Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Es ist die Extremkategorie des Ultratraillaufens: 100 Meilen mit 10.000 Höhenmeter herauf wie herunter. Der UT4M ist mit seinen nackten Zahlen eher am oberen Ende der Bandbreite. Die Landschaft ist ein Traum, die Organisation ist fabelhaft – ein Lauf, den man als Trailliebhaber unbedingt einmal gemacht haben sollte.

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Von der LG Ultralauf waren diesmal Kathi Bey, die die Strecke nonstop bewältigt hat, sowie Claudia Lederer und ich dabei. Wir liefen die Challenge, nahmen also die Gesamtstrecke als Etappenlauf in Angriff. Die vier einigermaßen gleich langen Teilabschnitte mit Distanzen zwischen 40 und 49 km und zwischen 2.700 und 3.500 Höhenmetern waren auch mit Regenerationsphasen dazwischen fordernd genug. Guido Althausen unterstützte uns.

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Vor dem Start der ersten Etappe machten wir schnell noch ein Foto. Ich hatte gehörigen Respekt vor der Aufgabe, denn zwischen dem Finish beim Mauerweglauf und dem Start waren genau 73 Stunden. Claudia präsentierte sich in einer ausgesprochenen Superform und konnte sich im Kreise alpiner Bergläuferinnen täglich rund um Platz 10 behaupten.

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Der erste Tag brachte gleich die beiden Gipfel Moucherotte und Pic Saint-Michel. Es sollten nicht die letzten, lange Aufstiege mitten der Sonne gewesen sein.

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UT4M steht für Ultra Tour des 4 Massifs. Jeden Tag wurde eines der Grenoble umgebenden Bergmassive kennengelernt.

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Am dritte Tag ging es auf den Chamrousse, einem beliebten Skigebiet. Wie bei einem Etappenlauf üblich war am Ziel der einen Etappe der Start der folgenden. Dank Guidos Shuttle-Dienste waren die Fahrten aber angenehm. Problematisch war eher, dass täglich zeitgleich eine größere Gruppe von 400 bis 500 Startern sich auf den Weg auf kleinen Pfade machte. Aber das klappte erstaunlicherweise sehr gut. Die „Schlange“ hatte mein Tempo. Wollte jemand überholen oder brauchte eine Pause, so ging das problemlos, denn die Leute waren alle sehr rücksichtsvoll und nett. Meine Tage waren zwischen 8,5 und 10,5 Stunden lang, Claudia war meist ein bis zwei Stunden vor mir im Ziel. Das Ganze war megaanstrengend, denn es gab täglich mehrere steile und lange Anstiege und die Hitze zog an anderer Stelle die Energie aus dem Körper. So war ich froh, als nach dem 4. Tag die Runde beendet war.

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Das kaum Vorstellbare hat Kathi geschafft. Sie bewältigte die Gesamtdistanz nonstop in 49:25 Stunden! Vor der Willenskraft, denn einfach war es zu keiner Phase, kann ich respektvoll nur meinen Hut ziehen! Möglicherweise wird sie einen eigenen Bericht schreiben. Für eine junge Studentin, die in Bonn wohnt und erst seit einem Jahr Ultras läuft, ist das eine außerordentlich bemerkenswerte Leistung.

Text und Bilder: Michael Irrgang, 20.08.2017

 

MonschauAm Samstag bei Dauernieselregen nach Konzen bei Monschau fahren, abends nachmelden und das Zelt auf der nassen Wiese aufbauen – das ist für ein gelungenes Laufwochenende ggf. steigerungsfähig. Die Vorfreude auf einen langen Lauf in der schönen Landschaft des Nationalparks Hohes Venn-Eifel mit netten Freunden bei bester Verpflegung tröstet aber über die nassen Füsse, die ich mir nach dem Verlassen des Zeltes unvermeidlich einhandele schnell hinweg. Die Pasta-Party und der anschließende Besuch in der Pizzeria La Grappa in Konzen inkl. Rotwein und die herzlichen Bedienung lassen den samstaglichen Dauer-Nieselregen und die nassen Klamotten schnell zur Nebensächlichkeit werden.

Der Regen hört dann planmäßig in der Nacht auf Sonntag auf und der Monschau-Ultra kann pünktlich um fünf nach sechs in der Früh starten - bei noch bemerkenswert frischen Temperaturen. Die vorsorglich eingepackte Laufjacke zahlt sich aus. Zunächst vierzehn Kilometer in einem Rundkurs durch das Hohe Venn über den mit 658m höchsten Berg des Laufes. Der Weg ist z.T. durch den Regen matschig, aber die Schuhe sind ja eh schon von der Zeltwiese quietschnass und der weiche Untergrund schon das orthopädische Fahrwerk. Nach rund eineinhalb Stunden ist die 14km-Runde fertig und ich laufe ich wieder über die Startlinie in Konzen, um dann auf die reguläre Marathonstrecke aufzubiegen. Konzen ist inzwischen aufgewacht und es mangelt nicht an begeisterten Zuschauern. Bei mir macht sich indessen die eine Stunde vor dem Start verzehrte halbe Pizza bemerkbar – vielleicht eine nicht ganz so brillante Idee, die am Vorabend übriggebliebene Pizza zur Energiegewinnung frühmorgendlich zu verdrücken. Nicht schlimm, wir laufen meist im Wald und ein versierter Ultraläufer findet immer eine Lösung. Mit meinem Mitstreiter Gerd aus Karlsruhe, der zur Abwechslung auch gerne rückwärts lauft, ist der Lauf ausgesprochen kurzweilig. Die Steigungen kratzen rund 950 Höhenmeter zusammen, sind aber allesamt moderat und ich kann viele durchlaufen. Irgendwann werden wir von den schnellen MarathonläufernInnen überholt. Ich bin total begeistert davon, wie locker einige die Berge rauflaufen - sehr cool. Bald werde ich auch von meinem Kollegen Arnold überholt, der sich an den Zugläufer mit der 3:29 auf dem T-Shirt gehangen hat. Bei Km 42 – die Sonne hat inzwischen die finsteren Wolken verdrängt - werde ich endlich ein wenig lockerer und kann ein wenig Geschwindigkeit zulegen. Kurz vor Konzen wartet noch eine laang gezogene Steigung über Asphaltstraße, die mir großen Spaß bereitet, weil ich noch ein paar „Reservekörnchen im Körbchen“ habe. Sehr schön. Nach 5:49 und 56km bin ich im Ziel, wo bei bestem Wetter und guter Stimmung reichlich Trubel herrscht. Der Monschau-Ultra macht Spaß! Kurzum ein toller Lauf, den man nicht verpassen sollte. Rundherum gelungen!!

Text und Foto von Stefan Henscheid, 15.8.2017

MWL 07Es war schon ein recht mutige Ansage, als Zugläufer eine Gruppe auf die sichere Bucklezeit von 23:45 führen zu wollen, da es doch einige Unwägbarkeiten gibt und auch mein Trainingszustand eher Zweifel schürte. Im Vorfeld hatte ich mir genauestens einen Plan überlegt und veröffentlicht. Und damit eine riesige Diskussion ausgelöst. Wie läuft man eigentlich 100 Meilen? In welchem Tempo startet man? Wie viel Zeit für Pausen benötigt man an den VPs? Einen schlauen Plan zu entwerfen ist die eine, ihn umzusetzen die andere Seite der Medaille. Und ich brauche natürlich auch eine Gruppe, die mir folgt und die 23:45h auch drauf hat. Auf so einem Kurs einen minutiösen Zeitplan für eine unbekannte Gruppe anzubieten war schon eine interessante Idee ohne beispielhafte Vorbilder. So kam es, dass ich doch mit einer gewaltigen Portion Respekt vor der Aufgabe und ziemlich aufgeregt am Start stand.

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Kurz vor dem Start trafen sich einige LG Ultralaufläufer zu einem Foto: Alexander Lauterbach, Carsten Bölke, Dietmar Rosenau, ich, Norbert Künkel, Roland Kraus, Hans-Uwe Zietlow. Dahinter: Regina Künkel.

Es gab leider nur wenig Werbung für die Aktion und einen Ballon oder ähnliches hatte ich auch nicht. So war ich froh, dass wenigsten eine Handvoll Läufer mir sagten, dass sie gemeinsam mit mir laufen wollten. Allerdings gab es einige, die meinen Plan gelesen und für sich modifiziert hatten. Ich plante immer von VP (Versorgungspunkt) zu VP. Beim Verlassen kam eine Ansage wie: „Der nächste VP ist in 5 km, wir laufen in einem Tempo von 7:15 min/km und machen nach 1,5, 3 und 4,5 km eine einminütige Gehphase und erreichen dann in 45 min den nächsten VP.“ Eingerechnet in diese Zeit war auch je Teilstrecke eine Pausenzeit von 2 Minuten für Ampeln, Fotos, Durchlesen von Tafeln, Wegsuchen oder sonstige Gründe, um einmal kurz stehen zu bleiben. Am VP wollten wir dann anfangs zwei später drei, manchmal 5 und an den Dropbackstationen sogar 10 Minuten investieren, um gründlich die Energievorräte aufzufüllen. Auf meinem Zettel stand für die einzelnen Laufsegmente von VP zu VP immer das Bruttotempo, also ein Durchschnittswert aus Laufen, Gehen und Pausieren. Und meine schwierige Aufgabe bestand darin, einerseits eine geschickte Aufteilung zwischen Lauf- und Gehzeiten zu wählen und andererseits ein passend langsames Lauf- und Gehtempo anzuschlagen, um möglichst die Muskelermüdung so niedrig wie möglich zu halten und exakt die Ankunftszeit am nächsten VP einzuhalten. Aber ein Plan ist ein Plan und in der Praxis musste häufiger variiert werden, als man denkt. Denn es gab Steigungen, an denen immer gegangen wurde oder Kopfsteinpflasterpassagen oder Trailabschnitte, bei denen es die Verletzungsvermeidungsstrategie gebot, vorsichtig zu gehen. Manchmal standen wir länger an einer Ampel und dann lief manchmal die Laufzeit wieder von vorne. War ein bisschen Rechnerei, Tempogefühl und auch Glück, aber zur Verblüffung der Mitläufer passten die Zwischenzeiten an allen VPs beinahe perfekt. Die ersten VPs lagen dort, wo sie sollten; wir waren im geplanten Tempo unterwegs, nur gab es keinen Grund für eine Pause und so erreichten wir etwas zu früh die ersten VPs. Zack einen Becher rein und nun? Eigentlich waren hier zwei Minuten vorgesehen, aber hier Zeit wartend verstreichen zu lassen, machte ja keinen Sinn, also weiter - den Puffer werden wir später besser nutzen können.

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Zwischen VP1 und VP2 gab es die Stelle, wo an die an der Mauer bei einem Fluchtversuch getötete Dorit Schmiel gedacht wurde, die diesem Mauerweglauf beispielhaft für all die Mauertoten ein Gesicht und eine traurige Geschichte gibt. Mehrmals blieben wir an Erinnerungs-Tafeln stehen, lasen uns durch, wer hier sein Leben verlor und diskutierten darüber, wie tief die Verzweiflung wohl sein muss, dass man sein Leben für einen Fluchtversuch riskierte. Der Mauerweglauf ist einmalig. Wie der Ideengeber und langjährige Organisator Ronald Musil im Briefing erzählte, soll der Mauerweglauf Sport und Geschichte verbinden. Die Geschichte ist auf dem Weg, aber auch beim Briefing und der Siegerehrung so präsent, dass man sich als Teilnehmer dem nicht entziehen kann. Plötzlich war ein Laufsegment viel zu lang. Meine Uhr zeigte 500m mehr Strecke an als auf dem Hinweisschild des VPs angegeben. Hatten wir vorher vermeintlich einen kleinen, zeitlichen Vorsprung, so war er auf einen Schlag weg. Am Ende des Weges zeigte meine GPS-Uhr über 164 km an – von zwei kleineren Abweichungen abgesehen, an denen wir uns mehr von Berlin anschauten als vorgesehen, lag das wohl an GPS-Ungenauigkeiten oder der Weg war schlicht länger, als die angegebenen 161,7 km. Eine ganz wichtige Planungsgröße war die Distanz zwischen den VPs. Waren die VPs in der ersten Hälfte etwa da, wo ich sie erwartete, so war das auf der zweiten etwas ungenauer, da war schon einmal das eine Teilstück 500m länger, dafür ein anderes 400m kürzer – in Summe wurde die mit meiner Uhr gemessene Strecke im Vergleich zu den Angaben an den VPs immer größer. Das machte meine Aufgabe als Pacemaker nicht einfacher. Die Plan- und Ist-Zeiten kann man übrigens im Internet leider nicht immer vergleichen, da meist die Zeit beim Verlassen der Stationen genommen wurde, aber nicht immer.

Etwa nach 25 km löste sich ein Teil der Gruppe nach vorne. Sie hatten wohl mehr drauf und alle erreichten auch sehr gute Endzeiten. Einer von ihnen, Carsten, meinte zu dem gemeinsame Beginn: „Endlich einmal vernünftig langsam gestartet!“ Ein anderer Mitläufer, der auch Carsten hieß, hatte zwei Begleiter ohne Fahrrad, die sich am VP3, bzw. VP5 der Gruppe anschlossen. Außerdem waren noch Norbert und Alex sowie Lauf- und Radbegleiter bei der Gruppe. Gemeinsam liefen, wanderte, plauderten wir – die Zeit verging wie im Fluge.

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Unsere nette Gruppe für viele Stunden

Der Regen war meist schwächer, selten stärker, die Temperaturen waren läuferfreundlich – alles im grünen Bereich. Carsten verabschiedete sich unerwartet frühzeitig aus der Gruppe und musste das Rennen sogar später beenden. Am Dropbackpunkt in Sacrow bei km 71, verabschiedete sich auch Norbert aus der Gruppe, Alex wollte sich nur kurz umziehen und verschwand. Ich hatte meine Regenjacke, die Wasserflasche (Pflichtausrüstung), Lampe, Erste-Hilfe-Set (man weiß ja nie) in meinem Rucksack und hatte keine Dropbacks abgegeben. Dennoch macht so ein Wechsel zur Hälfte der Strecke Sinn, denn vom Regen waren insbesondere die Socken nass und können schnell Ursache für Blasen sein. Genau dafür hatten wir ja 10 Minuten Pause vorgesehen. Ich wartete und futterte die Theke leer, die übrigens bestens mit allerlei Leckereien ausgestattet war und wartete und wartete. Gefühlte 20 Minuten, tatsächlich waren es wohl um die 15 Minuten bis Alex wieder auftauchte. Na prima – 5 Minuten Rückstand, einfach so. Egal, er war aktuell mein einziger, verbliebener Mitläufer und so konnte ich viel Rücksicht auf ihn nehmen.

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Alex lief über 100 km mit mir zusammen. Wir verstanden uns prima.

Kurze Zeit später liefen wir auf Erich auf, der sich der Gruppe für ein paar Stunden anschloss. Mittlerweile waren wir im Überholmodus. Einige wanderten, andere liefen ein langsameres Tempo. Mit unserer Methode Laufen und Wandern kamen wir gefühlt flott voran. Mittlerweile hatten wir den Rhythmus umgestellt, und liefen 4 Minuten und wanderten dann geplant 1 Minute aus der dann doch meist 2 wurden.

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Wir nahmen uns durchaus Zeit für ein paar Fotos

Das Zeitgefühl war komplett abhanden gekommen. Es wurde Abend und ein paar derer, zu denen wir aufschlossen, schlossen sich der Gruppe an, so dass sie auf bis zu 8 Personen anwuchs. Unter ihnen Vereinskollege Jürgen, der recht zügig gestartet war, ein erstes Tief überwunden hatte und nun froh war, dass er sich einer Gruppe anschließen konnte, die ihn motivierte und mitzog. Ab Kilometer 130 wurde es schwer für mich. Mangelndes Training kann man halt nur begrenzt durch Erfahrung kompensieren. Meine Beine wurden schwerer und auch mental war eine Ermüdung leicht erkennbar, nicht mein Zeitgefühl war dahin. Wir hatten mittlerweile einen Rhythmus von 3,5 min laufen und 1,5 min wandern. Die Zeit hatte dabei zwei Geschwindigkeiten, während die 3,5 min ewig brauchten, um zu verstreichen, war die Wanderzeit mit einem Wimperschlag um. Dann gab es Stellen, wo meine Aufmerksamkeit litt: Waren da keine Pfeile mehr oder sehe ich sie nicht? Sind die Pfeile auf einmal alle weiß statt gelb? Die Konzentration sank, Rechnen fiel mir zunehmend schwerer. Dazu kam, dass die Entfernungen zwischen den VPs nicht stimmten und meine gelaufene Distanz mittlerweile eine Abweichung von über 2 km anzeigte. Treptow, Friedrichshain, Kreuzberg am frühen Morgen einer dunklen Nacht zeigte auch Berlin von einer dunklen Seite und trugen sicher nicht zur Erheiterung bei. Da die Markierung hier wahrscheinlich gut, aber für uns in unserem Zustand nicht so gut zu finden war, hatte ich auf meiner Uhr auf „Track anzeigen“ umgestellt; die Daten Laufzeit und verbleibende Distanz waren die wichtigsten Informationsquellen. Zum Rechnen war mein Kopf allerdings zu blutleer. Mein Tempogefühl beim Laufen klappte aber noch so einigermaßen und so kamen wir wie geplant weiter. In der Gruppe machte der Lauf aber dennoch viel Spaß.

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Diei Versorgungspunkte waren bestens ausgestattet und wurden von engagierten Helfern nett betreut.

Vermutlich war ich der einzige, der kräftemäßig am Limit war, aber man wollte gemeinsam bis zum Ziel zusammenbleiben. Das änderte sich aber ziemlich unerwartet. Am drittletzten VP meinte mein Magen, er müsse abgeben, was in den letzten Stunden zu viel gegessen wurde. Da nach so einer langen Wachphase nichts mehr schnell geht und meine Mitläufer etwas ungeduldig waren, kam ihnen plötzlich die Idee, ich hätte vom Dixi einen Hinterausgang gefunden und wäre bereits alleine weitergelaufen. Und weg waren sie. Jürgen, der eigentlich gar keinen Buckle brauchte, trottete eher widerwillig den davonsprintenden Gesellen hinterher. Als ich kurze Zeit später vom Dixi kam, war die Gruppe auf jeden Fall weg und ich alleine. Ich also hinterher und traf auch einige Zeit später Jürgen und eine kleine Gruppe, die ebenfalls fest den Buckle im Blick hatte. Der Buckle reichte mir aber nicht, denn ich wollte schon eine 23:45 als Zielzeit stehen haben und ich konnte die Gruppe motivieren, ab und zu zu laufen; damit sollte die 23:45 leicht machbar sein. Doch beim Bundestag haben wir eine Extrarunde zum Kanzleramt eingestreut, die uns etwa 5 Minuten kostete. Jetzt wurde es eng. Genau wegen solchen Szenarien kurz vor Schluss würde ich nie 23:59 planen, sondern immer einen Puffer mit ins Ziel nehmen. Aber gut, also noch weniger wandern und mehr laufen, passt schon. Nun musste Jürgen allerdings auch noch einmal das Dixi aufsuchen, 4,5 km laut Schild vor dem Ziel, 4,7 nach meinem Track. Nun gut, muss sein. Ich wartete eine halbe Ewigkeit und leerte aus Ungeduld die Haribos am VP. Endlich kam er befreit wieder und wir konnten zum Endspurt übergehen. Mit Mühe konnte ich Jürgen überzeugen, dass eine 23:47 besser als eine 23:48 ist und eine 23:5x gar nicht geht, was ihm persönlich eigentlich egal war. Als Kompromiss schlug er vor, ab und zu den „Sprint“ durch eine Gehphase zu unterbrechen. Schließlich überquerten wir nach 23:46:51 die Ziellinie! OK, eine Minute zu langsam, aber dennoch nahe dran an perfekt. Glücksgefühle und Stolz überwältigten mich. Ich konnte es kaum fassen, dass es geklappt hat.

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Auch wenn das Foto qualitativ nicht so gut ist, gehört es hierhin: Jürgen und ich waren beide so happy, als wir ins Ziel kamen. 

Der Lauf verlief tatsächlich sehr nahe am vorausgesagten Ablauf, die Steuerung war allerdings deutlich schwieriger als gedacht, insbesondere auf der zweiten Hälfte. Leichter als gedacht war hingegen die Führung der Gruppe, die völlig ohne jede Diskussionen jeden Wechsel und jedes Tempo mitmachte. Insgesamt hatte die Aktion viel Spaß gemacht. Ich war schon oft bei Marathons Zugläufer, aber dieses Mal war es schon eine ganz schwierige Aufgabe. Bei den Gesprächen am Rande der Siegerehrung gab es nicht nur viel Anerkennung, sondern auch die Ansagen, das nächste Mal sich der Gruppe anschließen zu wollen. Das nächste Mal? Das Magische des Ultralaufens ist doch die Singularität aller Rennen. Keine Ahnung, ob es zu einer Wiederholung kommt.

Aber der Mauerweglauf 2017 war auch ein Treffen vieler LG Ultralaufmitglieder.

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Patrick Hösl erreichte als schnellster Läufer aus der Gruppe den dritten Platz der Gesamtwertung.

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Von Müdigkeit keine Spur: Carsten Bölke und Alexander Lauterbach nach dem Lauf, vor der Siegerehrung.

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Jens Kruse mit seinem Radbegleiter.

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Ein Gruppenbild mit fast allen LG Ultralaufteilnehmern. Matthias Landwehr, Hans-Uwe Zietlow, Patrick Hösl, Norbert Künkel, Carsten Bölke, Alexander Lauterbach, Jens Kruse, Roland Kruass, Michael Irrgang, Christian Pflügler

Veranstaltungshomepage: Hier

Vorbericht: Taktik für 100 Meilen in 23:45h

Text und Fotos: Michael Irgang, 15.08.2017

 

BUFLogo2017 KleinAm 17.8. ist Meldeschluss für den BUF, das Bottroper Ultralauf Festival, welches am Wochenende 26./27. August stattfindet. Bitte bis zu diesem Termin anmelden und das Startgeld überweisen.

Nachmeldungen sind bis 1 Stunde vor dem Start vor Ort möglich.

Ort: Batenbrockpark in Bottrop

Wettbewerbe: Einzelstarter können 6h, 12h oder 24h laufen, Teams können mit maximal 4 Läufern 5h oder mit maximal 9 Läufern 24h laufen.

Strecke: Der Rundkurs ist 1.258m lang, beleuchtet, schnell, flach, schattig und vor allen Dingen sehr schön

Ablauf:

- Freitag 20 Uhr; Vortrag von Kirsten Althoff über ihren Lauf durch die Wüste in Namibia
- Samstag 9 Uhr; Startnummernausgabe, Frühstück
- Samstag 11:30 Uhr; Briefing 6h und 24h
- Samstag 12:00 Uhr; Start 6h und 24h
- Samstag 18:30 Uhr; Briefing 12h
- Samstag 19:00 Uhr; Start 12h
- Samstag 19:30 Uhr; Siegerehrung 6h - Sonntag 13:30 Uhr; Siegerehrung 24h

Wettkampf: Die Runden werden elektronisch gezählt und auf einem Bildschirm den Läufern angezeigt. Stündlich gibt es Zwischenergebnisse, ein Sprecher moderiert die Veranstaltung.

Versorgung: Alle Läufer – auch die Staffelteilnehmer – können sich während ihres Wettkampfes am Versorgungsstand bedienen. Ab Freitagabend werden in der Cafeteria Speisen und Getränke angeboten, unter anderem auch Frühstück, Nudeln am Samstagabend und Gegrilltes.

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An Preisen gibt es für die besten drei Läufer und Läuferinnen eines Wettbewerbes einen Pokal, für die drei Erstplatzierten ihrer Altersklasse einen Preis. Jeder Teilnehmer erhält bei der Siegerehrung eine Urkunde und eine Medaille. Bei den Staffeln gibt es je Wettbewerb einen Pokal für die Mannschaft. In den Kategorien (Männer, Frauen, Mixed) gibt es für alle Teammitglieder der ersten drei Mannschaften einen Preis. Alle Staffelteilnehmer erhalten eine Urkunde und eine Medaille. Für die medizinische Versorgung steht ein Sanitätsteam bereit.

Teilnehmer: Aktuell sind über 120 Einzelstarter gemeldet, darunter die Titelverteidiger, einige bekannte Namen, die sehr gute Leistungen erhoffen lassen und einige Starter aus dem benachbarten Ausland. Eine Vorschau wird nach Meldeschluss erstellt.

Viele weitere Informationen findet ihr auf der Veranstaltungsseite.

Text und Bilder (BUF 2016) Michael Irrgang, 10.8.2017

 

Erstmalig starte ich beim Mauerweglauf am 12.8.2017 den Versuch, als Zugläufer eine Gruppe auf eine Zielzeit von 23:45 zu führen. In diesem Text erläutere ich meine Taktik. Wer sich anschließen möchte, schließe sich einfach an.

100Meilen Logo der mauerweglaufVor einiger Zeit ist mir bereits die Idee gekommen, einmal als Zugläufer 100 Meilen in einer bestimmten Zeit zu laufen. Das Rennen vom ersten bis zum letzten Meter zu planen und minutiös umzusetzen. Man könnte im Vorfeld die Sekunden messen, die man zum Trinken, zum Flasche füllen, Garderobenwechsel und Toilettengang benötigt, man könnte ein Anfangs- und ein Endtempo planen und von einem linearen Tempoverfall ausgehen. Der Rest wäre Mathematik. Aber das klappt leider nicht. Insbesondere nicht in einer Gruppe. Läuft man allerdings nach Gefühl, ist es auch nicht gut. Viele laufen anfangs zu schnell und brechen in der zweiten Rennhälfte mehr als nötig ein.

Vielen Läufern sind Zugläufer eine riesige Hilfe, um bei einem Marathon ihr Potential auszuschöpfen. Zugläufer können das Tempo gut steuern und eine Renntaktik umsetzen, die sich massenhaft bewährt hat. Nur welche Taktik hat sich denn bei 100 Meilen bewährt? Zunächst gibt es zwei verschiedene Konzepte, eines für die Gut-Ausdauer-Trainierten. Die sollten an den VPs kurze Pause machen und möglichst gleichmäßig durchlaufen. Dem „Schlecht-Trainierten“ helfen systematische Erholungsphasen von Anfang an, im Idealfall kurze Gehpausen, zur Not retten später auch längere Aufenthalte an den Versorgungsstationen, um phasenweise laufen zu können. Meine Taktik wird ein Mittelweg sein, sich aber eher an die „Langsamläufer“ orientieren.

Beim Mauerweglauf hat eine Zeit unter 24h den Reiz, dass man hierfür nach amerikanischen Vorbild eine Gürtelschnalle bekommt. Daher habe ich mir die Zielzeit 23:45 Stunden ausgesucht, aber mit ein bisschen Fantasie kann man die Taktik auch auf andere Zielzeiten übertragen.

24h Stunden zu laufen muss auch Spaß machen. Die Idee ist, den Lauf zu genießen, mit offenen Augen entlang der ehemaligen Mauer zu laufen und sich durchaus ab und zu Zeit nehmen, um sich etwas anzuschauen, durchzulesen oder zu fotografieren. Im Idealfall unterfordern sich die Teilnehmern der Gruppe. Vermutlich reicht eine Marathonzeit im Bereich von 4:15 bis 4:30 Stunden, um in der Gruppe locker mitzulaufen und sich den Buckle zu holen.

Ein Plan muss möglichst einfach sein und plausibel. Daher beginne ich bei der Erstellung immer so, dass ich mir Prinzipien überlege und dann langsam die Gesamtzeit in immer kleinere Abschnitte runterbreche. Dann fasse ich die Details wieder zu einer mittleren Aggregationsstufe zusammen. Dieser Plan wird dann ausgedruckt, mitgenommen und möglichst eingehalten. Meine wichtigste Planungsgröße ist die Uhrzeit, bzw. Laufzeit, nach der ich jeden VP verlassen möchte. Eine weitere Regel ist, dass ich nach jedem VP erst einmal 1 Minute gehe. Das hat die Vorteile, dass die Verpflegung besser aufgenommen und einem das Wiederanlaufen erleichtert wird. Und wer am VP länger braucht, kann schnell wieder zur Gruppe aufschließen. Aber auch die normalen Gehabschnitte in der Länge von 15 bis 30 Sekunden möchte ich recht früh einstreuen, anfangs vielleicht alle 15 Minuten, später häufiger. Im Laufe des Rennens wird das Lauftempo etwas langsamer, andererseits häufen sich die Gehabschnitte, daher wird das Bruttotempo immer langsamer. Mit dem Bruttotempo steure ich das Tempo zwischen den VPs. Dennoch ist es gemäß Plan erforderlich, auch gegen Ende des Laufes noch wesentliche Teile zu laufen. Die Spalte Pause ist vorgesehen für Fotos, Sightseeing, Umziehen, Ampeln o.ä. Hier steckt eine gewisse Reserve drin. Aber es ist natürlich wichtig, dass man einigermaßen pünktlich am VP ankommt.

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Die große Planungs-Tabelle

Die Nettolaufzeit ist also etwa 20:45, dazu kommen etwa 1 Stunde „Lauf-Pausen“ und 2 Stunden „VP-Pausen“. Hier ist lediglich bei den größeren VPs, die ja Dropbackstations sind, etwas mehr Zeit eingeplant, ansonsten sind 3 Minuten nicht viel. Das reicht allerdings zum Flasche auffüllen, etwas essen und trinken und ein wenig Smalltalk. Als leistungsorientierter Läufer würde ich versuchen, hier mit 30 Minuten in Summe auszukommen. Viele der 24h-Läufer brauchen allerdings ab und zu eine Pause, in der man sitzt und beispielsweise eine Portion Nudeln isst. Ich selbst werde vermutlich weder einen Dropbag abgeben noch größere Mahlzeiten zu mir nehmen, aber ich muss mich bei diesem Plan ja an die Bedürfnisse der Gruppenmitglieder orientieren.

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Der Plan zum Mitnehmen

Diese Tabelle nehme ich mit. Sie bietet mir alle Informationen, die ich brauche. Zur Interpretation erkläre ich einmal den Weg vom VP 5 zu VP 6. Der VP 5 wird ungefähr um 9:54 Uhr verlassen. Dann haben wir 4 km bis zum nächsten VP vor uns, für die ich genau 31 Minuten Laufzeit berechnet habe. Das entspricht einem durchschnittlichen Tempo von 7:45 min je km. Das heißt allerdings nicht, dass wir sooooo langsam laufen, sondern es schließt auch ein, dass wir zwischendurch gehen oder ein Foto machen oder vor einer roten Ampel warten. Am VP 6 bleiben wir dann bis 10:35 Uhr bevor wir zur nächsten Etappe aufbrechen.

Für wen ist die Zugläufer-Gruppe sinnvoll? Natürlich für alle, die in Begleitung die 24h-Schallmauer durchbrechen wollen, insbesondere für die, die noch nicht viel eigene Erfahrung haben. Es gibt sicherlich auch welche, die zunächst einmal 34 km bis zum VP 6 mit der Gruppe starten und dann aber ohne lange Pause weiterlaufen und eine Zielzeit von 20 Stunden schaffen. Auf der anderen Seite gibt es vielleicht welche, die die ersten 100 km alleine laufen, sich aber über die Nacht der Gruppe anschließen. Vermutlich werden viele, von denen, die wir im letzten Renndrittel überholen, versuchen, sich der Gruppe anzuschließen und dann gibt es vielleicht auch welche, die ebenfalls knapp unter 24h laufen wollen, aber bewusst nicht in der Gruppe laufen wollen. Die laufen üblicherweise mal 100m vor der Gruppe und mal 100m dahinter - dennoch dient die Gruppe immer der Orientierung.

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Gruppendynamik entwickeln wird. Das Ganze ist ein Experiment, ein erstmaliger Versuch, über eine so lange Distanz eine geplante Taktik mit einer unbekannten Gruppe umzusetzen. Wichtig ist, dass der Plan kein Dogma ist, sondern nur eine Orientierung. Wenn erforderlich, werden wir aus Rücksicht auf Gruppenmitglieder aufeinander warten. Wir werden niemanden unterwegs vergessen oder bei gesundheitlichen Problemen alleine zurücklassen, sondern mindestens bis zum nächsten VP begleiten. Wird es überhaupt eine Gruppe geben? Nach meiner Beobachtung starten die Läufer, die 24h anstreben alle schneller. Möglicherweise werde ich daher auch ganz am Ende des Feldes alleine starten. Wird es ein „Wir-Gefühl“ geben, ein Kern, der die ganze Zeit zusammenbleibt? Wie wird die Gruppe mit Krisen umgehen?

Es wird spannend, ich freue mich auf das Ereignis und würde mich freuen, wenn sich viele mir anschließen würden, im Vertrauen, dass der Plan gut ist. Spannend ist ja auch, dass der Lauf im Internet live verfolgt werden kann, da an den meisten Checkpoints Zeiten elektronisch erfasst und direkt ins Internet gestellt werden. So kann jedermann verfolgen, wie gut ich es schaffe, meinen Plan einzuhalten.

Logo: Veranstalter, Text und Tabellen: Michael Irrgang, 8.8.2017