Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Grafik und Text: Michael Irrgang, 13.06.2021

Die Backyard Weltmeisterschaft wurde im letzten Jahr als Satellitenwettkampf ausgetragen, der Wings for Life-Lauf sogar als Sololauf. Der Hauptunterschied zu virtuellen Läufen ist, dass alle gleichzeitig mit dem Wettkampf beginnen und es nur eine Frage der technischen Umsetzung ist, dass jeder jederzeit über die Platzierung und Abstände informiert ist.

Satellitenwettkampf logo

Bei einem Satellitenwettkampf wird an mehreren Lauforten zeitgleich gelaufen. Den Vorteil haben die Läufer und die Umwelt, denn lange Anfahrten ersparen sich die Läufer, Betreuer und Oganisatoren.

Stellt man sich mal vor, dass die kommende Meisterschaft im 24h-Lauf in Bad Blumau in Österreich stattfindet – einen Ort, der näher an Slowenien als an Deutschland liegt, so ist leicht zu erkennen, dass die Anreise für die meisten die Anreise zur Meisterschaft über 1000km beträgt. Aber selbst innerhalb von Deutschland ist die Teilnahme an einer Veranstaltung oft mit einer langen Reise verbunden oft mit der Notwendigkeit einen oder zwei Tage Urlaub zu nehmen. Wie wäre es da, wenn man die Meisterschaft an verschiedenen Orten zeitgleich ausrichten würde? Also beispielsweise parallel in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München? Würde das die Attraktivität steigern oder eher senken? Einerseits nehmen sicher einige Läuferinnen und Läufer nur wegen der Stimmung an bestimmten Veranstaltungen teil, andererseits weiß jeder Sportwart, der versucht, Mannschaften zusammenstellen, dass das umso schwieriger wird, je aufwändiger der Veranstaltungsort zu erreichen ist.

Nun verfügt der Ultralaufsport über ein dezentrales Netz engagierter und kooperierender Vereine, den DUV-Förderstützpunkten, auf dessen Basis sich solche neuen Ideen umsetzen lassen könnten.

Bei der jetzt stattfindenden Teamchallenge In der frühen Planungsphase wurden die Förderstützpunkte angeschrieben und viele zeigten Interesse. Dass die Umsetzung in der Pandemiezeit nicht einfach war, bedarf sicher keiner Erläuterung, aber letztendlich waren neben der LG Ultralauf als Gesamtveranstalter und Gastgeber in Köln die Förderstützpunkte aus Herne und Karlsruhe mit dabei. Später kam dann noch Spiridon Frankfurt dazu, Herne und Köln wurde zusammengelegt, sodass es nun mit Köln, Frankfurt und Karlsruhe drei Lauforte gibt.

An allen Lauforten starten mehrere Teams, so dass es schon vor Ort einen kleinen Wettkampf gibt. Die Zwischenergebnisse werden nach jeder Stunde gesammelt, veröffentlich und verteilt. So können sich die Teams jederzeit informieren, wo sie mit ihrer Leistung stehen. Wenn es in der letzten Stunde, dem Finale, um die Platzierungen geht, ist es sogar geplant, sogar die 2km-Zwischenzeiten zu veröffentlichen. 

Wir planen auf unserer LGU-Internetseite regelmäßig nicht nur die Zwischenergebnisse zu veröffentlichen, sondern mit Bildern und Kurzberichten von den einzelnen Lauforten live zu berichten. Auf unserer Facebookseite werden wir ebenfalls einen Beitrag erstellen und würden uns dort über Fragen und Feedback freuen.

Es ist eine Premiere und in die Organisation sind zahlreiche Personen eingebunden. Wir sind schon mega gespannt, ob alles funktioniert. Und wie das Feedback ist. Eine Wiederholung ist aktuell nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen. Das hängt von der Resonanz ab.

Wer noch kurzentschlossen mitmachen möchte, kann das gerne tun. Bitte ein Team zusammentrommeln und bis Freitag melden. Bei der Teilnahme steht klar das Wiedersehen und der Spaß im Vordergrund, eher weniger die Leistung.

Details zur Veranstaltung: <bitte klicken>

An einem Staffellauf teil zu nehmen, heißt oftmals, dass der eigene Einsatz kurz und schnell ist. Das ist bei Formaten über 6, 12 oder gar 24 Stunden allerdings anders, denn die Gesamtdistanz für den einzelnen ist teils beachtlich.

Bei der Teamchallenge werden 10 Stunden auf einer 333m- oder 400m-Bahn gelaufen, wobei die Maximalleistung in den ersten 9 Stunden auf 14km pro Stunde gedeckelt ist.

Plan 1

Die 14km muss man aber auch erreichen, will man sich die Chance auf eine Goldmedaille erhalten. Aber selbst für die 12km oder 13km pro Stunde für die Bronze- oder Silbermedaille erfordert über Stunden ein hohes Lauftempo.

Da braucht man einen klugen Plan, insbesondere, wenn die Teammitglieder unterschiedlich schnell und erfahren sind. Wichtig ist für die Gestaltung der Renntaktik, dass die Sache auch noch Spaß macht.

Dazu ein paar Überlegungen oder Vorschläge für ein Viererteam auf einer 400m-Bahn.

  1. Für eine Goldleistung sind 35 Runden zu laufen. Im Durchschnitt sind Rundenzeiten von etwa 100 Sekunden notwendig. Dann haben alle Läufer im Durchschnitt 300 sec Pause.
  2. Gleiche Rundenzeiten für alle ist aber nicht sinnvoll. Besser ist, im Vorfeld eine „individuelle Plan-Rundenzeit“ festzulegen, die dem Leistungsvermögen entspricht. Können vier Läufer die 400m in maximalem Tempo im Bereich von 70 bis 90 Sekunden laufen, so ist es sinnvoll, dass alle die Runde beispielsweise 20 Sekunden langsamer laufen, d.h. die schnellen laufen die Runde in 90 sec und die langsamen in 110.
  3. Die klassische Variante der Renneinteilung wäre bei vier Läufern, die ich einmal A, B, C und D nennen möchte, ein ständiger Wechsel: A-B-C-D-A-B-C-D-A-B …. Dann hat jeder einen Wechsel zwischen Belastung und Erholung im Verhältnis von 1:3, was ein sehr hohes Lauftempo ermöglicht. Allerdings stellt sich die Frage nach dem Aufwärmen und Abkühlens – auch, um Verletzungen zu vermeiden. Daher ist folgende Aufteilung durchaus einen Gedanken wert: A-B-A-B-C-D-C-D-A-B-A-B-C-D… Dann hätte jeder Läufer eine lange und eine kurze Pause, konkret, statt jedes Mal 300sec, einmal 100sec und einmal 500sec.
  4. Weitere Varianten der Renneinteilung wären, einige seltener andere häufiger laufen zu lassen oder immer 2 Runden zu laufen oder jemanden für die 10. Stunde zu schonen. Denkbar ist auch, dass ein Teilnehmer für eine längere Zeit unterbricht oder früher aufhört. Auch muss nicht immer einer auf der Strecke sein, d.h. alle pausieren! Alles ist möglich und erlaubt. Sofern in der ersten Stunde ein Mann und eine Frau jeweils eine Runde laufen kommt das Team in die Wertung und kann anschließend beliebig wechseln.

TCS Logo5 kleinVermutlich ist es gar nicht einfach, eine gute oder sogar die beste Rennstrategie zu finden.

Wie auch immer die Taktik aussieht, wir wünschen viel Spaß bei der Umsetzung. Jedes Team bekommt vor dem Start einen Zettel zum Protokollieren der Runden. Hier sind die notwendigen Durchgangsleistungen notiert, die zum Erreichen bestimmter Levels notwendig sind.

Um Gold, Silber oder Bronze zu erzielen muss das Team in den 10 Stunden in Summe 140, 130 oder 120 laufen. Teams die weniger als 120km schaffen erhalten eine Teilnehmermedaille.

Die obige Tabelle zeigt die entsprechende Kilometerzeit und die Rundenzeiten für verschiedene Bahnlängen. 100 Sekunden für 400m lässt noch einen gewissen Puffer. Das tückische ist, dass man in den ersten 9 Stunden nicht mehr als 14km pro Stunde laufen darf, man also keinen Vorsprung herauslaufen darf. Erst in der letzten Stunde fällt diese Begrenzung und die Teams können so viele Kilometer wie möglich laufen.

Text und Tabelle: Michael Irrgang, 10.6.2021

Text: Martin R. Kurz, Fotos: Martin R. Kurz, Klaus Spielbüchler, Christian Wurzer, 29.05.2021 (wusaonthemountain.at)

Prolog
Das letzte Corona-Jahr mit seinen fehlenden Veranstaltungen und Wettbewerben hatte bei mir die „Lauflust“ deutlich reduziert. Der geplante Schwarzachtrail 2020 mußte auch ausfallen, die Anmeldung konnte aber direkt auf das Jahr 2021 übertragen werden. Da aber auch dieses Frühjahr die Corona-Situation eine solche Veranstaltung eher unwahrscheinlich erscheinen ließ, war ich auch dieses Jahr unstrukturiert und eher wetterangepasst nur an sonnigen Tagen laufend unterwegs, nur einmal machte ich fast 1.000 Höhenmeter über die Stadtberge. Im April entdeckte ich dann den AppRun der Arbeiterkammer Salzburg (09.04.2021 - 31.05.2021), der dann meine Motivation zum Laufen wieder erweckte. Beliebig viele 4-km-Runden konnten gelaufen werden. Als ich richtig aufmerksam wurde waren bereits 2 Wochen vergangen und ich hatte einiges aufzuholen, um an die Spitze zu kommen. Das Laufen klappte super, die Distanz konnte ich mühelos erweitern und so hatte ich in der besten Woche 232 km absolviert und lag zwischenzeitlich auf dem 1. Platz. Letztes Wochenende wollte ich dann den Vorsprung deutlich ausbauen, doch bereits nach der 2. Runde machte sich meine linke Achillessehne bemerkbar, nach der 4. Runde war meine Entscheidung gefallen: Anstatt mich durchzuquälen und evtl. beim AppRun auf dem 1. Platz zu bleiben war mir die Teilnahme am Schwarzachtrail (https://www.schwarzach-trail.at) wesentlich wichtiger. Also AppRun abbrechen, nach Hause und die Achillessehne schonen und pflegen. Am Freitag absolvierte ich dann einen kleine Testlauf über den Mönchsberg, 10 km, keine 300 Höhenmeter. Keine Schmerzen, Anstiege, Abstiege, Treppen waren locker zu laufen - und es machte Spaß! Ich mußte mich dann sehr beherrschen, nicht gleich mehr zu laufen. Abends packte ich dann alles für den folgenden Tag, etwas skeptisch was die Wettervorhersage (Regen) und meine Höhenmeter-Kondition betraf.

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„Grosse Spielwiese für grosse Kinder“
Wie immer war alles bestens von Ausrichter Fredl Zitzenbacher, selbst Ultratrail-Läufer, vorbereitet. Sämtliche Corona-Auflagen und -Bedingungen wurden vorab per Mail mitgeteilt, erst am 19.05.2021 gab es „Lockerungen“ der Corona-Maßnahmen, welche die Veranstaltung endgültig möglich machten. Fredl hatte aber bereits mit seinem Team im Vorfeld alles unternommen, um die Veranstaltung bestens vorbereitet starten zu können - im Falle einer Absage wären viel Arbeit und Aufwand umsonst gewesen.
Zur Startnummernabholung mußten Impfung, Genesung oder negativer Covidtest nachgewiesen werden, die Ausrüstungskontrolle war im gleichen Pfad und ein Goodie-Sackerl gab es auch gleich noch.
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Der Start fand diesmal in Blöcken zu 50 Läufern und mit FFP2-Maske statt, kurz nach dem Start durfte die Maske dann abgenommen werden. Seit 2019 findet der Lauf an ungeraden Jahren gegen die Uhrrichtung statt, da ich letztes Mal nicht dabei war also eine neue Erfahrung für mich. Es war zwar kühl, stark bewölkt, aber zum Start trocken. Um nicht gleich unnötig Probleme mit der Achillessehne zu bekommen ging ich es absichtlich gemütlich an. Insgesamt kannte ich die Strecke ja von meinen vorigen Teilnahmen und wußte, dass es erstmal nur aufwärts gehen sollte, zunächst auf der Straße, dann über Forst- und Waldwege.

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Bis zur ersten Labestelle nach 9 Kilometern und ca. 800 Höhenmetern hatte ich überhaupt keine Probleme, so ließ ich sie rechts liegen und lief gleich weiter. Immer weiter aufwärts wurde ich zwischenzeitlich von einigen Läufern der nachfolgenden Startblöcke eingeholt, ich hatte aber sehr schnell mein Wohlfühltempo gefunden und ließ mich deshalb auch nicht unnötig antreiben. Auch bis zur 2. Labestation nach 16 Kilometern und über 1.000 Höhenmetern fühlte ich mich trotz zwischenzeitlich einsetzendem leichten Nieselregen wohl. Die letzten Meter zur Labestation leerte ich mehr aus Vernunftgründen denn aus Verlangen meine erste 500-ml-Flasche um sie dann wieder (coronakonform) auffüllen zu lassen. Zur Vorsicht hatte ich für die folgende Strecke noch zusätzlich zu meinen 2 500-ml-Flaschen eine 1,5l-Wasser-Blase eingepackt. Diese wollte ich hier ursprünglich für die nächsten 20 Kilometer auffüllen lassen. Anbetrachts der Temperatur und meines Empfindens verzichtete ich aber darauf und lief mit 1 Liter Flüssigkeit über den wohl anspruchvollsten Teil der Strecke.

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Der Schneeberg (ca. 1.900 HM) hielt wie immer sein Versprechen. Hier lag noch viel Schnee auf der Strecke (soviel hatte ich hier bisher nicht erlebt). Die Läufer vor mit hatten aber schon zum größten Teil eine ordentliche Spur getreten, so dass es richtig Spaß machte die Schneefelder zu überwinden. Endlich kamen auch die Abwärtspassagen, die ich zunächst vorsichtig, aus Angst, meine Achillessehne würde sich doch noch melden, anging. Aber es machte so viel Spaß über den Schnee, wasserführende Waldwege, über bzw. durch Gatsch, feste Waldwege und Singletrails. Ich vergaß völlig meine Bedenken, auch bezüglich der wenig trainierten Höhenmeter. Bis zum 3. Labepunkt nach ca. 35 Kilometer war es für mich eine wahre Freude, so gerne bin ich noch nie durch und über solche Wege gelaufen. Am Labepunkt mußte ich wieder nur eine Flasche füllen, eine Handvoll Gummibärchen mitgenommen und weiter abwärts, zunächst auf der Straße. Jetzt bemerkte ich doch meine Oberschenkelmuskulatur, das Abwärtslaufen fiel zunehmend schwerer und ich stellte ich mich darauf ein, womöglich die letzte Abwärtpassage auf die Stöcke gestützt zu gehen. Nach kurzem Asphaltstück ging es wieder in den Wald - aufwärts. Kein Problem, hoch geht immer. Im weiteren Verlauf war das Profil dann wechselnd, bisserl eben, bisserl abwärts, bisserl aufi. Aber meine Beine machten wieder mit und das Laufen über die Trails war plötzlich wieder eine Freude. Nach Schwarzach abwärts ging es dann ganz locker, als ob ich überhaupt keine Höhenmeter hinter mit gehabt hätte. In Schwarzach selbst mußte man dann noch einige Treppen überwinden bevor dann der Schlusshang vor dem Zieleinlauf kam. Alles war so locker und leicht und ich durfte dann mit einem breiten Grinsen über die Ziellinie laufen, wo ich wie immer herzlich von Fredl empfangen wurde. 47 km, ca. 2.700 HM in 06:44:35 Stunden.

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Leider mußte diesmal die anschließende Laufparty ausfallen, die Finisher-Medaille lag im Zielbereich auf einem Tisch zur Selbstmitnahme, ausserdem noch ein Versorgungspackerl, wenn es schon nichts Gegrilltes geben konnte.
Lieber Fredl, was soll ich sagen? Ein ganz, ganz großes Dankeschön, dass du immer an die Durchführung geglaubt hast, alles so perfekt vorbereitet hattest und ich wieder teilnehmen konnte. Wieder war es eine tolle Veranstaltung, eine tolle große Spielwiese die alle Stückerln gespielt hat, deine Crew ist einfach fantastisch und es hat mega Spaß gemacht, es war ein großes Geschenk für mich!. Aber wie schaffst Du es immer wieder, dass auf der Strecke so viel Groupies stehen???
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Text: Michael Irrgang, Bild Bahn in Köln: Susanne Alexi, Bild Medaille: Michael Irrgang, 03.06.2021

Noch zwei Wochen, dann fällt der Startschuss. Kein richtiger, aber immerhin starten alle Staffeln gleichzeitig. Die Pandemieentwicklung lässt es sogar zu, dass kleine Veranstaltungen möglich sind und mehr Leute gleichzeitig draußen Sport betreiben dürfen. Daher haben wir uns auch entschlossen, den Laufort Meinerzhagen wieder zu streichen und das gemeldete Team in Köln starten zu lassen. Je mehr Teams an einem Laufort sind, desto schöner und in Köln wird es vermutlich eine super Stimmung geben. Endlich ein Wettkampf, endlich ein Wiedersehen.

Stadion k

Ein Kleinod ist die 333m-Bahn an den Poller Wiesen in Köln, direkt am Rhein. Hier ist an den Wochenendetagen im Sommer immer richtig viel los. Ein super Ort für einen langen Staffellauf.

Zur Erklärung des ungewöhnlichen Wettkampfformates: Staffeln mit 2 bis 4 Personen laufen 10 Stunden im Kreis. Abhängig ihrer Kilometerleistung bekommen alle Teilnehmer eines Teams eine Gold-, Silber-, Bronze- oder Teilnehmermedaille. Und zwar zusammen mit einer Urkunde nach der Veranstaltung per Post nach Hause.

Medallien GSBk

Spannend ist, dass an mehreren Orten gleichzeitig gelaufen wird. Und zwar in Herne, Köln, Frankfurt und Karlsruhe. Stündlich werden die Zwischenergebnisse ermittelt und ausgetauscht und eine Zwischenergebnisliste veröffentlicht. Dennoch gibt es wahrscheinlich nichts zu gewinnen - es geht eher um Spaß! 

Anmeldungen sind noch möglich.

Weitere Infos: Team Challenge Sprintstaffel - Laufgemeinschaft Ultralauf e.V. (lg-ultralauf.de)

Text: Andres Häußler, Fotos: Monika Krause, 29.5.2021

Die „TorTour de Ruhr“ ist – das kann man wohl ohne Umschweife sagen – ein klassischer Ultralauf und mit den drei Distanzen 100km („Bambinilauf“), 160km und der Königsdisziplin 230km, die den kompletten Ruhrtalradweg von der Ruhrquelle in Winterberg bis zur Mündung der Ruhr in Duisburg am „Rheinorange“ entlangführt, auch einer der längsten in Deutschland. Viele von uns kennen ihn ja.
Der Wettbewerb (siehe auch www.tortourderuhr.de ) findet seit 2008 im zweijährigen Rhythmus zu Pfingsten statt und eng mit seinem Gründer Jens Witzel verbunden. Dazu gehört zunächst das in der Ultralaufszene nicht unübliche Format des Einladungslaufes mit einer entsprechenden Bewerbung, in der einschlägige läuferische „Vorstrafen“ nebst persönlichen Referenzgebern aufgelistet sein sollte. Außerdem ist ein ärztliches Attest erforderlich. Die ewige Bestenliste von 2008 – 2018 der Langdistanz hat derzeit 224 Einträge. Ich versuche jetzt mal nicht, die „ewige Finisherquote“ zu berechnen, aber man ahnt durchaus, dass von den für 2022 gemeldeten 119 Startern, die alle dieses Procedere durchlaufen haben, es nicht alle ins Ziel schaffen werden. Insofern ist eine gewisse Lenkung aus meiner Sicht dahingehend sinnvoll, dass sich nur diejenigen einen solchen Wettbewerb antun, die vom Trainingsniveau und der körperlichen Verfassung auch in der Lage sind, diesen auch zu überstehen.
Ein allerdings prägenderes Merkmal der „Tour“ ist jedoch, dass man ausschließlich als Team Läufer plus mit Fahrrad, mit Auto, zu Fuß in Etappen oder wie auch immer begleitende Crew antreten kann und dass das Ganze auch als gleichberechtigtes Team-Event aus Läufer und Begleiter angesehen wird. Auf der Homepage findet sich das Motto: „Die Crew bringt dich da durch“. Jens Witzel, damals Jens Vieler, hat auf diese Weise die TorTour Ausgabe 1 aus der Taufe gehoben. Sein kurzweiliger Bericht der ersten TorTour de Ruhr findet sich hier: https://www.marathon4you.de/laufberichte/tortour-de-ruhr/tortour-de-ruhr/489
So einen ikonischen Lauf wollte ich schon lange mal erleben. Ich weiß nicht mehr genau, ab wann ich mir den Bambinilauf zutrauen wollte, auf jeden Fall musste ich meinen entsprechend obigen Ablaufes zugeteilten Startplatz 2018 schweren Herzens abgeben, entschied aber zusammen mit Jens, dass es – entsprechend meines sich in die gleiche Richtung entwickelnden „Vorstrafendepots“ bei der DUV – durchaus drin sei, direkt auf die 230km umzumelden.
So stand ich dann für 2020 mit den 230km in der Startliste, aber dieser Lauf musste coronabedingt kurzfristig auf 2021 verschoben werden, so dass meine Crew, bestehend aus einer Autofahrerin und zwei Fahradfahrer*innen und eben ich auf einmal Pfingsten nichts mehr vorhatten. Es kam aber – bedingt vielleicht durch ein paar Missverständnisse, zotige Sprüche und dergleichen, die man schon mal so macht – dazu, dass wir „rein privat“ zu Pfingsten 2021 an der Ruhrquelle standen und uns 35,5h später am Rheinorange wiederfanden. Aber das ist ein anderer Bericht. Auf jeden Fall hatten wir genug Spaß gehabt, dass wir direkt „unter dem Rheinorange“ uns für Pfingsten 2022 zur Wiederholung verabredeten.
Hier könnte der Bericht eigentlich schon mit einem „Da capo al fine“ enden. Aber gut: Wie bekannt, musste auch der diesjährige Wettbewerb pandemiebedingt auf 2022 verschoben werden, allerdings gab es jedoch ein paar mehr Teams (auch 2021 waren wir nicht ganz alleine auf die Idee gekommen), die in diesem Jahr die TorTour ZERO privat, reduziert und kontaktarm für sich unter die Füße, bzw. unter die Reifen nehmen wollten.
Und so standen wir erneut zu Pfingsten an dieser Ruhrquelle in Winterberg, einem relativ unscheinbarem Plätzchen übrigens, von dem aus uns ein wie bei Quellen üblich, eher bescheidenes Bächlein so lange den Weg weisen sollte, bis sich die Ruhr, angewachsen zu einem bedeutendem Strom, bei Duisburg am Rheinorange in den Rhein mündet.
Diesmal wollten wir so viel „Original“ wie eben möglich und sind pünktlich zum Start um 08:00 am Pfingstsamstag losgelaufen, zunächst ein Läufer, ein Radfahrer und eine Autofahrerin. Mein Plan war es, neben gesund und munter (was ein Ultraläufer so unter einem munteren Finish versteht, muss ich hier wohl nicht erklären – bei Bewusstsein halt), auf jeden Fall mindestens zur Vorjahreszeit in Duisburg einzutreffen. Auch die Treffpunkte mit dem vollbepackten Auto waren jeweils in der Nähe der „originalen“ VPs gewählt worden.
Aber zunächst einmal setzten wir uns in der Tat noch frisch und munter im Sauerland in Bewegung. Von Winterberg aus geht es im Wesentlichen erst einmal lange bergab, da muss man eigentlich nur aufpassen, dass man nicht zu schnell wird.

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Überhaupt sollte ich vielleicht an dieser Stelle einmal aus meiner Sicht beschreiben, wie man auf einen solchen Ultralauf trainiert. Es gibt ja die Faustformel für lange Wettbewerbe: Was man in der Woche in Summe regelmäßig läuft, dass kann man sich auch im Wettbewerb in einem Lauf zutrauen. Es ist natürlich klar, dass diese für 100km vielleicht noch für manchen anwendbar ist, für 100 Meilen wohl eher nicht mehr und für 230km sicherlich gar nicht mehr. Wie soll man also für einen solchen Mehrtagesnonstoplauf trainieren? Wie so oft gilt eben: Das ist eine sehr individuelle Sache und kann nicht verallgemeinert werden. Natürlich sind lange und sehr lange Trainingsläufe die Basis jeden Ultralaufes, gerne auch mal nachts oder sehr früh morgens zur mentalen Angewöhnung, aber was jeder nun für die Tortour wirklich braucht, muss wohl jeder selbst herausfinden.
Bei mir war es so, dass das über mehrere Trainingswochen ausgeführte Standardpaket 100km als langer Lauf am Wochenende plus drei Zehner frühmorgens im Dunkeln als Vorbereitung ausgereicht hat, partiell reduziert jeweils in dem Moment, wo die Grundmüdigkeit zu sehr anstieg und die Geschwindigkeit gerade bei den Zehnern zu sehr litt. Viel mehr wird wohl kaum jemand - alleine schon aus zeitlichen Gründen - leisten können, wenn man wie ich Familie hat und berufstätig ist, wie viele von uns. Über die Wichtigkeit eines begleitenden Kräftigungsprogramm muss ich hier nichts erzählen – nur so viel: Ich bin hier ein ganz schlechtes Vorbild…
Also zurück ins Sauerland, wo sich beim klassischen VP1 in Bestwig „Senior-Tortouristin“ Susanne Alexi (3 Finishs von 2010-2018, Platz 3 der ewigen Bestenliste der Mehrfachfinisher), vom Bahnhof aus zu unserer Crew dazugesellte. Sie wollte uns ebenfalls bis Duisburg begleiten. Während das Stück bis Bestwig (ca. 30km) noch sehr ländlich geprägt war und landschaftlich das vielleicht reizvollste der ganzen Tour ist, ist der Ruhrtalweg bis zur nächsten VP2 (bei ca. 60km) in Arnsberg-Oeventrop zum Teil auch längere Zeit an Landstraßen entlanggeführt, sprich nicht separat ausgebaut. Da ist dann auch das eine andere Stück zum „Durchbeißen“ dabei, man will ja auch „Meter machen.“
Wobei an dieser Stelle der Hinweis auf unterschiedliche mögliche Strategien erlaubt ist: Ich gehöre zu denjenigen, die ein sehr gleichmäßiges Lauftempo „brauchen“ und auf der kompletten Tour keinen Meter gegangen bin. Dabei sinkt das Tempo kontinuierlich, aber linear. Andere benötigen Gehpausen, können das Tempo aber bei Bedarf auch „in den Zweihunderten“ noch einmal deutlich steigern. Auch hier gibt es wieder nur den Verweis auf die Notwenigkeit des individuellen Ausprobierens.
Aber auch hier gibt es wieder wunderschöne Auenlandschaften an dem nun schon deutlich wahrnehmbaren Fluss Ruhr. Das Stück bis VP3 (bei ca. 85km) in Arnsberg-Neheim verläuft komplett auf dem Gebiet der Stadt Arnsberg, immer noch im Hochsauerlandkreis gelegen. Im Bereich des Zentrums macht man dabei eine ziemlich große und charakteristische „Schlaufe“. Bei VP3 ist auch Start der 160km-Läufer, fehlende Kilometer zu den 100 Meilen werden durch eine Prologschleife aufgefüllt.
Das nächste Stück bis zur VP4 (115km) in Schwerte, gleich zwei Landkreise (Soest und Unna) weiter, war mir im Vergleich zum Vorjahr zu lang, obwohl mich meine Crew darauf hinwies, dass ich damals auch schon geschimpft hätte. Ich hatte es aber auf den Tiefpunkt des aufgrund des verfrühten Startpunktes bereits „nach der Nacht“ liegenden VPs geschoben.
Vielleicht lag es am (elendig schlechten, es gab Wind, Regen und beliebige Kombinationen aus beidem) Wetter: Mir ging es im Magen nicht mehr so gut, das Tempo sackte ebenso wie die Stimmung durch. Hier kam Susannes doppelte Vogelperspektive als einerseits erfahrene Tortouristin andererseits aus dem Blick des erfahrenen Begleiters ins Spiel, die mir half, Ruhe zu bewahren.
Denn irgendwann kommt die „rettende“ VP ja doch, der Punkt, bei dem jegliche Gedanken des Langläufers irgendwann enden. Oder gibt es hier jemanden, der dreistellige Kilometerzahlen herunterzählt?
Man muss auch sagen, dass nach Schwerte ein landschaftlich wirklich sehr schönes, zum Teil etwas abseits des Flusses gelegenes Stück Ruhrauen mit viel altem Baumbestand beginnt, welches sich allerdings bei den meisten Läufern im Dunkeln abspielen dürfte. Auch war es zwischenzeitlich sogar mal ein bisschen trocken und der Dreiviertelmond tauchte die Nacht in ein fahles, schwarzblaues Licht. Wer etwas erleben will, muss eben Ultralaufen, irgendetwas Schönes bekommt man immer geboten, und das erlebt man dann intensiv! Bis zur VP5 (135km) am Hengsteysee werden erstmals gleich zwei Großstädte gestreift, nämlich Dortmund und Hagen, die sich an diesem Stausee treffen.
Nur noch ein Hunderter! Hier starten folglich auch die Bambinis, die allerdings erst eine Extrarunde um den See laufen müssen, um ihr dreistelliges Soll zu erfüllen. Bis zur nächsten VP6 (ca. 155km) wurde es bei mir nicht ohne Erwartung wieder hell, vorher musste allerdings leider ein übles Stück Wegsperrung umlaufen werden. Hier war es gut, dass wir sowohl wussten, dass man sich sklavisch an die Beschilderung halten musste, die allerdings wirklich nur an den Abbiegungen innerstädtischer Straßen von Hagen-Vorhalle aufgestellt waren, als auch dass wir das schon einmal im Hellen abgelaufen sind.
Bei VP6 am Kemnader See war mein Tiefpunkt erreicht. Einerseits war ich – das dürfte übrigens auf die meisten bei diesem Kilometerstand zutreffen - kein guter Gesellschafter mehr, weil ich einfach nur noch wenig erzählen konnte oder wollte, andererseits haben wir am Kemnader See das ungefähr 5km längere Nordufer gewählt, welches (ebenfalls?) als Ruhrtalradweg ausgeschildert war. Heute kann ich sagen: Wie schön! Denn so kam ich nicht nur zum längsten Lauf meines Lebens, sondern wir haben auch das landschaftlich viel reizvollere Nordufer gesehen, was ich noch nicht kannte! Auf der Tour waren wir hingegen nur noch übermüdet, unkonzentriert in den Absprachen der natürlich nicht immer in der Nähe befindlichen Teammitglieder untereinander und auch leicht vom Strömungsbild der Ruhr angetäuscht, die gerade im Bereich von Seelandschaften kein ausgeprägte Fließrichtung zum Rhein zeigt. Aber der im Übrigen durchgehend beschilderte Radweg zeigte weiter in Richtung Hattingen, alles (soweit) richtig!

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In Hattingen beim VP7 (bei mir ca. 180km) war ich gerettet. Denn ab hier kenne ich „jeden Stein“ auch vom WHEW (100km) und privaten Ausflügen von Solingen aus, wo ich Zuhause bin. Damit war klar: Wir werden die Tour abermals schaffen, wir kommen ins Ziel! So beflügelt wurden wir nicht schneller (siehe oben, Wettkampfstrategie), allerdings hilft es immer mental, wenn man sehr gut weiß, wo man ist und was noch kommt. Außerdem gesellte sich planmäßig ein weiteres Teammitglied als weitere Radfahrerin dazu. Mit drei Fahrer*innen waren wir „stark“ – außerdem konnten sich diejenigen, die schon eine Nacht im Schritttempo bei kaltem Ekelwetter hinter sich hatten, immer mal ein bisschen Pause machen. Fahrradbegleitung bei der Tortour de Ruhr ist ein Knochenjob, Ruhm und Ehre sei all denjenigen, die ihn übernehmen, hiermit zugesprochen. Wer es nicht glaubt: Ausprobieren.
Es kam der berühmte Punkt „Nur-Noch-Marathon“ beim VP8 (bei mir ca. 198km) an der alten Kampmannbrücke in Essen-Kupferdreh. Jetzt hieß es nochmal Zähne zusammenbeißen und auf dem letzten Stück nicht zu viel Zeit verlieren. Dieser Marathon teilt sich noch einmal auf in die erste liebliche Hälfte am Baldeneysee („Lago Baldini“) und den Ruhrauen bei Essen-Werden und Essen-Kettwig, sowie dem Stück ab der letzten VP8 (bei mir ca. 215km, übrigens: Alle Kilometerangaben sind falsch!).
Den jetzt werden mit Mülheim, Oberhausen und Duisburg nicht nur weitere drei Großstädte passiert, von ihrer schönen Seite präsentiert sich leider nur die erste von den dreien, mit angelegten Brückenwegen durch Wälder und Schlossparks. Wer aus Oberhausen-Altstaden kommt, möge es mir verzeihen: Das schönste Stück des Weges ist dieser verwahrloste Vorort nicht. Und in Duisburg geht es dann wahlweise über endlose Deiche, neben einer Autobahn, oder ein Brückenlabyrinth am Hafen.
Und das ist nun wirklich keine Überraschung mehr: Auf den letzten Kilometern wird sich wohl jeder über den nicht enden wollenden Weg und die nachlassende Chance eines „Day-Light-Finishs“ beschweren! Zu guter Letzt empfing uns noch eine innerstädtische Umleitung in Duisburg kurz vor dem Ziel, was zusätzlich an den Nerven zehrte.

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Aber schließlich war das Ziel, der erlösende orangene Monolith doch sichtbar und er wurde noch im Hellen erreicht. Und was haben wir „unter dem Rheinorange“ gemacht und so geredet?
Und pfingstlich grüßt das Ultratier, die TorTour 2022 kann kommen, diesmal aber bitte „offiziell“!

 

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