Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Manchmal gibt es schöne Zufälle, aus denen sich wunderbare Geschichten ergeben. Etwa vor 10 Monaten fragte eine Stefanie Felgenhauer nach, ob die LG DUV nicht bei der Organisation eines neuen Laufes in Bodenmais mitwirken könne. Die peinlichen Wissenslücken, wer Steffi ist und wo Bodenmais liegt, wurden ruckzuck geschlossen und Steffi schwärmte damals so sehr vom Bayerischen Wald, dass spontan beschlossen wurde, dort das nächste Trail-Trainingslager zu machen. Ein Glücksgriff wie sich bereits in der Vorbereitung herausstellte und später vor Ort bewahrheitete.
Die Vorbereitung lief perfekt und schon war die Woche gekommen. Die Teilnehmer reisten aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz an. Sie hatten im Vorfeld ein Profil mit Bild erstellt, welche wir in unserem Gruppenraum zu einer großen Tapete zusammenfügten.
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Nach einer kurzen Programmeinführung und Vorstellrunde gab es das Abendessen, welches uns die Vorteile energiezehrenden Trainings deutlich vor Augen führte. Das Essen war schon außergewöhnlich gut - kann man nicht anders sagen. Nach der üppigen Mahlzeit wurde aufgrund des Regens auf das übliche Kennenlernspiel mit den blauen und gelben Bällen verzichtet. Es sollten die letzten Tropfen des Wochenendes sein. So begannen wir mit einer kurzen Einführung in den Begriff „Koordination“ und ein paar Übungen. Der Gruppenraum war für diesen Zweck nicht optimal, aber gut genug.

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Beinahe spielerisch locker tanzten die Teilnehmer über die Markierungslinien und nutzten nach Stunden des Sitzens diese interessante Gelegenheit zum Austoben. Nun waren die Leute wieder hellwach, um den ersten Fachvortrag zu hören. Es ging um Elementarfragen: was ist Training, was ist das Spezifische am Ultramarathontraining, was ist „gutes Training“, wie kann man Trainingserfolg in Leistungsdiagnostiken und Trainingsergebnissen erkennen. Die Veranstaltung war als Grundlagenveranstaltung ausgeschrieben und so erklärte ich ebenfalls die Struktur der Szene, wer die DUV, die LG DUV, der DLV, die IAU und die ITRA ist, was für Meisterschaften es gibt und wie man zur Weltmeisterschaft kommen kann. Es wurde ein langer Abend und am Ende war ich ziemlich heiser.
Am nächsten Morgen ging es bereits um 7 Uhr zur ersten Laufeinheit los: Einmal auf den Gipfel des Silberberges und zurück. Die Sonne schien bereits von einem wolkenlosen Himmel und alles - inklusive Wetterbericht - deutete auf einen wunderschönen Tag hin.
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Nach dem Frühstück wurde zunächst draußen das Ballspiel des Vortages nachgeholt, weil es bisher in jedem der mittlerweile acht DUV-Trainingslager gespielt wurde und einfach nur Spaß macht und in hohem Maße Aufmerksamkeit und Koordination schult. Auch eine klitzekleine Übung mit Springseilen wurde außerplanmäßig eingefügt.

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Danach ging es aber wieder in den Gruppenraum und die nächste Theorieeinheit stand an: Athletiktraining – was es ist und warum man darauf, insbesondere als Trailläufer nicht verzichten kann, gefolgt von einem anstrengenden, praktischen Teil, bei dem Trainingsansätze verschiedener Autoren ausprobiert wurden. Nach zwei Stunden fordernder Aktivität gab es noch einen kurzen Vortrag, in dem typische Laufeinheiten eines Trail-Trainings vorgestellt wurden, denn nachmittags sollte der praktische Teil folgen.
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Hier waren die Referentinnen Elke Hiebl und Steffi Felgenhauer natürlich in ihrem Element und erklärten viele nützlich Details der Trail-Running-Technik. Leki hatte Laufstöcke zur Verfügung gestellt, um den Teilnehmern erste eigene Erfahrungen zu ermöglichen. Die Strecken rund um den Silberberg boten verschiedene Steigungen und technische Schwierigkeiten, so dass jeder die verschiedenen Stockeinsatzformen ausprobieren konnte. Bei herrlichem Wetter war diese Einheit gleichermaßen lehrreich, wie anstrengend, denn auch die erwähnten Bausteine vom Morgen wurden einmal ausprobiert, von kurzen Bergsprints bis zu den Bergab-Bergauf-Einheiten.
Da bis zum Mittag noch etwas Zeit war, gab es ein paar nette, auch ungewöhnliche Dehnübungen.
20160429 162948Nachdem wir tagsüber von den Erfahrungen von Steffi und Elke etwas lernen konnten, gestalteten die beiden auch den Abend, in dem sie von sich, ihrem Training und ihren Erfolgen berichteten. Die beiden waren so bescheiden, so cool, so unterhaltsam – es war ein toller Abend.
Am Samstag stand der lange Lauf an. Zum Arber sollte es gehen. Sind wir in der Vorbereitung davon ausgegangen, dass es bei schlechtem Wetter Minus 10 Grad bei Wind und Schneetreiben werden könnte, so war eher der schlecht ausgerüstet, der die Sonnenbrille und die Sonnenmilch nicht im Rucksack hatte.
Wir hatten uns mit der örtlichen Laufgruppe verabredet und liefen in zwei großen Gruppen auf verschiedenen Wegen über den kleinen Arber zum großen Arber, der mit über 1400 Metern der höchste Berg Deutschlands nördlich der Alpen ist.
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Bei sommerlichen Temperaturen ging es teils durch knöcheltiefem Schnee, anfangs bergauf, auf dem Rückweg überwiegend bergab. Ein Laufgenuss! Dabei liefen wir teilweise auf dem Goldsteig Wanderweg, teilweise auf den Wettkampfstrecken Lamer Winkel und Arberultratrail.
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Zurück am Hotel gab es ein sehr entspanntes Picknick auf der Hotelwiese.
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Für manche, für die einige Übungen vom Vortag Nachwirkungen zeigten oder die tendenziell eher die langsame Gangart bevorzugen, boten wir eine mehrstündige Wanderung an, bei der Anja Schneider wunderbar einige Sehenswürdigkeiten der Gegend verband.
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Mit großer Begeisterung kam die Gruppe nach über 4 Stunden Wanderzeit zum Hotel zurück.
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Erstmalig gab es eine Einheit Yoga in einem Trainingslager. Hier hatte Elke die Spezialistin Heidi Seitz vermittelt, die gekonnt in die Atmung und Dehnung einführte und einige Übungen mit uns „versuchte“. Auch hier kam der Spaß nicht zu kurz, wie hier bei einer Partnerübung.
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Dass Anja nicht nur eine gute Läuferin und ortkundige Wanderführerin ist, ahnten, bzw. wussten wir bereits. Abends berichtete sie dann in einem sehr informativen Vortrag über die Ernährung im Ausdauersport.
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Fast vollzählig erschien am Sonntag bereits wieder um 7 Uhr die Gruppe zum morgendlichen Lauf, denn eingebettet in diese 90 Minuten-Einheit war ein etwa halbstündiges Treppentraining.
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Ja, ja, da staunt der Löwe von der Silberbergbahn! Treppentraining vor dem Frühstück am 4. Tag eines Trainingslagers? Das ist so wenig optimal, wie ein Berg nach 100 km. Aber es war unglaublich, mit welcher Motivation und Willenskraft die Gruppe die Stufen hochsprang!
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Es gibt ungefähr 20 verschiedene Übungen, welche Kraft und Koordination bei geringer orthopädischer Last schulen. Diese Trainingseinheit ist Trailläufern sehr zu empfehlen, denn die Übungen bringen nicht nur Abwechslung ins Training, sondern können auch durchaus Spaß machen – selbst, wenn man schon vorher eine deutliche Ermüdung in den Beinen verspürt.
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Elke Hiebl, unsere gute Seele der Veranstaltung. Sie war bereits im Vorfeld des Wochenendes sehr aktiv, hat uns bei allen Läufen wunderbar und aufmerksam geführt, hat uns an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lassen und bildete mit Steffi ein tolles Team vor Ort.
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Zwischen Frühstück und Mittag passte noch genau eine Theorieeinheit, in der konkrete Trainingspläne für den K78 in Davos und den ZUT 80 an der Zugspitze vorgestellt wurden, denn letztgenannter Lauf wird die Ultratrail DM-Strecke 2017 sein. Auch Trainingsstrukturen, Taktikplanung und Methoden zur Zeitplanung wurden angesprochen. Schließlich gab es noch eine Fragestunde. Hier wurden Blasen, Rucksäcke, wasserdichte Socken und vieles mehr diskutiert und noch einmal ein paar Übungen für den Rücken und das ISG-Gelenk vorgestellt, bevor die Abschlussrunde begann und jeder sein Feedback geben konnte. Wieder einmal hat es allen sehr gut gefallen: Die Theorie, die Praxis, die Laufeinheiten, die Gegend, die Leute, das Wetter, das Essen, die Organisation – einfach alles!
Viele von uns werden uns wiedersehen. Spätestens in Bartholomä, wenn im Oktober das Aufbau-Trainingslager stattfindet. Es waren wunderschöne Tage in Bodenmais; ein wenig anstrengend, aber sehr motivierend, lehrreich, interessant und wiederholenswert.

Videobericht eines Teilnehmers abspielen

Teilnehmer und Referentinnen:

Weitere Bilder:

Text: Michael Irrgang, 3.5.2016

Bilder: Michael Irrgang

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