Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

machmitWir haben unsere Homepage marginal geändert und am rechten Rand ein "Modul" "Mach mit!" eingefügt. Hier könnt ihr ab sofort unsere offenen Veranstaltungen finden, an denen ihr gerne teilnehmen könnt. 

Aktuell haben wir am Wochenende nach Ostern unser Laufseminar Grundlagen im Angebot. Bei den Seminaren liegt der Schwerpunkt auf Lernen, Spaß haben, Leute kennenlernen. Hier könnt ihr alles erfahren, was man wissen und können muss, um gesund und erfolgreich Ultras zu laufen. Es gibt viele Vorträge, aber auch viel Praxis, z.B. zur Lauftechnik, Athletiktraining, Trailrunning, Laufen mit Stöcken und die Gegend im nördlichen Sauerland schauen wir uns natürlich bei einem längeren Lauf auch an.

Im September haben wir dann bereits ein kleines Jubiläum: Unseren 5. BUF. Das wird bestimmt wieder ein tolles Lauffest. Auch diese Veranstaltung ist nicht nur für gestandene Ultras, sondern auch für interessierte Läufer und Läuferinnen, die die familäre Atmosphäre einer kleinen Ultralaufveranstaltung schätzen. Ihr könnt zu viert eine 6h-Staffel bilden oder maximal zu zehnt eine 24h-Staffel. Als eine absolute Neuigkiet in der Szene gibt es eine Teamwertung beim 24h-Lauf, bei der Männer und Frauen gemeinsam ein Team bilden. Das entspricht sehr unserem Verständnis von Gemeinschaft und Leistung.

Haltet euch schon einmal den Termin Mitte Februar frei. An dem Wochenende wollen wir ein Trainingslager abhalten mit einem Wettkampf über 60km am Samstag. Trainingslager heißt: "viel laufen, wenig reden". Wir werden einen knackigen Belastungsblock haben, der ideal zur Vorbereitung auf die 100km DM Ende März passt. Thematisch hat die Wochenendveranstaltung vermutlich den Schwerpunkt Spartathlon.

Links unten auf unserer Internetseite seht ihr Termine. Dort findet ihr neben unseren Veranstaltungen auch die der anstehenden Meisterschaften mit Links zu den Ausschreibungen. Obwohl wir für die Vergabe nicht zuständig sind, werden wir regelmäßig nach dem Stand der Vergabe der 24h DM gefragt. Die Entscheidung ist aktuell noch offen. Eine von drei Optionen ist, - und diese scheint mir sogar die wahrscheinlichste - die Meisterschaft 2020 ausfallen zu lassen, was natürlkich megaschade wäre.

"Mach mit" klingt nicht nur nach einem Apell, sondern wir würden uns tatsächlich freuen, wenn viele an unseren Veranstaltungen teilnehmen würden.

Text und Bild: Michael Irrgang, 10.12.2019

Für viele Ultraläufer endet die jährliche Wettkampfsaison beim Marathon im Siebengebirge, der traditionell am zweiten Advent ausgerichtet wird. Nach Anmeldezahl hätten wir sogar fast den Titel „teilnahmestärkster Verein“ gewonnen, aber einige mussten leider kurzfristig wegen Erkältung absagen. Zunächst trifft man sich Bürgerhaus in Königswinter Aegidienberg, um die Startnummern abzuholen oder bei Bedarf noch zu frühstücken. Bevor wir von dort zum Startbereich gingen, nutzten wir die Chance für ein obligatorisch unvollständiges Vereinsfoto.

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Sabine Hellwig, Matthias Kröling, Miriam Kudermann, Michael Irrgang, Stefan Henscheid, Katrin Gottschalk und Mario Luther.

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Am Start traf ich dann eher zufällig noch Michael Wiesner und Andreas Fölting.

War total schön, so viele von uns wieder zu sehen. Am Ende des Jahres gibt es ja auch viele Erlebnisse und Pläne auszutauschen und so verging die Zeit wie im Flug.

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Die beiden Kölner Mario und Matze teilen schon viele gemeinsame Erlebnisse. Heute sollte es nur ein gemütlicher Marathon werden.

Etwa 400 Starter befanden sich irgendwo im Wald auf einer Pferdekoppel und warteten auf den Startschuss, der irgendwann unspektakulär erfolgte. Das Briefing gab es zuvor bereits in der Halle.

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Ich lief weite Teile der Strecke mit Mario und wir verbrachten einen sehr angenehmen Tag. Das Wetter sollte eigentlich stürmisch und regnerisch werden, aber wir hatten echt Glück, denn es war überwiegend trocken, windstill und mit etwa 10 Grad sogar ausgesprochen warm. Als Wetterpessimist und Kälte-Nichtvertrager war ich vermutlich der einzige, der unter seiner Regenjacke ein Langarmshirt trug.

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Ein Stimmungsnest mitten im Wald - mit Karnevalsmusik, Streckensprecher und super gelaunten VP-Betreuern. Da ging es mir zugegebenermaßen schon nicht mehr so gut. Der Kobolt war körperlich noch nicht verdaut und die Erkältung der letzten Woche hatte irgendwie auch Kräfte aus dem Körper gezogen. Puh! War alles härter als geplant und gedacht.

Aber Mario, der einen super Tag erwischt hatte und deutlich schneller gekonnt hätte, blieb bei mir und ließ die Zeit und Strecke recht kurzweilig erscheinen und so erreichten wir gemeinsam nach ca 5 Stunden das Ziel.

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Wir kamen gerade rechtzeitig zum Beginn der Siegerehrung und erfuhren, dass Katrin in der Gesamtwertung der Frauen den dritten Platz belegt hat. Sagenhaft. SG6Die Siebengebirgsstrecke ist trotz ihrer knapp 700 Höhenmeter gut laufbar, aber wenn man die Strecke nicht kennt, ist es schwer, sich die Kräfte klug einzuteilen und überhaupt lief Katrin erst letzte Woche in Hongkong einen Berglauf, bei dem man die Höhenmeter in endlosen Treppen abarbeitet und der ihr aufgrund der ungewohnten Belastung noch gestern Muskelkater bescherte. Respekt und Gratulation zu der super Leistung!

Im Ziel gab es eine sehr schöne Medaille als Lohn für einen schönen Lauf mit einem erfolgreichen Finish.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Michael Irrgang, Mario Luther, 8.12.2019

 

Kleiner (langer) Lauf Erlebnisbericht zu meinen ersten Wüsten-Lauf-Abenteuern in Israel. Nachdem ich 2019 als Neuling und typisch untypischer Langstreckenläufer (Gewichtsklasse) die 100 Meilen Distanz in Berlin gefinished hatte, wollte ich zum Abschluss der Saison noch zwei Läufe mit Freunden im warmen Israel machen. Eigentlich, von der reinen Ausschreibung her, einfach zu absolvierende Läufe, sofern das Training und die Psyche passen.

Lauf 1, der ARAVA WAY Ultra mit 85km. Dieser ist seit Neuestem in der DUV Datenbank zu finden, (Distanzen 55/85/100km), weil mir viel an der Aufnahme der israelischen Ultras liegt. Dieser Lauf ist im Rahmen des ULTRAMAN ISRAEL (Durchquerung des Landes in einem Mehrfach Ultra Triathlon). Warum Israel: Weil die Rennen pur sind, die Menschen freundlich und super unterstützend und das Klima einfach klasse ist während unserer Winterzeit, zudem die Flüge zum Teil sehr viel günstiger sind als nach Teneriffa oder Mallorca! Neuerdings gibt es auch einen Neuen internationalen Flughafen in Eilat (RAMON AIRPORT!) der von Ryanair und WHIZZ angeflogen wird, für ein Taschengeld.

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Lauf 2, der „normale“ EILAT DESERT MARATHON.

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Stories:

Also wurde mal eben schnell geplant, gebucht, die israelischen Freunde mit eingebunden – und los ging es. Fehler Nummer 1 hier: Mal eben von 0-10 Grad Europa nach 36 Grad tagsüber/0 Grad nachts Israel ohne Akklimatisierung ist keine gute Idee, wenn man ein Rennen bestehen will. Aber das weiß ich jetzt auch. Vor Ort, untergebracht im Kibbutz, fehlte es an nichts, wenn man vorbereitet bzgl. Art und Weise Rennen in Israel (das kannte ich) ankommt. Vergleichbar Frankreich und Belgien, man trifft sich zum Laufen und Vergleichen auf hohem Niveau, alles was Luxus ist fällt aus oder wird selbst organisiert. Sprich, es gibt ein Briefing, hier hatte ich zum Glück eine gute Übersetzerin mit der bekannten israelischen Langstrecken Läuferin Galit Birenboim-Navon und Liz Malka (4.te der Weltrangliste 72h Lauf 2019 und Spartathlon Finisherin 2019!) und ein Good Luck. Verpflegungspunkte alle ca. 10-14km (so genau nimmt das dort Niemand und 1 Dropbag zwischen KM40-50 (abzugeben am Vorabend). Keine Bus-/Recovery All Inclusive Tour zu buchen – Jeder ist alt genug! An den VPs gab es dann Wasser/ ISO/ Datteln/ GU Gel/ etwas Laugenbrezeln – das ist es, wer was Anderes braucht, will, kann es selber tragen oder sich unterwegs durch eigenen Support beliefern lassen (ein durchaus gängiges Verfahren in Israel!). Also ging ich um 5:30 am Renntag mit gut gefüllter Laufweste (Gel, Brot, Salz und 2l Isogemisch an den Start. Gepackt hatte ich konservativ aufgrund der erwarteten Temperaturen von bis zu 36c und der Wüstenlaufstrecke, auf der ich gar keine Erfahrung hatte bzgl. rennbarer Geschwindigkeit. Um 6:00 erfolgte der Start in den Sonnenaufgang im Jordantal dem ARAVA WAY für eine fast gerade Strecke mit einem primären Sand/Kiesel/Staub Untergrund OHNE jegliche Schattenspender. Es gab ein paar feldwegähnliche Passagen von ca. 700m Länge unterwegs, aber das war es auch. Die Pace war die ersten 10km etwas hoch mit 6:00min/km, doch die noch angenehme Morgenkühle von 14-17c wollte ich nutzen. Ab km10 habe ich dann die Gase herausgenommen und bin auf diesem schweren Untergrund mit 6:30er Pace weitergelaufen, VP1 kam, Wasser aufgefüllt, Datteln und Lauge und weiter. 20km nach 2:15h (inkl. VP) – das gab psychischen Auftrieb, nur noch 65km. Weiter stoisch in dieser wilden eintönigen Landschaft mit 6:30-6:45er Pace weitergemacht. Der nächste VP, same Procedere. KM 30 nach 3:30h – es lief irgendwie ganz ordentlich. DOCH… es wurde auf einmal heiß, von jetzt auf gleich über 30 Grad, kein Schatten, das Sand/Kies-Gemisch wurde weicher, die innere Uhr versagte, Pace zu schnell, zu wenig getrunken – Kopfweh, erste Gehpassage bei KM 35, es ging auf einmal 400m bergauf, nichts schmeckte mehr, Fata Morgana …. Ankunft bei km 45,5 - nur noch 39km zum Ziel nach 6:15h. Ich war total platt. Von hier wären es noch 15km bis zum einzigen Cut Off gewesen. Verfügbare Zeit 3h. Also sehr gut machbar. Noch 6h bis zum Finish in der Wertung und 7h bis Finish als Teilnehmer OHNE Wertung (offiziell DNF). Auch dass eigentlich realisierbar. Hier haben dann folgende Faktoren den Ausschlag gegeben hier aufzuhören.

1) An dieser Stelle war mein Dropbag mit frischen Sachen.

2) Von hier gab es die letzte Möglichkeit per Auto ins Ziel zu kommen

3) in 3 Stunden wird es wieder Dunkel und kalt.

4) Die letzten km bin ich nicht mehr ans Laufen gekommen, hatte leichte Halluzinationen und stärkeres Kopfweh (Hitzschlag?)

5) Die Abdeckung mit Sanitätern war eher sehr marginal.

6) Die Handynetz Abdeckung von der aktuellen Position für die nächsten 20km durch die Timna Berge war eher schlecht.

7) Ich hatte keinen Begleiter. Dies führte also zur demovierenden Gesamtevaluation eines sehr konservativen kopfgesteuerten Läufers, der ich bin. DNF. Eine bittere, aber auch sehr lehrreiche Erfahrung war diese Teilnahme. Die Orga, sehr gut, die Menschen super freundlich und im Rahmen des Möglichen unterstützend. Die Siegerehrung und Feier am Folgetag -Prima, es gab keine Verlierer. Das Resümee der Finisher durchweg: Ein sehr schwieriger Lauf 2019 aufgrund der Wetterlage! Mein Resümee – ich werde diesen Lauf wiederholen, ob 55/85 oder 100km, das kann und will ich aktuell nicht entscheiden – aber er wird wiederholt. Wer hier Infos haben will, gerne anmailen!

Mit dieser Erfahrung hatte ich jetzt eine Woche Akklimatisierung und Kulturprogramm im Süden Israels und Jordanien mit Wüstentrip und Petra, Red Canyon, Timna Nationalpark ….bevor es zum EILAT DESERT MARATHON ging, mit einer ebenso reinen TRAIL Stecke durch die Berge EILATS. Vom Profil her 14km nur bergan und dann 14km Achterbahn um folgend 14km eher wellig ins Ziel zu laufen. KEIN Asphaltanteil. Klima wie zuvor, Verpflegung wie zuvor. Meine Zielsetzung – Bestehen und schneller als zuvor die 45km beim ARAVA WAY – ich war etwas angefressen.

Gesagt, getan – diesmal verhalten angegangen, stetig moderat bergan getrottet, regelmäßig Gel, Schluck Iso, Salz….die Technik vernachlässigt, nur die Landschaft genossen und rein nach Gefühl gelaufen – Resultat: 1:15 schneller als die Woche zuvor auf einer etwas schwierigeren Strecke.

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Was nehme ich mit und gebe auch gerne weiter, für den Fall, dass es noch Unerfahrenere als mich gibt.

1) Bereite Dich akribisch auf einen Wettkampf vor mit allen Möglichkeiten der Information.

2) Vernachlässige niemals die Akklimatisierung

3) Habe einen Plan und Alternativen, ansonsten spielt die Psyche verrückt

4) Bleibe locker und nicht überambitioniert um jeden Preis. – Nur so macht es Spaß als „Hobby“ Läufer auch Ultras weiterhin zu finishen und zu genießen.

So wurde der Saison Abschluss einer für mich doch langen und fordernden Saison doch sehr versöhnlich, wenn man das Gesamtpaket der 12 Tage Sonne und Laufen und Kultur betrachtet. Die Erkenntnisse werden in 2020 einfließen und hoffentlich Früchte tragen. Einen sehr großen Motivationsschub gibt mir hier die Bereitschaft meines auch sportlichen Sohnes Maximilian, der sich bereit erklärt hat, mich vermehrt mit Radsupport unterstützen zu wollen. Das Zeug dazu hat er und die Ausdauer auch. Wer Ihn kennenlernen durfte, weiß das. Denn OHNE Unterstützung, als Einzelläufer wäre dieses Level auf Dauer für mich nicht weiter haltbar.

Ich wünsche allen Mitgliedern eine besinnliche Adventszeit und einen guten Start ins Laufjahr 2020.

Patric Wurmbach, 5.12.2019

Ab heute kann man sich für den BUF 2020 anmelden. Wer dies bis zum 31.12. 2019 macht, kann von den günstigen Startpreisen profitieren.

Anmeldung BUF

Ein paar Änderungen gibt es im Vergleich zum letzten Jahr im Wettbewerbsportfolio. So wurde der 100km-Lauf durch die 6h-Staffel ersetzt. Ihr könnt jetzt alleine 6h oder 24h laufen oder mit Freunden zusammen. 

Als eine absolute Neuigkeit in der Ultralaufszene führen wir bei dem 24h-Lauf die geschlechterunabhängige Teamwertung ein, bei der 3 Leute eines Teams gewertet werden. Dabei werden die Leistungen der besten drei Mitglieder eines Teams zu einer Teamleistung addiert, wobei Frauen einen 10%-Bonus bekommen. Bitte bei der Anmeldung auf die identische Schreibweise achten! Der Teamname kann ein Vereinsname sein, muss aber nicht. Wir sind sehr gespannt, wie viele Teams zustande kommen und freuen uns auf einen spannenden Wettbewerb.

Beibehalten werden wir die bestenlistenfähigken Zwischenzeiten für 50km im 6h-Lauf und für 100km und 100 Meilen im 24h-Lauf. Es gibt aktuell nur 2 bestenlistenfähige 100-Meilenläufe in Deutschland, insofern kann es durchaus eine interessante Renntaktik sein, erst einmal mit schnellen 100 Meilen zu beginnen und dann mal zu schauen.

Details findet ihr in der Ausschreibung oder in Berichten der vergangenen Läufe. Immerhin richten wir im nächsten Jahr bereits ein kleines Jubiläum aus.

Startseite BUF: Link

Online-Anmeldung und Teilnehmerliste: Link

Text und Bild: Michael Irrgang, 29.11.2019

Was tut man, wenn man am Ende des Jahres feststellt, dass man für den nächsten UTMB nicht genug Qualifikations-Punkte hat, es aber keinen Lauf gibt, um sie noch zu erkämpfen? Logisch: Man organisiert selbst einen Lauf! So entstand aus einer Freundesgruppe um Michael Esser und Stefan Scherzer der Kobolt, der Koblenz-Bonn-Ultratrail. Damit er den Anforderungen für viele Punkte genügt, hat er viele Kilometer, viele Höhenmeter, aber wenige Versorgungspunkte. Seitdem haben es alle anderen ITRA-Punkte-Sammler einfacher, wenn sie am Ende des Jahres einen solchen Lauf suchen, denn der Kobolt findet seit nun mehr 10 Jahren regelmäßig statt und hat sogar im Laufe der Zeit kleine Geschwister bekommen, wie den Kleinen-Kobolt, der immerhin auch 99 km lang ist.

So ganz einfach ist das mit den Punkte-einsammeln aber immer noch nicht, denn zunächst muss man schnell sein, um überhaupt einen Startplatz zu bekommen, denn die Auflagen sehen nur ein begrenztes Teilnehmerfeld vor. Und einfach ist der Lauf ja nun auch nicht. Auf den Wegen liegen nicht nur jede Menge Laub über Steine und Matsch, sondern die meisten Teilnehmer nehmen die 15 Stunden Dunkelheit, die eine Spät-Novembernacht mit sich bringt, in voller Länge mit und wem schon einmal im ungünstigen Moment die Batterien ausgehen, kann sich nur wundern, wie dunkel es im Wald sein kann.

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Jonatahn Gakstatter, Christoph Janthur mit mir kurz vor dem Start. Voller Spannung standen wir nahe der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz und warteten auf den Start.

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Die Aussichtsplattform bot einen schönen Blick auf das Rheintal und die umliegenden Berge. Von den angemeldeten LG Ultralaufmitgliedern mussten einige leider kurzfristig wegen Krankheit absagen, dennoch waren auf den verschiedenen Strecken einige am Start. Da Abenteuer hin und wieder auch für manche selbst sehr erfahrene Läufer Schattenseiten bereithalten, nahmen nicht alle den gewünschten Weg ins Ziel. Wäre ja auch kein Abenteuer, wenn es zu einfach wäre, aber jedes DNF tut nun einmal weh, insbesondere wenn es mit einem lauten Knall plötzlich und unerwartet den Lauf abrupt beenden lässt, wie es bedauerlicherweise Thorsten Klenke passiert ist, der sich für den Kleinen-Kobolt entschieden hatte.

Zu dem Zeitpunkt war Christoph bereits aus dem Rennen, denn muskuläre Verhärtungen ließen keinen lockeren Lauf zu. Jonathan war flott unterwegs und stets recht weit vorne zu finden, auch wenn er die Spitzengruppe kurz nach dem Start aus den Augen verloren hatte. Tobias Krumm übernahm kurz vor dem ersten VP in Rengsdorf die Führung und baute sie kontinuierlich aus und gewann schließlich sehr souverän in einer fantastischen Zeit. Verfolgt wurde er von zwei Belgiern, die ungefährdet die nächsten Plätze belegten. Zum Schluss kam Jonathan bis auf 15 Minuten an die beiden ran und hätte sie möglicherweise überholt, hätte er sich nicht einige Wege genauer als notwendig angesehen. Aber kaum einer kam ohne Extrakilometer aus. Daher steht schon in der Ausschreibung 140 km, obwohl der Track doch nur 137km lang ist. Da ist es doch auch eine Frage der Ehre, die 140km voll zu machen.

Mein Plan lautet stets, mich nicht zu verlaufen – weil ich es mir bei meinem Trainingszustand schlicht nicht leisten kann, aber diesmal hat es auch mich ordentlich erwischt. Und zweimal total dämlich. Einmal an der gleichen Stelle, wie 2013, als ich zum ersten Mal am Kobolt teilnahm, kurz vor Hammerstein, wo eine Markierung „unklar“ ist. Das zweite Mal war auf meine reduzierten kognitiven Fähigkeiten zurückzuführen und war so überflüssig, dass ich mich darüber mehr amüsieren als ärgern kann. Zu Beginn des Siebengebirges, wo fürchterlich lange und steile Berge auf die bereits erschöpften Wanderer – von Läufer mag ich gar nicht mehr reden – warten, kam ich langsam in meine Heimatregion, also an Stellen, die ich schon oft gelaufen bin, allerdings fast immer in Nord-Südrichtung (also der anderen) aber seit 2013 nicht mehr. Der Weg zum Auge Gottes war so ein nie-enden-wollender Berg hin zu einer Kapelle, die Waldbesitzer zum Schutz vor Holzdieben erbauten mit der unmissverständlichen Drohung, dass Gott alles sieht. Dann kommt eine längere Passage, die selbst für mich noch gut laufbar war, weil es überwiegend bergab ging, aber dann kommt der Himmerich, der steil, steinig und matschig ist und den ich rauf wie runter einfach nur hasse. Unten war ein Wegekreuz und ich vergewisserte mich, den richtigen Weg zu wählen, allerdings übersah ich völlig, dass sich dieser nach 10 Metern teilt in einen steilen, steinigen und einen flachen asphaltierten Weg. Ich blieb auf dem asphaltierten und wunderte mich, dass sie mitten im Wald diesen Weg so schön gemacht haben und erfreute mich daran, dass er gleich auch viel weniger steil erscheint. Zweifel hatte ich nicht, sondern schaue ehe routinemäßig alle 10 bis 15 Minuten auf den Track. Nun waren die Wege auch noch so weit parallel, dass ich anfangs dachte, ich sei richtig! In Summe schätze ich, dass ich 1 km den falschen Berg hochgedackelt bin und dadurch ca eine halbe Stunde verloren habe. Ach ja, so früh am Morgen ist man halt seinen Träumen sehr viel näher als dem Verstand.

Aber irgendwann war ich dann auch auf dem richtigen Berg oben, habe die letzten Kilometer bewältigt und bin ins Ziel getrabt. Meine Zeit war sogar fast 30 Minuten schneller als 2013, was mich bei dem Trainingszustand und den Extrakilometern echt wundert.

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Nachts zu laufen, ist sicher nicht jedermanns Sache, aber mir gefiel die Strecke und die vielen Abschnitte mit Blicken auf den Rhein.

Diesmal war ich aber im Gegensatz zu damals bis auf den ersten 40 Kilometern überwiegend alleine unterwegs, also insbesondere die ganze Nacht. Das Wetter war prima. Nicht zu kalt, anfangs sogar etwas sonnig und nachts gab es nicht nur einen tollen Sternenhimmel und ein Feuerwerk in Bad Hönnigen, das alle Schnellen vermutlich nicht gesehen haben, sondern auch immer wieder fantastische Blicke auf den Rhein mit seinen niedlichen, romantischen Orten. Und die Verpflegungspunkte waren natürlich ach klasse. Nicht so oft, dass man sich daran gewöhnen konnte, aber immer da, wenn man sie brauchte und stets von supernetten Leuten betreut.

Insgesamt war es schon ein klasse Lauf und ich bin heilfroh, ihn gefinished zu haben. Die ersten 100km gingen recht gut, aber dann haben der Verstand und die Beine kollektiv stark nachgelassen, was die Lauffreude deutlich schmälerte.

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Für Frank Gehle, der auf der 73km-Strecke unterwegs war, war es ebenfalls ein lohnender Tag. Er startete den Versuch, ohne Navi den Weg zu finden, was leider etwas misslang. Nachdem er sich völlig verfranzt hatte, gab es nur noch die Chance, runter zum Rhein und dann ab nach Oberkassel, wo das Ziel war. Trotz einer hohen Zeitstrafe wurde er für seinen guten Lauf mit dem 3. Platz und einem Preis belohnt.

Ebenfalls erwähnenswert sind die Finishs von Katja Dasbach und Matthias Heinle beim Kleinen-Kobolt.

Gratulation allen Finishern und Mut-zur-Wiederholung für die, die das Ziel nicht erreichten. Thorsten war übrigens einer der ersten, die sich für den Lauf im kommenden Jahr registriert haben. Respekt zu dieser schnellen Entscheidung!

So gab es im Zielbereich und in den Tagen danach in den sozialen Medien sehr viele spannende Geschichten zu lesen, von Frust und Freude und den kleinen und großen Abenteuern auf dem Rheinsteig.

Text und Fotos: Michael Irrgang, 28.11.2019

 

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