Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Mittwoch, 19.4.2017 - Anreisetag

In Hinterstein im Hochallgäu fand vom 19. bis 23. April das 10. DUV-Trainingslager statt. Es hatte die Themen: Grundlagen des Ultralaufens, Trailrunning im Allgemeinen und die Vorbereitung zum Zugspitz-Ultratrail, wo in diesem Jahr die Deutsche Meisterschaft im Ultratrail stattfindet, im Besonderen.

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Präsentierte sich in dem kleinen Tal östlich von Sonthofen Ende März bereits der Frühling, so wandelte vor ein paar Tagen starker Schneefall und ein begleitender Kälteeinbruch die Gegend in eine traumhafte, winterliche Landschaft. Dies war so nicht gedacht, aber bis auf die Bergabläufe konnten wir aber alle geplanten Einheiten absolvieren.
Das Trainingslager war um einen Tag verlängert worden. Es ging vom Mittwochnachmittag bis zum Sonntagmittag, was einerseits Platz für viele wichtige Laufeinheiten auf alpinen Strecken, andererseits den Einbau neuer Elemente ermöglichte.
Obligatorisch war in der Einleitung die Aussage, dass man gutes Training daran erkennt, dass es Spaß macht, sowie das Spiel mit den gelben und blauen Bällen.

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Dieses Mal hatten wir allerdings etwas mehr Zeit und konnten so zusätzlich ein neues Bewegungsspiel ausprobieren. Dabei besteht durchaus die Chance, dass die Teilnehmer, die sich ja überwiegend nicht kennen, schnell zu einer Gemeinschaft verschmelzen, andererseits das Risiko, dass einige Teilnehmer das ein wenig komisch finden, denn diese Spiele kommen schließlich aus der Schülerleichtathletik.

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Hat aber alles - wie erwartet - wunderbar geklappt. Anschließend gab es die ersten Übungen zur Koordination: Gleichgewichtsübungen und den asymmetrischen Hampelmann. Auch vom mittlerweile einsetzenden Schneefall ließen wir uns nicht irritieren und beendeten den ersten schwierigen Praxisteil mit Seilspringen. Nach dem Abendessen gab es dann einen Vortrag mit einer Einführung in das Thema, in dem auch Organisationen wie die DUV, LG Ultralauf, DLV, IAU sowie die nationalen und internationalen Meisterschaften und die Ultramarathon-Bundesliga vorgestellt wurden.

Donnerstag, 20.4.2017 -  Techniktag

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Fritz Weidlich, ein ortsansässiger Vollblutsportler, unterstützte uns grandios bei unseren Vorhaben und führte die Gruppe der Frühsportler durch die verschneite Landschaft.

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Der erste ganze Tag ist traditionell der Techniktag, der wie bewährt mit einem kurzen Lauf vor dem Frühstück begann. Anschließend gab es die theoretische Einführung in das Athletiktraining, um zunächst einmal eine Motivationsgrundlage herzustellen und die Konzepte verschiedener Trainingsformen vorzustellen.

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Danach folgte der ausführliche Praxisteil, der mit einem Speed-Aufwärmprogramm à la Tabata begann und viele Übungen nach Butz und MaxxF, aber auch zahlreiche, weitere, wichtige Übungen enthielt. Nachmittags gab es bei einem ähnlichen Ablauf zunächst eine Einführung in die typischen Trainingselemente der Trailrunner gefolgt von einem Praxisteil. Im Praxisteil wurde dann außerdem die verschiedenen Techniken vorgestellt, wie man am besten berghoch, bergab und mit Stöcken läuft.

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Mit Simone Philipp hatte uns dabei eine erfahrene Trailläuferin unterstützt, die seit ein paar Jahren in der Trailrunning-Nationalmannschaft läuft. So ganz nebenbei gab es noch Erklärungen zum Dehnen und Mobilisieren und die Unterscheidung zwischen Vorfuß- und Mittelfußlauf. Begriffe, die ebenso häufig verwendet wie missverstanden werden.

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Da das Wetter schön und zum Essen noch etwas Zeit war, hatten wir spontan noch ein kleines, sportliches Spiel auf der Wiese vor dem Hotel in die Agenda eingefügt.

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Abends berichteten dann Anton Philipp (Dodo) und Simone von verschiedenen Trailrunningerlebnissen unter anderem von einer spontanen Montblanc-Besteigung und einer Ultratrail-Weltmeisterschaft und begeisterten damit die Zuhörer.

Freitag, 21.4.2017 -  Treppentraining und langer Lauf

Der Freitagmorgen brachte dann für die Teilnehmer die erste Rückmeldung des Körpers über muskuläre Defizite in Form von Muskelkater und Verspannungen, doch ein Erholungstag war leider nicht vorgesehen, stattdessen ging es nach Oberstdorf zum Treppentraining. Da es unglaublicher Weise in ganz Hinterstein keine Treppe gibt, mussten wir uns nach einer Alternativ umsehen und fanden sie an der Skisprungschanze, die man von der Vierschanzentournee kennt.

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Die Auflage war, dass wir sie selbst von Schnee und Eis befreien mussten, was gar nicht so einfach war. Nach einer etwas unorthodoxen Anreise waren wir schließlich fast alle vor Ort, bereiteten die Treppe vor und nutzten zum Aufwärmen einige Übungen des klassischen Lauf-Abcs sowie einfache Übungen zur Mobilisierung. Irgendwann war der eine Spaß zu Ende und der andere Spaß begann.

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Jetzt wurde gelaufen, auf einem oder zwei Beinen gehüpft und gesprungen, eine Stufe oder zwei Stufen, als Prellsprung oder Froschsprung, vorwärts oder seitwärts. Fast das ganze Programm des Treppentrainings! Ich hatte mir viele Übungen herausgesucht und alle machten begeistert mit. Hatten wir im Übungsteil etwa auf der Hälfte umgedreht, so liefen wir als letzte Übung einmal nach ganz oben – 40 Höhenmeter auf gefühlt 1.000 Stufen. Den maximalen Puls zu spüren ist immer wieder eine besondere Erfahrung, die ich den Teilnehmern unbedingt ermöglichen wollte! Damit war aber auch der Kraft- und Koordinationsteil für das Wochenende beendet.

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Nach einer kurzen Mittagspause auf der Sonnenterasse des Gasthauses bildeten sich zwei Gruppen. Die eine wollte die 25 km zurück nach Hinterstein laufen, die andere wollte vor Ort eine kleine Runde laufen und dann zurückfahren.

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Ich war in der ersten Laufgruppe, die von Dodo geführt wurde und zunächst auf einem Radweg durchs Tal, aber dann in die Höhe verlief, wo wir eine tolle Winterlandschaft genießen konnten. Der Wetterbericht hatte für Freitag 13 Sonnenstunden vorhergesagt und so kam es auch! Es war ein Traum! Nach viereinhalb Stunden kamen wir erfreut und erschöpft wieder im Hotel an.

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Bereits morgens vor der Abfahrt zum Treppentraining gab es einen einleitenden Vortrag zum Thema Ernährung, in dem ich Grundlegendes zum Energiebedarf und der Energiebereitstellung erläuterte. Wieviel Energie braucht man bei einem Ultratrail und wieviel sollte man während des Wettkampfes essen und trinken, waren die entsprechenden Fragen. Spätestens bei Wettkämpfen mit Teilautonomie sollte man hier einigermaßen genau Bescheid wissen.

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Abends gab es dann von Thomas Porstner einen weiteren Vortrag zum Thema Ernährung, der von den Lehren von Dr. Bruker handelte und im Kern den Zusammenhang zwischen Ernährungsfehler und Zivilisationskrankheiten herstellte. Für Leistungssportler sind die Aussagen sehr wichtig, um den Körper nicht unbedacht und unnötig zu belasten.
Trailrunner zu sein, heißt auch privilegiert zu sein, längere Strecken im Gelände zurückzulegen und die Natur auf einzigartige Weise zu erleben. Beispielhaft zeigte Dodo abends dann Bilder von einem Lauf über den berühmten Wanderweg GR20 auf Korsika und berichtete von dem Laufabenteuer auf der Insel.

Samstag, 22.4.2017 -  Zwei lange Läufe

Der Samstag ist üblicherweise der Tag des langen Laufes mit einer kleinen Picknickunterbrechung. Diesmal sollte um 22 Uhr noch eine dritte, mehrstündige Laufeinheit erfolgen, um einerseits Laufen mit Vorermüdung und andererseits einen Testlauf mit Stirnlampe anzubieten. Natürlich ist es nicht für jedermanns persönliche Ziele erforderlich, so viel an einem Tag zu laufen, insbesondere nachts. So war vormittags auch eine Wandergruppe vorgesehen und der Nachtlauf war sowieso optional. Da jedoch ein Wetterumbruch mit Regen vorhergesagt war, beschlossen wir am Vortag, vormittags etwas länger zu laufen und nachmittags gar nicht. Diese Lücke wurde mit einem schönen Film über einen privaten Lauf auf dem Walserweg und eine Diskussion zum Thema Regeneration schnell gefüllt.

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Etwas überraschend war die Größe der Läufergruppe. Obwohl die meisten von den technischen Übungen gezeichnet waren, wollte sich kaum einer die große Runde um Hinterstein entgehen lassen, die uns Manfred Berkhold (untere Reihe, 2. Person von links) zeigte.

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Nach dem Lauf sprangen wir noch kurz ohne oder auch mit Schuhen in ein Kneippbecken, was einige Wanderer irritiert blicken ließ, uns jedoch sehr gut gefiel.

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Fritz Weidlich bekam für seine großartige Unterstützung als Andenken an dieses Wochennde nicht nur den original LG Ultralauf-Buff, sondern noch ein kleines Geschenk.

IMG 7477bSpäter am Nachmittag gab es von Dodo und Simone einen informativen Vortrag zum Zugspitzultra. Hier ging es um Informationen zur Strecke, zur Ausrüstung, zur Versorgung und andere Details. Spannender Inhalt, sehr interessant vorgetragen – für alle ein Highlight des Wochenendes.

Eine der neuen Elemente sollte die Wartezeit bis zur Nachteinheit überbrücken. Ich wollte einmal das Thema „Laufen“ verlassen und hatte ein weiteres Gruppenspiel vorbereitet. Es gab drei Gruppen. Eine musste einen Begriff pantomimisch darstellen und die anderen ihn erraten. Das war sehr witzig und wir haben so gelacht!

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Hier präsentiert eine Gruppe die Sportart "Rhythmische Sportgymnastik".

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Mittlerweile hatte der Regen eingesetzt, es war stockdunkel, die Wege durchweicht, teilweise mit Schnee oder Matsch bedeckt und natürlich teilweise rutschig. Es hätte viele Gründe gegeben, den ursprünglichen Plan zu verwerfen, aber andererseits waren genau diese Rahmenbedingungen ein mögliches Szenario, was die Läufer an der Zugspitze erwarten könnte. Und so stand dann auch eine Elfergruppe pünktlich bereit, um das Umland von Hinterstein bei Nacht kennenzulernen. Die kompletten drei Stunden liefen allerdings nur 3 ganz Harte.

Sonntag, 23.4.2017 -  Taktik & Training

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Der morgentliche Blick vom Balkon.

Für den Sonntag hatte ich kaum mit Teilnehmern am Morgenlauf gerechnet und hatte daher als Besonderheit versprochen, die Laufeinheit mit Crossfitübungen zu würzen.

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Für einige war die Nacht nur wenige Stunden lang, aber trotzdem standen viele Teilnehmer am Start und tauschten zunächst ihre Wehwehchen aus. Das Wetter war trocken und der Schnee im Tal fast gänzlich weg. Vermutlich wussten die Teilnehmer nicht genau, was sie erwartete, denn regenerativ war dieser Lauf gewiss nicht: Nach 5 Minuten gemütlichem Laufen, gab es eine einminütige, hochintensive Übung, die im ausgeruhten Zustand schon für Muskelkater gesorgt hätte. So wurde nochmals kräftig gehüpft, Steine gestemmt und einzelne Muskelgruppen trainiert. Unglaublich, mit welcher Begeisterung und Motivation die Teilnehmer sich noch einmal ins Zeug legten und dabei noch fröhlich lächeln konnten!

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Bis zum Ende der Veranstaltung gegen Mittag folgte noch ein abschließender Vortrag über die Taktik bei verschiedenen Ultratrailveranstaltungen sowie Beispiele für das zugehörige Training.
Vor dem abschließenden Mittagsmenü gab es die Feedbackrunde mit einer super Rückmeldung aller Teilnehmer.
Man kann die Trainingslager-Veranstaltungen immer schlecht vergleichen. Vieles hängt ja auch vom Haus, dem Essen und dem Wetter ab, aber natürlich auch von den Teilnehmern und Referenten. Simone und Anton Philipp haben als Referenten und Vorläufer uns ebenso erstklassig unterstützt wie Fritz Weidlich, der alle Laufstrecken ausgearbeitet hatte. Manfred Berkhold, Sportreferent des Ortes, wollte am Mittwoch eigentlich nur ein Grußwort des Bürgermeisters überbringen, sprang aber sofort ein, als für Samstag noch ein Vorläufer gesucht wurde und kam sogar spontan am Sonntag zum Morgenlauf vorbei. Vielen Dank allen Helfern an dieser Stelle!
Es war einfach fantastisch, wie sehr sich alle eingebracht haben, wie motiviert alle Teilnehmer sowohl bei den schwierigen und anstrengenden Übungen, bei den vielen Läufen aber auch bei den lustigen Spielen mitgemacht und sich an den Diskussionen beteiligt haben. Das Trainingslager in Hinterstein war vermutlich das, in dem am meisten gelacht wurde und wo es in der Tendenz den größten Muskelkater gegeben hat.

Text und Bilder: Michael Irrgang, 25.4.2017 

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