Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Zum dritten Male bin ich nun beim Mauerweglauf, das hat gute Gründe.

Seit ich ins Ultralaufen eingestiegen bin - eben vor ca 3Jahren, hat mich die Geschichte dieses Laufes fasziniert. Die Erinnerung an dieses traurige Stück deutscher Geschichte wachzuhalten und in dieser Form, auf den Pfaden der ehemals trennenden Mauer um Westberlin herum zu laufen. Genau sind das 161,9km, der Begriff 100Meilen (sind minimal weniger) ist natürlich griffiger. Wer mit dieser Geschichte nicht so viel anfangen kann, der sollte sich einmal eine der jährlichen Reden von Rainer Eppelmann anhören, Schirmherr dieser Veranstaltung. Genau Er gehört dahin, weil Er anhand von eigenen Erlebnissen und dem Alltag der Menschen in der ehemaligen DDR (in diesem Jahr benutzte Er den treffenden Begriff "Leibeigene") sehr gekonnt vermitteln kann, wie sich das anfühlen musste und das Bewusstsein dafür schärft. Ich hatte bei der Siegerehrung auf der Bühne ganz kurz die Gelegenheit Ihm das mitzuteilen.

Doch auch andere Pluspunkte zählen für mich. Eine geradezu perfekte Organisation, mit einer Verpflegung und Betreuung, die eigentlich keine Wünsche offen lässt. 28 VPs auf den 162Km, fast alle mit Dixiklos ausgestattet, die Freundlichkeit der Helfer, die medizinische Betreuung und selbst die Pasta-Party am Vorabend sind unvergleichlich. So komme ich jedes Jahr gerne wieder zu diesem besonderen Rennen.

In diesem Jahr freut mich ganz besonders, daß so viele LG Ultraläufer am Start stehen, vielleicht hat ja mein Schwärmen für diesen Lauf etwas dazu beigetragen. Unser Sportwart Michael Irrgang hatte ja ein Projekt: "Zielzeit 23:45Std" am Laufen und erfolgreich verwirklicht, doch dazu gibt es ja seinen Bericht.

Ich treffe am Freitagnachmittag in Berlin ein und kann mit meinem Lauffreund Klaus Mantel (vielen als "Schauläufer" bekannt) ein Zimmer im H2/H4-Hotel beziehen - das Laufhotel, dort finden alle Veranstaltungen zum Mauerweglauf statt. Schnell habe ich mich registriert und meine Startunterlagen (incl. der 4 Dropbags) erhalten. Bis die Pasta-Party und das anschließende Briefing beginnt, entspanne ich noch ein wenig und bestücke meine Dropbags mit Wechselschuhen bzw. Laufkleidung, Gels, Nachtausrüstung und dergleichen mehr. Es gibt drei große Wechselstationen für Viererstaffeln und da werden diese Beutel deponiert, der letzte dann fürs Ziel, was man dort so braucht (z.B. Duschsachen).

MWL R1

Viele alte Lauffreunde treffe ich nachher beim Essen und seit ich so viel bei den Ultras unterwegs bin, kennen mich immer mehr dieser Spezies und ich werde entsprechend begrüßt, z.B. : Du warst doch erst beim Deutschlandlauf und nun schon wieder hier? Ich grinse und antworte: Ich kann doch meinen Lieblingsultra nicht sausen lassen!

Das Essensangebot ist, wie üblich üppig und sehr schmackhaft, selbst an leckeres Dessert ist gedacht. Auch die ersten Vereinskameraden vom Team entdecke ich und begrüße Sie herzlich. Beim anschließenden Briefing werden Details zur Strecke und Veranstaltung vermittelt, kurzfristige Änderungen bekanntgegeben und auf Nachfragen geantwortet. Für mich bei der 3.Teilnahme nichts Aufregendes, das der Lauf dieses Mal wieder gegen die Uhrzeigerrichtung verläuft ist nix Neues für mich (die Laufrichtung wechselt jährlich). Interessant sind die Wettervoraussagen, es soll keineswegs heiß werden, kann aber z.T. leicht regnen - also alles Bestens!

Nachdem wir am Abend noch entspannt haben, zur Ablenkung etwas Leichtathletik-WM geguckt, aber nicht so reichlich und gut geschlafen (durchaus üblich), ist für Klaus und mich um 4Uhr die Nacht rum. Wir möchten mit dem ersten Shuttlebus um 4:45Uhr vom Hotel zum Jahn-Sportpark am Prenzlauer Berg fahren. Dort gibt es für alle Sportler ein kostenloses und reichhaltiges Frühstück - TOLL! Ein großes Hallo an alle mir bekannten Läufer, immer wieder entdecke ich Einen. Um 5:45Uhr werden wir ins Stadion und auf die Laufbahn gelassen. Die Spannung steigt, alle wissen was die nächsten ca 20-30Std (das ist die Cut-Off-Zeit) angesagt ist: rund um Berlin rennen und ankommen.

MWL R2

Punkt 6Uhr geht es los mit einer ersten Runde im Jahn Sportpark, jede Menge Presse ist vor Ort und begleitet uns auf den ersten paar hundert Metern. Das Feld noch dicht beieinander, zieht sich doch mit jeden KM durch die Stadt schnell auseinander, dazu tragen schon die Fußgängerampeln bei. Man hat uns nachhaltig davor gewarnt diese zu mißachten, man kann sofort disqualifiziert werden.

Ich weiß um die Bedeutung der ersten KM bei 100Meilen, man versucht seinen Rhythmus zu finden, Vertrauen in die eigene Stärke und ausloten, was ist heute möglich? Doch etwas stört mich bei meinen Gedanken, es ist in meinem Bauch, wohl dem reichhaltigen Frühstück geschuldet, denn ich war zwar auf der Toilette, doch eben nicht lange genug. Als ich den 2.VP ansteuere hat sich das Ganze gelegt und als ich sehe am Dixie stehen drei Läufer Schlange, laß ich das Mal. Ein verhängnisvoller Fehler, wie sich das 2Km später bemerkbar macht. Da mir dergleichen selten passiert, habe ich keine "Notausrüstung" bei mir. Mein Auge kreist, die Umgebung würde ja passen, ich entdecke eine Radfahrbegleiterin, die mir reichlich Gepäck unterwegs ist. Sie könnte das Passende dabeihaben, Sie überreicht mir ein halbes Päckchen Taschentücher - Rettung in höchster Not, ich bedanke mich und verschwinde für einige Minuten hinter Bäumen und Büschen. Nun versuche ich verlorene Minuten wieder herein zu holen. Weil das Gelände es zuläßt und ich gut drauf bin, gelingt es mir teilweise. Leichter Sprühregen ist unser Begleiter und das stört höchsten die Begleiter bzw. Zuschauer. Doch eine Std. später wird der Regen stärker und nasse Schuhe, glitschigen Untergrund und verschwindende Markierungen mögen die Mauerwegläufer nicht. Doch gegen Mittag ist das vorbei, die Wege trocknen rasch und mancher Schuhwechsel ist nicht mehr nötig.

MWL R3

Die nördlichsten Punkte von Berlin sind rasch erreicht und bei KM33 auch schon der 1.Wechselpunkt: Ruderclub Oberhavel. Hier besteht die Möglichkeit sich aus seinem 1.Dropbag zu bedienen. Ich benötige nur zwei Salztabletten und nehme ein zusätzliches Gel gleich zu mir, die restlichen verbleiben im Trinkgurt. Schnell bin ich wieder draußen und nehme Fahrt auf, bin mit 5:50-6:30min pro KM unterwegs - so wird das nicht lange bleiben. An den VP's verbringe ich meist doch 2-3min, 100Meilen dauern lange und da sollte man doch einiges zu sich nehmen, so meine Erfahrung. Die leicht kühle und etwas feuchte Witterung bedeutet für mich, ich schwitze weniger, doch dafür brauche ich gelegentliche Pinkelpausen (sonst fast nie). Alles läuft noch im grünen Bereich und als wir nun langsam den südwestlichen Bereich der Berliner Seenplatte erreichen, sehen wir öfter mal die Sonne durch die dichten Wolken, auf die Temperatur hat das wenig Einfluß. Ich erreiche den süd-westlichen Bereich des Mauerwegs, hier befindet sich bei KM71 der 2.Wechselpunkt, Schloss Sacrow (gleichzeitig VP12). Wiederrum benötige ich nur ein paar Gels aus meinem Dropbag, der Rest geht komplett zurück, für eine vorsorglich deponierte Taschenlampe ist es um 13:33Uhr definitiv zu früh. Es geht noch eine Schleife nach Westen um den Krampnitzsee herum und ich freue mich nun auf den VP14 Brauhaus Meierei, da hier leckeres Bier ausgeschenkt wird – mal was anderes, nicht ständig Wasser, Iso, Cola und dergleichen. 3 kleine Becher gönne ich mir, dann weiter östlich und ich streife den Norden von Potsdam.

Noch immer rollt es gut bei mir, wenn auch natürlich die Frische und Fitness nachlässt, immerhin peile ich die 100Km an. Bei 103Km ist der 3.große Wechselpunkt (gleichzeitig der Letzte) erreicht. Hier habe ich mindestens 15min Aufenthalt einkalkuliert, da die komplette Nachtausrüstung benötigt wird. Warnweste, Stirnlampe ist Pflicht, ich wechsle meine Kopfbedeckung (mit Signalfarbe), Reserve-Taschenlampe und Armlinge nehme ich mit, ich beschließe mit den gleichen Schuhen die 100Meilen zu beenden. Zudem besuche ich kurz die Waschräume und Toilette in der Turnhalle Teltow. Als ich kurz nach 18Uhr aufbreche habe ich ziemlich genau noch lange 60Km vor mir.

Noch kann ich ohne Licht laufen, doch die Dämmerung schleicht an und gleichzeitig die Müdigkeit in den Körper, die Pace wird langsamer, doch damit habe ich gerechnet. Als die Hauptlaufrichtung Norden wird, ist es Zeit die Kopflampe einzuschalten – noch etwa ein Marathon liegt vor mir und es ca. 20:30Uhr. Ich laufe nun bewusst langsamer, um die Kräfte zu schonen, das Ziel unter 24Std sollte locker erreicht werden.

Über den VP22 Rudow komme ich dann auf ein Streckenstück, das mir bei meiner Mauerwegpremiere 2015 in negativer Erinnerung blieb. Man läuft KM-weit zwischen dem Teltowkanal (links) und der A113 (rechts) im Dunkeln, außer gelegentlicher Graffitis gibt’s dort nix zu sehen, auch das ist der Mauerweg. Irgendwann taucht ein zusätzlicher Lichtpunkt auf, der noch längst nicht erreicht wird, es ist der VP Johannisthaler Chaussee KM136,3. Bevor ich den erreiche, taucht mein Lauffreund Klaus taucht hinter mir auf, ich habe Ihn am Schloss Sacrow wohl überholt, nun laufen wir gemeinsam viele KM, mal mit mehr, mal weniger Abstand. Ich lege erste Gehpausen ein, Klaus macht es ebenso. Wir veranschlagen schon mal eine Ankunftszeit zwischen 2-3Uhr am Morgen, das würde bedeuten deutlich unter 24Std und doch denke ich mir eigentlich könnte mehr drin sein, doch die Kräfte schwinden, was ja auch an der geringen Regenerationszeit seit dem Deutschlandlauf liegen mag (letzte Etappe war am 03.August). Wir laufen/gehen gemeinsam auf die Partymeile in Kreuzberg und Friedrichshain zu. Vor 2Jahren habe ich erlebt, wie schwierig dort das Durchkommen und Markierung finden sein können. Heute ist das Wetter wesentlich kühler und nicht so viele Menschen unterwegs, das erleichtert die Sache etwas. Wir passieren die East Side Gallery, an deren Ende VP25 (Km 148,3) liegt. Klaus läuft etwas früher los, ich kurz danach, an einer längeren Baustelle werden die Fußgänger durch einen „Bretterverschlag“ geleitet. Ich versuche etwas Tempo zu machen, um wieder zu Klaus aufzuschließen. Da passiert es: eine Unebenheit bei den Bodenholzplatten wird mir zum Verhängnis, ich stolpere, knalle links und rechts gegen die Bretterwand und stürze genau auf meinem bereits geprellten rechten Ellbogen (passiert in der 1.Woche beim Deutschlandlauf). Der Schreck und der Schmerz ist erstmal groß – Schadensbilanz: keinerlei große Schürfungen oder offene Wunden, die Holzplatten haben wohl gut gefedert, doch um meinen Ellbogen ist es nicht gut bestellt. Er ist wohl nicht gebrochen, ich kann ihn jedoch weder anwinkeln, noch pendeln, um vernünftig zu laufen. Ich versuche es natürlich ein paarmal – das wird nix! Es sind noch ca. 15/16Km bis ins Ziel, ich werde versuchen, so schnell wie möglich zu gehen, also los!

Ich bemerke das ich genau auf den Zeitmesschip gefallen bin und zweifle ob er noch funktioniert, werde beim nächsten VP an der Messung aufpassen müssen. Ich bin so mit mir beschäftigt, dass ich eine Abzweigung verpasse, doch zum Glück fällt mir das nach einigen Minuten auf, ich bin wohl höchstens 1Km zu viel gelaufen. Aber es hilft mir, mich auf das Wesentliche zu besinnen: Laufen bzw. Gehen und möglichst schnell ins Ziel kommen. Auf den folgenden KM überholen mich wesentlich weniger Läufer(innen), als ich dachte, wohl nur 8-10 ziehen an mir vorbei, wobei es vornehmlich Staffelläufer sind. Am nächsten VP Checkpoint Charlie achte ich beim Verlassen auf meinen Chip, er leuchtet kurz auf, als ich die Messstelle passiere – gut so, alles okay! Nun also „nur noch“ 9Km gehen, vorbei am Brandenburger Tor, dann rechts der Bundestag und links die weitläufigen Grünanlagen (mir von 14Starts beim Berlin Marathon bestens bekannt). Weiter geht es über die Spree und rechts am Hauptbahnhof vorbei, nochmals an einem Kanal entlang führen die Markierungen in den Invalidenfriedhof – vor 2Jahren war ich mir da sicher, ich hätte mich verlaufen, doch nun weiß ich ja, es geht da durch und hinten ist ein geöffnetes Tor, von wo es zum letzten VP an einem Wachturm geht – Km156,6. Auf zum Endspurt, wenn ich nur laufen könnte!

Im Idealfall kann ich noch vor 3Uhr das Ziel erreichen, würde immer noch unter 21Std bedeuten – unter diesen Umständen wäre ich damit sehr, sehr zufrieden.

Als ich am Nordbahnhof in die Bernauer Straße einbiege, weiß ich lange kann es nimmer sein und ich werde vor 3Uhr ankommen, die Vorfreude steigt und verdrängt die Anstrengung und Schmerzen. Ich biege nach links ab, mehrere Sportgelände gibt es hier, mich interessiert nur der Jahn-Sportpark und ich folge strikt den Pfeilen, da geht es lang, sagt ein Einweiser am Stadiontor und ich erreiche kurz danach die erleuchtete Laufbahn. Ich überschlage kurz, noch 200m und laufe, so gut es eben geht los.

MWL R4

Dann HURRA, das Finish – ich habe es zum dritten Male geschafft: Die 100Meilen von Berlin, wieder weit unter 24Std (genau 20:50) ….. was für ein Glücksgefühl!

Nach über 1.000Km durch Deutschland (vor 9Tagen auf der Zugspitze beendet) nun 162Km um Westberlin herum. In diesem Jahr gibt es noch einige „spezielle Aufgaben“ zu bewältigen.

Ich gehe erstmal zu einem Sanitäter und lasse meinen Ellbogen verarzten, er wird dick eingewickelt, nachdem ein Bruch so gut wie ausgeschlossen ist. Nun wird das Duschen und umziehen zum Geduldsspiel.

Eineinhalb Stunden später sitze ich im Shuttlebus und lasse mich bequem zum Hotel bringen, kurze Info an der Rezeption: Frühstück gibt es bis 11Uhr. So verschwinde ich ins Zimmer, wo Klaus schon leicht schläft, Er war 20min vor mir im Ziel, also seine Vorgabe sub 24Std weit übertroffen, entsprechend glücklich ist auch Er. Wir versuchen zu schlafen und gehen um 9:30Uhr zum ausgiebigen Frühstück. Anschließend tauschen wir uns noch aus und ich packe nebenbei bereits. Ab 14Uhr beginnt die Siegerehrung, mit so vielen Vereinskollegen von der LG Ultralauf, alle haben gefinisht, macht das noch viel mehr Spaß. Wir beglückwünschen uns gegenseitig und schießen viele Fotos – unser Banner habe ich dazu extra mitgebracht.

MWL R6

Als ich mich nachher von Klaus verabschiede, steht schon fest: Wir werden alles versuchen im nächsten Jahr wieder bei diesem tollen Ultralauf durch Berlin dabei zu sein.

Text: Roland Krauss Fotos: Roland Krauss und freie Fotos von Mauerweg-Homepage, 22.08.2017

 

Die Ergebnisse aller LG Ultralaufmitglieder:

Platz Zeit Name Jg MW MW-Platz AK AK-Platz
3 14:40:41 h   Hösl, Patrick 1973 M 3 M40  2
68 20:41:14 h   Rumm, Harald 1975 M 64 M40  14
70 20:50:01 h   Krauss, Roland 1962 M 65 M55  4
82 21:33:16 h   Landwehr, Matthias 1970 M 75 M45  27
109 22:25:03 h   Bölke, Carsten 1979 M 99 M35  12
121 22:50:06 h   Rosenau, Dietmar 1960 M 109 M55  11
130 23:01:24 h   Kruse, Jens 1965 M 116 M50  25
144 23:19:50 h   Lauterbach, Alexander 1980 M 128 M35  14
172 23:46:51 h   Irrgang, Michael 1964 M 149 M50  33
173 23:46:52 h   Geier, Jürgen 1963 M 150 M50  34
217 27:24:24 h   Zietlow, Hans-Uwe 1946 M 182 M70  1
232 28:18:49 h   Porstner, Thomas 1963 M 194 M50  46
262 29:33:01 h   Künkel, Norbert 1958 M 214 M55  26
267 29:49:24 h   Pflügler, Christian 1967 M 216 M50  48

Es ist die Extremkategorie des Ultratraillaufens: 100 Meilen mit 10.000 Höhenmeter herauf wie herunter. Der UT4M ist mit seinen nackten Zahlen eher am oberen Ende der Bandbreite. Die Landschaft ist ein Traum, die Organisation ist fabelhaft – ein Lauf, den man als Trailliebhaber unbedingt einmal gemacht haben sollte.

Gre 1

Von der LG Ultralauf waren diesmal Kathi Bey, die die Strecke nonstop bewältigt hat, sowie Claudia Lederer und ich dabei. Wir liefen die Challenge, nahmen also die Gesamtstrecke als Etappenlauf in Angriff. Die vier einigermaßen gleich langen Teilabschnitte mit Distanzen zwischen 40 und 49 km und zwischen 2.700 und 3.500 Höhenmetern waren auch mit Regenerationsphasen dazwischen fordernd genug. Guido Althausen unterstützte uns.

Gre 2

Vor dem Start der ersten Etappe machten wir schnell noch ein Foto. Ich hatte gehörigen Respekt vor der Aufgabe, denn zwischen dem Finish beim Mauerweglauf und dem Start waren genau 73 Stunden. Claudia präsentierte sich in einer ausgesprochenen Superform und konnte sich im Kreise alpiner Bergläuferinnen täglich rund um Platz 10 behaupten.

Gre 3

Der erste Tag brachte gleich die beiden Gipfel Moucherotte und Pic Saint-Michel. Es sollten nicht die letzten, lange Aufstiege mitten der Sonne gewesen sein.

Gre 4

UT4M steht für Ultra Tour des 4 Massifs. Jeden Tag wurde eines der Grenoble umgebenden Bergmassive kennengelernt.

Gre 5

Am dritte Tag ging es auf den Chamrousse, einem beliebten Skigebiet. Wie bei einem Etappenlauf üblich war am Ziel der einen Etappe der Start der folgenden. Dank Guidos Shuttle-Dienste waren die Fahrten aber angenehm. Problematisch war eher, dass täglich zeitgleich eine größere Gruppe von 400 bis 500 Startern sich auf den Weg auf kleinen Pfade machte. Aber das klappte erstaunlicherweise sehr gut. Die „Schlange“ hatte mein Tempo. Wollte jemand überholen oder brauchte eine Pause, so ging das problemlos, denn die Leute waren alle sehr rücksichtsvoll und nett. Meine Tage waren zwischen 8,5 und 10,5 Stunden lang, Claudia war meist ein bis zwei Stunden vor mir im Ziel. Das Ganze war megaanstrengend, denn es gab täglich mehrere steile und lange Anstiege und die Hitze zog an anderer Stelle die Energie aus dem Körper. So war ich froh, als nach dem 4. Tag die Runde beendet war.

Gre 6

Das kaum Vorstellbare hat Kathi geschafft. Sie bewältigte die Gesamtdistanz nonstop in 49:25 Stunden! Vor der Willenskraft, denn einfach war es zu keiner Phase, kann ich respektvoll nur meinen Hut ziehen! Möglicherweise wird sie einen eigenen Bericht schreiben. Für eine junge Studentin, die in Bonn wohnt und erst seit einem Jahr Ultras läuft, ist das eine außerordentlich bemerkenswerte Leistung.

Text und Bilder: Michael Irrgang, 20.08.2017

 

MonschauAm Samstag bei Dauernieselregen nach Konzen bei Monschau fahren, abends nachmelden und das Zelt auf der nassen Wiese aufbauen – das ist für ein gelungenes Laufwochenende ggf. steigerungsfähig. Die Vorfreude auf einen langen Lauf in der schönen Landschaft des Nationalparks Hohes Venn-Eifel mit netten Freunden bei bester Verpflegung tröstet aber über die nassen Füsse, die ich mir nach dem Verlassen des Zeltes unvermeidlich einhandele schnell hinweg. Die Pasta-Party und der anschließende Besuch in der Pizzeria La Grappa in Konzen inkl. Rotwein und die herzlichen Bedienung lassen den samstaglichen Dauer-Nieselregen und die nassen Klamotten schnell zur Nebensächlichkeit werden.

Der Regen hört dann planmäßig in der Nacht auf Sonntag auf und der Monschau-Ultra kann pünktlich um fünf nach sechs in der Früh starten - bei noch bemerkenswert frischen Temperaturen. Die vorsorglich eingepackte Laufjacke zahlt sich aus. Zunächst vierzehn Kilometer in einem Rundkurs durch das Hohe Venn über den mit 658m höchsten Berg des Laufes. Der Weg ist z.T. durch den Regen matschig, aber die Schuhe sind ja eh schon von der Zeltwiese quietschnass und der weiche Untergrund schon das orthopädische Fahrwerk. Nach rund eineinhalb Stunden ist die 14km-Runde fertig und ich laufe ich wieder über die Startlinie in Konzen, um dann auf die reguläre Marathonstrecke aufzubiegen. Konzen ist inzwischen aufgewacht und es mangelt nicht an begeisterten Zuschauern. Bei mir macht sich indessen die eine Stunde vor dem Start verzehrte halbe Pizza bemerkbar – vielleicht eine nicht ganz so brillante Idee, die am Vorabend übriggebliebene Pizza zur Energiegewinnung frühmorgendlich zu verdrücken. Nicht schlimm, wir laufen meist im Wald und ein versierter Ultraläufer findet immer eine Lösung. Mit meinem Mitstreiter Gerd aus Karlsruhe, der zur Abwechslung auch gerne rückwärts lauft, ist der Lauf ausgesprochen kurzweilig. Die Steigungen kratzen rund 950 Höhenmeter zusammen, sind aber allesamt moderat und ich kann viele durchlaufen. Irgendwann werden wir von den schnellen MarathonläufernInnen überholt. Ich bin total begeistert davon, wie locker einige die Berge rauflaufen - sehr cool. Bald werde ich auch von meinem Kollegen Arnold überholt, der sich an den Zugläufer mit der 3:29 auf dem T-Shirt gehangen hat. Bei Km 42 – die Sonne hat inzwischen die finsteren Wolken verdrängt - werde ich endlich ein wenig lockerer und kann ein wenig Geschwindigkeit zulegen. Kurz vor Konzen wartet noch eine laang gezogene Steigung über Asphaltstraße, die mir großen Spaß bereitet, weil ich noch ein paar „Reservekörnchen im Körbchen“ habe. Sehr schön. Nach 5:49 und 56km bin ich im Ziel, wo bei bestem Wetter und guter Stimmung reichlich Trubel herrscht. Der Monschau-Ultra macht Spaß! Kurzum ein toller Lauf, den man nicht verpassen sollte. Rundherum gelungen!!

Text und Foto von Stefan Henscheid, 15.8.2017

MWL 07Es war schon ein recht mutige Ansage, als Zugläufer eine Gruppe auf die sichere Bucklezeit von 23:45 führen zu wollen, da es doch einige Unwägbarkeiten gibt und auch mein Trainingszustand eher Zweifel schürte. Im Vorfeld hatte ich mir genauestens einen Plan überlegt und veröffentlicht. Und damit eine riesige Diskussion ausgelöst. Wie läuft man eigentlich 100 Meilen? In welchem Tempo startet man? Wie viel Zeit für Pausen benötigt man an den VPs? Einen schlauen Plan zu entwerfen ist die eine, ihn umzusetzen die andere Seite der Medaille. Und ich brauche natürlich auch eine Gruppe, die mir folgt und die 23:45h auch drauf hat. Auf so einem Kurs einen minutiösen Zeitplan für eine unbekannte Gruppe anzubieten war schon eine interessante Idee ohne beispielhafte Vorbilder. So kam es, dass ich doch mit einer gewaltigen Portion Respekt vor der Aufgabe und ziemlich aufgeregt am Start stand.

MWL 01

Kurz vor dem Start trafen sich einige LG Ultralaufläufer zu einem Foto: Alexander Lauterbach, Carsten Bölke, Dietmar Rosenau, ich, Norbert Künkel, Roland Kraus, Hans-Uwe Zietlow. Dahinter: Regina Künkel.

Es gab leider nur wenig Werbung für die Aktion und einen Ballon oder ähnliches hatte ich auch nicht. So war ich froh, dass wenigsten eine Handvoll Läufer mir sagten, dass sie gemeinsam mit mir laufen wollten. Allerdings gab es einige, die meinen Plan gelesen und für sich modifiziert hatten. Ich plante immer von VP (Versorgungspunkt) zu VP. Beim Verlassen kam eine Ansage wie: „Der nächste VP ist in 5 km, wir laufen in einem Tempo von 7:15 min/km und machen nach 1,5, 3 und 4,5 km eine einminütige Gehphase und erreichen dann in 45 min den nächsten VP.“ Eingerechnet in diese Zeit war auch je Teilstrecke eine Pausenzeit von 2 Minuten für Ampeln, Fotos, Durchlesen von Tafeln, Wegsuchen oder sonstige Gründe, um einmal kurz stehen zu bleiben. Am VP wollten wir dann anfangs zwei später drei, manchmal 5 und an den Dropbackstationen sogar 10 Minuten investieren, um gründlich die Energievorräte aufzufüllen. Auf meinem Zettel stand für die einzelnen Laufsegmente von VP zu VP immer das Bruttotempo, also ein Durchschnittswert aus Laufen, Gehen und Pausieren. Und meine schwierige Aufgabe bestand darin, einerseits eine geschickte Aufteilung zwischen Lauf- und Gehzeiten zu wählen und andererseits ein passend langsames Lauf- und Gehtempo anzuschlagen, um möglichst die Muskelermüdung so niedrig wie möglich zu halten und exakt die Ankunftszeit am nächsten VP einzuhalten. Aber ein Plan ist ein Plan und in der Praxis musste häufiger variiert werden, als man denkt. Denn es gab Steigungen, an denen immer gegangen wurde oder Kopfsteinpflasterpassagen oder Trailabschnitte, bei denen es die Verletzungsvermeidungsstrategie gebot, vorsichtig zu gehen. Manchmal standen wir länger an einer Ampel und dann lief manchmal die Laufzeit wieder von vorne. War ein bisschen Rechnerei, Tempogefühl und auch Glück, aber zur Verblüffung der Mitläufer passten die Zwischenzeiten an allen VPs beinahe perfekt. Die ersten VPs lagen dort, wo sie sollten; wir waren im geplanten Tempo unterwegs, nur gab es keinen Grund für eine Pause und so erreichten wir etwas zu früh die ersten VPs. Zack einen Becher rein und nun? Eigentlich waren hier zwei Minuten vorgesehen, aber hier Zeit wartend verstreichen zu lassen, machte ja keinen Sinn, also weiter - den Puffer werden wir später besser nutzen können.

MWL 02

Zwischen VP1 und VP2 gab es die Stelle, wo an die an der Mauer bei einem Fluchtversuch getötete Dorit Schmiel gedacht wurde, die diesem Mauerweglauf beispielhaft für all die Mauertoten ein Gesicht und eine traurige Geschichte gibt. Mehrmals blieben wir an Erinnerungs-Tafeln stehen, lasen uns durch, wer hier sein Leben verlor und diskutierten darüber, wie tief die Verzweiflung wohl sein muss, dass man sein Leben für einen Fluchtversuch riskierte. Der Mauerweglauf ist einmalig. Wie der Ideengeber und langjährige Organisator Ronald Musil im Briefing erzählte, soll der Mauerweglauf Sport und Geschichte verbinden. Die Geschichte ist auf dem Weg, aber auch beim Briefing und der Siegerehrung so präsent, dass man sich als Teilnehmer dem nicht entziehen kann. Plötzlich war ein Laufsegment viel zu lang. Meine Uhr zeigte 500m mehr Strecke an als auf dem Hinweisschild des VPs angegeben. Hatten wir vorher vermeintlich einen kleinen, zeitlichen Vorsprung, so war er auf einen Schlag weg. Am Ende des Weges zeigte meine GPS-Uhr über 164 km an – von zwei kleineren Abweichungen abgesehen, an denen wir uns mehr von Berlin anschauten als vorgesehen, lag das wohl an GPS-Ungenauigkeiten oder der Weg war schlicht länger, als die angegebenen 161,7 km. Eine ganz wichtige Planungsgröße war die Distanz zwischen den VPs. Waren die VPs in der ersten Hälfte etwa da, wo ich sie erwartete, so war das auf der zweiten etwas ungenauer, da war schon einmal das eine Teilstück 500m länger, dafür ein anderes 400m kürzer – in Summe wurde die mit meiner Uhr gemessene Strecke im Vergleich zu den Angaben an den VPs immer größer. Das machte meine Aufgabe als Pacemaker nicht einfacher. Die Plan- und Ist-Zeiten kann man übrigens im Internet leider nicht immer vergleichen, da meist die Zeit beim Verlassen der Stationen genommen wurde, aber nicht immer.

Etwa nach 25 km löste sich ein Teil der Gruppe nach vorne. Sie hatten wohl mehr drauf und alle erreichten auch sehr gute Endzeiten. Einer von ihnen, Carsten, meinte zu dem gemeinsame Beginn: „Endlich einmal vernünftig langsam gestartet!“ Ein anderer Mitläufer, der auch Carsten hieß, hatte zwei Begleiter ohne Fahrrad, die sich am VP3, bzw. VP5 der Gruppe anschlossen. Außerdem waren noch Norbert und Alex sowie Lauf- und Radbegleiter bei der Gruppe. Gemeinsam liefen, wanderte, plauderten wir – die Zeit verging wie im Fluge.

MWL 04

Unsere nette Gruppe für viele Stunden

Der Regen war meist schwächer, selten stärker, die Temperaturen waren läuferfreundlich – alles im grünen Bereich. Carsten verabschiedete sich unerwartet frühzeitig aus der Gruppe und musste das Rennen sogar später beenden. Am Dropbackpunkt in Sacrow bei km 71, verabschiedete sich auch Norbert aus der Gruppe, Alex wollte sich nur kurz umziehen und verschwand. Ich hatte meine Regenjacke, die Wasserflasche (Pflichtausrüstung), Lampe, Erste-Hilfe-Set (man weiß ja nie) in meinem Rucksack und hatte keine Dropbacks abgegeben. Dennoch macht so ein Wechsel zur Hälfte der Strecke Sinn, denn vom Regen waren insbesondere die Socken nass und können schnell Ursache für Blasen sein. Genau dafür hatten wir ja 10 Minuten Pause vorgesehen. Ich wartete und futterte die Theke leer, die übrigens bestens mit allerlei Leckereien ausgestattet war und wartete und wartete. Gefühlte 20 Minuten, tatsächlich waren es wohl um die 15 Minuten bis Alex wieder auftauchte. Na prima – 5 Minuten Rückstand, einfach so. Egal, er war aktuell mein einziger, verbliebener Mitläufer und so konnte ich viel Rücksicht auf ihn nehmen.

MWL 06

Alex lief über 100 km mit mir zusammen. Wir verstanden uns prima.

Kurze Zeit später liefen wir auf Erich auf, der sich der Gruppe für ein paar Stunden anschloss. Mittlerweile waren wir im Überholmodus. Einige wanderten, andere liefen ein langsameres Tempo. Mit unserer Methode Laufen und Wandern kamen wir gefühlt flott voran. Mittlerweile hatten wir den Rhythmus umgestellt, und liefen 4 Minuten und wanderten dann geplant 1 Minute aus der dann doch meist 2 wurden.

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Wir nahmen uns durchaus Zeit für ein paar Fotos

Das Zeitgefühl war komplett abhanden gekommen. Es wurde Abend und ein paar derer, zu denen wir aufschlossen, schlossen sich der Gruppe an, so dass sie auf bis zu 8 Personen anwuchs. Unter ihnen Vereinskollege Jürgen, der recht zügig gestartet war, ein erstes Tief überwunden hatte und nun froh war, dass er sich einer Gruppe anschließen konnte, die ihn motivierte und mitzog. Ab Kilometer 130 wurde es schwer für mich. Mangelndes Training kann man halt nur begrenzt durch Erfahrung kompensieren. Meine Beine wurden schwerer und auch mental war eine Ermüdung leicht erkennbar, nicht mein Zeitgefühl war dahin. Wir hatten mittlerweile einen Rhythmus von 3,5 min laufen und 1,5 min wandern. Die Zeit hatte dabei zwei Geschwindigkeiten, während die 3,5 min ewig brauchten, um zu verstreichen, war die Wanderzeit mit einem Wimperschlag um. Dann gab es Stellen, wo meine Aufmerksamkeit litt: Waren da keine Pfeile mehr oder sehe ich sie nicht? Sind die Pfeile auf einmal alle weiß statt gelb? Die Konzentration sank, Rechnen fiel mir zunehmend schwerer. Dazu kam, dass die Entfernungen zwischen den VPs nicht stimmten und meine gelaufene Distanz mittlerweile eine Abweichung von über 2 km anzeigte. Treptow, Friedrichshain, Kreuzberg am frühen Morgen einer dunklen Nacht zeigte auch Berlin von einer dunklen Seite und trugen sicher nicht zur Erheiterung bei. Da die Markierung hier wahrscheinlich gut, aber für uns in unserem Zustand nicht so gut zu finden war, hatte ich auf meiner Uhr auf „Track anzeigen“ umgestellt; die Daten Laufzeit und verbleibende Distanz waren die wichtigsten Informationsquellen. Zum Rechnen war mein Kopf allerdings zu blutleer. Mein Tempogefühl beim Laufen klappte aber noch so einigermaßen und so kamen wir wie geplant weiter. In der Gruppe machte der Lauf aber dennoch viel Spaß.

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Diei Versorgungspunkte waren bestens ausgestattet und wurden von engagierten Helfern nett betreut.

Vermutlich war ich der einzige, der kräftemäßig am Limit war, aber man wollte gemeinsam bis zum Ziel zusammenbleiben. Das änderte sich aber ziemlich unerwartet. Am drittletzten VP meinte mein Magen, er müsse abgeben, was in den letzten Stunden zu viel gegessen wurde. Da nach so einer langen Wachphase nichts mehr schnell geht und meine Mitläufer etwas ungeduldig waren, kam ihnen plötzlich die Idee, ich hätte vom Dixi einen Hinterausgang gefunden und wäre bereits alleine weitergelaufen. Und weg waren sie. Jürgen, der eigentlich gar keinen Buckle brauchte, trottete eher widerwillig den davonsprintenden Gesellen hinterher. Als ich kurze Zeit später vom Dixi kam, war die Gruppe auf jeden Fall weg und ich alleine. Ich also hinterher und traf auch einige Zeit später Jürgen und eine kleine Gruppe, die ebenfalls fest den Buckle im Blick hatte. Der Buckle reichte mir aber nicht, denn ich wollte schon eine 23:45 als Zielzeit stehen haben und ich konnte die Gruppe motivieren, ab und zu zu laufen; damit sollte die 23:45 leicht machbar sein. Doch beim Bundestag haben wir eine Extrarunde zum Kanzleramt eingestreut, die uns etwa 5 Minuten kostete. Jetzt wurde es eng. Genau wegen solchen Szenarien kurz vor Schluss würde ich nie 23:59 planen, sondern immer einen Puffer mit ins Ziel nehmen. Aber gut, also noch weniger wandern und mehr laufen, passt schon. Nun musste Jürgen allerdings auch noch einmal das Dixi aufsuchen, 4,5 km laut Schild vor dem Ziel, 4,7 nach meinem Track. Nun gut, muss sein. Ich wartete eine halbe Ewigkeit und leerte aus Ungeduld die Haribos am VP. Endlich kam er befreit wieder und wir konnten zum Endspurt übergehen. Mit Mühe konnte ich Jürgen überzeugen, dass eine 23:47 besser als eine 23:48 ist und eine 23:5x gar nicht geht, was ihm persönlich eigentlich egal war. Als Kompromiss schlug er vor, ab und zu den „Sprint“ durch eine Gehphase zu unterbrechen. Schließlich überquerten wir nach 23:46:51 die Ziellinie! OK, eine Minute zu langsam, aber dennoch nahe dran an perfekt. Glücksgefühle und Stolz überwältigten mich. Ich konnte es kaum fassen, dass es geklappt hat.

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Auch wenn das Foto qualitativ nicht so gut ist, gehört es hierhin: Jürgen und ich waren beide so happy, als wir ins Ziel kamen. 

Der Lauf verlief tatsächlich sehr nahe am vorausgesagten Ablauf, die Steuerung war allerdings deutlich schwieriger als gedacht, insbesondere auf der zweiten Hälfte. Leichter als gedacht war hingegen die Führung der Gruppe, die völlig ohne jede Diskussionen jeden Wechsel und jedes Tempo mitmachte. Insgesamt hatte die Aktion viel Spaß gemacht. Ich war schon oft bei Marathons Zugläufer, aber dieses Mal war es schon eine ganz schwierige Aufgabe. Bei den Gesprächen am Rande der Siegerehrung gab es nicht nur viel Anerkennung, sondern auch die Ansagen, das nächste Mal sich der Gruppe anschließen zu wollen. Das nächste Mal? Das Magische des Ultralaufens ist doch die Singularität aller Rennen. Keine Ahnung, ob es zu einer Wiederholung kommt.

Aber der Mauerweglauf 2017 war auch ein Treffen vieler LG Ultralaufmitglieder.

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Patrick Hösl erreichte als schnellster Läufer aus der Gruppe den dritten Platz der Gesamtwertung.

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Von Müdigkeit keine Spur: Carsten Bölke und Alexander Lauterbach nach dem Lauf, vor der Siegerehrung.

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Jens Kruse mit seinem Radbegleiter.

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Ein Gruppenbild mit fast allen LG Ultralaufteilnehmern. Matthias Landwehr, Hans-Uwe Zietlow, Patrick Hösl, Norbert Künkel, Carsten Bölke, Alexander Lauterbach, Jens Kruse, Roland Kruass, Michael Irrgang, Christian Pflügler

Veranstaltungshomepage: Hier

Vorbericht: Taktik für 100 Meilen in 23:45h

Text und Fotos: Michael Irgang, 15.08.2017

 

BUFLogo2017 KleinAm 17.8. ist Meldeschluss für den BUF, das Bottroper Ultralauf Festival, welches am Wochenende 26./27. August stattfindet. Bitte bis zu diesem Termin anmelden und das Startgeld überweisen.

Nachmeldungen sind bis 1 Stunde vor dem Start vor Ort möglich.

Ort: Batenbrockpark in Bottrop

Wettbewerbe: Einzelstarter können 6h, 12h oder 24h laufen, Teams können mit maximal 4 Läufern 5h oder mit maximal 9 Läufern 24h laufen.

Strecke: Der Rundkurs ist 1.258m lang, beleuchtet, schnell, flach, schattig und vor allen Dingen sehr schön

Ablauf:

- Freitag 20 Uhr; Vortrag von Kirsten Althoff über ihren Lauf durch die Wüste in Namibia
- Samstag 9 Uhr; Startnummernausgabe, Frühstück
- Samstag 11:30 Uhr; Briefing 6h und 24h
- Samstag 12:00 Uhr; Start 6h und 24h
- Samstag 18:30 Uhr; Briefing 12h
- Samstag 19:00 Uhr; Start 12h
- Samstag 19:30 Uhr; Siegerehrung 6h - Sonntag 13:30 Uhr; Siegerehrung 24h

Wettkampf: Die Runden werden elektronisch gezählt und auf einem Bildschirm den Läufern angezeigt. Stündlich gibt es Zwischenergebnisse, ein Sprecher moderiert die Veranstaltung.

Versorgung: Alle Läufer – auch die Staffelteilnehmer – können sich während ihres Wettkampfes am Versorgungsstand bedienen. Ab Freitagabend werden in der Cafeteria Speisen und Getränke angeboten, unter anderem auch Frühstück, Nudeln am Samstagabend und Gegrilltes.

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An Preisen gibt es für die besten drei Läufer und Läuferinnen eines Wettbewerbes einen Pokal, für die drei Erstplatzierten ihrer Altersklasse einen Preis. Jeder Teilnehmer erhält bei der Siegerehrung eine Urkunde und eine Medaille. Bei den Staffeln gibt es je Wettbewerb einen Pokal für die Mannschaft. In den Kategorien (Männer, Frauen, Mixed) gibt es für alle Teammitglieder der ersten drei Mannschaften einen Preis. Alle Staffelteilnehmer erhalten eine Urkunde und eine Medaille. Für die medizinische Versorgung steht ein Sanitätsteam bereit.

Teilnehmer: Aktuell sind über 120 Einzelstarter gemeldet, darunter die Titelverteidiger, einige bekannte Namen, die sehr gute Leistungen erhoffen lassen und einige Starter aus dem benachbarten Ausland. Eine Vorschau wird nach Meldeschluss erstellt.

Viele weitere Informationen findet ihr auf der Veranstaltungsseite.

Text und Bilder (BUF 2016) Michael Irrgang, 10.8.2017