Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Rheine FBIn loser Folge behandeln wir Themen zur DM. Wir beginnen mit dem wichtigsten: Dem Training.

Vor dem Training muss man sich zunächst motivieren, sonst gibt das nichts. Also: Jahresplanung durchdenken, Veranstaltungen raussuchen und persönliche Ziele definieren. Super wäre jetzt an dieser Stelle folgendes Szenario: Saisonhöhepunkt bei der 100km DM am 10.3.2018. Am besten gleich anmelden, um für sich selbst und für andere das Ziel zu manifestieren.

Dann kann man ganz gut rückwärtsplanen, eine Woche tapern, dann 8 Wochen Wettkampftraining, wobei die letzte Woche eine Erholungswoche ist, davor 4 Wochen Tempotraining, ggf. mit einem schnellen Marathon zum Abschluss, davor 4 Wochen Wintertraining mit langen Läufen, Athletiktraining und in der Endphase Vorbereitung zum Tempotrainings. So der grobe Plan.

Schaut man sich die Termine genauer an, stellt man fest, dass Anfang Januar beispielsweise der Kevelaer-Marathon und Ende Januar Rodgau ganz gut passen.

Man kann diese Wettkämpfe ganz gut am Ende des Belastungsblocks und vor der Erholungswoche laufen. Zu viele belastende Wettkämpfe sollte man allerdings nicht machen, d.h. weitere Wettkämpfe dann eher als Trainingslauf gestalten und nur laufen, wenn sie in die Struktur passen.

Zur Gestaltung der Belastungswochen sind auf unserer Internetseite zwei sehr verschiedene Pläne veröffentlicht. Der erste ist "für Leute ohne Zeit" und ist auf Effizienz optimiert. Man kommt mit vier Einheiten und etwa 8 Stunden Aufwand die Woche aus.

Der andere ist "für Ambitionierte". Er eignet sich nur für Läuferinnen und Läufer, die absolut gesund sind und schon mehrere Jahre Ultras laufen. Und die notwendige Motivation bringt außerdem nur der- oder diejenige auf, der/die sich auch im Wettkampf hohe Ziele setzt. Gehörst du dazu?

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Die Spitzengruppe bei der DM in St. Leon-Rot 2015.

Auch 2018 erwarten wir in Rheine viele Spitzenläufer, da man sich dort ideal für die 100km WM 2018, die im September in Kroatien stattfindet, qualifizieren kann.

Aber völlig egal, ob du vorne oder hinten mitläufst: Wir freuen uns auf dich! Komm und mache mit!

Link zur Ausschreibung: Hier klicken

Fragen und Kommentare am besten auf unserer Facebookseite: Hier klicken

Link zur Trainingsseite 100km: Hier klicken

Link zum Plan „für Leute ohne Zeit“: Hier klicken

Link zum Plan „für Ambitionierte“: Hier klicken

Link zum Plan „Tempotraining für Ultraläufer“: Hier klicken

Link zum Blog von Jens Allerheiligen. Jens hat aus „seinem ersten Läuferleben“ eine 8:58h stehen, läuft nach einer mehrjährigen Pause seit 2017 wieder und hat für 2018 ein ehrgeiziges Ziel: Eine Zeit um die 9 Stunden. Er ergänzt fast täglich seinen Blog. Hier klicken

Michael Irrgang, 11.11.2018

Albania 2017 – The Hidden Treasure,  Etappenlauf 210 Km, 8000Hm+, 6 Etappen

Vom 10.09 bis 15.09.2017 habe ich am ersten, jemals in Albanien durchgeführten Ultra-Etappenlauf teilgenommen. Ein echtes Erlebnis in einem Land mit freundlichen, netten Menschen und unerschlossenen Landschaften!

Von diesen facettenreichen Landschaften haben wir in 6 Etappen 210 km mit 8000 positiven Höhenmetern laufend „genießen“ dürfen. Albanien ist das Land, welches erst vor wenigen Jahren für Besucher und Touristen geöffnet wurde. Bis auf die Küstenregionen, die Hauptstadt Tirana sowie einigen wenigen Orten ist dort erst sehr wenig erschlossen. Da unser Lauf weit im Landesinneren startete, haben wir viel von den nicht erschlossenen Regionen sehen können.

Ich bin bereits am Donnerstag, den 7.9 angereist, um mich ein wenig zu akklimatisieren, aber auch um mir die Hauptstadt Tirana anzuschauen. Es sind bereits einige andere Teilnehmer eingetroffen. Der Rest trudelte dann im Laufe des Freitags ein. Da dies mein fünfter Lauf mit dem Veranstalter Global-Limits war, kannte ich bereits einen Großteil der Läufer. Es war ein fröhliches Wiedersehen und man hatte sich viel zu erzählen.

Nach dem Race-Check-In mit Ausrüstungskontrolle etc. fand am Abend das Begrüßungsdinner im Hotel statt. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es dann in einer ca. 3 stündigen Busfahrt ins Landesinnere, zum ersten Camp in der Burgruine von Berat (Weltkulturerbe).

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Die Zelte waren mitten in dem Innenhof aufgebaut. Leider regnete es ein wenig. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, haben wir uns natürlich noch die Burganlage angeschaut. Die Nacht war unruhig (trotz Ohrstöpseln), da natürlich die Schnarcher zuerst einschlafen!

Sonntag, Etappe 1, 38km, 1300hm

Zum Start ging es hinunter auf die Promenade der Stadt. Hier wurden wir dann von offizieller Seite Albaniens begrüßt. Danach sang eine Kinder-Gesangsgruppe die Nationalhymne. Noch ein paar Fotos, dann wurde durch die Bürgermeisterin von Berat das Rennen gestartet. Ein toller, anstrengender, erfahrungs- und erlebnisreicher Lauf begann.

Die ersten 18 km ging es neben einem Flussbett nur leicht, aber ständig bergauf. (Ihr kennt das…, man kann die Steigung nicht sehen, aber man spürt sie, weil die Beine immer schwerer werden!) Dann ging es aber auch steiler bergauf. Insgesamt waren es etwas über 1300hm. Mit der Temperatur von 33-34 Grad hatten einige schon ganz schön zu kämpfen. Für mich als „Schön-Wetter-Läufer“ gerade richtig, aber die Höhenmeter machten mir „Flachländer“ ganz schön zu schaffen. Das heutige Ziel war eine Dorfschule in der auch übernachtet wurde. In dem 150m entferntem Dorf (7 Häuser, zwei davon „Gaststätten“) gab es Cola und auch Bier! Welch ein Genuss! Wir schliefen zu zehnt in einem Klassenraum, ein Glück ohne „Schnarcher“.

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Montag, Etappe 2: 36,6km , ca. 1200hm+ / 1600hm-

Heute sollte es noch in wenig wärmer werden. Der Start erfolgte um 7 Uhr, als es noch angenehm kühl war. Es galt einen schon einen weithin sichtbaren Bergsattel zu überqueren. Zunächst ging es auf Schotterwegen ca. 7 km leicht auf und ab. Dann ging es weiter auf Singletrails bergauf Richtung Bergpass. Es wurde kontinuierlich wärmer und es wehte uns ein zunehmend stärker werdender Wind entgegen.

Die Landschaft war einfach toll! Weiter ging es auf technisch recht anspruchsvollen Singletrails bergab bis zum nächsten Checkpunkt in einem kleinen Dorf. Dann ging es über Schotterstraßen weiter bergab, insgesamt fast 1500hm auf 12km.

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Im Tal angekommen liefen wir ein Stück an einer Straße entlang. Mittlerweile war es über 36 Grad! Nach Überquerung einer Brücke ging es „gefühlt“ ewig (2km) über eine Straße steil hinauf. Die Hitze war mörderisch. Zu Glück war gleich am Ziel auch ein kleines Geschäft. Den ersten Liter Cola inhalierte ich, später das Bier genoss ich.

Übernachtet wurde heute bei Familien im Dorf. Wir schliefen zu zehnt, verteilt auf Wohn- und Schlafzimmer, bei einem sehr netten älteren Ehepaar. Dort durften wir auch die Dusche benutzen. Frisch gewaschen ist man gleich ein neuer Mensch. Die Hitze des Tages wurde dann am Abend durch ein gewaltiges Sommergewitter beendet. Waagerecht „fallenden“ Regen sieht man doch eher selten. Große Teile der Nacht regnete es. Zum Glück lagen wir im Trockenen.

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Dienstag, Etappe 3: 54,8km, ca. 2100hm+ / 2200hm-

Heute stand die längste Etappe auf dem Programm. Auf den ersten 18 Kilometern waren knapp 1000 Höhenmeter zu überwinden. Durch den Regen der letzten Nacht war es extrem schwül und der Boden war entsprechend aufgeweicht und rutschig. Aber die Strecke war genial (fast komplett Single-Trails)!

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Es ging durch sehr einsame Landschaft in der es keinerlei Straßen gab.

t3 4Vereinzelt wohnten hier Menschen (Hirtenfamilien) die sich nur zu Fuß oder per Lastpferd und Esel versorgen können. Das meckern der Ziegen und Schafe war immer weithin zu hören. Die teilweise sehr steilen Anstiege machten mir als „Flachländer“ mal wieder mächtig zu schaffen. Oben angekommen ging es dann 17km über eine einsame Schotterpiste kontinuierlich bergauf und bergab weiter bis zum Checkpoint 4. Dieser war in einem kleinen Dorf, in der es eine Kneipe gab. Hier versorgte ich mich erst mal mit Cola. (Zwei Dosen sofort und zwei weitere in den Rucksack für später). Einfach köstlich, zumal die Sonne, seitdem ich die Schotterpiste erreicht hatte, gnadenlos vom Himmel schien. Weiter ging es nun bergab. Die Berge rückten immer mehr zusammen und der Weg führte für einige Kilometer durch ein schmales Tal an einem reißenden Fluss vorbei! Eine tolle Landschaft und ein wunderbares Gefühl hier laufen zu können und zu dürfen. Noch einmal ging es bergauf, aber oben angekommen, konnte man schon das heutige Ziel sehen. Die letzten 7 Kilometer führten dann hinunter bis an einen See, an dem unser heutiges Camp lag.

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Mittwoch, Etappe 4: 38,7km, ca. 1900hm+ / 2100hm-

t4 1Die heutige Etappe begann mit acht flachen Kilometern bis zu einer kleinen Stadt. Was dann kam, war für mich, auch rückblickend, der anstrengendste und nervenraubenste Teil der gesamten Woche.

1100 Höhenmeter über 9 Kilometer nur bergauf über einen Trail mit oft sehr lockerem Gestein, das ständig unter mir wegrutschte. Ich hätte wohl heulen können, als ich endlich oben war. Aber die Aussicht, die sich hier oben bot, macht schnell alles Leid vergessen!

Das Mittelmeer und am Horizont die Insel Korfu boten einen wunderbaren Anblick. Die nächsten 12 km ging es nun ebenso steil wieder herunter, aber zum Glück über eine Schotterstraße.

Der nächste Checkpoint lag in dem Bergdorf „Lazarat“, welches vor einigen Jahren wegen seines Drogenanbaus traurige Berühmtheit erlangte.

Danach folgte noch einmal ein Anstieg, allerdings zum Glück über schöne abwechslungsreiche Single-Trails, die gut zu laufen waren.

Von oben konnte man das Camp bereits in ca. 5 km Entfernung liegen sehen.

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Die Zelte waren heute innerhalb eines alten mesopotamischen Klosters aufgebaut, eine tolle Kulisse! Kurz vorher führte der Weg noch durch ein Dorf mit einigen Restaurants. In einem habe ich mich erst mal mit Cola und Bier fürs Camp versorgt. Ca. 500m vom Kloster entfernt floss ein breiter Bach in dem wir uns ausgiebig abkühlen und waschen konnten. Danach ein Bier und es geht einem wieder richtig gut!

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Donnerstag, Etappe 5: 43,2Km ca. 1500hm+ / 1500hm-

Und schon stand die letzte lange Etappe an. Von den heute zu bewältigenden 1500 positiven Höhenmeter konzentrierten sich leider knapp 800 auf einer Länge von 4 km. Doch zunächst ging es 4km über eine Straße erst langsam, dann steiler hinauf zu einem Dorf. Dann weiter über Singletrails leicht bergab bis zum ersten Checkpoint bei Kilometer 11. Die Strecke zog sich dann weiter durch relativ flaches Grasland unterbrochen immer wieder von bewaldeten Hügeln mit tollen Trails. Nach 20 km kamen einige Siedlungen und eine Schotterstraße begann. Nach einem scharfen Rechtsknick ging es in direkter Richtung auf eine Bergkette zu. Am Fuße der Berge war der dritte Checkpoint. Nun ging es im Zick-Zack immer steiler bergauf. Permanent meinte man, dass es nicht mehr weit sein könne bis nach oben. Aber dann kam die nächste Kehre.

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Ohne die perfekte Streckenmarkierung wären wir da, glaube ich, nie hochgekommen. Ich ließ es langsam angehen und erreichte dann endlich die Bergspitze. Es war mittlerweile auch wieder ganz schön warm geworden und manch anderem machte das auch ganz schön zu schaffen. Ich fühlte mich in der Hitze durchaus wohl und genoss die nun folgenden letzten Kilometer: 7 km downhill und die letzten 3km flach bis ins Ziel.

Fast während des gesamten downhills hatte man freien Blick auf das glitzernde Wasser der Adria und die Insel Korfu. Einfach wunderschön! Das heutige Ziel lag in einem Dorf, wo die Zelte auf dem Sportplatz aufgebaut waren. Zwei geschäftstüchtige Jungs verkauften Cola und andere Limonade sowie Bier. Ein Angebot, das alle gerne annahmen. Am Abend waren wir zu einem Folklorefest und zum Essen eingeladen. Die Veranstaltung fand extra wegen uns statt. Das gesamte Dorf war auf den Beinen! Es wurde gesungen, getanzt und ein super leckeres Essen aufgetischt. Wir fühlten uns sehr geehrt und sind auch heute wieder von der albanischen Bevölkerung begeistert, die uns ganze Woche schon so freundlich begegnete.

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Freitag, Etappe 6: 15 km ca. 100hm+ / 100hm-

und Finish Die letzte Etappe wird sehr früh gestartet und ist wie immer bei Global Limits sehr kurz, damit man vor den Besucherströmen im jeweiligen Ziel ist (immer ein Weltkulturerbe). Das Ziel unseres Laufes in Albanien ist das antike Amphitheater des Weltkulturerbes von Butrint. Gestartet wurde in drei Gruppen. Ich startete in der mittleren. Es ging recht schnell auf der flachen Strecke voran. Alle rannten sehr schnell, obwohl die Ergebnisse und Platzierungen schon ziemlich feststanden. Es ging zunächst 9 km durch Felder, bis wir ans Mittelmeer kamen.

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Nach 2 km an der Küste ging es weiter für 1,5 km an einem Kanal entlang bis zu einer Fähre. Für die Wartezeit und die Überfahrt wurde die Zeit gestoppt. Dann ging es direkt hinein in den Park des Weltkulturerbes von Butrint. Die Strecke verlief einmal am Rand des Parks entlang und dann über Treppen und historischen Wegen hinein in das antike Amphitheater! Hier war der finale Zieleinlauf und alle wurden mit großem Jubel und Applaus begrüßt.

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Nachdem alle im Ziel waren, hatten wir noch Gelegenheit, uns diese antike Stätte näher anzusehen. Gegen 11 Uhr ging es ins Hotel, wo wir nach dem Check-In die Dusche genossen. Die Siegerehrung fand abends im Rahmen eines Dinners statt. Für jeden Finisher gab es eine Steintafel als Präsent.

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Fazit

Zusammenfassend war es wieder eine gelungene Veranstaltung von Global-Limits. Insbesondere, da der Lauf das erste Mal stattfand und noch dazu der erste Ultramarathon in Albanien überhaupt war, passte alles erstaunlich gut. Er war wieder eine super Organisation. Vielen Dank an Stefan Betzelt und sein Team! Allen Gerüchten zum Trotze, die es in Deutschland über Albanien so gibt, ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher, unwohl oder gar bedroht gefühlt. Dieses gilt sowohl für die Hauptstadt Tirana, als auch für die Gegend in der wir unterwegs waren! Wie oben schon beschrieben waren uns gegenüber die Albaner immer freundlich, nett und hilfsbereit. Den Lauf kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen, weise aber auf die nicht zu verachtenden Höhenmeter und die taffen Trails hin. Die Strecken sind wie immer bei Global-Limits perfekt markiert, sodass ein Verlaufen eigentlich unmöglich ist.

Text: Dietmar Rosenau, Bilder: Dietmar Rosenau und Veranstalter, 2.11.2017

Ein Video gibt es ebenfalls von diesem Event: Link

Was für ein Genuss! Die DUV hatte den Mut, allen Vergabekriterien zum Trotz die 50 km nach Schwäbisch Gmünd zu geben. So kamen zu der Länge noch etwa 1.100 Höhenmeter hinzu. Das schreckte einige Leute, die 50 km lieber auf flachen, schnellen Runden bevorzugen ab, lockte im Gegenzug Leute des gepflegten Landschaftslaufes an.

SAM2017 HoehenprofilDas Höhenprofil deutete deutlich an, dass man diesmal nicht mit Tempomat laufen konnte, sondern der Weg stets ein wenig rauf oder runter ging. Besonders steil waren dabei die Anstiege auf „die drei Kaiserberge“. Überwiegend waren die Wege aber sehr gut laufbar, was auch die Vielzahl der sehr guten Leistungen belegen. Der beliebte Lauf auf der Schwäbischen Alb fand bei bestem Herbstwetter statt und so kamen zu den vielen vorangemeldeten Teilnehmern viele Nachmelder hinzu, sodass das Teilnehmerfeld einerseits sehr groß, andererseits sehr leistungsstark war.

Vielleicht meldeten auch viele nach, weil diese DM der letzte Lauftag der diesjährigen Ultramarathon Bundesliga war und so die offenen Entscheidungen fielen, dieser Lauf zum DUV-Cup gehörte und gleichzeitig auch zur Wertung des Europacups der Ultramarathonläufer. Für uns ging es ebenfalls noch darum, unsere theoretischen Chancen auf den Sieg in der Bundesliga zu nutzen. Dazu hätten wir in der Tageswertung uns „nur“ vor LG Nord Berlin platzieren müssen. Doch Berlin hatte eine starke Mannschaft gemeldet und wurde letztendlich auch der Favoritenrolle gerecht. Sie konnten sich zum dritten Mal in diesem Jahr über den Titel „Mannschaft des Tages“ freuen und fuhren sicher den Gesamtsieg der Bundesliga nach Hause. Herzlichen Glückwunsch und Respekt an dieser Stelle!

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Wir waren wieder der Verein mit den meisten Meldungen. Unsere Läuferinnen und Läufer waren gut vorbereitet und hochmotiviert, das unmöglich Erscheinende zu probieren. Aber bei einer Meisterschaft geht es uns nicht nur um Zeiten und Platzierungen, obwohl wir den sportlichen Vergleich durchaus suchen und genießen.

Da wir uns ja sonst nie so zahlreich sehen, nutzen wir die Meisterschafts-Wochenenden auch, um uns besser kennenzulernen und auszutauschen. Dazu wurde im Vorfeld ein Teamhotel herausgesucht, für Freitagabend ein Tisch reserviert und für Samstag ein Raum und ein Buffet bestellt. Das klingt einfacher als es ist, denn in ganz Schwäbisch Gmünd gibt es beispielsweise keine Pizzeria, bei der man für über 20 Personen einen Tisch reservieren kann.

Wir sind frühzeitig angereist und haben uns ein paar Sehenswürdigkeiten der Stadt angeschaut. …

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Das Rokoko-Schlösschen ist eins der Wahrzeichen der Stadt.

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Der Fünfknopfturm ebenso.

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Eine gute Idee zur Innenstadtgestaltung waren die orangenen Sessel, die überall herumstanden. Martina und Kathi testeten den Komfort.

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Freitagabend trafen sich einige zum Pizzaessen. Das war sehr nett und lecker. Einige besuchten auch das Symmposium und kamen dann später nach.

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Vor dem Start gab es das übliche, große Hallo und das traditionell unvollständige Mannschaftsfoto (oben).

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Die meisten von uns hatten unser Trikot an und waren auch in der Menge gut zu erkennen. Wolfgang Neuweiler war einer von sieben Läufern, die in Schwäbisch Gmünd in unserem Meisterschaftsteam ihr Debut gaben.

Die ersten Kilometer verliefen flach und abschüssig durch den Ort und kaum einer, der nicht der Versuchung widerstand, schneller als das geplante Tempo zu laufen. Doch schon bald kam der Aufstieg zum ersten Berg, dem Hohenstaufen bei km 17. Die Hälfte der Strecke war beim Gipfel dem Hohenrechberg erreicht. Hier gab es auch die Option, ins Ziel der 25km-Läufer zu laufen und einige wenige machten von dieser Option Gebrauch. An dieser Stelle hatte man allerdings bereits 700 Höhenmeter von 1100 hinter sich und die zweite Hälfte wurde deutlich einfacher. Wer sich die Kräfte gut eingeteilt hatte, lief problemlos einen negativen Split – was nebenbei angemerkt den Allerwenigsten gelang. Bei km 27 begann der Anstieg zum letzten Kaiserberg und höchsten Punkt der Strecke, dem Stuifen.

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An dieser Stelle standen unsere Betreuer Theodora Meinke, Uschi Hübner und Guido Pielmeier zusammen mit Martina Stumpf-Irrgang, um alle Läuferinnen und Läufer zu motivieren und zu fotografieren. Etwa 4 Kilometer sppäter liefen alle noch einmal an dieser Stelle vorbei, um die letzten 17 Kilometer und paar Höhenmeter in Angriff zu nehmen.

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Falk Sittner kam als erster durch und lief die schnellste Zeit aus dem Team.

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Markus Meinke, neu im Verein und noch ohne Trikot.

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Fabian Benz - wieder einer unserer Besten!

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Hans-Dieter Jancker zeigte einmal mehr eine unglaublich gute Altersklassen-Leistung.

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Fank Gehle erstürmte kraftvoll und gut gelaunt den Berg.

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Jonathan Gakstatter ist unser Jüngster im Team.

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Andreas Hilt war bereits wieder auf dem Rückweg unterwegs.

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Unser Vielstarter Peter Hübner lief erst vor kurzem den Spartathlon.

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Unser Lokalmatador Walter Hösch zeigte sich wie immer perfekt vorbereitet.

IMG 0560Roland Krauss hat eine sagenhaft erfolgreiche und volle Saison hinter sich.

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Sylvia Faller bei ihrer dritten DM in diesem Jahr. DUV-Geschäftsführer Roland Riedel kann ihr am Berg nicht folgen.

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Katrin Tüg-Hilbert, Evi Piehlmeier und Christian Mohr. Der ehemalige DUV-Präsident Jörg Stutzke gesellt sich gerne zur Gruppe.

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Lauffreude pur versprüht Claudia Lederer, die sich das Rennen perfekt einteilte.

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Franz Holzleitner ist einer unserer beständigsten Läufer.

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Werner Kempken bei seinem Vereinsdebut.

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Jürgen Geier geht gut gelaunt die letzten Kilometer an.

Das Ziel war mitten in der Stadt am Prediger, einem weiteren Wahrzeichen der Stauferstadt. Kurz davor beim Einlauf in die Zielgeraden ergab sich die Möglichkeit für weitere Bilder.

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Ich konnte die Strecke voll genießen und mich am Ende über eine für mich guten Leistung freuen.

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Auch Kathi Bey, eine unserer Trailliebhaberinnen, kam auf ihre Kosten.

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Martin Kurz gewann den Coolness-Preis der Gruppe.

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Hilmar Gärtner lief flotten Schrittes dem Ziel entgegen.

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Evi Piehlmeier legte einen tollen Endspurt hin.

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LG Ultralauf Präsident Christian Mohr und Katrin Tüg-Hilbert liefen die gesamte Strecke zusammen.

Beim Zieleinlauf wurden alle einlaufenden Läuferinnen und Läufer lautstark begrüßt. Für den Nachmittag war Regen angekündigt, welcher jedoch erst viel später kam und so bot sich allen eine wunderbare Atmosphäre. Im Ziel gab es dann Getränke, Speisen und die Möglichkeit, viele Geschichten auszutauschen.

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Jens Allerheiligen gewann nach eigenem Bekunden die Oberschenkel-Muskelkater-Wertung.

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Martin Kurz und Jens Kruse auf dem Weg zurück ins nahegelegenen Hotels.

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Kerstin Hommel kurz vor ihrem Zieleinlauf.

P1140516Bis zur Siegerehrung hatten die meisten, aber längst nicht alle Zeit, um im Hotel zu duschen. Die Siegerehrung offenbarte die Kapazitätsgrenze der Räumlichkeiten und bestätigte, was in den Vorberichten vermutet wurde: Eine sehr gute Leistungsspitze der Sieger der Gesamtwertungen und einiger Altersklassen. Bei den Frauen gewann Elisabeth Fladerer vom TG Viktoria Augsburg in 3:57:30 und bei den Männern Kay-Uwe Müller vom TSG Schwäbisch Hall in 3:17:59. Bei der für die Bundesliga so wichtigen Mannschaftswertungen gab es eine dicke Überraschung, denn die Männer von TV Hinterweidenthal gewannen bei den Männern. Außerdem in den Top 6 waren LG Nord Berlin auf Platz 2 dank eines überragenden Fran Merrbach, auf Platz 3 TSV Kusterdingen, auf Platz 4 nur eine Minute langsamer LG Allgäu/Kempten, knapp vor LG Ultralauf und LC Blueliner. Dabei lagen bei der Addition der drei Zeitschnellsten der Vereine zwischen dem 3. Und 6. Platz nur 12 Minuten! Insgesamt weist die Ergebnisliste 28 Mannschaften aus, davon 7 der LG Ultralauf, welche die Plätze 5, 8, 12, 16, 19, 21 und 28 belegten.

Zunächst wurden wie üblich die Gesamtsieger geehrte, dann die Altersklassensieger, schließlich die Mannschaften.

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Als erste wurde Kathi Bey geehrt. Sie belegte in ihrer Altersklasse W20 den 6. Platz.

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Die ersten drei einer Wertung erhalten Medaillen. Hier war unsere Ausbeute dieses Mal nicht sehr hoch. Eine von zwei Medallien gewann Claudia Lederer mit ihrem dritten Platz in ihrer Altersklasse.

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Claudia Faller belegte in ihrer sehr starken Klasse einen sehr guten fünften Platz.

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Frank Gehle wurde 4. seiner AK.

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Falk Sittner wurde trotz klasser Zeit "nur" 5. in seiner AK und bekommt von DUV Präsidiumsmitglied Brigitte Rodenbeck die Urkunde.

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Eine der besten Leistungen des Tages zeigte Hans-Dieter Jancker, der seine Altersklasse M65 mit einem 30-minütigen Vorsprung gewann.

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Bei den Frauen gewann erwartungsgemäß LG Nord Berlin vor LG Allgäu/Kempten und unserer Mannschaft bestehend aus Claudia Lederer, Sylvia Faller und Katharina Bey. Unsere zweite Frauenmannschaft wurde 5. Mannschaft. Insgesamt gab es acht Frauenmannschaften in der Wertung. Evi Piehlmeier und Kerstin Hommel sowie Katrin Tüg-Hilbert (fehlt auf dem Bild) lieferten die zugehörigen Einzelleistungen.

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Die siegreichen Frauenmannschaften bei der DM.

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Dieses Jahr gab es bei den Männern ein sehr starkes Feld mit vielen Mannschaften. Wir hatten sehr viele sehr gute Einzelleistungen und drei Mannschaften gut platziert, aber selbst für unsere Schnellsten reichte es dieses Mal nur für den fünften Platz. Markus Meinke, Falk Sittner und Hans-Dieter Jancker trugen mit ihren Zeiten dazu bei.

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Eine schöne Tradition ist das gemeinsame Foto aller geehrten Mannschaften, bei dem sich DUV Präsident Günther Weitzer gerne dazugesellt.

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Unsere M50+-Mannschaft mit Walter Hösch, Jens Kruse und Hans-Dieter Jancker belegte den hervorragenden zweiten Platz.

Bei den Männern 50+, in denen Mannschaften aus den höheren Altersklassen gebildet werden, gab es insgesamt 11 Mannschaften in der Wertung, davon 3 der LG Ultralauf auf den Plätzen 2, 7 und 10.

Bei den Mannschaften waren wir also wieder einmal recht erfolgreich. Bei den Altersklassen gab es – wie erwartet - bei der Quantität und Qualität des Starterfeldes für uns nicht viel zu gewinnen. In der Klasse M45 gab es unglaubliche 65 Finisher, bei der zweitstärksten Altersklasse M50 immer noch 60 Finisher! Bei den Frauen ergibt sich das gleiche Bild: 18 werden in der W45 aufgeführt und 15 in der W50.

Für die Ultramarathon Bundesliga gibt es für gute Einzel- und Mannschaftleistungen "Rohpunkte", die dann addiert werden und ein Ranking der Vereine ermöglichen. Daraus ergibt sich dann die "Mannschaft des Tages" sowie für jeden Platz eine festgelegte Menge von Wertungspunkten. Nach diesen Wertungspunkten ergibt sich eine Sortierung der Vereine, die Rohpunkte sind nachrangig wichtig, ähnlich der Tor beim Fußball.

BL Endstand

Insgesamt hingen dieses Jahr die Trauben für die Rohpunkte zur Berechnung der Ultramarathon Bundesliga sehr hoch, da viele Vereine punkteten. Wie erwartet gab es den Vereins-Dreikampf, den die LG Nord Berlin vor Kempten und LG Ultralauf entschied, dabei gab für den 2. Platz genau 1 Rohpunkt den Ausschlag! Diese drei Mannschaften belegen auch in der Endabrechnung der Bundesliga die ersten drei Plätze in der Reihenfolge LG Nord Berlin, die damit im dritten Jahr der Bundesliga zum dritten Mal gewinnen vor LG Ultralauf, die den zweiten Platz des Vorjahres wiederholen und LG Allgäu Kempten, die sich mit zwei sehr guten Meisterschaftsergebnissen den dritten Platz sicherten. Die nächsten 5 Vereine der Endabrechnung gingen in Schwäbisch Gmünd alle leer aus, obwohl sie teilweise recht zahlreich erschienen waren und teilweise auch einige Rohpunkte erzielt hatten.

Insgesamt können wir mit dem Saisonverlauf zufrieden sein. Die Vizemeisterschaft entspricht unseren Möglichkeiten, auch wenn man ab und zu verpasste Chancen und ein wenig Pech finden mag, aber diese Hätte-Wäre-Könnte-Varianten können andere Teams auch anbringen. Die Vizemeisterschaft des letzten Jahres brachte uns ein kleines Preisgeld, welches der Verein dem Meisterschaftsteam gerne zurückgeben wollte. So kam die Idee einer Jahresabschlussfeier, die wir in Schwäbisch Gmünd auch organisierten.

Rueckschau

Nach der Siegerehrung gab es noch einen sehr gemütlichen Abend mit einem leckeren Büffet schwäbischer Spezialitäten, einer Rückschau von mir mit vielen Bildern und einem beeindruckenden Bericht vom Deutschlandlauf von roland Krauss.

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Roland Krauss berichtete vom Deutschlandlauf.

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Fabian Benz und Walter Hösch.

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Markus und Theo Meinke

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Volker Greis, der extra zur Feier anreiste wurde von Pauline und Paul eingerahmt, die mit ihm in der BUF-Staffel im August liefen und sich über das Wiedersehen freuten.

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Bettina Keilen und Kathi Bey.

Auf diese Weise gab es einerseits einen Motivationsschub für das nächste Jahr wieder an Meisterschaften teilzunehmen und andererseits auch gleich die Gelegenheit sich zu verabreden. Ich glaube, dass 2018 wieder ein sehr gutes Jahr wird. Wir haben uns fest vorgenommen, an allen Meisterschaften teilzunehmen und gut abzuschneiden. Dabei wird aber auch im nächsten Jahr die Gemeinschaft und der Spaß im Vordergrund stehen. Am Sonntag gab es im Teamhotel noch ein gemeinsames Frühstück, bevor jeder seine Heimfahrt antrat. Eine größere Gruppe wird sich wohl in Rodgau treffen.

 

Ein paar Zahlen zur Veranstaltung: Der offene Lauf weist 454 Finisher aus, 10 hatten den Lauf nicht beendet und weitere 44 Starter der 50 km-Strecke beendeten bereits zur Hälfte das Rennen und wurden in die 25km-Wertung aufgenommen, 44 Personen waren angemeldet, sind aber nicht gestartet. 371 Einträge weist die Liste zur Deutschen Meisterschaft auf. Mehr Einträge bei einer 50km DM gab es zuletzt 1999 in Hanau Rodenbach. Es gab 447 vorangemeldete Starter und demnach etwa 100 Nachmeldungen. Die Differenz 371 DM-Finisher bei 454 Finisher im offenen Lauf ist etwas überraschend, da vermutlich 98% der Starter für die DM startberechtigt waren und alle Voranmelder automatisch zur DM zugeordnet wurden, die Nachmelder aber ein Kreuzchen setzen mussten, was viele nicht taten.

Von der LG Ultralauf waren 21 Männer und 7 Frauen vorangemeldet; nur eine Frau konnte nicht starten, dafür hatten wir einen Nachmelder. Alle haben das Ziel erreicht! Wir hatten bereits in Münster mit 21 Männern und 6 Frauen eine ähnliche Gruppe am Start. Hier sind die Ergebnisse, wobei die Platzierungen aus dem offenen Lauf sind.

Gesamt- Rang Leistung Nachname, Vorname  Jg. M/W Rang M/W AK AK Rang
28 4:08:41 h  Sittner, Falk 1981 M 26 M35 5
40 4:18:16 h   Jancker, Hans-Dieter 1952 M 35 M65  1
50 4:22:57 h   Meinke, Markus 1976 M 45 M40  12
52 4:23:42 h   Hilt, Andreas 1976 M 46 M40  13
85 4:38:31 h   Benz, Fabian 1988 M 73 M20  4
89 4:39:32 h   Neuweiler, Wolfgang 1974 M 76 M40  18
95 4:41:19 h   Hösch, Walter 1959 M 80 M55  7
98 4:42:33 h   Rumm, Harald 1975 M 83 M40  20
133 4:53:38 h   Gehle, Frank 1989 M 109 M20  7
153 4:57:51 h   Gakstatter, Jonathan 1996 M 124 M20  9
154 4:58:05 h   Lederer, Claudia 1977 W 30 W40  3
166 5:02:02 h   Kruse, Jens 1965 M 134 M50  29
167 5:02:11 h   Irrgang, Michael 1964 M 135 M50  30
172 5:03:23 h   Hübner, Peter 1960 M 140 M55  11
178 5:04:44 h   Krauss, Roland 1962 M 146 M55  12
209 5:14:51 h   Bey, Katharina 1990 W 38 W20  6
222 5:19:08 h   Allerheiligen, Jens 1968 M 182 M45  46
223 5:19:08 h   Faller, Sylvia 1965 W 41 W50  5
243 5:23:22 h   Kurz, Martin R. 1964 M 199 M50  41
246 5:24:04 h   Faller, Franz 1970 M 201 M45  50
250 5:24:36 h   Gärtner, Hilmar 1965 M 205 M50  43
273 5:30:26 h   Piehlmeier, Eva 1971 W 51 W45  11
289 5:35:04 h   Tüg-Hilbert, Katrin 1970 W 53 W45  12
290 5:35:04 h   Mohr, Christian 1968 M 237 M45  62
331 5:50:51 h   Hommel, Kerstin 1961 W 62 W55  8
366 6:04:54 h   Holzleitner, Franz 1950 M 301 M65  9
373 6:08:12 h   Geier, Jürgen 1963 M 308 M50  68
428 6:49:30 h   Kempken, Werner 1957 M 350 M60  30

Ergebnisse vom Veranstalter: Link

Text und die meisten Bilder: Michael Irrgang, Je ein Bild von Evi Piehlmeier und Günther Weitzer, 25.10.2017

Die Bundesligasaison endet am kommenden Samstag mit der Deutschen Meisterschaft über 50 km in Schwäbisch Gmünd. Drei Mannschaften haben gute Aussichten den begehrten Titel „Mannschaft des Tages“ zu erhalten.

SG V1

Bereits an der Zugspitze gab es das gleiche Dreierduell zwischen LG Allgäu/Kempten, LG Nord Berlin und LG Ultralauf und nach den aktuellen Meldezahlen scheint sich dieser Dreikampf zu wiederholen. Während bei Männermannschaften damals Kempten überragend auf Platz 1 und 2 und damit vor LG Ultralauf und LG Nord lag, gewann LG Ultralauf bei den Frauen. Das Bild zeigt ein Teil der Läufer der erfolgreichen Mannschaften beim ZUT.

Auch in der Endabrechnung lag damals Kempten vor LG Ultralauf und den Berlinern. Aber die Strecke in Schwäbisch Gmünd ist deutlich kürzer und technisch nicht so anspruchsvoll wie damals an der Zugspitze. Auch ist das Berliner Team viel größer und sehr gut besetzt, weil es nämlich um mehr als den Tagessieg geht. Zwischen LG Ultralauf und LG Nord Berlin entscheidet sich am Samstag, wer die diesjährige Bundesligasaison gewinnt. LG Nord Berlin liegt aussichtsreich vorne, aber der Abstand kann noch aufgeholt werden. Kempten kann sich durch einen Erfolg noch vom siebten Platz auf den dritten schieben – vorausgesetzt, sie schneiden deutlich besser ab, als die aktuell vor ihnen platzierten Vereine.

Die größten Teams im beeindruckend großen Starterfeld stellen neben uns LG Nord Berlin und DJK Schwäbisch Gmünd, etwas weniger haben LG Allgäu Kempten, AST Süßen und die LC Blueliner. Der Veranstalter rechnet noch mit vielen Nachmeldungen und in Summe über 500 Startern!

Viele Starter eines Teams helfen, sind aber nicht entscheidend, um in der Endabrechnung der Bundesliga-Tageswertung vorne zu stehen. Nach einem komplizierten Punktesystem werden Einzel- und Mannschaftsergebnisse in Punkte bewertet und diese addiert, wobei es für die Männer- und Frauenmannschaften die meisten Punkte gibt. Weitere Wertungskategorien sind die Mannschaften 50+, in der nur Läuferinnen und Läufer gezählt werden, die in den Altersklasse MW50 oder höher starten. In der Gesamtwertung bekommen die besten 6 Männer und Frauen Punkte und in den Altersklassen die besten 3.

Um in der Tageswertung vorne zu sein, muss man etwa zwei Mannschaften TOP 3 platziert haben, dazu einige AK-Punkte einsammeln und entweder über die Gesamtwertung oder der 50+-Mannschaft weitere Punkte einfahren. Ohne sehr gute Mannschaften geht da nichts.

Die Laufpartner haben mit Martin Ahlburg und Almut Dreßler zwei Top-Favoriten am Start, die günstigstenfalls beide gewinnen! Das bringt jeweils 6 Punkte für den Gesamtsieg und 3 Punkte für den Sieg in der Altersklasse und in Summe 18 Punkte. Das könnte für Platz 4 in der Tageswertung reichen, mehr aber nicht, denn vorne sind mit Kempten, LG Nord und LG Ultralauf drei Vereine, die alle drei sowohl eine starke Männer-, Männer 50+- und Frauenmannschaft haben. Nach den aktuellen Anmeldungen sehe ich bei beiden Männermannschaften Kempten vorne, weswegen sie für mich auch der Favorit für die Tageswertung sind. Berlin hat mit Patricia Rolle, Katrin Grigalat und insbesondere Frank Merrbach drei Läufer am Start, die in der Gesamtwertung auf das Podest laufen und eine solide Basis für ihre Mannschaften bilden können.

SG V2

Unsere erfolgreichen Frauen aus Grainau, Claudia Lederer, Sylvia Faller und Katharina Bey werden auch in Schwäbisch Gmünd am Start stehen, sind aber im Vergleich zu den Mannschaften aus Berlin und Kempten eher Außenseiter.

Auch wenn uns ein paar Spezialisten fehlen, ist unser Team sehr stark vertreten und wir hoffen, in drei Mannschaftswettbewerbe einen Podestplatz zu erzielen. Meine Vermutung ist, dass bei den Mannschafts-Wettbewerben Männer, Männer 50+ und Frauen jeweils die Mannschaften Allgäu, Berlin und wir die Podestplätze unter sich ausmachen und die Reihenfolge entscheidend für die Tageswertung ist. Bei dem Wettbewerb Frauenmannschaft 50+ hat nur LG Nord Berlin eine Mannschaft, da unsere voraussichtlich nicht zustande kommt. Alle drei Vereine haben Stärken und keine Schwächen. Kempten bei den Männern, Berlin bei den Frauen, wir haben traditionell die beste zweite Mannschaft und bekommen einige Punkte in den Altersklassen. Alle drei Teams wurden nebenbei angemerkt bereits schon einmal in dieser Saison "Mannschaft des Tages".

SG V3Das Endresultat lässt sich kaum abschätzen, zumal es ja noch ein paar Unbekannte in der Rechnung gibt. So werden sicher nicht alle gemeldeten Läufer starten und dafür noch einige Leute nachmelden. Im Bereich der Einzelleistung erschwert das große Teilnehmerfeld jegliche Prognose, so gibt es in Summe 67 Starter in der AK M50, in der M45 sind es mit 59 unwesentlich weniger. Bei den Frauen gibt es in den gleichen Altersgruppen 20 und 19 Starterinnen.

Silke Stutzke vom Ultrateam der LG Nord Berlin nach 2016 den Pokal in Empfang, den sich der Verein durch den Gewinn der ersten Saison der Ultramarathon-Bundesliga verdiente. Aktuell führen die Berliner mit einem einzigen Wertungspunkt. Sollte sich LG Ultralauf vor den Berliner platzieren, so hat LG Ultralauf dieses Jahr gewonnen!

 

Der aktuelle Stand in der Ultramarathon-Bundesliga:

Platz Verein Punkte
1 LG Nord Berlin Ultrateam 89
2 LG Ultralauf 88
3 LG Mauerweg Berlin e.V. 40
4 Ultra Sport Club Marburg 40
5 SV Schwindegg 34
6 LC Blueliner 30
7 LG Allgäu/Kempten 27

Sollte Kempten mindestens dritter Verein der Tageswertung werden, würde der Verein dafür 18 Punkte bekommen und auf Platz 3 springen, falls die anderen Vereine nur wenige Wertungspunkte bekommen. Marburg ist gar nicht vertreten, Schwindegg nur mit einer kleinen Männermannschaft und Aussicht auf ein paar AK-Punkte.

Die Mauerwegläufer haben 8 Starter gemeldet, davon eine Männer- und eine Frauenmannschaft. Das bringt schon einmal ein paar sichere "Rohpunkte"! Wesentlich stärker ist allerdings das Team LC Blueliner einzuschätzen, immerhin 10 Starter, 2 Männermannschaften, eine Männer 50+ und eine Frauenmannschaft.

Aber es gibt viele Mannschaften, genauer 36 Männermannschaften, 13 Männer50+-Mannschaft, 10 Frauenmannschaften und eine Frauen50+-Mannschaft. Und dann gibt es ja auch noch Vereine mit sehr guten Einzelstartern, wie z.B. Die Laufpartner. Ich schätze, dass DJK Schwäbisch Gmünd die besten Chancen auf Platz 4 der Tageswertung hat und Die Laufpartner und die Blueliner folgen. In der Bundesligaendabrechnung wird vermutlich Kempten auf Platz 3 vorrücken vor den Bluelinern und den Mauerwegläufern aus Berlin. Aber, ob die Tabelle wirklich noch einmal komplett umgekrempelt wird? Lauter Spekulation! Am Samstagabend wissen wir mehr. Es wird einen spannenden Wettkampf geben und in der Folge eine spannende Auswertung. Da von der DUV angekündigt wurde, dass es für die besten 6 Vereine Geldpreise zu gewinnen gibt, geht es für die meisten Vereine noch um etwas!

Text und Bilder: Michael Irrgang, 17.10.2017

Südtirol Ultra Skyrace (121 km, 7.554 HM) - The most extreme Experience in the Alps Extremberglauf entlang der Hufeisentour in den Sarntaler Alpen

001 Suedtirol Ultra Skyrace StreckeIm Sommer 2015 machten wir Urlaub in Oberbozen, Südtirol. Wir waren in der nahen Umgebung wandern und dabei sind mir seltsame Schilder aufgefallen, die ich näher inspizieren musste. Es waren Hinweisschilder des Südtirol Ultra Skyrace - ich informierte mich und da ließ mich ein Gedanke nicht mehr los!

Schon lange habe ich jetzt daraufhin gefiebert, im Winter eine längere Trainingspause und anschließend reduziert trainiert wegen Leistenproblemen, im Juni dann eine Daumenverletzung mit 3-wöchiger Krankschreibung. Die Vorbereitung war also alles andere als optimal. Aber die Wochen vor dem Lauf gingen dann ganz gut, einige längere Trainings-Bergläufe mit Höhenmetern waren dann doch noch drin.

Bereits am Donnerstag ging’s nach Andrian, einem Vorort von Bozen. Am Freitag, 28.07.2017 konnte man tagsüber seine Startunterlagen holen, ab 17:00 Uhr gab’s Pastaparty, wo ich Laufkollegen Klaus Matthee (Teilnehmer des 10. DUV-Trainingslagers in Hinterstein kennen ihn) traf. Übrigens sind auch bei Massenversorgung die italienischen Pasta einfach lecker!

005 35525636433 e9b067ff2a o Startbereich

18:00 Uhr begann das verpflichtende Briefing, Start war pünktlich um 20:00 am zentralen Waltherplatz in Bozen, Zeitlimit: 40 Stunden für die 5. Auflage des SUSR. Vorher konnten Dropbags für das Pennser Joch (die Hälfte der Strecke) und das Ziel (mit Duschen, Massage etc.) abgegeben werden und beim Einlass zum Startbereich fand noch wie inzwischen üblich eine stichprobenartige Kontrolle der Pflichtausrüstung statt.

007 35525520123 d3b6b38839 o Start

Durch Bozen war der Weg gesäumt von Zuschauern, die uns Läufer freudig anfeuerten. Am Stadtrand ging’s dann gleich einmal heftig ansteigend (20% Steigung) Richtung Oberbozen, die ersten 1.000 HM wurden so auf den ersten 7 km schon mal absolviert. Hier, beim ersten VP, waren nochmals viele Zuseher, Freunde und Familienmitglieder einiger Läufer. Die Dämmerung war jetzt schon fast in die Nacht übergegangen, so wurde es Zeit, die Stirnlampe aufzusetzen und die Ärmlinge hoch zu ziehen.

012 35616841053 db440c805a o PenserJoch1

Weitere 1.000 HM galt es bis zum nächsten VP zu überwinden. Das Rittner Horn (19 km, 2.080 HM) war trotz der Höhenmeter noch auf einfachen Wegen zu erreichen. Hier war sogar ein 2. Zelt mit Heizung aufgebaut, welches ich aber nur kurz besichtigte, nach kurzer Verpflegung lief ich gleich weiter. Bis hierher kannte ich die Gegend von 2015 bei Tageslicht, nun ging es in unbekannte Gefilde, die ausgezeichnete Streckenmarkierung und die Lichter der Läufer vor mir wiesen mir weiter den Weg. Die ersten alpinen Kostproben gab es dann beim Aufstieg zur Sarner Scharte (2.460), inklusive teilweiser Seilsicherung, die aber nicht wirklich notwendig war. Plötzlich war in der Entfernung ein heller Lichtfleck erkennbar, der zunehmend größer wurde. Der nächste Verpflegungspunkt nahte. Das Totenkirchl (30 km, 2.763 HM) war in der Nacht und im Nebel gar nicht als Kapelle erkennbar. Die Überdachung davor prägte in der Nacht das Bild, umrahmt von Holzgeländer. Hier nahm ich gerne warmen Tee etwas Brot und Wurst zu mir. Die Flüssigkeitsvorräte wurden ebenfalls aufgefüllt, damit es zügig weitergehen kann. Noch ein wenig weiter aufwärts. Plötzlich fehlte die Orientierung. Der Nebel hatte nochmals deutlich zugenommen und die nächste Markierung war nicht zu finden. Wieder ein paar Schritte zurück, in diesem Moment war ich alleine. Die Stirnlampe auf maximale Lichtstärke - und tatsächlich ließ sich im Nebel ein kleines reflektierendes Etwas erahnen. Nach ein paar weiteren solcher „Suchaktionen“ ging's wieder etwas abwärts und damit auch aus dem Nebel heraus. Der weitere Weg über die Stöfflhütte bis zum VP4 Schutzhaus Latzfonser Kreuz (39 km, 3.011) verlief relativ unspektakulär. Dankbar nahm die warme Brühe an, inzwischen war es 04:00 Uhr und noch dunkel, aber die Dämmerung würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ca. 40 Kilometer und 3.000 Höhenmeter in 8 Stunden, das heißt ca. 2 Stunden für 10 Kilometer.

Bei einer Entfernung von 121 Kilometer könnte ich vielleicht noch bei Tageslicht wieder in Bozen ankommen. Frisch gestärkt sollte es zügig weitergehen. Aber jetzt wurde es für mich richtig ungemütlich und anstrengend. Fast die ganze Strecke ging über Geröll- und Schotterhänge. Kaum ein wirklich schön zu laufendes Stück Weg. Immer konzentriert auf den nächsten Schritt merkte ich doch auch ein wenig die Müdigkeit. Bei der Flaggerschartenhütte (50 km, 3.706 HM) wartete die nächste Verpflegung. Die war auch dringend nötig, es war schön kurz etwas zu rasten, sich zu stärken, andere Menschen um sich zu haben. Bis zum Penser Joch (2.211) sollte es ja nicht so weit sein, nochmals 9 Kilometer, dann wäre die Hälfte der Strecke (und mehr als die Hälfte der Höhenmeter) ja schon geschafft.

013 36286796561 3d620a4a62 o PenserJoch2Aber die Strecke dorthin ging genauso weiter wie die letzten 10 Kilometer: hauptsächlich Geröll und Schotter - so mühsam! Gegen 10:30 Uhr erreichte ich dann endlich das Penser Joch (59 km, 4.205 HM). Über 6 Stunden für die letzten 20 Kilometer, das waren ja tolle Aussichten für den weiteren Verlauf der Veranstaltung. Naja, ich habe etwas Pasta gegessen, ein alkoholfreies Bier getrunken, nebenbei die Socken, Schuhe und das Leiberl gewechselt. Ein Blasenpflaster habe ich dabei auch noch vorsorglich an einer gereizten Stelle am Fuß angebracht und alles gut geschmiert. Mit der Powerbank aus dem Dropbag habe ich während des ca. halbstündigen Aufenthaltes auch noch die Akkus von Handy und Stirnlampe nachgeladen. Einige andere Läufer haben sich hier aus dem Rennen verabschiedet. Nach ca. einer halben Stunde fühlte ich mich doch wieder etwas gestärkt, es war ja noch nicht mal Mittag - weiter ging’s mit neuer Kraft und frischem Mut.

018 35589782784 26d3636b10 o Ebenbergalm1

Der nächste Gipfel wartete auf mich, dann sollte es erstmal steil abwärts gehen bevor die letzten beiden ordentlichen Anstiege auf mich lauerten. Tja, was soll ich sagen, ratet mal den Namen des nächsten Gipfels??? Gerölljoch - GERÖLLJOCH!!! Dazu braucht es nicht mehr Worte - alles klar? Vom Gipfel des Gerölljochs (2.557) ging es jedenfalls ziemlich steil abwärts. Meine Beine wollten nicht mehr laufen, mehrmals versuchte ich es, aber das schnelle Gehen wollte nur im allerletzten Abschnitt talabwärts wieder in Laufen übergehen. Mehrere Läufer holten mich ein und waren schon bald weit vor mir. Ich nahm etwas von meiner Reserveverpflegung aus dem Rucksack zu mir, vielleicht hatte ich doch zu wenig Kalorien zu mir genommen, irgendwann habe ich kein Gespür mehr dafür, ob ich noch etwas brauche oder nicht, Kalorien zählen ist mir gänzlich unmöglich.

Unten im Tal setzte ich mich dann kurz auf eine Bank, trank noch etwas, schmierte gereizte Stellen nach und besann mich auf den weiteren Weg. Über die Hälfte hatte ich inzwischen hinter mir (an Höhenmetern sowieso), das Zeitlimit war noch weit weg. Nun gut, die zweite Nacht wartete auf mich, aber das sollte jetzt auch nicht ein ernsthaftes Hindernis sein - also: pack mers, weiter geht’s!

019 36256593332 0094ba0049 o Ebenbergalm2

Irgendwann kam dann die Ebenbergalm (72 km, 4.959 HM) in Sicht, von oben wurde eifrig gewunken und angefeiert. Noch schnell um eine Kurve und dann steht da das nächste Verpflegungszelt. Wieder klare Brühe für mich und Cola. Habe ich den ganzen Lauf noch nicht getrunken, aber jetzt war es eine richtige Wohltat! Bisher war es ziemlich bewölkt gewesen, die letzten Kilometer zeigte sich die Sonne aber immer öfter und jetzt hatte ich doch ziemlich Durst (obwohl mein Vorrat noch nicht leer war). Wieder Flüssigkeit auch in den Flaschen nachgefüllt und auffi geht’s. Ich konnte mich einer Gruppe anschließen, die vor Eintritt der Nacht den letzten Gipfel überwunden haben wollte - auch mein Wunsch! Bis kurz vor dem Gipfel des Alpler Nieder (2.624) konnte ich mithalten, dann verlor ich aber zunehmend den Anschluss. Aber der vorletzte Gipfel war geschafft! Eigentlich gar nicht so schwer. Jetzt wieder etwas abwärts, nächster VP und dann letzter Gipfel! … dachte ich.

026 36029268390 8a5bc3cbe0 o HirzerHütte6

Nein, es ging nicht gleich wieder abwärts. Erst noch etwas direkt oben am Grad entlang und dann… Ein Stück Fixseil entlang einer steil abfallenden Wand ohne Weg - aber am Ende des Seils weiter Markierungen des Laufes. Also irgendwie entlang hangeln, mit den Füßen kleine Vorsprünge suchen und mit den verschwitzen Händen gut am Seil anhalten. Dann ging es doch noch abwärts. Aber mir graute vor dem letzten Gipfel. Beim Briefing hieß es, dass hier das gefährlichste Stück auf uns warten sollte - hoffentlich doch noch im Hellen. Erstaunlicherweise konnte ich doch auch wieder laufen, zumindest abwärts. Der Weg wurde zunehmend zu einem Wanderweg, auf und ab, Wurzeln, Stock und Stein - aber doch immer einfacher und insgesamt abwärts. Dann plötzlich tauchten mehrere Hütten vor mir auf, bei einer Hütte ein Zelt, Menschen - es war die Hirzer Hütte (83 km, 6.024 HM). VP vor dem letzten steil ansteigenden und - so vorgewarnt - schwierigsten Teil der Strecke. Ca. 18:30 Uhr angekommen, zügig verpflegt und aufgefüllt, schnell sollte es weiter gehen, noch war es hell, es könnte sich bei Tageslicht der letzte Gipfel (Hirzer/Obere Scharte, 2.698) noch ausgehen.

025 36426449795 334ebb93c2 o HirzerHütte5

Über den Jägersteig ging es steil aufwärts, bald wurde ich überholt. Die nächste Zweiergruppe schloss auf. Sie wollten aber nicht überholen und so blieben wir gemeinsam zusammen, ein Italiener und ein Südtiroler, der hier zu Hause ist. Von ferne nahte uns im Rücken eine Gewitterfront und wir hofften, dass sie im Tal hängen bleibe. Bis zum Gipfel (hier wieder im oberen Bereich über Geröllfelder) und auch wieder abwärts schafften wir es noch beim letzten Tageslicht - die Gewitterfront folgte uns. Im Tal holte uns dann bald erst der Regen und dann auch das Gewitter ein. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Streckenposten der Bergwacht und dessen Rücksprache mit der Rennleitung setzten wir unseren Weg fort. Es regnete nicht stark und das Gewitter ließ glücklicherweise immer mehr nach. Die zweite Nacht hatte begonnen, wieder war von der Landschaft nicht viel zu sehen, nur das Gestrüpp und die feuchten Flechten leuchteten wie Silber. Das Licht und die Gedanken auf den Weg fokussiert setzten wir unseren Weg fort. Zwischen Kratzbergsee und Meraner Hütte wurde unser italiensicher Kollege dann schneller und setzte sich ab, der Südtiroler und ich blieben zusammen bis zum Ziel, das allerdings noch mit Hindernissen auf uns wartete. Richtung Meraner Hütte konnten wir uns zunächst noch gut orientieren, ein hölzernes Hinweisschild zeigte uns, dass wir bald dort wären.

027 36030812680 f734f33ab5 o MeranerHütte

Da sich der Weg aber endlos zog zweifelte mein südtiroler Begleiter langsam, ob wir noch auf dem richtigen Pfad wären. Schließlich setzte wieder starker Regen, kalter Wind und dichter Nebel ein und die Orientierung ging uns komplett verloren! Aus der dichten Nebelsuppe tauchte ein weiterer Läufer auf, dessen GPS-Gerät aber leider auch keine Hilfe war. Wir tasteten uns langsam vorwärts, mehr dem Gespür des Einheimischen trauend als wirklich sicher die Richtung wissend. Plötzlich tauchte vor uns ein Gebäude auf - die Bergstation der Seilbahn zur Meraner Hütte. Auch hier war wieder die Bergwacht stationiert und ein Helfer konnte uns bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Weiter abwärts tastend wurde der Nebel etwas lichter, so dass wir uns wieder besser orientieren konnten und freuten, als wir endlich die Meraner Hütte (96 km, 1.960 HM) erreichten. Hier war ein großes Hallo, dann mein Begleiter kannte die dortigen Betreuer. Wir wärmten uns kurz mit Suppe und Tee und setzten dann zu zweit den Weg wieder fort, unserer weiterer Begleiter wollte sich noch etwas länger erholen. Obwohl der restliche Weg bekannt war, hatten wir wegen des Nebels immer wieder Probleme, die Markierungen zu finden und uns zu orientieren. Plötzlich war es taghell und dann ein explosionsartiger Donnerschlag. Wir beide erschraken fast zu Tode. Auf freier Strecke ohne Bäume oder Unterstellmöglichkeiten forcierten wir das Tempo! Schließlich kamen wir den Bereich der Stoanarnen Mandeln - die Gegend kenne ich wieder. Aufgeschichtete Steine, die hier seit Ewigkeiten stehen prägen das Bild. Es ging weiter abwärts, immer noch Nebel, die Sicht reichte gerade von einer Markierung zur nächsten. Zum Glück nahm der Baumbestand zu und die Angst, direkt vom Blitz getroffen zu werden ab. Beim Möltner Kaser (104 km, 1.806 HM) dann das nächste Hallo. Hier versorgten wir uns aber nur kurz und wollten gleich weiter. Die Wege wurden langsam breiter und mehr zu Spazierwegen, so dass uns das Laufen wieder leichter fiel und wir sogar noch ein paar Kollegen vor uns überholen konnten. Es begann schon wieder langsam zu dämmern, als ich plötzlich von enormer Müdigkeit übermannt wurde. Dank meines Begleiters konnte ich aber trotzdem weiterlaufen und so erreichten wir Jenesien (116 km, 1.089 HM) dann bei Tagesanbruch. Kurz nochmals etwas getrunken und gegessen und schon wieder weiter abwärts, dem wartenden Ziel entgegen. Aber was für ein Weg noch - steil abwärts auf einer Asphaltstraße (ich glaube mit 35% Gefälle!). Das ging zum Schluss nochmals ordentlich in die Knie, 800 Höhenmeter auf ca. 4 Kilometer. Das allerletzte Stück ging dann entlang der Talfer auf Asphalt.

028b 36099068380 1b3030f9cb o Ziel2

Gemeinsam liefen wir dem Ziel entgegen und wären noch beinahe in die falsche Richtung über die Ziellinie gelaufen. Im letzten Moment war noch mal eine Wende eingeplant. Erschöpft, aber überglücklich nahmen wir unsere Medaillen und Finisher-Shirts entgegen. 34.53:13,0 Stunden war ich unterwegs gewesen, 121 km und 7.551 HM hatte ich bewältigt, 2 Nächte hintereinander laufend durch die Nacht.

031 IMG 3508Das war absolut mein härtester Ultratrail. Vor dem Start glaubt ich noch, dass 40 Stunden Zeitlimit locker reichten sollten - im Ziel war ich froh über den Puffer. Der Sieger Daniel Jung aus Südtirol war mit 18:33.12,9 fast halb so lange wie ich unterwegs. Aber die DNF-Quote mit 47% war hoch. 103 von 179 (57%) Männern und 11 von 22 (50%) Frauen erreichten letztendlich das Ziel in der Wertung.

Der SUSR (http://www.suedtirol-ultraskyrace.it/de/) ist ein liebevoll organisierter Lauf mit einigen Unterdistanzen, die aber zu anderen Zeiten gestartet werden als die Maximaldistanz mit 121 km, so dass ein „Umstieg“ auf eine kürzere Distanz nicht möglich ist. Die Strecke ist ausgezeichnet markiert (bei dichtem Nebel hätten auch Markierungsdistanzen von 10 Metern nicht ausgereicht) aber anspruchsvoll. Die Verpflegung ist ausreichend, die Betreuer überall sehr freundlich und extrem hilfsbereit. Im Anschluss an den Lauf machten wir hier noch eine gute Woche Urlaub und waren dann auch wandern, zum Teil auch auf Streckenabschnitten des Laufes, die ich nur in der Nacht erlebt hatte.

Erstaunt hatte mich im Nachhinein, wie sehr die Dunkelheit die Wahrnehmung einschränkt. Am meisten ist mir das beim Totenkirchl aufgefallen, wo ich erst nach mehrmaligem Nachschauen glauben konnte, dass ich hier vor einigen Nächten bei Dunkelheit und Nebel schon einmal gewesen war.

Text und Bilder: MartinKurz und Veranstalter, 16.10.2017

Philipp Reiter wurde mit einer Zeit von 19:23 Zweiter und Klaus Matthee 20. mit einer Laufzeit von 20:07.