Coesfelder Ultraläufer Heinrich Dreier durchquert England von der Irischen See bis zur Nordsee

Der römische Kaiser Hadrian ließ um 125 n.Chr. einen befestigten Wall aus Steinen, Erde und Holzbefestigungen an der Grenze des Römischen Reiches zu Schottland errichten. Dies ist die schmalste Stelle der britischen Insel, nur etwa 120 km breit. Alle 700 Meter waren Türme für Wachen integriert, alle 15 km ein kleines Kastell.

Nur an wenigen Toren wurde der Durchlass und Warenverkehr zwischen England und Schottland kontrolliert. Außerdem wollte man die feindlichen Scoti abhalten, die immer wieder Überfälle in die römische Provinz unternommen hatten. Dieser Wall erstreckt sich von Carlisle nahe der Irischen See bis Newcastle upon Tyne an der Nordsee.

Die Länge beträgt über 120 Kilometer, die höchste Erhebung wird mit 384 m angegeben. Die Bauzeit betrug etwa 5 Jahre, Legionäre und einheimische Arbeitskräfte verrichteten diese Bauarbeiten, Sklaven kamen nicht zum Einsatz. Heute sind große Teile des Walls erhalten, es gibt Ausgrabungen und einige Museen, die über den Hadrianswall informieren.

Seit 11 Jahren gibt es einen Ultramarathonlauf über einen Großteil der Strecke, 70 Meilen, bzw. 113 Kilometer mit knapp 2000 Höhenmetern gilt es zu überwinden. Der Lauf, in UK als „The Wall“ bekannt, gilt als der ikonischste Ultramarathon im Vereinigten Königreich. So ist in den letzten Jahren auch die Zahl derer, die diesen Lauf absolvieren wollten stetig gestiegen. Überwiegend Briten aus allen Teilen des Landes, aber auch eine kleine Zahl an Ausländern sucht diese Herausforderung.

Angemeldet waren 2200 Läuferinnen und Läufer, gefinished haben 1299. Dreier belegte Rang 751 und war zweitältester Läufer auf der Strecke, in der Altersgruppe konnte er den ersten Platz erringen. Bei Läufen dieser Art geht es weniger um Platzierungen, sondern vielmehr ums Ankommen. Im Französischen heißt diese Art Sport auch „style libre“, was man mit „Freistillaufen“ übersetzen kann. Bei der Strecke mit diesem Höhenprofil galt es auf schlammigen mit Geröll übersäten Pfaden über Wiesen zu laufen und über Weidezäune und Mauern zu klettern, auf „Singletrails“ durch Waldstücke und über offene Landstraßen zu laufen.

Am Tag vor dem eigentlichen Renntag erfolgte in Carlisle die Registrierung und die Überprüfung der Pflichtausrüstung, die für diesen Lauf vorgeschrieben war: Laufrucksack, Trillerpfeife, Verbandpäckchen, Notfallbag, Regenhose, Regenjacke, Handschuhe, Elektrolyte, Gels und Energieriegel, Stirnlampe mit Ersatzbatterien, mindestens 2 Liter Wasser, Handy, Powerbank, warmes Shirt zum Wechseln oder Überziehen, insgesamt knapp 5 Kilogramm. Der Coesfelder hatte im Vorfeld schon einige Trainingsläufe mit Gepäck unternommen, um sich an eine andere Art des Laufens zu gewöhnen. Übrigens wurde bei einem Verpflegungsstand bei Kilometer 70 noch einmal die gesamte Ausrüstung kontrolliert. An diesem „pitstop“ wechselten etliche Ultras Schuhe und Socken, da bekam man manche wunde Stelle oder gar rohes Fleisch zu sehen.

Heinrich Dreier ist ein erfahrener Ultraläufer, der vielerlei Ausrüstung bei seinen Läufen ausprobiert hatte. So konnte er sich im Ziel darüber freuen, keine Blase, keine wunde Stelle und auch keinerlei Schmerzen in den Gelenken oder der Muskulatur zu verspüren. Am nächsten Tag fielen die Museumsbesuche in Newcastle upon Tyne allerdings etwas langsamer aus.

Die Strecke führt am Hadrianswall entlang von Carlisle in Cumbria nach Newcastle upon Tyne in Northumbria; an der Millenniumsbrücke dort ist das spektakuläre Ziel. Ca. 60% sind Straßen, 40 % aber auch Trailstrecken mit zum Teil sehr ruppigen Anstiegen oder unangenehmen Downhillpassagen. 5 große Verpflegungsstellen, sogenannte „pit stops“ und drei zusätzliche Wasserstellen boten alles, was des Läufers Herz erfreut. Die Verpflegung war sehr vielfältig und üppig. Bei Kilometer 100 gab es warme Suppe; gegen 23 Uhr wurde es empfindlich kalt. Dreier war froh, dass zur Pflichtausrüstung auch Handschuhe gehörten.

Fazit nach 19 Stunden und 4 Minuten: Geschafft aber glücklich und sehr zufrieden mit der Teilnahme am „most iconic Ultramarathon in UK“.

Hier noch einige Impressionen:

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