bereichen Verbesserungspotential sehe. Die Vorbereitung kann beginnen.

Mein besonderer Dank geht an meine Freundin Heike und an unsere Familien und Freunde, die mich das ganze Jahr unterstützen oder auf mich verzichten müssen, da ich entweder arbeite, laufe oder zwischen Ulm, Lohmar oder Bad Krozingen pendle.

Ich bedanke mich bei allen Verantwortlichen und Helfern des Laufes.

Im Rahmen meiner 24h-Läufe sammle ich immer Spenden für den „Förderverein für krebskranke Kinder e.V. in Freiburg“, in diesem Jahr sind es bereits über 1150€, über weitere Spenden würde ich mich sehr freuen. (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Vielen Dank an alle Spender.

30.08.2019 Text: Oliver Ruf, Bilder: LG Ultralauf

 

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(Aus dem Innenleben eines Ultraläufers)

Ziele:

Bei meinem dritten 24h-Lauf sollten die 200 km fallen. Nachdem ich 2017 eher zufällig meinen ersten 24h-Lauf mit 177 km absolviert hatte und 2018 in Bottrop bei 187 km aufgrund eines Ermüdungsbruches nur eingeschränkt trainieren konnte, wollte ich es 2019 wissen, mindestens jedoch die Spartarthlonqualifikationsweite erneuern.

Vorgeplänkel:

Auch dieses Frühjahr lief nicht komplikationslos. Im Februar und April hatte ich einen Krankenhausaufenthalt, weswegen ich meinen Startplatz für den Spartarthlon frühzeitig zurückgegeben hatte, damit sich noch ein Nachrücker gründlich vorbereiten konnte. Letztendlich war alles nicht so schlimm wie befürchtet und ich konnte mit dem Training loslegen.

Trainingsvorgeplänkel:

Ende Mai besuchten mich unser Sportwart Michael Irrgang und seine liebe Frau Martina in Hannover und ich zeigte den beiden laufend bzw. radfahrend die Stadt. Michael erzählte mir dabei von seiner Idee einer Trainingsgruppe, bei der erfahrene Trainerinnen und Trainer gegen Aufwandentschädigung Athleten des Vereins individuell betreuen könnten. Ich hatte sofort Interesse und fragte, wann es losgehen könnte. Bis auf den Papierkram sei alles klar, meinte Michael. Ich schlug ihm vor, mich als Testkandidat zu nehmen, um das neue Konzept auszuprobieren. Ein erster Plan für vier Wochen wurde mir von einer erfahrenen Vereinskollegin nach einem Interview geschrieben.

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Bild 1: Michael und ich bei einer Runde durch Hannover, mein Vater (im Hintergrund) und Martina (macht das Foto) begleiteten uns auf dem Fahrrad

Training:

Leider musste sie die Aufgabe aufgrund ihrer hohen Belastung kurze Zeit später zurückgeben, so dass mich Michael an der Backe hatte. Nachdem ich die vier Wochen abtrainiert hatte, bekam ich die nächsten Wochen die Einheiten von Michael vorgeschlagen. Dabei stellte ich fest, dass die beiden zwei sehr unterschiedliche Trainingskonzepte verfolgen. Während die eine lieber ein intensives Training und mit langen Läufen bis zu 50km bevorzugt, setzte der andere auf weniger intensive Einheiten aber deutlich längere lange Einheiten und mehr Umfang. Ich bin überzeugt, dass mich beide Konzepte besser gemacht haben bzw. hätten, als wenn ich allein trainiert hätte. Welches das bessere ist kann ich nicht beantworten und ist vermutlich auch individuell unterschiedlich.

Michael nutzte den Umstand, dass ich viel Zeit habe, voll aus. So standen häufig 8 Laufeinheiten pro Woche auf dem Plan mit zusätzlichem Alternativtraining in Form von Fitnessstudio, Aquajogging, Halteübungen, Seilspringen, Dehnen, Fußgymnastik, Radfahren und natürlich Lauf-ABC. Insbesondere Nüchternläufe mit kurzen und mittleren Distanzen (bis 29km) waren häufige Trainingselemente. Dazu extensive Intervalle, zügige Dauerläufe und lange Läufe am Wochenende. 

Die Zeit bis zum Wettkampf war recht knapp, so dass die Wochenumfänge auch sehr stark gesteigert wurden. Erstaunlicherweise haben meine Muskeln und Sehnen alles relativ gut verkraftet. Bis auf einen latenten leichten Schmerz im linken Fuß, der entweder von der Plantarsehne oder vom Zehenstrecker kam, hatte ich kaum Probleme. Durch einen wöchentlichen Termin bei meiner Physiotherapeutin wollte ich außerdem Problemen vorbeugen und Ansätze von Problemen gleich im Keim ersticken. Das hat auch sehr gut geklappt. Andererseits ist zweimal mein Immunsystem bei Trainingspeaks von über 200 km/Woche ausgestiegen, so dass das Training für einige Tage unterbrochen werden musste. Eine Erkältung und Herpes an der Lippe waren jeweils einmal die äußeren Anzeichen dafür. Außerdem stellte sich gegen Ende eine mentale Müdigkeit ein, so dass ich beim Alternativtraining teilweise etwas geschlampt habe und die Laufeinheiten ziemlich lustlos abgespult hatte. Hier hätte ich mir einen Trainingspartner/Schicksalsgenossen gewünscht, mit dem ich mir das Leid hätte teilen können.

Vorbereitungswettkämpfe:

Im Rahmen des Trainings habe ich vier Vorbereitungswettkämpfe bestritten; drei 6h Läufe und einen 12h-Lauf. Dabei habe ich sowohl verschiedene Ess- und Trinkvarianten als auch verschiedene Konzepte gegen Blasenbildung an den Füßen ausprobiert. Bei zwei 6h-Läufen bin ich recht schnell gelaufen und habe vermutlich 90% meines Potentials abgerufen. Mit jeweils über 67 km konnte ich meine gefühlt gute Form bestätigen. Zufällig waren die Wetterbedingungen ähnlich ungünstig warm wie später in Bottrop, was mich damals sehr geärgert hatte, da ich meine bisherige offizielle Bestweite von ca. 68,4 km sicher überboten hätte. Andererseits habe ich dort verschiedene Varianten der Kühlung ausprobiert, die ich in Bottrop nochmals optimiert hatte. Die beiden anderen Wettkämpfe über 6h und 12h nutzte ich dafür, um das Anfangstempo für Bottrop zu üben. Mit 61 km und 116 km hatte ich die Zielweite sehr gut getroffen, wobei mich insbesondere der 12h-Lauf drei Wochen vor Bottrop optimistisch stimmte, da ich mich im Ziel noch ausreichend frisch fühlte, um weitere Stunden in Angriff zu nehmen. Auch war dort das Wetter ideal, leicht bewölkt mit 17 bis 24 Grad inklusive einem kurzen Regen. „Schade, dass die DM nicht schon an diesem Wochenende stattgefunden hat“, dachte ich mir.

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Bild 2: Beim 12 h-Lauf am Hollener See fanden Helmut Schöne und ich ideale Bedingungen vor.

Tapering/Nachtläufe:

Nun war endlich die Taperingphase erreicht, die etwas Erleichterung versprach. Jedoch wollte ich noch unbedingt noch etwas in der Nacht trainieren, um meinen Körper an die ungewöhnliche Laufzeit und die Dunkelheit zu gewöhnen. Ein erster Versuch über 10 km war sehr interessant, weil ich bemerkte, dass ich ziemlich unsicher aufgrund der anderen Lichtverhältnisse bei Straßenbeleuchtung bzw. mit Stirnlampe gelaufen bin. Der zweite Versuch sollte eigentlich über 50 km gehen, musste jedoch aufgrund einer unerwarteten diabetesbedingten Unterzuckerung meiner Fahrradbegleitung, die ich für den Getränke- und Nahrungstransport gewinnen konnte, nach 24 km abgebrochen werden. Ich fand die Länge des Laufes jedoch ausreichend, um das Laufen bei Nacht für mich als Trainingsbestandteil abzuhaken.  Ansonsten standen noch langsame Läufe und einfache Intervalle mit sehr wenig Wiederholungen auf dem Programm.

Carboloading:

Als nächstes beschäftigte mich das Carboloading. Nach dem Lesen verschiedener Artikel begann ich am Mittwoch mit der vermehrten Aufnahme von Kohlenhydraten in Form von Brot, Brötchen, Streusselkuchen, Müsliriegel, Pasta und Pellkartoffeln, Energiedrink und alkoholfreies Weizenbier. Aus verschiedenen Informationen schloss ich, dass ca. 10g Kohlenhydrate/Tag/KG-Körpergewicht im Mittel empfohlen werden. Akribisch habe ich die Kohlenhydratangaben auf den Verpackungen zusammengerechnet bzw. recherchiert und dabei festgestellt, dass die für mich errechnete Menge von 700g nicht zu schaffen ist. Ihr glaubt gar nicht, was man dafür alles Essen und Trinken müsste. Außerdem muss das ganze Zeug ja auch vor dem Lauf und nicht während des Laufs wieder raus, so dass ich am Freitag weniger gegessen und noch mehr getrunken habe. Etwas irritiert hat mich der Hinweis, dass wenig Lebensmittel mit einkettigen Kohlenhydraten (Zucker), sondern mehrkettige Kohlenhydrate besser seien, aber andererseits ein Honigbrötchen am Morgen vor dem Wettkampf empfohlen wird. Wer diesen Widerspruch aufklären oder mich auf einen Irrtum hinweisen kann, möge mich bitte anschreiben. Wichtig erscheint mir auch zu erwähnen, dass zum Ende des Carboloadings eher wenig Ballaststoffe aufgenommen werden sollten, um die Darmaktivität besser kontrollieren zu können. Daher auch vor dem Wettkampf Weißmehl- und keine Mehrkornbrötchen.

Der mentale Plan 

Ich war davon überzeugt, dass ich die ersten 12 Stunden im Griff haben würde, da ich die bereits nahezu perfekt in der Vorbereitung absolviert hatte. Zwischenziele waren klar im Kopf einprogrammiert und außerdem hatte ich noch einen Joker gegenüber dem Trainingswettkampf: Das weltbeste Betreuerteam der LG Ultralauf mit individueller Verpflegung und Motivation.

Sorgen machten mir die zweiten 12 Stunden. Wie kann man die trainieren ohne vorher die 12 ersten Stunden gelaufen zu sein? Man kann sich ja nicht im Training völlig abschießen, weil im Gegensatz zum Wettkampf danach das Training weitergehen muss. Ich hatte mir die Rundenzeiten aus dem Vorjahr schicken lassen und festgestellt, dass ich in den zweiten 12 Stunden unfassbar langsam war, obwohl ich in Erinnerung hatte, dass ich alles gegeben hatte. Ich hatte für mich eine Vielzahl von Motivationsmöglichkeiten vorbereitet:

  • - das Summen von Ohrwürmern
  • - Gespräche mit dem innerem Schweinehund „Du Lusche, dich mache ich fertig“
  • - Das weltbeste Betreuerteam sollte mir die langsamen Rundenzeiten aus dem Vorjahr jede Runde mitteilen, die es zu schlagen gilt
  • - Kilometersammeln für einen guten Zweck im Wettstreit mit einem Vereinskollegen
  • - viele Schritte für den Fittnesstracker machen
  • - gegen Ende knappe Entscheidungen im Mannschaftswettbewerb beeinflussen oder Vereinsrekorde mit der Mannschaft aufstellen usw.
  • - zwischendurch pro Kilometer einen Tuc-Keks futtern
  • - wenn’s schwer wird, lächeln
  • - das Erreichen der Zeitmessung, des weltbesten Betreuerteams, des Garagenhofes, des Mülleimers, des „Berges“, des Wasserbehälters, des Rondells, der Zielkurve
  • - und wenn gar nichts hilft, machen wir das Beste draus

Motivation war für mich der Schlüssel zum Erfolg. Vor mir musste immer eine Möhre baumeln, die erreichbar schien, dann würde ich irgendwie durchkommen können und ich konnte mir jede Runde eine von den vielen Möhren aussuchen, die ich aufgelistet habe. Ich hatte in der Woche vor dem Wettkampf alles mit der Chefin Evi des weltbesten Betreuerteams über eine Stunde am Telefon durchgesprochen und die Chefin hat versprochen zu liefern.

Die zwei großen Unbekannten

Sorgen bereiteten mir noch zwei weitere Aspekte:

Der latente leichte Schmerz im linken Fuß, von dem ich anfangs berichtete, wurde nicht weniger. Auf einer Skala von 0 bis 10 war es eine 2. Die Stelle schwoll an und wurde rötlich, was für eine Entzündung sprach. In Rücksprache mit meiner Physiotherapeutin entschied ich mich für die chemische Keule, eigentlich eine Atombombe, 3x IBU 600/Tag von Montagnachmittag bis Freitagnachmittag. Dadurch sollte die Entzündung ausgelöscht werden.(Bitte nicht nachmachen ohne Rücksprache mit einem Arzt). Ob es hilft, würde ich Samstagmorgen beim Start erfahren. Zumindest in der Vergangenheit hatte es zweimal geklappt.

Das zweite Problem, was mir noch mehr Sorgen machte, war das Wetter. Je näher der Wettkampf kam, desto wärmer war die Prognose. Anfangs fand ich noch Wetterprognosen unterhalb von 30 Grad, doch später war alles gleich schlecht. Jetzt musste sich zeigen, ob das Kühlkonzept was taugte.

Die Verpflegung 

Die Verpflegung bei Ultraläufen ist immer eine schmale Gratwanderung zwischen Kotzen und Verhungern. Man braucht gleichzeitig Kohlenhydrate zur Energieversorgung und Mineralien gegen Krämpfe, also süß und salzig nicht zuviel und nicht zu wenig. Mein Arsenal bestand aus Tuc-Keksen, Bounty, Pellkartoffeln, Salztabletten mit Magnesium und Calcium, Weizenbier, Iso, Iso mit Koffein und Wasser, im ungünstigen Fall noch Tee und Zwieback. 

Iso wollte ich ursprünglich vom offiziellen Verpflegungsstand nehmen, um das weltbeste Betreuerteam etwas zu entlasten. Michael hatte in einem Vorbericht geschrieben, dass der DLV Iso einer bestimmten Marke dem Veranstalter kostenlos zur Verfügung stellt. Ich hatte daraufhin das Produkt gegoogelt, um in Erfahrung zu bringen, wieviel Energie darin enthalten ist. 24% Kohlenhydrate, davon 24% Zucker aufgelöst in einem halben Liter hat mich nicht begeistert, schien mir jedoch machbar zu sein. Besorgt hat mich eine andere Angabe: Mit jedem halben Liter würde ich meinen Tagesbedarf an Magnesium aufnehmen. Für andere DLV-Laufveranstaltungen, die überwiegend auf der Bahn und maximal bis zum Marathon auf der Straße stattfinden, mag das in Ordnung sein. Bei einem 24h-Lauf wäre die Magnesiummenge jedoch so gigantisch hoch, dass ich befürchtete, die 24h mehr sitzend als laufend zu verbringen. Als ich Michael und Martina meine Bedenken mitteilte, beschloss das weltbeste Betreuerteam (hier Martina) für unser Team eigenes Iso mit einer besseren Zusammensetzung anzurühren.

Schuhe

Für Training, Testwettkämpfe und Wettkampf hatte ich mich für den Kinvara von Saucony entschieden. Größe 44,5 für die schnellen Einheiten, Größe 45 für die langen Einheiten. Vorteil: leicht, geringe Sprengung (4mm), viel Raum vorne, Nachteil: Im Profil sammeln sich beim Lauf auf Schotterwegen Steine an, die die Dämpfung beeinträchtigen. Ich hatte deswegen zwischendurch mit Trailschuhen von Brooks geliebäugelt, aber nicht getestet. Ist jemand von euch in Bottrop mit Trailschuhen gelaufen und kann darüber berichten?

Anreise

Die Anreise erfolgte am Freitag relativ ereignisarm. Mit meinem lieben Vater, der als Helfer bei der Zeitnahme vorgesehen war, fuhren wir nach einem ausgiebigen Frühstück ca. drei Stunden nach Bottrop. Einchecken im Hotel und anschließend in den Batenbrockpark. Alle begrüßen, Startnummer abholen, Streckenbesichtigung, etwas essen, zurück ins Hotel, alle Sachen für morgen bereit legen, die Zeit vertreiben, bis man müde genug zum Einschlafen ist. Im Hotel haben wir noch Vereinskollegin Katrin getroffen, mit der man sich immer sehr humorvoll unterhalten kann. Wir bildeten mit Katrin über das Wochenende eine kurzweilige Fahrgemeinschaft zwischen Hotel und Batenbrockpark. 

Der Wettkampftag beginnt:

In der Vergangenheit hatte ich schon schlechter als sieben Stunden geschlafen und bin gegen sieben Uhr aufgestanden um meine morgendliche Magentablette zu nehmen. 

7:45 Uhr: ein Stück Streusselkuchen, check

8:00 Uhr: Frühstück mit Katrin, zwei Brötchen mit schwarzem Kaffee, check

8:45 Uhr: Füße waschen, Zehen mit Klebeband einwickeln, Füße mit Bodyglide einschmieren, check

9:00 Uhr: Brustwarzen abkleben, Bodyglide an die üblichen Gefahrenstellen, check

9:15 Uhr: Laufsachen, Brustgurt, Startnummer, etc. anziehen, check

9:30 Uhr: nochmal Verpflegung und Rucksack mit allen Klamotten für mögliche und unmögliche Fälle checken (Ich hatte sogar eine Regenjacke mit), check

9:45 Uhr: Mit einem Taxi und Katrin zum Batenbrockpark (mein Vater war schon um 8:00 Uhr zum Aufbauen gefahren)

10:00 Uhr: Das weltbeste Betreuerteam begrüßt, Einweisung wo ist was bei meinem Krempel

Für mich standen drei Trinkflaschen bereit: Wasser, Iso, Weizen(noch in der Kühltasche). Im Gegensatz zu Bechern haben sie durch den Nuckel den Vorteil, dass der Inhalt überwiegend den Magen und nicht das Laufshirt erreicht. Das weltbeste Betreuerteam würde mir die Getränke anreichen, ich während des Laufens trinken, die Trinkflasche 50m weiter in einen Bottich werfen und weiterlaufen. Schnell effizient und sogar umweltfreundlich. Zurückholen und Nachfüllen erfolgt durch wen? Na ihr wisst schon. 

10:35 Buff aufsetzen, wichtig!, check

10:40 Mobilisation und ein wenig Lauf-ABC zum ...hmm, es waren ja bereits 24 Grad

10:50 Startaufstellung und Begrüßung durch die Stadt Bottrop 

11:00 Start

Wer nur den Bericht über den Lauf lesen möchte, kann hier anfangen. :-)

Es gilt die ersten 12 Stunden abzuspulen. Die ersten Kilometer pendeln sich bei 5:35min/km bis 5:45min/km ein. Vorgesehen waren 5:45 - 5:50. Da man im Wettkampf immer zu schnell losläuft, ist es also genau richtig. Eine Runde hat genau 1258 Meter. Also grob anfangs jede Stunde 8 Runden alias 10 km.

Lageplan 2019

Bild 3: Die Laufstrecke im Batenbrockpark

Herbert Steffny hatte mir mal erklärt, dass der Körper maximal 0,9 Liter Flüssigkeit/Stunde verwerten kann, alles darüber fließt ungenutzt durch. Benötigt man mehr zur Kühlung, muss man entweder langsamer laufen oder von außen kühlen. Mein Plan ist es also jede Stunde ca. 0,9 Liter zu trinken, um zu kühlen und Energie aufzunehmen. Für den Salzausgleich sollen alle zwei Stunden eine oder zwei Salztabletten helfen. Alle zwei Runden wird getrunken: Wasser, Iso, Wasser, Weizen. Für die äußere Kühlung habe ich einen Schwamm, den ich ständig in bereit gestelltes kühles Wasser tauche und über dem Kopf in den Buff träufeln lasse. (Während der warmen Testläufe hatte ich keinen Buff, da floss das Wasser vom Kopf in die Schuhe und begünstigte die Blasenbildung.) Dazu feuchte ich immer wieder Arme und Gesicht an, weil durch die Verdunstung Kälte entsteht. Nun, was soll ich sagen. Ich bin begeistert. Es funktioniert! 

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Bild 4: Bottrop, 30 Grad, der Buff sitzt! Ist es irgendwo irgendwie zu warm? Schwamm drüber!

Ich laufe und laufe und fühle mich wohl. Der linke Fuß zeigte auf der Schmerzskala eine 0,5 an. Die Rötung war völlig verschwunden.

In Runde 11 musste ich pinkeln, in Runde 17 nochmal und in Runde 25 kam das große Geschäft auch dazu. Alles kein Grund zur Sorge, jedoch schien nicht sämtliche Flüssigkeit zum Kühlen genutzt zu werden. Ich beschloss, nur noch dreimal pro Stunde zu trinken. Wasser, Iso, Weizen! Wieso sollte ich durch überflüssiges Trinken und Pinkeln Zeit verschwenden? 

Ab Runde 25 habe ich 5 Tuc-Kekse gegessen. Energie, Salz und Zählmarken bis Runde 30 bzw. 37,5 km. Schwups, und schon ist der Marathon in Sichtweite und dann auch nach 4:03h erreicht. Die Rundenzeiten sind weiterhin kontinuierlich unter 6:00min/km. Allerdings stellte ich fest, dass ich nach der Getränkeaufnahme zunehmend Atemprobleme hatte und führte das auf das Luftanhalten während des Trinkens zurück. Ich beschloss daher zukünftig während des Trinkens kurz zu gehen, da ich das unangenehm fand. 

Ab Kilometer 70 wurden die Rundenzeiten etwas langsamer. Kurzzeitig hatte mal der Schweinehund herausgeguckt, dem ich kurz meine Meinung gegeigt habe. Weg war er. Es war jetzt gegen 18 Uhr und die wärmste Phase des Laufes war fast vorüber. Zwar war es mit 28 Grad immer noch zu warm, aber die Kühlung hatte ausgezeichnet funktioniert. Einige Läufer, die mich anfangs öfters überholt hatten, hatte ich länger nicht mehr gesehen. Ich wähnte sie in einer Pause oder mit mir in gleicher Geschwindigkeit meine Runden drehend und eine kleine Staubwolke durch den trockenen Boden hinter sich herziehend.

Der zweite Marathon war nach 8:18 h erledigt. Nun wurde das Laufen deutlich unangenehmer. Ich merkte, wie die Kohlenhydratvorräte aufgebraucht waren und die Maschine in die Fettverbrennung überging. Ich versuchte noch etwas Bounty nachzutanken, aber die Zeiten pendelten sich jetzt recht schnell zwischen 6:30min/km und 6:45min/km ein. Die Kraft floss dahin.

Die 100 Kilometermarke passierte ich nach 10:10h. Eine wunderbare Zeit genau im Plan, aber ich hatte immer im Hinterkopf, dass ich einbrechen könnte. 

Mittlerweile war es fast dunkel. Ich holte meine Stirnlampe vom weltbesten Betreuerteam, dem meine Unmut nicht verborgen geblieben ist.

Als ich die Stirnlampe einschaltete, war ich erstmal völlig baff. Ich sah Milliarden kleine weiße Punkte im Scheinwerferkegel. Was war das? Bildstörung? Nieselregen? Insekten? Es war Straßenstaub, feinste Partikel, die die vor mir laufenden Teilnehmer aufwirbelten. Nun ja, ist halt so. Ich war froh, dass ich eine logische Erklärung für die Punkte gefunden hatte. 

Etwas später gesellte sich Michael zu mir, der als Staffelläufer mich eine Runde begleitete. Ich erzählte ihm von meinen Problemen. Von der verlorenen Kraft und von meinen Atemproblemen, die sich jetzt auf die ganze Strecke ausdehnten und ich mir nicht erklären konnte. Michael versuchte mich etwas aufzumuntern, was ihm nicht wirklich gelang. Ich sei sehr gut im Rennen, die Beleuchtung sei gut, die Strecke schön, die Temperaturen gut und so weiter. Ich sah vor mir nur einen ewig weiten Weg bis zur 200 Kilometermarke. 

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Bild 5: Das weltbeste Betreuerteam bei der 24 Stundendauerbetreuung. Im gelben Trikot Volker.

Das weltbeste Betreuerteam stellte mir nun seine Geheimwaffe in Form von Volker zur Seite. Volker war eigentlich für den 100 km-Nachtlauf gemeldet, der im Rahmenprogramm um 18:00 Uhr gestartet war. Er hatte aber keine Ambitionen und machte mich zu seiner Mission, indem er mich die nächsten 12 Stunden begleitete, motivierte und mir jeden Wunsch von den Augen ablas. Die nächsten Runden verliefen etwas besser und ich hatte nach 12 Stunden 114 Kilometer auf der Uhr. Nur einen Kilometer hinter dem Plan. Und das, obwohl wir einen ungeplanten Boxenstop einlegen mussten. Eine erste größere Blase unter meinem rechten Fußballen konnte ich nicht mehr ignorieren. Damit war das Blasenkonzept gescheitert. Trotz des Blasenpflasters, welches mir das des weltbeste Betreuerteam mit Volker verpasst hatte, musste ich die nächsten 12 Stunden mit Schmerzen der Stufe 4 im rechten Fußballen verbringen.

Die nächsten Stunden kriege ich nicht mehr richtig zusammen. Anfangs lief es trotz der Schmerzen etwas besser und ich konnte tatsächlich einige Runden unter den von Evi angesagten Rundenzeiten des Vorjahres bleiben. Andererseits hatte ich den Eindruck, dass meine Atembeschwerden immer schlimmer wurden. Wir wechselten inzwischen in immer längere Gehabschnitte, damit ich im wahrsten Sinne des Wortes Luft holen konnte. Ich konnte und wollte auch nichts mehr essen, stand zwischendurch an der Strecke und wollte mich übergeben. Kam aber nichts. Weiter gehts. Volker hatte die Uhr im Blick. 200 Kilometer waren immer noch drin. Die Runden wurden immer länger und quälender. Mittlerweile hatte ich auch unter dem linken Fußballen eine Blase mit Stufe 3, die abgeklebt wurde. Durch den unrunden Lauf meldeten sich dann nach und nach Knie, Gesäßmuskel, Rücken und Nacken. Jeder Schritt schmerzte im ganzen Körper, zusätzlich keine Luft, aber die Chance auf 200 km war da. Ich habe die Uhr bei der Zeitmessung noch genau in Erinnerung, als wir die 170 km erreicht hatten. 4:33:00 für lächerliche 30 Kilometer. Ich konnte noch ausrechnen, dass das 9min/km sind. Unfassbar langsam. Normalerweise hüpfe ich die Strecke auf einem Bein rückwärts, aber heute? Volker und ich machten uns auf den Weg. Laufen, gehen, luftholen, laufen, gehen... Die Kilometerzeiten passten: 8:35, 7:45, 8:09. Wir erarbeiteten uns einen kleinen Puffer. Dann passierte es. Urplötzlich innerhalb von wenigen Metern meldete sich mein Darm. Ich sagte zu Volker: „Ich muss aufs Klo.“ „Ich muss schnell aufs Klo“. Noch 200m, noch 100, noch 50. Rein ins Gebäude, falscher Raum. Wieder raus und hintenrum. Doch so hinten rum war es bei mir bereits zu spät. Als ich das Klo erreichte, saß ich im mehrfachen Sinn in der Scheiße. Ich wusste das und Volker wusste es auch. Die Zeit floss dahin, meine letzte Kraft floss ins Klo und einen Teil davon schmierte ich mit Klopapier aus meiner Hose. Meine Moral war gebrochen. Also machen wir das beste draus. Das letzte Fünkchen Motivation, was noch übrig war. Wir gingen zum weltbesten Betreuerteam und holten erstmal Zwieback, den ich fast nicht runtergekriegt habe. Die nächste Runde gab es Haferschleim und danach Tee. Inzwischen war es hell. Mein Zustand stabilisierte sich. Die Atemnot wurde etwas weniger, aber hat mich noch mächtig behindert. Ich begann wieder sehr kleine Abschnitte zu laufen. Zwei Laternen, ca. 50m. Dann wieder gehen. Am Garagenhof bis zum Mülleimer, dann wieder gehen. Weiter, immer weiter. Ich wollte wenigstens mein Ergebnis vom letzten Jahr erreichen, 187 km. Inzwischen motivierte ich mich an bestimmten Stellen immer ein ganz kleines Stück weiter zu laufen als die Runde davor. Volker hatte inzwischen seine 100 Kilometer fertig und durfte mich nicht mehr begleiten. Ab und zu nahm ich einen neuen Abschnitt dazu. 190 Kilometer schienen möglich, vielleicht 191. Ich machte eine Art Fahrtspiel. Im Schatten laufen, in der Sonne gehen. Inzwischen hatten wir wieder weit über 25 Grad. 

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Bild 6: Von der Nacht gezeichnet.

Es war noch ca. eine Stunde zu laufen als mich kurz vor der Zeitmessung ein Vereinskollege überholte. Er hatte mich letztes Jahr in der letzten Runde überholt. Es hatte mich etwas gewurmt, weil ich die letzte Runde damals mit meinem Vater gegangen war. Völlig legitim und normal, dass er mich überholt hat. Sollte er hinter mir hergehen, nur weil ich gehe? 

Ich wusste nicht, wie er dieses Jahr im Rennen lag und schaute erstmals auf die Leinwand, wo die Ergebnisse angezeigt wurden. Ich 150 Runden, er 149. Ich ging, er lief. Der wird doch nicht schon wieder... Eine kurze Überschlagsrechnung ergab, dass es schlecht um mich stand. Was blieb mir anderes übrig. Tunnelblick! Beine in die Hand und irgendwie laufen, irgendwie bewegen, nur schnell. Ich blickte mich immer wieder um, wo bleibt er, wo kommt er. Noch 45 Minuten. Sooo lang. Immer noch nicht in Sicht. Weiter laufen, irgendwie laufen. Das weltbeste Betreuerteam wusste nicht was passiert war und brach in Begeisterungsstürme aus. Noch 30 Minuten, immer noch nichts zu sehen. Wieder eine Runde geschafft. Das weltbeste Betreuerteam in Extase. Ich in Panik. Wo bleibt er? Dann, 15 Minuten vor Schluss, da ist er. VOR MIR. Was war passiert? Hat er mich überholt? Habe ich es nicht gemerkt? Habe ich ihn eingeholt? Er ging, ich lief. Hmm. Als ich auf seiner Höhe war ging ich auch, fing unverfänglich ein Gespräch an. „Wie gehts? Ist schon ganz schön warm wieder.“ Wie sollte ich rauskriegen, ob ich ihn wieder eingeholt habe oder er mich? „Wie weit bist du?“ „Etwas über 190!“. Aha. Aber wieviel hatte ich? Und wieviel ist „etwas“? War ich eine Runde vor ihm oder waren wir gleichauf? Wir gingen auf die Zeitmessung zu. Noch 12 Minuten! „Ich laufe noch ein bisschen“ und weg war er. Ich hielt die Luft an, ich war fertig. Lägen wir gleichauf, er wäre dann vorne. Ich tendierte jedoch dazu, dass ich eine Runde vorn war und wurde etwas ruhiger. Ich ging, er lief. 1,258 km?, in 12 Minuten? Klingt machbar. Uff, auf geht’s! Eine Runde später und eine Minute vor Schluss sehe ihn sitzend im Schatten, ich laufe noch vorbei, suche mir ebenfalls einen Schattenplatz und hörte die Schlusssirene. 

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Bild 7: Das weltbeste Betreuerteam in Höchstform

Aus und vorbei. Nie wieder tue ich mir das an! Nie wieder! Kurze Zeit später kommt das weltbeste Betreuerteam jubelnd auf mich zugelaufen mit Stuhl und Getränken. Was für ein geiler Verein! 195,850 Kilometer, neue persönliche Bestleistung, Deutscher Seniorenmannschaftsmeister, Deutscher Vizemannschaftsmeister bei den Männern, Deutscher Vizemeister in der Altersklasse Ü50, zwei Runden vor meinem Vereinskollegen (ich hatte ihn wohl mit Tunnelblick zwischendurch überholt und es nicht gemerkt)

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Bild 8: Siegerehrung für die Seniorenmannschaften mit meinen Vereinsfreunden Klaus Haake und Michael Bohm, auf Platz 2 unsere zweite Mannschaft mit Konrad Vogl, Helmut Schöne und Willi Klesen (nicht im Bild). Auf dem dritten Platz die Sportfreunde vom Bautzener LV Rot-Weiß.

Natürlich muss ich mich an dieser Stelle bei ganz vielen lieben Menschen ganz herzlich bedanken. Ich zähle keine Namen auf, weil ich Angst habe jemanden zu vergessen. Ihr wisst schon, dass ihr gemeint seid. 

Nie wieder? Nächstes mal sind sie fällig, die 200!

P.S. Katrin hat mich darauf gebracht, dass die Atemprobleme durch die staubige Luft entstanden sein könnten. Hat jemand sowas schonmal erlebt und kann das bestätigen?

28.08.2019 Text: Jens Allerheiligen Bilder: LG Ultralauf, Martina Irrgang, Run for Fun/Hollenseelauf

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