Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Wenn am 10. März 2018 in Rheine der Start zur 100km-Deutschen Meisterschaft fällt, beginnt der Wettlauf um die 31. Meisterschaft. Bereits 1987 gab es die erste Ausrichtung, die untrennbar verknüpft ist mit Harry Arndt, der sich nicht nur als Ausrichter viel Lob und Anerkennung verdiente, sondern sich zuvor auch intensiv um die Einführung engagiert hat. Die Ausrichtung einer 100km-Meisterschaft war damals eines der Gründungsziele der DUV, die ja Ende Dezember 1985 gegründet wurde und viele Jahre von Harry präsidial angeführt wurde.

Die Premiere war auch gleich die Veranstaltung mit den meisten Teilnehmern. 256 Männer und 37 Frauen weist die DUV-Statistik aus. Mehr hat es nie wieder gegeben.

100k 1 Finisher

Insgesamt ist der Trend deutlich rückläufig, wobei die Frauenzahlen recht stabil um die 25 pendeln. Herausragend sind auch die Teilnehmerzahlen von 1990, 1996 und 2006. Auch diese Meisterschaften wurden von Harry in Hanau-Rodenbach ausgerichtet. Tiefpunkte der Finisher gab es 2011 Jütebog und 2014 Husum, aber leider auch 2017 in Berlin blieben viele mögliche Starter der Veranstaltung fern.

Wird Zeit, dass sich der Trend umkehrt und wieder eine teilnehmerstarke Veranstaltung stattfindet. Rheine bietet sicher eine sehr gute Infrastruktur und Strecke für schnelle Zeiten und eine würdige Atmosphäre.

Dabei ist die 100km-Strecke auch international die mit der größten Tradition und erfreut sich auch aktuell großer Beliebtheit.

In Japan gab es von Januar bis Oktober insgesamt 23 100km-Läufe, davon hatten 8 mehr als 1.000 Finisher. Der größte Lauf ist die Runde um den Lake Saroma mit 2311 Männer und Frauen in der Ergebnisliste. Auch in Europa gibt es große 100km-Läufe, allen voran die 100 km del Passatore, Firenze-Faenza (ITA) mit 2.195 Einträgen in der DUV-Statistik. Es folgen Millau (FRA) mit 1.244 Finishern und Race to the Stones 100 km Ultramarathon (GBR) mit 963 Einträgen in der DUV-Datenbank. Dieser Lauf weist sogar über 1.200 Höhenmeter auf! Auch Biel ist nicht gerade flach, hat von der Attraktivität vergangener Zeiten aber etwas eingebüßt, als es regelmäßig über 2.500 Finisher gab, zweimal sogar deutlich über 3.000. Dieses Jahr gab es einen neuen Minusrekord von 718, davon 275 aus Deutschland!

Der größte 100km-Lauf in Deutschland war 2017 der Thüringen Ultra mit 232 Finishern. Der Beschreibung ist zu entnehmen, dass es sich um einen Lauf über Feld- und Wiesenwege handelt, bei dem 2.250 Höhenmeter zu bewältigen sind. Der WHEW und Taubertal folgen mit jeweils deutlich über 100 Finishern. Das eine ist mit Biel vergleichbar mit einer zu lauenden, großen Runde mit 440 Höhenmeter, der andere ein sogenannter Punkt-zu-Punkt-Lauf entlang der Tauber. Die klassischen Rundenläufe in Leipzig und Berlin strahlen mit 47, bzw. 22 Finishern offensichtlich deutlich weniger Attraktivität aus.

100k 2 BL M

Beim Zeitenvergleich in der Welt sind die Leistungen im Zeitraum ab 2008 jährlich besser geworden mit sensationellen Spitzenzeiten. In Deutschland sind die Kurven von Platz 10 und Platz 25 die letzten Jahre gestiegen, auch wenn hier in der Spitze einerseits gute Zeiten präsentiert werden, die andererseits doch deutlich hinter der internationalen Spitze liegen.

100k 2 BL W

Bei den Frauen rettet Nele Alder-Baerens die Ehre, die 2017 aktuell auf Platz 2 der Weltjahresbestenliste geführt wird und 2016 sogar auf Platz 1 beendete. In der Tendenz scheinen die Kurven nur leicht zu steigen, wenn überhaupt.

Für die Gründe kann man nur spekulieren. Aber auffällig ist, dass viele sehr gute Läufer nur unregelmäßig Ergebnisse stehen haben. Teilweise besteht nicht jährlich das Verlangen nach einer TOP-100km-Zeit, teilweise liegt das aber auch daran, dass die Läufer ambitioniert in ein Rennen starten, z.B. mit dem Ziel, die WM-Norm zu unterbieten. Dann aber feststellen müssen, das Ziel nicht zu schaffen und die Rennen vorzeitig beenden. Gefühlt ist die 100km-Spitzengruppe viel größer, als es diese Zahlen hier ausdrücken!

Interessant ist die Entwicklung der Zeiten bei den Deutschen Meisterschaften.

100k 3 Zeiten

Diese Grafik zeigt die Entwicklung der Podestzeiten, also die Zeiten der besten 3 Männer und Frauen. Hier gibt es eine grobe Tendenz, dass die Zeiten schlechter werden, aber die Ausreißer sind schon beachtenswert. Das kann aber durchaus auch am Wetter oder sonstigen Bedingungen liegen. Man kann schon davon ausgehen, dass zu jeder Meisterschaft Kaderathleten und Spitzenläufer anwesend waren, die versucht haben, sich für die Nationalmannschaft zu qualifizieren, denn insbesondere im Spitzenbereich bieten Deutsche Meisterschaften eine leistungsfördernde Stimmung und durch die Runden eine perfekte Betreuungsmöglichkeit - sei es vom Veranstalter oder dem eigenen Team.

Auffällig sind teilweise die riesigen Abstände zwischen den Platzierten.

Bemerkenswert finde ich auch, dass in den ersten 10 Jahren alle drei Männer unter 7 Stunden bleiben. Bei der ersten Austragung 1987 waren es 7 Männer und auch bei der ersten 100km DM in Rheine blieben bei einer Siegerzeit von 6:38h 6 Männer unter der magischen Grenze.

2009 bei der DM in Ahrweiler blieb zum ersten Mal der Sieger oberhalb der 7 Stundenmarke, was in den nächsten 6 Jahren fünfmal der Fall war. In den letzten beiden Jahren konnten die jeweiligen Sieger André Collet und Benedikt Hoffmann unter dieser Marke bleiben. Benedikt Hoffmann unterbot dabei die A-Kader-Norm, die bei 6:50h liegt. Die B-Kader-Norm, die i.d.R. zur Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften berechtigt, liegt bei 7:15h.

Bei den Frauen liegen die Norm-Leistungen bei 7:50h und 8:30h, wobei die Gewinnerin der letzten beiden Jahre, Nele Alder-Baerens die A-Norm erfüllte und in den letzten Jahren die zweit- und drittplatzierte Frau immer die B-Norm erfüllte. 2017 war diesbezüglich hoffentlich ein Einzelfall.

Die Liste aller deutschen Meisterschaften

 

Datum Nr Veranstaltung Finisher
31.10.1987 1 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 293 (256 M, 37 W)
08.10.1988 2 100-km-Lauf Hamm-Heessen (GER) 157 (135 M, 22 W)
30.09.1989 3 100 km Lauf Unna-Lünern - DM (GER) 197 (169 M, 28 W)
28.04.1990 4 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 217 (184 M, 33 W)
12.10.1991 5 100 km Lauf Scheeßel (GER) 157 (128 M, 29 W)
05.09.1992 6 100 km Lauf Rheine-Elte - Deutsche Meisterschaft (GER) 176 (149 M, 27 W)
04.09.1993 7 100 km Lauf Rheine-Elte - Deutsche Meisterschaft (GER) 151 (127 M, 24 W)
24.09.1994 8 100 km Lauf Neuwittenbek (GER) 171 (139 M, 32 W)
30.04.1995 9 100 km Lauf Pfalzgrafenweiler - Deutsche Meisterschaft (GER) 100 (85 M, 15 W)
19.10.1996 10 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 196 (161 M, 35 W)
16.08.1997 11 Leipziger 100 km Lauf am Auensee - Deutsche Meisterschaft (GER) 118 (97 M, 21 W)
12.09.1998 12 100 km Lauf Neuwittenbek (GER) 94 (74 M, 20 W)
10.04.1999 13 Internationaler Spicher Hunderter - Deutsche Meisterschaft (GER) 157 (128 M, 29 W)
22.04.2000 14 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 111 (88 M, 23 W)
12.05.2001 15 100 km Lauf Neuwittenbek, Deutsche Meisterschaft (GER) 97 (64 M, 33 W)
31.08.2002 16 100 km Lauf Rheine-Elte - Deutsche Meisterschaft (GER) 103 (79 M, 24 W)
06.09.2003 17 100 km Peter-Lauf (GER) 80 (63 M, 17 W)
27.03.2004 18 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum (GER) 114 (89 M, 25 W)
13.08.2005 19 Leipziger 100 km Lauf am Auensee - Deutsche Meisterschaft (GER) 129 (106 M, 23 W)
29.04.2006 20 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - Deutsche Meisterschaft (GER) 193 (155 M, 38 W)
24.03.2007 21 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum - Deutsche Meisterschaft (GER) 89 (69 M, 20 W)
05.04.2008 22 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum - Deutsche Meisterschaft (GER) 115 (86 M, 29 W)
03.10.2009 23 Deutsche 100km-Straßenlaufmeisterschaften (GER) 94 (69 M, 25 W)
30.04.2011 24 Deutsche Meisterschaft 100km Jüterbog (GER) 48 (40 M, 8 W)
06.10.2012 25 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 92 (66 M, 26 W)
13.04.2013 26 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum - DM (GER) 87 (64 M, 23 W)
10.05.2014 27 100 Km in Husum - Deutsche Meisterschaft (GER) 59 (49 M, 10 W)
11.04.2015 28 100km von St. Leon-Rot (GER) 83 (60 M, 23 W)
20.08.2016 29 Leipziger 100 km Lauf am Auensee - DM 100km (GER) 104 (85 M, 19 W)
24.06.2017 30 100 Kilometer von Berlin - Deutsche Meisterschaft (GER) 56 (45 M, 11 W)
10.03.2018 31 100 km Rheine - Deutsche Meisterschaft (GER)  

Was war eigentlich 2010? In diesem Jahr vergab der DLV keine 100km-Meisterschaft. Die Auflagen sind wie auch das finanzielle Risiko recht hoch, die Entscheidungsprozesse im DLV teilweise langwierig – so ist das Interesse potentieller Ausrichter gering. 2010 war es leider nicht möglich, einen Verein als Ausrichter zu finden. Damals sprang die DUV in die Bresche und richtete einmalig „Deutsche DUV-Meisterschaften“ in Leipzig aus, die allerdings nicht als „richtige Meisterschaft“ gewertet wurde.

Die LG Ultralauf als ausrichtender Verein 2018, dessen Vereinsziel nicht der Sieg in der Ultramarathon-Bundesliga ist, sondern den Ultramarathonlauf zu fördern, hat das Ziel, den Wunsch und die Hoffnung, 2018 wieder eine große Meisterschaft zu organisieren, mit vielen sehr guten Leistungen.

Ein Rückblick auf die 100km Meisterschaften wäre unvollständig ohne eine Erwähnung der Lebensleistung von Michael Sommer, dem „100km-Mann“. In seiner langen und sehr erfolgreichen Laufbahn, die auch von internationalen Erfolgen gekrönt wurde, nahm er in den Jahren 1993 bis 2016 insgesamt 21mal an der 100km DM teil, hat dabei 9mal gewonnen und stand bei jeder Teilnahme auf dem Podest! Eine unvorstellbare Bilanz. Seit Jahren gibt er seine Erfahrung als Teamchef für die 100km Nationalmannschaft weiter.

2018 erwarten wir ein großes Spitzenfeld am Start, denn insbesondere die aktuellen und potentiellen 100km-Kaderathleten haben sich einen frühen Termin im Jahr gewünscht, um sich dort ggf. zu der Weltmeisterschaft im 100km-Lauf, die im September in Kroatien stattfindet, zu qualifizieren.

dm100 spitze

2015 in St. Leon-Rot entstand dieses Bild mit einer Gruppe, die konstant 4:20 min/km lief mit der WM-Norm-Zeit von 7:15 als Ziel. Ein Vorteil, die Norm bei einer DM zu versuchen, ist, dass man hier oftmals miteinander in einer Gruppe laufen kann.

Aber auch die anderen ambitionierten Läuferinnen und Läufer, die um Bestzeiten oder gute Altersklassenplatzierungen kämpfen, werden von den guten Bedingungen in Rheine begeistert sein. Übernachten in Einzel- oder Doppelzimmer oder in der Turnhalle direkt auf dem Gelände. Es wird durch eine riesige Flugzeughalle gelaufen, in der die Versorgung und Technik untergebracht ist, die Strecke ist sehr flach und weist wenig Kurven auf.

Eine Besonderheit weist die 100km-Meisterschaft im Vergleich zu den anderen Ultramarathon-Meisterschaften auf: Sie wird vom DLV veranstaltet. Der gravierendste Unterschied ist, dass man einen Startpass benötigt, um startberechtigt zu sein.

Rheine FB

In Rheine wird es auch einen offenen Lauf geben, der allen Interessierten die Teilnahme an diesem Event ermöglicht, aber für die DM gelten diese drei Regeln. DM-Teilnehmer müssen

  • einen Startpass haben,
  • sich unter dem Startpassverein anmelden und
  • bei der Anmeldung das Feld DM-Teilnahme ankreuzen

Was tun, wenn man vereinslos ist? Diese Läuferinnen und Läufer können sich jederzeit einem Verein anschließen und auch kurzfristig einen Startpass beantragen. Hierfür würde ich mindestens einen Vorlauf von einen Monat vorsehen. Viele haben einen lokalen Leichtathletikverein, dem sie sich anschließen können. Wer sich einer Gruppe von Gleichgesinnten anschließen möchte, kann sich beispielsweise bei den DUV-Förderstützpunkten fündig werden. Für alle Läuferinnen und Läufer ist aber auch die LG Ultralauf eine gute Wahl, denn wir sind überregional aktiv. Unsere Mitglieder kommen mittlerweile aus allen Teilen Deutschlands und dem benachbarten Ausland. Auch haben wir regionale Gruppen, die sich zu Läufen verabreden und Fahrgemeinschaften bilden.

Spannend ist, dass es seit ein paar Jahren eine Ultramarathon-Bundesliga gibt. Um den Vereinsmeister zu ermitteln, werden die Ergebnisse der fünf Ultramarathonmeisterschaften ausgewertet, wobei insbesondere die Mannschaftswertungen sehr hoch gewichtet sind. Aber auch kleinere Vereine können durchaus erfolgreiche Mannschaften stellen. Ein Blick in die Auswertung der Bundesliga zeigt daher ebenfalls Vereine, für die Ultraläufer keine Exoten sind.

Während die Bundesliga auf der Meisterschaftsauswertung aufsetzt, wird der 100km-Lauf in Rheine auch für den DUV-Cup gewertet. Hier zählt der offene Lauf, also jeder, der das Ziel im vorgesehenen Zeitlimit erreicht, bekommt automatisch CUP-Punkte gutgeschrieben.

Der offene Lauf hat die Besonderheit, dass das Zeitlimit 13,5 Stunden ist. Damit können alle, die knapp das DM-Zeitlimit reißen, den Lauf trotzdem beenden und in der offenen Wertung geführt werden.

Mehr Informationen zur Ultramarathon-Bundesliga, zum DUV-Cup und den DUV-Förderstützpunkten findet ihr auf der DUV-Seite.

100km Team 2017

Das kleine, erfolgreiche Team der LG Ultralauf in Berlin 2017. Am Ende des Tages gab es für einige Mannschafts- und Altersklassenergebnisse Medaillen sowie den dritten Platz in der Tageswertung zur Bundesliga. Wer sich für den spannenden Wettkampf in Berlin interessiert, kann hier noch einmal den Live-Ticker lesen: http://lg-ultralauf.de/neuigkeiten/656-live-ticker-dm-100-km.html

Bleiben noch zwei Fragen offen: Wie trainiert man und was ist bei dem Rennen zu beachten? Die Frage nach dem Training ist auf unserer Homepage ansatzweise beantwortet, wobei das wirklich nur Ideen sind und jeder selbst für sich Anpassungen vornehmen muss. DM-Teilnehmer mit Fragen, können sich aber gerne an mich wenden. Link zur Startseite zum 100km-Training: http://lg-ultralauf.de/training/training-100km.html Interessant ist vielleicht auch, den Blog von unserem Mitglied Jens Allerheiligen zu lesen, der sich intensiv auf diese Meisterschaft vorbereitet und viele Aspekte einfließen lässt. Link: http://lg-ultralauf.de/training/andere-texte/42-training/757-trainingsblog-zur-100km-dm-in-rheine-am-10-03-18.html

Die Frage zur Renngestaltung wird später hier beantwortet.

Wir hoffen nun, ganz viele Leute motiviert zu haben, an der DM teilzunehmen und sich solide darauf vorzubereiten. Dann braucht man auch vor dem Zeitlimit keine Angst zu haben und kann sich auf einen tollen Wettkampf freuen, selbst, wenn es für einen persönlich nicht um Bestzeiten und Podestplätze geht.

Wir sehen uns

Text, Bilder und einige Graphiken Michael Irrgang, andere Grafiken DUV-Statitistik-DB, 4.12.2017

Nach kurzem Briefing bringt uns ein ausrangierter Linienbus der Bonner Stadtwerke von der Ziellinie in Bonn-Beuel zum Start nach Ehrenbreitstein. Wir sind eine kleine Läuferschar von rund 40 mehr oder weniger entschlossenen LäuferInnen, die sich auf die 140 k mit den 4446 Hm über den malerischen Rheinsteig durch das Mittelrheintal freut. Der Start ist traditionell auf dem Aussichtsturm in Ehrenbreitstein. Das Wetter ist mit rund 1-5 Grad, Regen und Wind eher winterlich. Beim Briefing bedauert der Veranstalter, dass man leider keinen verschneiten Trail wie ersten Austragungsjahr anbieten könne, aber dafür sei es diesmal im Vergleich zu den letzten beiden Jahren zumindest ein bisschen frischer. Ich wäre ja eher für Sonne und warm. Fast alle Läufer sind mit Mütze, Jacke, Handschuhen und lange Hosen am Start. Nur Jin, den ich schon in den letzten Jahren bei KoBolt getroffen habe, startet in kurzer Hose mit kurzem Shirt, ohne Handschuhe … und behält das bis zum Zieleinkauf auch so bei. Respekt!

KoBolt2017 Stefan im ZielDie erste Etappe führt uns nach Rengsdorf. Der Regen wird schon bald stärker und der Rheinsteig garniert unseren Lauf mit ausgiebigen Matschpassagen. Wir laufen locker nach Urbar, über das Mallendarer Bachtal und das Wambachtal nach Vallendar. Ich freue mich, weil ich mich diesmal nicht wie im letzten Jahr schon in der ersten Stunde mehrfach verlaufe. Leider bleibt es später nicht dabei. Wir queren oberhalb von Bendorf und kommen nach Sayn, wo ich mich ziemlich ungeschickt im Schloßpark verlaufe. Stefan, hallo? Die kleinen blauen Rheinsteig-Wegweiser sind aber manchmal wirklich schwer zu erkennen. Später queren wir oberhalb von Neuwied. Ich kämpfe ein wenig mit meinem verkorksten Magen und kann nix essen – ich hatte schon bessere Startphasen in diesem Jahr. Hinterm Neuwieder Zoo biege ich wieder Mal falsch ab. Der Weihnachtsmann schenke mir bitte eine GPS-Uhr oder bessere Augen (letzteres wäre mir lieber). Bis Rengsdorf schaffe ich es ab jetzt fast ohne Verlaufer. Dafür fühle mich schon leicht angezählt, etwas verfroren und nass und freue mich auf die erste Verpflegungsstelle nach rd. 36km in Rengsdorf. Rengsdorf ist eine von vier Verpflegungsstellen beim KoBolt. Im Vereinshaus des ansässigen Tennisclubs (Tennis! Was für ein schöner Sport: weiße trockene Schuhe, kein Schlamm und keine Berge, auf dem Sonnen verwöhnten Court Bälle übers Netz schubsen …) gibt es warme Nudelsuppe und ich fühle mich schon besser und außerdem muss ich ja nur noch die Strecke vom Kleinen KoBolt laufen, nur noch 106k . Im Lichtschein der Stirnlampe quere ich die Wied bei Altwied. Über Leutesdorf führt der Rheinsteig nach Rheinbrohl. Ich baue – die blauen Wegweiser intuitiv ignorierend – ein paar Abstecher links und rechts Berg rauf und runter ein und sammele ordentlich Höhenmeter. Der Anstieg kurz vor der dritten Verpflegungsstation in Arienheller ist so steil und schlammig, dass ich selbst mit Stöcken nur schwer hochkomme. Die Verpflegung in Arienheller ist eine offene Scheune, aber die heiße Suppe wärmt gut. Linz wartet auf mich mit der anheimelnden Stimmung eines schon geschlossenen Weihnachtsmarkts. In Ockenfels macht einer meiner tollen Karbonstöcke schlapp und ich muss eine Notreparatur einlegen. Unterwegs werde ich von Charles eingeholt, der mich in gebrochenen Englisch fragt, wie weit es bis zur nächsten Station auf der Erperler Ley sei. Er müsse unbedingt ein wenig schlafen und bräuchte ein Bett! Ich versorge Ihn mit meinen Koffein-Salztabletten und er verschwindet leichtfüßig im Dunkeln. Auf der Erpeler Ley brennt in der Grillhütte der offene Kamin – königlich. Ich bekomme meinen Dropbag und wechsele die von Schlamm und Regen durchweichten Schuhe. Charles schläft noch auf der Bank und ich laufe mit Alexander los. Zu zweit laufen ist sehr kurzweilig. Wir erzählen viel und Ich kann wieder viel besser laufen. Wir pausieren kurz am Auge Gottes, verlaufen uns kurz …, queren oberhalb von Bad Honnef und stapfen aus dem Schmelztal Richtung Löwenburg hoch. Nach einem lockeren Downhill erreichen wir Adenauer City, Rhöndorf. Die Verpflegungsstelle ist in diesem Jahr zum ersten Mal Indoor, im Hubertusheim. Wir werden gut versorgt und kriegen mit, dass die schnelleren Läufer schon vor Stunden durch sind und die meisten Läufer hinter uns aufgegeben haben. Wir sind quasi im hinteren Drittel oder besser Viertel, eben hinten. Jetzt nur noch hoch zum Drachenfels, zum Geisberg, über die Seufzerbrücke hoch zum Petersberg. Ich erzähle die Geschichte von Breschnew, der beim Staatsbesuch auf den Serpentinen des Petersbergs auch mal Mercedes Pullmann fahren wollte … Im Ennert kommt uns am fortgeschrittenen Sonntagmorgen Susanne entgegen. Es wird nicht langweilig. Zur gleichen Zeit melden aber auch meine Beine, genauer gesagt die Adduktoren, dass jetzt Laufen keine gute Idee mehr sei, so dass wir uns nun marschierend dem Ziel nähern. Adduktorenstreik, wer braucht das? Gegen 14:00 ist es geschafft. Schuhe ausziehen und in der ersten Etage des Ruderhauses in Beuel melden. Finish. Ich bin zwar fast zwei Stunden langsamer als in 2016, aber mit Blick auf die winterlichen Laufbedingungen und meinen Trainingsstand sehr zufrieden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ich mich in 2018 für den WiBolt anmelde … Aber der Adduktorenstreik ist nach der heißen Dusche schnell vorbei und ich fühle mich wieder prima. Meinen besten Dank an alle Helfer. Die Betreuung an den (Ver-)Pflegestellen ist wirklich großartig!

Text und Bild: Stefan Henscheid, 29.11.2017

Valencia Laufschild

Bei einem Besuch in Valencia habe ich zufällig ein geheimes Trainingszentrum der LG Ultralauf entdeckt. Habt ihr euch schon mal gefragt, warum der Präsident immer braun gebrannt ist? Warum hat die Vizepräsidentin sowenig Zeit? Warum reist der Sportwart soviel? Und was macht eigentlich der Rechtswart?

Dieses Schild im oberen Bild ist nicht nur zufällig unserem Logo ähnlich.

Valencia Streckenschild

Die LG Ultralauf betreibt eine fünf Kilometer lange Trainingsstrecke versteckt in einem ehemaligen Flussbett. Man beachte die Wendeschleifen an beiben Enden, um Auflaufunfälle durch abruptes Umdrehen zu vermeiden.

Valencia Schild Coopertest und Plan

Auf der linken Seite dieses Schildes werden die Bewertungen des Sportwartes beim Coopertest angezeigt. Rechts stehen Trainingsempfehlungen. Ich wusste gar nicht, dass Michael soviel Sprachen kann.

Valencia Laufstrecke Start

Hier der Start der Strecke. Die Füße müssen auf der rechten Seite in den Kreis gestellt werden.

Valencia MKirchner Fake

Hier die Vizepräsidentin (W35) beim Geheimtraining. Sie kümmert sich außerdem um die Pflege der Grünpflanzen.

Valencia Touriinfo und Streckenmarkierung

An der Strecke wurden Hinweischilder aufgestellt, mit denen auf Sehenwürdigkeiten hingewiesen wird. Das hilft insbesondere gegen Langeweile beim 24h-Lauf. Die Strecke ist alle 100 Meter markiert und im Dunkeln durch eingelassene Bodenleuchten markiert.

Valencia MIrrgang Fake

 Erwischt. Der Sportwart beim Geheimtraining.

Valenzia Breakfast Ziel

Das Ziel nach fünf Kilometern. Links der Präsident.

Valencia Athletikzentrum

Nach dem Lauf geht es ins Athletikzentrum.

Der Unterhalt des Trainingsgebietes ist nicht ganz billig. Hierzu hat sich der Rechtswart eine Konstruktion mit einer Stiftung ausgedacht. Die Foundation Trinidad Alfonso mit Sitz in Trinidad unterhält nicht nur das Trainingsgebiet, sondern veranstaltet zur Tarnung auch noch Läufe mit Unterdistanzen wie z. B. den Valencia-Marathon. Nachdem die Paradise Papers geleakt wurden ist klar, dass hinter der Stiftung das LG Ultralaufpräsidium steckt.

21.11.2017 Jens Allerheiligen

Was erwarten die Starter des Platinman-Trailruns bei Hennef in jedem November: einen wunderbaren abwechslungsreichen Landschaftslauf, Matsch, steile Anstiege und gut laufbare Downhills!

Plantinman

Die StarterInnen wurden auch 2017 nicht enttäuscht. Mit 28,35km ist der Platinman heuer mit einer leicht veränderten Streckenführung ein wenig länger und bietet mit 835 Höhenmetern auch noch ein paar mehr Gelegenheiten, bergauf zu laufen. Und das wie in den Vorjahren beim Anstieg zum Stachelberg mit bis zu 52% Steigung.

Und Matsch? Mega! Der Regen und die forstlichen Rückearbeiten der letzten Wochen sorgten für beste Voraussetzungen für einen morastigen Untergrund. Wir starteten pünktlich um 11:00 Uhr bei leichtem Nieselregen in Lauthausen an der Sieg. Der Trail folgte der ansteigenden Teerstraße in Richtung Bödingen und wechselte dann bald auf einen kleinen Grasweg. Hier wurde einmal klargestellt, was man in auf den nächsten 28kms zu erwarten hatte. Schon von den vielen Läufern vor uns ordentlich zerpflügt, hatten einige LäuferInnen schon leichte Schwierigkeiten, sich bei dem matschigen Grund auf den Beinen zu halten. Die Läuferin vor mir (mit dem T-Shirt, auf dem ein Hase mit einem Banditentuch vor der Hasennase mit der Überschrift „You can’t stop Veganism“ abgebildet war), stürzte, versuchte aufzustehen und stürzte wieder … guter Einstieg.

Bald darauf folgte zum Ausgleich ein wenig Asphalt beim Ortsdurchlauf durch Bödingen. Dann gab es sehr schöne Downhills bei tiefem Untergrund und Anstiege, die einige Körnchen verbrauchten. Bei dem steilsten der Anstiege, bei denen ich schon leicht angezählt ins Gehen gewechselt bin, wurde ich vom Veganhasen immer wieder locker laufend überholt – Chapeau, ich war begeistert. Beim matschigen Downhill von der Stachelhardt hinunter konnte ich dann wieder vorbeilaufen – das war ja schließlich meine Wochenend-Heimstrecke. Peter Wasser von der LLG Kevelaer lief meistens in Sichtweite vor mir und sorgte für eine gute Pace – eine große Hilfe. Nach 25km, kurz vor dem Ziel, konnte ich endlich ein wenig schneller laufen und war mit 2:56 oder so ähnlich im Ziel. Die schöne Medaille aus Holz und die nette Zielverpflegung rundeten das Laufabenteuer ab – ein schöner Sonntag im November, da kann es gerne auch nieseln, kalt und grau sein – auch gut!

Ebenfalls von der LG Ultralauf war Nora Karnowski auf der Strecke. Auch sie berichtete begeistert von der Strecke und dem Matsch.

Hompage Platinman: Link

Text und Bild: Stefan Henscheid, 14.11.2017

 

Am Sonntag fand in Steinfurt der Lauf Steinhart666 statt. Auf dem Vierrundenkurs werden insgesamt 666 Höhenmeter gelaufen - daher der Name. Den Lauf in der Nähe von Münster muss man nicht unbedingt kennen. Er findet immer im November statt und hat meist um die 40 Finisher. Dieses Jahr allerdings ein paar mehr, nämlich 59, REKORD! Und das hat einen Grund.

Cup1

Unter den Startern waren auch Dirk Bohne, Dirk Minnebusch und Katharina Bey. Das besondere in diesem Jahr war, dass in Steinfurt der letzte Wertungslauf zum DUV-Cup 2017 stattfand. Der DUV-Cup ist das für Läufer, was die Bundesliga für Vereine ist: Eine laufübergreifende Meisterschaft!

Cup2017Seit 2014 gibt es dieses Format, bei dem jeder mitmachen kann und in die Cup-Wertung kommt, sobald insgesamt drei Wertungsläufe beendet wurden. Die Leistungen werden von den DUV-Statistikern in Punkte umgerechnet und addiert. Die Cup-Läufe sind einer von zwei Kategorien zugeordnet, wobei seit letztem Jahr die Meisterschaftsläufe auch Cup-Läufe sind. In jeder Kategorie gibt es 8 Läufe, man muss aus jeder Kategorie mindestens einen Lauf in der Wertung haben, maximal kommen die vier besten Läufe in die Wertung. Es gibt insgesamt drei Altersklassen, die mittlere vereint die teilnehmerstarke Gruppe MW 45/50, die anderen Klassen sind die Jüngeren und die Älteren.

In Summe gab es dieses Jahr etwas weniger Cup-Platzierte als im Vorjahr. Aber im letzten Jahr gab es mit dem Rodgauer 50km-Lauf und dem Rennsteiglauf zwei Großveranstaltungen dabei. Da viele von uns gerne an den Meisterschaften teilnehmen, überrascht es nicht, dass man in der Ergebnisliste oft den Vereinsnamen LG Ultralauf findet. Fand man bisher auf den vorderen Plätzen meist Kaderathleten, so konnten sich diess Jahr doch einige von uns ganz vorne platzieren.

 

Cup Katrin

Kathrin Tüg-Hilbert

Gesamt: Platz 2

AK W45-55: Platz 2

Die vielseitige Läuferin nahm an vier Meisterschaften teil, nämlich in Münster, Berlin, Gotha und Schwäbisch-Gmünd

Cup Kathy

Katharina Bey

Gesamt: Platz 3

AK W-44: Platz 1

Sie war unter anderem sehr stark an der Zugspitze und holte sich in Steinfurt viele Punkte, um auf diesen Podestplatz zu springen.

Cup Sylvia

Sylvia Faller

Gesamt: Platz 6

AK W45-55: Platz 3

Für Sylvia ist es der Abschluss eines fantastischen Jahres. Sie sammelte in ihrer Altersklasse, mit der Frauenmannschaft und der Mannschaft 50+ zahlreiche Medaillen.

Cup Fabian

Fabian Benz

Gesamt: Platz 2

AK M-44: Platz 2

Auch er nahm an vier Meisterschaften teil: Münster, Zugspitze, Gotha und Schwäbisch Gmünd. Insbesondere an der Zugspitze war er sehr stark.

Cup Walter

Walter Hösch

Gesamt: Platz 13

AK M-55+: Platz 3

Auch bei Walter kamen die gleichen vier Meisterschaften in die Wertung. Auch er zeigte das ganze Jahr über eine konstant sehr gute Leistung.

Cup Franz

Franz Holzleitner

Gesamt: Platz 30

AK M55+

Was seine Bilanz auszeichnet ist, dass er an 7 Cup-Läufen teilgenommen hat! Dazu gehört schon das ganze Jahr eine reichliche Portion Motivation und beste Gesundheit. Uwe Jahn hat ebenfalls 7 Läufe in der Wertung, niemand mit 6 und 5 Läufer mit 5 Wertungen.

 

Gesamt- Rang AK-Rang Nachname, Vorname Verein Jg. AK  Anz Läufe Cup Wertung
2 2 Benz, Fabian LG Ultralauf 1988 M-44 4 1907
12 5 Minnebusch, Dirk LG Ultralauf 1971 M45-54 4 1363
13 3 Hösch, Walter LG Ultralauf 1959 M55+ 4 1337
14 4 Krauss, Roland LG Ultralauf 1962 M55+ 5 1322
17 8 Sittner, Falk LG Ultralauf 1981 M-44 3 1267
19 6 Jancker, Hans-Dieter LG Ultralauf 1952 M55+ 3 1203
22 8 Vogl, Konrad LG Ultralauf 1961 M55+ 3 1093
23 9 Gakstatter, Jonathan LG Ultralauf 1996 M-44 3 1056
27 10 Schöne, Helmut LG Ultralauf 1967 M45-54 3 891
30 11 Holzleitner, Franz LG Ultralauf 1950 M55+ 7 800
34 12 Irrgang, Michael LG Ultralauf 1964 M45-54 4 676
2 2 Tüg-Hilbert, Katrin LG Ultralauf 1970 W45-54 4 1608
3 1 Bey, Katharina LG Ultralauf 1990 W-44 4 1549
6 3 Faller, Sylvia LG Ultralauf 1965 W45-54 3 1108

 

Gewonnen haben übrigens Ramin Madani Moghaddam von VFL Herrenberg bei den Männern und Sigrid Hoffmann von der LG Westerwald bei den Frauen.

Alle Gewinner werden in den nächsten Tagen von der DUV angeschrieben und erhalten ihren Preis im Rahmen der DUV-Mitgliederversammlung.

Die Cup-Läufe für das nächste Jahr stehen auch fest und so freuen wir uns schon auf eine spannende CUP-Saison 2018.

Cup-Ergebnis 2017: Link-Frauen, Link-Männer

DUV-Bericht mit den Terminen für 2018: Link

Text und Bilder: Michael Irrgang, 13.11.2017