Laufgemeinschaft der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung e.V.

Bericht von einem Mehrtageslauf durch Namibia vom 18.-25.11.2017

Tag 1+2 Anreise nach Namibia und weiter ins erste Camp

Nach einer Reisezeit von 17 Stunden (13 Stunden Flugzeit und vier Stunden Aufenthalt in Johannesburg) erreiche ich gegen 17 Uhr den Airport Windhoek. Hier sind es mollige 30 Grad und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Gemeinsam mit acht anderen Läufern, die ebenfalls in dem Flieger aus Johannesburg saßen, nehmen wir uns einen Shuttlebus zur Lodge. Im Hotel und später beim Essen treffen ich dann auch einige Bekannte, die ich von früheren Läufen kenne. Das Hallo, ist wie immer groß und es gibt viel zu erzählen.

Am nächsten Morgen um 9 Uhr treffen sich alle draußen vor der Rezeption der Lodge. Nach dem Verstauen des Gepäckes geht‘s dann endlich los! Schon nach kurzer Zeit haben wir die Stadt hinter uns gelassen und eine schier endlose Savannenlandschaft beginnt. Erste Tiere (Affen und Vogel-Strauße) sind vom Bus aus zu sehen. Nach ca. zwei Stunden und einer kurzen Pause verlassen wir dann die befestige Straße und es geht nun weiter über Schotterpisten hinein in die Wüste Namib.

Die Namib ist mit einem Alter von rund 80 Millionen Jahren die älteste Wüste der Welt und zugleich einer der unwirtlichsten Orte des Planeten. Was sich im Lexikon so leicht liest, sollten wir in den nächsten Tagen sehr intensiv selbst erleben. Nach vierstündiger Busfahrt, wobei mehr als die Hälfte über Schotterpisten führen, erreichen wir das Camp. Das erste Camp befindet sich unmittelbar an der „Spitzkoppe“, einem Inselberg, der seine flache Umgebung 700 Meter überragt. Aufgrund seiner markanten Form wird er auch als das „Matterhorn Namibias“ bezeichnet. Die Zelte sind bereits aufgebaut. Nachdem wir uns „häuslich“ eingerichtet haben, erfolgt der Check-In und das Briefing. Die erste Nacht ist wie zu erwarten sehr unruhig und mir fehlt auch die richtige Müdigkeit, um auf meiner 5mm dicken Matte richtig schlafen zu können. Aber das sollte sich recht schnell ändern.

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20.11.17 Etappe 1, 47 km (tatsächlich 51 km)

Obwohl der Start erst um 8:30 Uhr ist, beginnen die ersten bereits vor sechs Uhr „Action“ zu machen. Die Einweisung kurz vor dem Start fällt recht kurz aus. Kris, der Race-Director, zeigt auf zwei riesige Felsen am Horizont und sagt zwischen den beiden geht’s hindurch, und dort ist auch der erste Checkpoint. Danach ist die Strecke mit roten Flaggen markiert.

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Bei geschätzten 30 Grad erfolgt dann pünktlich der Start! Es geht westwärts durch unebenes und anfangs felsiges Gelände, welches immer wieder durch lange Passagen mit sehr weichem Kies unterbrochen wird.

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Mein Gepäck von 11 kg (8,5 kg Nahrung und Ausrüstung plus 2,5 Liter Wasser) zieht ganz schön an meinen Schultern. Nach 18 km packe ich erst mal um. Mehr Gewicht in die Bauch- und Seitentaschen bringen gewaltige Veränderung bei der Gewichtsverteilung und danach geht es schon viel angenehmer weiter.

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Am Checkpoint zwei sind schon drei Läufer von den Medizinern zu einer Zwangspause gestoppt worden: Überhitzung und Dehydrierung. Nach ca. zwei Stunden Pause durften sie weitermachen. Ich lasse es weiter langsam angehen und erreiche nach ca. 8 Stunden das erste Etappenziel.

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Die Strecke hat statt der angekündigten 47 km eine Länge von 51 km. Das kann bei einer Erstveranstaltung in nicht befahrbarer Umgebung schon mal passieren. (Hurra, vier Kilometer mehr für‘s selbe Geld! Was will man mehr!)

Das Camp liegt in einem ausgetrockneten Flussbett, welches den Vorteil hat, dass die Zelte auf weichem Boden ohne Steine o.ä. stehen. Jetzt heißt es regenerieren! Also erst mal Füße hoch, dann trinken, essen und früh schlafen gehen.

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21.11.17, Etappe 2: Brandberg 50 km

Heute geht es westlich weiter Richtung Brandberg, einem Bergmassiv mit steilen Flanken, das die umgebende Landschaft um 2000 m überragt. Ein grandioser Anblick.

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Es geht teilweise durch kargstes Ackerland. Man kann kaum glauben, dass hier Menschen leben. Zu sehen sind auf den heutigen 50 Kilometern drei oder vier kleine Hütten aus Blech und Plastikfolie. Sand, Stein und Geröllwüste wechseln sich ab. Der Sand ist fürchterlich weich und schwer zu laufen, die Temperatur klettert auf knapp 40 Grad. Einmal sind in der Ferne auch Vogel-Strauße zu sehen. Wir sind also doch nicht ganz alleine.

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Nach 8:42 h erreiche ich um kurz vor fünf das Camp, das auch heute wieder in einem ausgetrockneten Flussbett aufgebaut ist. Die Mediziner bekommen zunehmend mehr zu tun! Einige Füße sehen schon schlimm aus und erste Löcher werden in Schuhe geschnitten, damit die Füße und Zehen mehr Platz bekommen oder nicht mehr reiben.

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Ich scheine zu den wenigen zu gehören, die (noch) keine Blasen an den Füßen zu haben. Damit das auch so bleibt, tape ich mir aber heute vorsichtshalber präventiv die Fußballen. Kinesio-Tape ist immer mein treuer Begleiter auf langen Läufen. Man kennt ja schließlich seine empfindlichen Stellen! Nach Ausruhen und Essen genieße ich meine Tasse Kaffee! Der letzte Läufer kommt gegen 19 Uhr ins Ziel. Recht schnell wird es ruhig im Camp und die Nacht mit einem überwältigenden Sternenhimmel breitet sich über uns aus. (Die Zelte haben oben ein Moskitonetz, so dass man das Gefühl hat im Freien zu liegen!

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22.11.17, Etappe 3: White Lady Marathon 43 km

Heute soll es „nur“ ein Marathon sein. Na ja, es sollte mein bisher längster werden! Es geht weiter um das Brandbergmassiv herum. Nach dem Start um 8:30 Uhr geht es erst mal 12 km durch den weichen Sand des ausgetrockneten Flussbetts. Sehr kräfteraubend, das fängt ja gut an!

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Später, nachdem wir das Flussbett verlassen, wird der Boden ein wenig fester, da die Wüste hier mit winzigen Grasbüscheln bewachsen ist. Dafür wird es allerdings hügelig und immer heißer.

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Ich bin immer froh die Checkpunkte zu erreichen, um mich im Schatten ein wenig abkühlen zu können. Wasser wird genügend zur Verfügung gestellt, so dass man auch Kopf und Arme nass machen kann. Meine Armlinge und Kappe von Outdoor-Research haben sich wirklich bewährt, da sie die Verdunstungskälte super an den Körper weitergeben. Sehr empfehlenswert.

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In den Felsen des Brandbergmassivs, die immer in „greifbarer“ Nähe zu sein seinen, sollen tausende uralter Felszeichnungen sein. Die berühmteste ist die „White Lady“, nach der dieser Marathon benannt ist. Unterwegs sehen wir auch immer wieder Skelette von verdursteten Tieren. Da wird einem erst richtig klar, wo man sich hier „rumtreibt“ und wie abhängig wir von den Checkpoints mit Wasser sind. Auch heute ist es wieder um die 40 Grad.

Nach 7:21 h erreiche ich das Ziel. Was für ein Tag! Aber mittlerweile bin ich sehr gut im Rennen angekommen und vor allem auch gut akklimatisiert. Ich habe keinerlei physische Probleme und meinen „inneren Schweinehund“ habe ich mittlerweile wieder gezähmt! (Meine älteste Tochter behauptet ja steif und fest, dass ich überhaupt keinen inneren Schweinehund hätte, aber das stimmt leider, leider nicht.)

Nach dem Ausruhen wird dann erst mal gegessen und ein Kaffee getrunken. Bisher hält sich mein Hunger in Grenzen, obwohl die 2600 kcal an täglicher Nahrung, die die ich mitgenommen habe, eigentlich fast meinem täglichen Grundumsatz entsprechen. Da ich langsam unterwegs bin, laufe ich wahrscheinlich voll auf Fettverbrennung.

Die Stimmung im Camp ist super, obwohl die ersten drei Läufer ausgeschieden sind. Die Medics haben ebenfalls eine Menge zu tun. Füße versorgen, Scheuerstellen an Schultern und Rücken behandeln, aber auch erste Schuhe bearbeiten (vor allem Löcher reinscheiden, damit die wunden Zehen Platz haben.) Ich glaube, alle Läufer fühlen sich hier gut aufgehoben. Morgen ist mit 22 km die kurze „Hitze-“ Etappe, die erst um 11 Uhr startet wird. Heute wird mit Ohrenstöpsel geschlafen, damit ich nicht von den ewigen Frühaufstehern geweckt werde.

23.11.17, Etappe 4: The Damara Dash 22 km

Das mit den Ohrstöpseln hat sehr gut funktioniert. Statt den Krachmachern werde ich von der Sonne, die um sieben Uhr schon erstaunliche Wärme erzeugt, geweckt. Nach Frühstück usw. suche ich mir ein schattiges Plätzchen um die Zeit bis zum Start um 11 Uhr relaxt zu überbrücken. Dann plötzlich Aufregung im Camp! Elefanten! Jemand hat Elefanten gesichtet! Leise und vorsichtig schleichen wir uns durch die Büsche, bis zu einem ca. 300 m entfernten ausgetrockneten Flussbett. Und wirklich, eine Elefantenfamilie trottet langsam und gemächlich an uns vorbei. Die schauen uns genauso interessiert an wir wie sie. Wir sind beeindruckt, ja überwältig von dem majestätischen Anblick der Tiere hier so mitten in der freien Natur. Das ist mit keinem Tierpark zu vergleichen und ich kann das auch nicht in Worte fassen, man muss es einfach erlebt haben, es ist überwältigend! Später, während der heutigen Etappe, kreuzen auch Spuren von Löwen unseren Weg. Wir sind also tatsächlich nicht alleine.

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Bei der heutigen „kurzen“ Etappe sollen der „King“ und die „Queen“ der Hitze gekürt werden: In der größten Mittagshitze (heute wird es tatsächlich 43 Grad) gilt es zwischen Checkpoint 1 und 2, eine zehn Kilometer lange, karge sandige Ebene zu erklimmen. Wer das am schnellsten schafft, wird am Ende nochmal gesondert geehrt! Ich halte mich da raus, für sowas bin ich zu alt! Die Strecke ist auch so anstrengend genug.

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Dafür habe ich meinen eigenen Rekord. Mein längster Halbmarathon, 3:50 h.

Das Camp ist oben auf dieser Ebene aufgebaut. Es weht ein starker, heißer Wind, aber dafür haben wir freien und weiten der Blick in fast alle Richtungen. Der Sonnenuntergang ist spektakulär! Danach geht’s zügig ins „Bett“ bzw. auf die Matte. Die Nacht wird kurz, da es Morgen sehr früh auf die finale Etappe geht.

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24/25.11.17, Etappe 5: The Grind 89 km (92km)

Um 3:45 Uhr ist die acht zu Ende! Der unbeschreibliche Sternenhimmel macht die frühe Uhrzeit schnell vergessen. Welch eine Kulisse für ein Frühstück. Um 5 Uhr geht es los auf die lange und letzte Etappe.

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Schon der Auftakt lässt einiges für den Tag zu erwarten. Zunächst gilt es auf eine Strecke von 6 Kilometern, eine gewaltige Sanddüne zu erklimmen. Ein Kraftakt am frühen Morgen. Dafür werden wir allerdings mit einem Panoramablick über die Wüstenlandschaft, die wir bereits passiert haben, belohnt.

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Der Blick nach vorne zeigt aber auch, was heute noch vor uns liegt. Vor uns breitet sich schier endlos die Namib mit ihren verschiedenen Terrains aus. Im Laufe des Tages durchqueren wir verbranntes Grasland, unebene felsige Ebenen, Bergpässe und Treibsand. Alles zieht sich endlos hin.

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Gegen Mittag kommt wieder ein starker Wind auf, der uns den Rest des Tages begleitet und die Temperatur steigt wieder auf knapp 40 Grad. Das fühlt sich an, als würde irgendwo ein riesiger Föhn blasen. Das Läuferfeld ist mittlerweile schon extrem auseinandergezogen. Nur selten sehe ich vor oder hinter mir am Horizont einen meiner Mitstreiter bzw. Mitstreiterinnen. Dann folgt die Durchquerung des „Doros-Kraters“, eine Region die aussieht wie die Oberfläche des Mondes. Es ist ein Gefühl, als wäre man allein auf der Welt, eine unbeschreibliche Ödnis und Einsamkeit, die ich noch nie so erlebt habe.

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Überhaupt sind die Eindrücke hier in der Wüste unheimlich intensiv, was glaube ich, vor allem auf die endlosen Weiten zurückzuführen ist, in denen wir hier mehr oder weniger alleine unterwegs sind.

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Endlich erreiche ich gegen 18 Uhr den Checkpoint bei Km 67. Dieser ist gleichzeitig ein kleines Camp. Läufer, die hier nach 21 Uhr ankommen, müssen hier auch übernachten und dürfen erst am kommenden Morgen um 4 Uhr weiter. Dieses ist eine Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der Läufer. Auf den letzten 25 Kilometern führt die Strecke an einigen Wasserlöchern vorbei, die natürlich die Tierwelt anzieht. Es soll natürlich nicht riskiert werden, dass man diese aufschreckt und ggf. unangenehmen Tierkontakt riskiert. Ich trotte weiter durch eine graue aschebedeckte Landschaft. Der Boden ist wieder sehr weich und schwer zu laufen. Kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich den letzten Checkpoint.

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Jetzt nur noch 12 Kilometer, aber in der Dunkelheit! Markierung gibt es ab hier kaum noch. Die Anweisung lautet: „Nach ca. 2 Kilometern rechts abbiegen in die Schlucht und dann weiter bis ins Ziel, verlaufen unmöglich“. Also weiter geht’s und ich hoffe, dass die recht haben. Vor allem hoffe ich aber, dass ich nicht das Glück habe, jetzt auf den letzten Kilometern noch auf Tiere zu treffen. Denn in der Schlucht sind auch die Wasserstellen und das letzte, was ich jetzt noch brauchen würde, wären leuchtende Tieraugen im Schein meiner Stirnlampe.

Nach zwei Kilometern kommt der Eingang zu einer schmalen Schlucht, ein Flatterband zeigt, dass ich richtig bin. Ein Glück, denn mittlerweile ist es dunkel geworden. Ich folge dem steinigen Pfad, der immer tiefer in die Schlucht hineinführt.

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Links und rechts geht es steil hinauf und ein Verlaufen scheint tatsächlich nicht möglich zu sein. Ab und zu bleibe ich stehen und schalte meine Stirnlampe aus um den Sternehimmel über mir und die Stille hier an diesem Ort zu genießen. Weiter geht’s, das Ziel rückt immer näher. Und endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, sehe ich Lichter! Das muss das Ziel sein! Um 21 Uhr und 25 Minuten erreiche ich nach 16:24 Stunden und 92 Kilometern überglücklich die Ziellinie!

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Ein riesiges Gefühl der Freude und der Erleichterung macht sich in mir breit. Ich habe es geschafft und noch dazu ohne irgendwelche Blessuren, dieses absolut harte Rennen an einem der unwirtlichsten Orte dieser Erde, zu finishen. Auf einer leichten „Wolke“ schwebe ich auch jetzt, 14 Tage später, noch immer.

Zu unserer Überraschung gibt es etwas Warmes zu essen. Nudelsalat, Würstchen und Hähnchenschenkel. Das Beste sind jedoch je zwei Dosen Cola und Bier für jeden. Die Colas verdunsten fast in meinem Mund. Danach genieße ich das Bier. Was braucht man mehr, um zu leben? Bis kurz vor zwei in der Nacht treffen noch Läufer ein. Alle werden mit großem Jubel begrüßt. Die Nacht ist kurz, aber alle sind glücklich und zufrieden und wir genießen unser letztes gemeinsames Frühstück hier in der Wüste. Um zehn Uhr geht es zurück in die Zivilisation. Da hier, wo wir sind kein Bus oder normales Fahrzeug hin kann, werden wir zunächst in kleinen Gruppen in einer halbstündigen Fahrt mit Geländewagen aus diesem Gebiet herausgefahren. An einer Schotterpiste steigen wir dann in einen Bus um, der uns in einer halbstündigen Fahrt aus der Wüste herausbringt. Unser Ziel ist ein Lodge, ca. eine Stunde entfernt von Windhoek. Jetzt kann nach einer Woche erstmals wieder geduscht werden. (Zum Glück sind ja alle gleich während einer solchen Woche, zumindest was den Dreck und den Geruch betrifft. Ansonsten wäre das wohl kaum zu ertragen).

Noch vor der Siegerehrung werden gemeinsam einige „Bierchen“ getrunken und es wird ausgiebig über das gemeinsame Abenteuer gesprochen. Das geht dann nach der Siegerehrung und einem leckeren Essen ungebrochen weiter. Am nächsten Morgen geht es dann leider schon um sieben Uhr zurück Richtung Deutschland. Eine unvergleichliche Woche mit neuen Erfahrungen, unvergleichlichen Eindrücken und vielen neuen Freunden ist schon wieder zu Ende.

Fazit:

Der Veranstalter „Beyond the Ultimate“ (BTU) hat mit dem Namib-Desert-Ultra in Namibia einen tollen Lauf mit einer grandiosen Streckenführung organisiert, der den Läufern alles abverlangt. Neben dem kräftezehrenden Lauf durch weichen Boden mit schwerem Gepäck ist es vor allem auch eine enorme mentale Anstrengung, in dieser weiten, oft eintönigen Landschaft, über Stunden hinweg unterwegs zu sein. Aber mit guter Vorbereitung ist das zu schaffen.

Empfehlen kann ich den Lauf uneingeschränkt. Wenn ich das richtig gesehen habe, war ich mit meinen 57 Jahren der zweitälteste Starter im Feld. Umso zufriedenen bin ich natürlich, dass ich als 16ter von 35 Läufern in einer Gesamtzeit von 44 Stunden und 46 Minuten das Ziel erreicht habe. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Lauf mit diesem Veranstalter, dem JungleUltra in Peru, der im kommenden Mai stattfindet. Für Fragen zu den Läufen und Tipps zur Ausrüstung etc. stehe ich gerne zur Verfügung.

Text: Dietmar Rosenau, Bilder Dietmar Rosenau, Veranstalter, 14.12.2017

7gms3Das romantische Siebengebirge diesmal anders. Temperaturen um den Gefrierpunkt, starker Schneefall und ein „erfrischender“ Wind haben den Siebengebirgsmarathon am 10. Dezember 2017 zu einem ganz besonderen Winterlauf gemacht.

Spontan entschieden, den Weg über die winterliche Straßen nach Aegidienberg anzutreten, unkompliziert nachgemeldet und schon stehe ich fröstelnd mit vielen anderen entschlossenen LäuferInnen am Start. Wir stehen unterhalb des Ortes auf einem Feldweg. Vor uns liegt das wunderbar zugeschneite Siebengebirge. Am Vortag hatte der Schnee das Siebengebirge schon reichlich zugedeckt, aber es kommt noch besser: Kaum losgelaufen, fängt es wieder an zu schneien und – um es vorwegzunehmen – es hört bis zu meinem Zieleinlauf auch nicht auf. Die Strecke ist dafür überhaupt nicht matschig, dafür ab und zu ein wenig rutschig. Kurzum auf dem Schnee läuft es sich gut.

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Ich bin mit Peter Wasser von der LG Kevelaer (nicht vergessen: Kevelaer Marathon am 7. Januar!) unterwegs. Wir haben uns einen langsamen Lauf vorgenommen, da ja noch das ein oder andere Event bis zum Jahreswechsel ansteht. Wir laufen die erste Hälfte in rund 2:10h und haben viel Spaß. Ich freue mich, Michael Irrgang zu treffen und der Lauf wird noch kurzweiliger.

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An den Verpflegungen gibt es heißen Tee, der angenehm wärmt. Das Isogetränk ist dafür ein wenig zugeschneit und vom liebevoll dargereichten Spekulatius huste ich noch lange … Essgier zahlt sich selten aus. Vom z.T. eisigen Wind und dem Schnee bildet sich auf den Augenbrauen und den Augenlidern langsam eine Eiskruste, die ich ab und zu entfernen muss, weil sich sonst meine Augen bitter beschweren. Mein Halstuch gefriert zu einem starren Halsband und die Regenjacke an den Ärmeln und am Saum zu einem Eispanzer. Meine durchnässten Laufhandschuhe sind wie immer eine Katastrophe. Ich fühle mich an meine Sibirienläufe erinnert, aber da ist die Kälte viel trockener und das lässt sich besser vertragen. Wir "schnecken" in der zweiten Hälfte ein wenig an den verschneiten Steigungen rum. Michael ist längst über alle Berge und so laaangsam wünschen wir uns – langsamer Lauf hin oder her - auch einen dampfenden Kaffee im warmen Zielbereich. Der Lauf endet kurzweilig und vor allem stilvoll mit dem Einlauf im Bürgerhaus in Aegidienberg. Wir kommen mit 4:39h und Michael mit 4:29h ins Ziel.

Siebengebirge – Schneelauf im Wintermärchen, ein Sonntagmorgen kann fast nicht schöner sein. Meine Begeisterung legt sich ein klein wenig, als ich zu meinem Auto komme und selbiges freischaufeln darf.

7Gebirgsmarathon – ein Klassiker, gerne mit Schnee.

Text und Bilder: Stefan Henscheid, 13.12.2017

7gm1Bei einem Marathon am 2. Advent im Siebengebirge könnte man meinen, dass er recht schneesicher ist, aber in Wirklichkeit wird an einigen Hängen des Mittelgebirges in der Nähe von Bonn Wein angebaut und Schnee gibt es recht selten. Schnee beim 7GM ist daher die Ausnahme.

Doch zum Marathon-Wochenende 2017 fiel viel Schnee und auch während des Marathons gab es bei leichtem Frost anhaltenden Schneefall mit böigem Wind. Unter dem Strich gab es 41 km lang eine geschlossene Schneedecke, mal ein wenig tief, mal ein wenig sulzig, mal glatt. Bei einem Lauf, bei dem es ständig auf und ab geht, waren das keine leichten Bedingungen. Es gab einige Stürze, manche eierten tänzelnd die Berge herunter, andere stöhnten, dass es an Muskeln und Gelenken weh tat, die sie bisher gar nicht kannten. Allen Problemen zum Trotz lief der Sieger, der auch in der Ultralaufszene kein Unbekannter ist, Moritz auf der Heide, eine unvorstellbare Zeit von 2:42h - er war auch als einziger mit Spikes unterwegs.

Von der LG Ultralauf hatten sich einige zum letzten Wettkampf in diesem Kalenderjahr angemeldet, einige mit der Ambition, die gute Spätform durch eine schöne Zeit zu bestätigen, andere eher mit der Idee eines gemütlichen Trainingslaufes.

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Ein Gruppenfoto mit einem Teil der Mannschaft (von links: Michael Irrgang, Markus Meinke, Michael Wiesner, Andreas Weber, Christoph Janthur

Eigentlich wollte ich gemütlich eine 4:30h laufen. Eigentlich mag ich auch Schnee. Und ich mag den Lauf an sich. So freute ich mich, als es pünktlich um 10 Uhr losging. Wie üblich startete ich eher hinten und langsam. Schon am ersten Anstieg merkte ich, dass meine Schuhauswahl suboptimal war - mehr Profil wäre besser gewesen. So musste ich noch mehr gehen, als ich es ursprünglich dachte. Es war einfach sehr anstrengend. Berg runter ging aber prima und ich überholte reichlich. Nach einer halben Stunde setzte Schneetreiben ein, teils mit üblem Wind und wenn der feuchte Wind von vorne kam, war es schon mächtig kalt. Gefühlte minus 10 Grad, wollte einer in Erfahrung gebracht haben. Meine Brille war so eine Mischung aus beschlagen und vereist. Ohne hätte ich mehr gesehen, aber wohin damit?

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Einen Teil des Weges lief ich zusammen mit Stefan Henscheid

Anfangs hatte ich mich noch mit vielen Bekannten und Unbekannten ganz nett unterhalten, aber irgendwann waren einerseits die Gesichtsmuskeln zugefroren, dass das Reden echt beschwerlich wurde, andererseits wollte ich nun nicht länger als nötig brauchen, um wieder ins Bürgerhaus zu kommen, um meinen verdienten Kaffee zu bekommen. Der Veranstalter hatte kaum Kosten und Mühen gescheut und versorgte die Läufer etwa alle 5 km mit allem Nötigen, insbesondere mit warmen Tee und Iso, Spekulatius und gefrorene Bananen waren auch im Angebot. Etwas überrascht war ich, als ich nach 4:29 h ins Ziel kam. Fast wie geplant, es hätte sich nur besser anfühlen sollen. Als erstes direkt zur Kuchentheke und Kaffee und Kuchen besorgt, dann die nassen Klamotten gewechselt und alles war wieder super. Einige von uns, waren längst da und bereits geduscht und es dauerte nicht lange, als die Siegerehrung begann.

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Markus bei Ehrung seiner Altersklasse

Markus Meinke ist lange mit in der Spitzengruppe gelaufen und wurde am Ende für seinen couragierten Lauf mit Platz 9 gesamt und Platz 3 in seiner Altersklasse belohnt.

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Christoph bei seiner Ehrung. Später nahm er auch den Preis für die Mannschaft in Empfang

Christoph Janthur gewann sogar seine Altersklasse und wurde in der Gesamtwertung 29. Danach mussten wir leider fahren und haben das Beste verpasst. Denn in der Mannschaftswertung belegten wir den nicht für möglich gehaltenen 2. Platz und zwar in der Besetzung Markus, Christoph und MIR !!!!!! Einerseits war meine Zeit ja wirklich schlecht, was sich auch durch den Platz 182 ausdrückt, andererseits wähnte ich andere aus dem Verein vor mir. Aber, wenn andere das Vereinsfeld nicht oder nicht korrekt füllen und andere Mannschaften schwächeln und die anderen Meister des gepflegten Ultralaufes von uns noch gemütlicher unterwegs sind, dann kommen eben andere zum Zug. Mit Stefan Henscheid, Dirk Minnebusch und Michael Wiesner haben wir sogar noch eine zweite Mannschaft in der Wertung. Prima! Insgesamt war es ein besonderer Lauf, viel anspruchsvoller und viel anstrengender als es die Zahlen Länge und Höhenmeter ausdrücken, aber gestandene Ultraläufer mögen es ja so.

Text: Michael Irrgang, Bilder: Sabine Schäfer (2), Markus Meinke (1) und Michael Irrgang (2), 11.12.2017

2015 feierte der Lauftreff Harsefeld sein 10 jähriges. Dies war Anlass den ersten Sechs-Stunden Lauf auszurichten. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und wurde im Folgejahr wiederholt. Auch 2017 hieß es am letzten November-Samstag wieder Runden drehen im Klosterpark Harsefeld. Für mich wie immer eine gute Gelegenheit, Ramona und Torsten zu treffen, die ja auch seit zwei Jahren Vereinsmitglieder sind. Dank Katrin hatte ich das "rundum sorglos Paket" gebucht. Abholung und Bring-Service bis vor die Haustüre. Einen kleinen Umweg machten wir dabei noch, um Roland Riedel (DUV- Geschäftsführer) abzuholen. So ging es munter quatschend in die Nordheidestadt.

Dort angekommen empfing uns Ramona leider mit einer schlechten Nachricht. Eine Entzündung im Fuß machte wie im Vorjahr einen Start unmöglich. Auf diesem Weg "toi toi toi, Mona"

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Von links: Christian Mohr, Ramona Franz, Torsten Lange, Katrin Tüg-Hilbert und Roland Riedel

Fast pünktlich um 10 Uhr gingen gut 90 Teilnehmer auf die erste 1352 Meter lange Runde.

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Torsten hatte die Ehre das Feld anzuführen und beendete die erste Runde auch als Erster. In der Folge zwackte bei ihm ein wenig das Knie, das Minimalziel 33 Runden und damit die Marathondistanz zu absolvieren war allerdings nicht in Gefahr. Schließlich war für ihn damit als Mitglied im Orga-Team die Arbeit noch nicht erledigt.

Harse3Katrin und ich hatten uns grob 6er Pace vorgenommen. Berücksichtigt man die Verpflegungs- (alle vier Runden) und Toiletten-Stopps waren 60 Kilometer schwer zu erreichen. Aber im November sollte das Grundlagentraining im Vordergrund stehen. Und so ganz einfach ist die Runde nicht: Viele enge Kurven, einige Brücken und natürlich die Steigung an der Bartholomei-Kirche bringen einem immer wieder aus dem Rhythmus. Allerdings hielt uns das nicht vom quatschen ab. So vergingen die ersten vier Stunden wie im Flug. Gefühlt war es mein kürzester 6-Stunden-Lauf. Erst ab der fünften Stunde gönnten wir uns doch hin und wieder mal eine Redepause. Da es keine Restmeter-Vermessung gab, beendeten wir gemeinsam den Wettkampf nach 43 Runden (58,1 KM). Allerdings war es noch nicht 16 Uhr, sodass wir noch eine Ehrenrunde liefen.

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Für Katrin reichte es zu Platz zwei in der Frauenwertung

Wieder eine gelungene Veranstaltung in Harsefeld, die auch nach der Siegerehrung für uns noch nicht beendet war. Bei Pizza, Pasta und Reste trinken saßen wir noch lange zusammen.

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Text: Christian Mohr Fotos: Ramona Franz, 9.12.2017

Wenn am 10. März 2018 in Rheine der Start zur 100km-Deutschen Meisterschaft fällt, beginnt der Wettlauf um die 31. Meisterschaft. Bereits 1987 gab es die erste Ausrichtung, die untrennbar verknüpft ist mit Harry Arndt, der sich nicht nur als Ausrichter viel Lob und Anerkennung verdiente, sondern sich zuvor auch intensiv um die Einführung engagiert hat. Die Ausrichtung einer 100km-Meisterschaft war damals eines der Gründungsziele der DUV, die ja Ende Dezember 1985 gegründet wurde und viele Jahre von Harry präsidial angeführt wurde.

Die Premiere war auch gleich die Veranstaltung mit den meisten Teilnehmern. 256 Männer und 37 Frauen weist die DUV-Statistik aus. Mehr hat es nie wieder gegeben.

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Insgesamt ist der Trend deutlich rückläufig, wobei die Frauenzahlen recht stabil um die 25 pendeln. Herausragend sind auch die Teilnehmerzahlen von 1990, 1996 und 2006. Auch diese Meisterschaften wurden von Harry in Hanau-Rodenbach ausgerichtet. Tiefpunkte der Finisher gab es 2011 Jütebog und 2014 Husum, aber leider auch 2017 in Berlin blieben viele mögliche Starter der Veranstaltung fern.

Wird Zeit, dass sich der Trend umkehrt und wieder eine teilnehmerstarke Veranstaltung stattfindet. Rheine bietet sicher eine sehr gute Infrastruktur und Strecke für schnelle Zeiten und eine würdige Atmosphäre.

Dabei ist die 100km-Strecke auch international die mit der größten Tradition und erfreut sich auch aktuell großer Beliebtheit.

In Japan gab es von Januar bis Oktober insgesamt 23 100km-Läufe, davon hatten 8 mehr als 1.000 Finisher. Der größte Lauf ist die Runde um den Lake Saroma mit 2311 Männer und Frauen in der Ergebnisliste. Auch in Europa gibt es große 100km-Läufe, allen voran die 100 km del Passatore, Firenze-Faenza (ITA) mit 2.195 Einträgen in der DUV-Statistik. Es folgen Millau (FRA) mit 1.244 Finishern und Race to the Stones 100 km Ultramarathon (GBR) mit 963 Einträgen in der DUV-Datenbank. Dieser Lauf weist sogar über 1.200 Höhenmeter auf! Auch Biel ist nicht gerade flach, hat von der Attraktivität vergangener Zeiten aber etwas eingebüßt, als es regelmäßig über 2.500 Finisher gab, zweimal sogar deutlich über 3.000. Dieses Jahr gab es einen neuen Minusrekord von 718, davon 275 aus Deutschland!

Der größte 100km-Lauf in Deutschland war 2017 der Thüringen Ultra mit 232 Finishern. Der Beschreibung ist zu entnehmen, dass es sich um einen Lauf über Feld- und Wiesenwege handelt, bei dem 2.250 Höhenmeter zu bewältigen sind. Der WHEW und Taubertal folgen mit jeweils deutlich über 100 Finishern. Das eine ist mit Biel vergleichbar mit einer zu lauenden, großen Runde mit 440 Höhenmeter, der andere ein sogenannter Punkt-zu-Punkt-Lauf entlang der Tauber. Die klassischen Rundenläufe in Leipzig und Berlin strahlen mit 47, bzw. 22 Finishern offensichtlich deutlich weniger Attraktivität aus.

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Beim Zeitenvergleich in der Welt sind die Leistungen im Zeitraum ab 2008 jährlich besser geworden mit sensationellen Spitzenzeiten. In Deutschland sind die Kurven von Platz 10 und Platz 25 die letzten Jahre gestiegen, auch wenn hier in der Spitze einerseits gute Zeiten präsentiert werden, die andererseits doch deutlich hinter der internationalen Spitze liegen.

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Bei den Frauen rettet Nele Alder-Baerens die Ehre, die 2017 aktuell auf Platz 2 der Weltjahresbestenliste geführt wird und 2016 sogar auf Platz 1 beendete. In der Tendenz scheinen die Kurven nur leicht zu steigen, wenn überhaupt.

Für die Gründe kann man nur spekulieren. Aber auffällig ist, dass viele sehr gute Läufer nur unregelmäßig Ergebnisse stehen haben. Teilweise besteht nicht jährlich das Verlangen nach einer TOP-100km-Zeit, teilweise liegt das aber auch daran, dass die Läufer ambitioniert in ein Rennen starten, z.B. mit dem Ziel, die WM-Norm zu unterbieten. Dann aber feststellen müssen, das Ziel nicht zu schaffen und die Rennen vorzeitig beenden. Gefühlt ist die 100km-Spitzengruppe viel größer, als es diese Zahlen hier ausdrücken!

Interessant ist die Entwicklung der Zeiten bei den Deutschen Meisterschaften.

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Diese Grafik zeigt die Entwicklung der Podestzeiten, also die Zeiten der besten 3 Männer und Frauen. Hier gibt es eine grobe Tendenz, dass die Zeiten schlechter werden, aber die Ausreißer sind schon beachtenswert. Das kann aber durchaus auch am Wetter oder sonstigen Bedingungen liegen. Man kann schon davon ausgehen, dass zu jeder Meisterschaft Kaderathleten und Spitzenläufer anwesend waren, die versucht haben, sich für die Nationalmannschaft zu qualifizieren, denn insbesondere im Spitzenbereich bieten Deutsche Meisterschaften eine leistungsfördernde Stimmung und durch die Runden eine perfekte Betreuungsmöglichkeit - sei es vom Veranstalter oder dem eigenen Team.

Auffällig sind teilweise die riesigen Abstände zwischen den Platzierten.

Bemerkenswert finde ich auch, dass in den ersten 10 Jahren alle drei Männer unter 7 Stunden bleiben. Bei der ersten Austragung 1987 waren es 7 Männer und auch bei der ersten 100km DM in Rheine blieben bei einer Siegerzeit von 6:38h 6 Männer unter der magischen Grenze.

2009 bei der DM in Ahrweiler blieb zum ersten Mal der Sieger oberhalb der 7 Stundenmarke, was in den nächsten 6 Jahren fünfmal der Fall war. In den letzten beiden Jahren konnten die jeweiligen Sieger André Collet und Benedikt Hoffmann unter dieser Marke bleiben. Benedikt Hoffmann unterbot dabei die A-Kader-Norm, die bei 6:50h liegt. Die B-Kader-Norm, die i.d.R. zur Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften berechtigt, liegt bei 7:15h.

Bei den Frauen liegen die Norm-Leistungen bei 7:50h und 8:30h, wobei die Gewinnerin der letzten beiden Jahre, Nele Alder-Baerens die A-Norm erfüllte und in den letzten Jahren die zweit- und drittplatzierte Frau immer die B-Norm erfüllte. 2017 war diesbezüglich hoffentlich ein Einzelfall.

Die Liste aller deutschen Meisterschaften

 

Datum Nr Veranstaltung Finisher
31.10.1987 1 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 293 (256 M, 37 W)
08.10.1988 2 100-km-Lauf Hamm-Heessen (GER) 157 (135 M, 22 W)
30.09.1989 3 100 km Lauf Unna-Lünern - DM (GER) 197 (169 M, 28 W)
28.04.1990 4 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 217 (184 M, 33 W)
12.10.1991 5 100 km Lauf Scheeßel (GER) 157 (128 M, 29 W)
05.09.1992 6 100 km Lauf Rheine-Elte - Deutsche Meisterschaft (GER) 176 (149 M, 27 W)
04.09.1993 7 100 km Lauf Rheine-Elte - Deutsche Meisterschaft (GER) 151 (127 M, 24 W)
24.09.1994 8 100 km Lauf Neuwittenbek (GER) 171 (139 M, 32 W)
30.04.1995 9 100 km Lauf Pfalzgrafenweiler - Deutsche Meisterschaft (GER) 100 (85 M, 15 W)
19.10.1996 10 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 196 (161 M, 35 W)
16.08.1997 11 Leipziger 100 km Lauf am Auensee - Deutsche Meisterschaft (GER) 118 (97 M, 21 W)
12.09.1998 12 100 km Lauf Neuwittenbek (GER) 94 (74 M, 20 W)
10.04.1999 13 Internationaler Spicher Hunderter - Deutsche Meisterschaft (GER) 157 (128 M, 29 W)
22.04.2000 14 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 111 (88 M, 23 W)
12.05.2001 15 100 km Lauf Neuwittenbek, Deutsche Meisterschaft (GER) 97 (64 M, 33 W)
31.08.2002 16 100 km Lauf Rheine-Elte - Deutsche Meisterschaft (GER) 103 (79 M, 24 W)
06.09.2003 17 100 km Peter-Lauf (GER) 80 (63 M, 17 W)
27.03.2004 18 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum (GER) 114 (89 M, 25 W)
13.08.2005 19 Leipziger 100 km Lauf am Auensee - Deutsche Meisterschaft (GER) 129 (106 M, 23 W)
29.04.2006 20 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - Deutsche Meisterschaft (GER) 193 (155 M, 38 W)
24.03.2007 21 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum - Deutsche Meisterschaft (GER) 89 (69 M, 20 W)
05.04.2008 22 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum - Deutsche Meisterschaft (GER) 115 (86 M, 29 W)
03.10.2009 23 Deutsche 100km-Straßenlaufmeisterschaften (GER) 94 (69 M, 25 W)
30.04.2011 24 Deutsche Meisterschaft 100km Jüterbog (GER) 48 (40 M, 8 W)
06.10.2012 25 Int. Deutscher 100km-Lauf des SSC Hanau-Rodenbach - DM (GER) 92 (66 M, 26 W)
13.04.2013 26 Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum - DM (GER) 87 (64 M, 23 W)
10.05.2014 27 100 Km in Husum - Deutsche Meisterschaft (GER) 59 (49 M, 10 W)
11.04.2015 28 100km von St. Leon-Rot (GER) 83 (60 M, 23 W)
20.08.2016 29 Leipziger 100 km Lauf am Auensee - DM 100km (GER) 104 (85 M, 19 W)
24.06.2017 30 100 Kilometer von Berlin - Deutsche Meisterschaft (GER) 56 (45 M, 11 W)
10.03.2018 31 100 km Rheine - Deutsche Meisterschaft (GER)  

Was war eigentlich 2010? In diesem Jahr vergab der DLV keine 100km-Meisterschaft. Die Auflagen sind wie auch das finanzielle Risiko recht hoch, die Entscheidungsprozesse im DLV teilweise langwierig – so ist das Interesse potentieller Ausrichter gering. 2010 war es leider nicht möglich, einen Verein als Ausrichter zu finden. Damals sprang die DUV in die Bresche und richtete einmalig „Deutsche DUV-Meisterschaften“ in Leipzig aus, die allerdings nicht als „richtige Meisterschaft“ gewertet wurde.

Die LG Ultralauf als ausrichtender Verein 2018, dessen Vereinsziel nicht der Sieg in der Ultramarathon-Bundesliga ist, sondern den Ultramarathonlauf zu fördern, hat das Ziel, den Wunsch und die Hoffnung, 2018 wieder eine große Meisterschaft zu organisieren, mit vielen sehr guten Leistungen.

Ein Rückblick auf die 100km Meisterschaften wäre unvollständig ohne eine Erwähnung der Lebensleistung von Michael Sommer, dem „100km-Mann“. In seiner langen und sehr erfolgreichen Laufbahn, die auch von internationalen Erfolgen gekrönt wurde, nahm er in den Jahren 1993 bis 2016 insgesamt 21mal an der 100km DM teil, hat dabei 9mal gewonnen und stand bei jeder Teilnahme auf dem Podest! Eine unvorstellbare Bilanz. Seit Jahren gibt er seine Erfahrung als Teamchef für die 100km Nationalmannschaft weiter.

2018 erwarten wir ein großes Spitzenfeld am Start, denn insbesondere die aktuellen und potentiellen 100km-Kaderathleten haben sich einen frühen Termin im Jahr gewünscht, um sich dort ggf. zu der Weltmeisterschaft im 100km-Lauf, die im September in Kroatien stattfindet, zu qualifizieren.

dm100 spitze

2015 in St. Leon-Rot entstand dieses Bild mit einer Gruppe, die konstant 4:20 min/km lief mit der WM-Norm-Zeit von 7:15 als Ziel. Ein Vorteil, die Norm bei einer DM zu versuchen, ist, dass man hier oftmals miteinander in einer Gruppe laufen kann.

Aber auch die anderen ambitionierten Läuferinnen und Läufer, die um Bestzeiten oder gute Altersklassenplatzierungen kämpfen, werden von den guten Bedingungen in Rheine begeistert sein. Übernachten in Einzel- oder Doppelzimmer oder in der Turnhalle direkt auf dem Gelände. Es wird durch eine riesige Flugzeughalle gelaufen, in der die Versorgung und Technik untergebracht ist, die Strecke ist sehr flach und weist wenig Kurven auf.

Eine Besonderheit weist die 100km-Meisterschaft im Vergleich zu den anderen Ultramarathon-Meisterschaften auf: Sie wird vom DLV veranstaltet. Der gravierendste Unterschied ist, dass man einen Startpass benötigt, um startberechtigt zu sein.

Rheine FB

In Rheine wird es auch einen offenen Lauf geben, der allen Interessierten die Teilnahme an diesem Event ermöglicht, aber für die DM gelten diese drei Regeln. DM-Teilnehmer müssen

  • einen Startpass haben,
  • sich unter dem Startpassverein anmelden und
  • bei der Anmeldung das Feld DM-Teilnahme ankreuzen

Was tun, wenn man vereinslos ist? Diese Läuferinnen und Läufer können sich jederzeit einem Verein anschließen und auch kurzfristig einen Startpass beantragen. Hierfür würde ich mindestens einen Vorlauf von einen Monat vorsehen. Viele haben einen lokalen Leichtathletikverein, dem sie sich anschließen können. Wer sich einer Gruppe von Gleichgesinnten anschließen möchte, kann sich beispielsweise bei den DUV-Förderstützpunkten fündig werden. Für alle Läuferinnen und Läufer ist aber auch die LG Ultralauf eine gute Wahl, denn wir sind überregional aktiv. Unsere Mitglieder kommen mittlerweile aus allen Teilen Deutschlands und dem benachbarten Ausland. Auch haben wir regionale Gruppen, die sich zu Läufen verabreden und Fahrgemeinschaften bilden.

Spannend ist, dass es seit ein paar Jahren eine Ultramarathon-Bundesliga gibt. Um den Vereinsmeister zu ermitteln, werden die Ergebnisse der fünf Ultramarathonmeisterschaften ausgewertet, wobei insbesondere die Mannschaftswertungen sehr hoch gewichtet sind. Aber auch kleinere Vereine können durchaus erfolgreiche Mannschaften stellen. Ein Blick in die Auswertung der Bundesliga zeigt daher ebenfalls Vereine, für die Ultraläufer keine Exoten sind.

Während die Bundesliga auf der Meisterschaftsauswertung aufsetzt, wird der 100km-Lauf in Rheine auch für den DUV-Cup gewertet. Hier zählt der offene Lauf, also jeder, der das Ziel im vorgesehenen Zeitlimit erreicht, bekommt automatisch CUP-Punkte gutgeschrieben.

Der offene Lauf hat die Besonderheit, dass das Zeitlimit 13,5 Stunden ist. Damit können alle, die knapp das DM-Zeitlimit reißen, den Lauf trotzdem beenden und in der offenen Wertung geführt werden.

Mehr Informationen zur Ultramarathon-Bundesliga, zum DUV-Cup und den DUV-Förderstützpunkten findet ihr auf der DUV-Seite.

100km Team 2017

Das kleine, erfolgreiche Team der LG Ultralauf in Berlin 2017. Am Ende des Tages gab es für einige Mannschafts- und Altersklassenergebnisse Medaillen sowie den dritten Platz in der Tageswertung zur Bundesliga. Wer sich für den spannenden Wettkampf in Berlin interessiert, kann hier noch einmal den Live-Ticker lesen: http://lg-ultralauf.de/neuigkeiten/656-live-ticker-dm-100-km.html

Bleiben noch zwei Fragen offen: Wie trainiert man und was ist bei dem Rennen zu beachten? Die Frage nach dem Training ist auf unserer Homepage ansatzweise beantwortet, wobei das wirklich nur Ideen sind und jeder selbst für sich Anpassungen vornehmen muss. DM-Teilnehmer mit Fragen, können sich aber gerne an mich wenden. Link zur Startseite zum 100km-Training: http://lg-ultralauf.de/training/training-100km.html Interessant ist vielleicht auch, den Blog von unserem Mitglied Jens Allerheiligen zu lesen, der sich intensiv auf diese Meisterschaft vorbereitet und viele Aspekte einfließen lässt. Link: http://lg-ultralauf.de/training/andere-texte/42-training/757-trainingsblog-zur-100km-dm-in-rheine-am-10-03-18.html

Die Frage zur Renngestaltung wird später hier beantwortet.

Wir hoffen nun, ganz viele Leute motiviert zu haben, an der DM teilzunehmen und sich solide darauf vorzubereiten. Dann braucht man auch vor dem Zeitlimit keine Angst zu haben und kann sich auf einen tollen Wettkampf freuen, selbst, wenn es für einen persönlich nicht um Bestzeiten und Podestplätze geht.

Wir sehen uns

Text, Bilder und einige Graphiken Michael Irrgang, andere Grafiken DUV-Statitistik-DB, 4.12.2017